A sudden trip to the past…

Unser Gedächtnis ist ein wundersames Konstrukt, das Unvorhersehbarkeit produziert. Je länger wir leben, desto wahrscheinlicher scheint es zu werden, dass man bestimmte Trigger braucht, um sich an manche Dinge überhaupt erinnern zu können. Und ich spreche da nicht von der PIN für die Bankkarte (obwohl das natürlich keine Nichtigkeit ist, wenn man gerade in einem kleinen indomethischen Kunstlädchen eine Statue des alten Gottes Baklava als Mitbringsel für Klimageplagte Freunde im teutonischen Südwesten kaufen möchte. Doch wahrscheinlich ist in Indomethien eh nur Bares Wahres). Aber zurück zum Erinnern. Ich meinte da eher jene speziellen Engramme unseres Cortex, welche große, lebensverändernde Dinge beschreiben. Wie etwa eine Hochzeit, die Geburt des ersten Kindes, oder andere, (meist) einzigartige Höhepunkte. Gleiches gilt natürlich auch für die Tiefpunkte, obschon viele DIESER Erinnerungen getrost im Orkus verschwinden könnten; na ja, wenigstens taugen die häufig als Stoff, aus dem Lernen entsteht. Also… Lernen durch Schmerz meine ich. Aber komischerweise fallen uns unsere fails, fumbles und goof-ups immer ziemlich leicht ein. Zum Beispiel Nachts gegen 02:30, wenn wir gerade schlafen wollen. Oder kurz vor einer ähnlich gelagerten Situation, die uns eh schon Kopfzerbrechen bereitet. Oder einfach nur, “weil”. Denn “weil” kann auch ein ganzer Satz sein. Die Höhepunkte hingegen, selbst jene, die wirklich schön, erregend, siegreich waren, oder zu großem persönlichem Wachstum angeregt haben, die verschwinden nach und nach im Nirvana des Vergessen: “War schon schön…! Ja und jetzt…? Next!” Denn wir erinnern Negatives besser, weil uns das vor Gefahren schützen soll. Und so bleiben die schönen und oft auch wichtigen Dinge außer Sicht. Bis man zufällig an der richtigen Stelle vorbei kommt…

Ich hatte im letzten Blogpost im Nebensatz erwähnt, dass ich bei meiner Hitzeflucht aus der großen, öden Stadt per Zufall an einem Ort aus der Vergangenheit vorbeigekommen bin. Und das war nicht irgendein Ort. Es war jene hübsche kleine, ländlich gelegene Kapelle, in welcher die beste Ehefrau von allen und Ich uns vor unterdessen bald 26 Jahren das Ja-Wort gegeben hatten! Wir hingen damals romantischen Vorstellungen an, also sollte die Hochzeit auch ein romantisches Erlebnis werden. Dass am Ende Manches dann nicht ganz so romantisch war, aber dennoch ein – eigentlich – unvergesslicher Tag daraus wurde, dass verschwindet im Alltagsgedöns oft aus dem Blick. Doch als ich durch das Dorf rollte und den Bau erblickte, da liefen plötzlich wieder die Bilder. Ich musste wenden und ein kleines Stück zurück fahren, denn wie stets war ich ein wenig flott unterwegs. Doch dann dort unter den Bäumen auf der flachen Mauer zu sitzen war ein Throwback der besonderen Art. Was für ein Ritt damals! Was für ein Ritt seitdem! Einige Protagonisten jenes Tages leben nicht mehr, andere sind nicht mehr Teil jenes kleinen Kosmos, der landläufig als Familien- und Freundeskreis bezeichnet wird. Ein paar Entscheidungen waren im Nachhinein falsch, manche Freundschaft wohl doch nicht so tief empfunden, wie gedacht. Und doch – was bleibt, sind einerseits Erinnerungen an eine damals subjektiv wirklich gute Zeit; andererseits bleibt die daraus erwachsene Verbindung. Denn das “Ja, ich will!” hat nach wie vor Bestand. Und DAS muss man in dieser ach so verrückten Zeit wohl als besonderes Geschenk erachten. Es zeigt mir aber auch noch etwas Anderes: wir wissen oft nicht wirklich zu erkennen, was unser Leben reicher macht! Nicht Geld, nicht Anerkennung, nicht Erfolg, nicht irgendwelcher materieller Besitz – sondern einfach nur für jemanden da zu sein und das Gleiche von dieser Person zu erleben. Das gilt natürlich nicht nur für eine (unsere) Paarbeziehung. Jedoch im besonderen Maße, denn Langzeitbeziehungen brauchen Pflege. Und Pflege bedeutet Arbeit. Doch solange man diese immer noch gerne investiert, stimmt das Gesamtpaket noch. Und das manche Protagonisten jenes Tages heute eher als Falsche Fuffziger im Kopf wohnen… Schwamm drüber, kannste nix machen. Wer will schon dauernd in der Vergangenheit leben?

Ich referiere ja durchaus nicht selten über die Verknüpfung von Emotionen und Erinnerung. Alle möglichen kognitiven Aspekte unseres Daseins (Fähigkeiten, Faktenwissen, aber eben auch biographische Dinge) bleiben am Besten im Gehirn, wenn sie mit starken Emotionen verküpft sind – wobei damit nicht gesagt ist, ob es “gute” oder “böse” Emotionen sind. Aber… gibt es das überhaupt, “gute” und “böse” Emotionen? Ekel schützt uns davor, Dingen nahezukommen, die uns Schaden könnten. Angst hält uns davon ab, gedankenlos dumme Dinge zu tun. Wut ist ein Motor und unerbittlicher Anfeuerer, der uns zu Höchstleistungen anspornen kann. Trauer fordert uns heraus, resilienter zu werden. Verachtung schützt uns vor Menschen, die uns Schaden könnten. Überraschung macht uns aufmerksam gegenüber unserer Umwelt. Und Freude… ja die Freude stärkt unsere sozialen Bindungen, wenn sie mit Menschen verknüpft ist. Und NUR, wenn sie mit Menschen verknüpft ist, wirkt sie wahrhaft bereichernd für unser Leben. Denn der Kick der Geschwindigkeit in deinem Porsche lässt nach, sobald du den Fuß vom Gas nimmst. Aber solange dein Fuß immerzu, immer wieder auf dem Gas steht, verschwendest du Ressourcen, die man für andere – nachhaltigere – Dinge besser gebrauchen könnte. Scheiße, wenn man mal WIRKLICH drüber nachdenkt, oder? Ich sage ja immer wieder, dass ich es mit Dr. Banner (HULK) halte: “Ich verrate Ihnen ein Geheimnis, Cap: ich bin immer wütend!” Es ist diese Energie, die mich gerade erst hat meine Position neu finden und verteidigen lassen! Es ist diese Energie, die mich aufstehen lässt gegen Unrecht! Es ist diese Energie, die mich produktiv macht – denn, wenn ich wütend werde, weil irgendwas nicht klappt, dann arbeite ich solange daran, bis es klappt! Aber die anderen Emotionen wohnen natürlich auch in mir – etwa die Freude, mit meiner besten Ehefrau von allen immer noch zusammen sein zu können / wollen / dürfen. Und daran habe ich mich gestern und heute erinnert. Wenn jetzt noch die Scheißhitze ENDLICH nachlässt, kann die neue Woche nur gut werden.

Auch als Podcast…

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