Es mag ein Hinweis auf die gegenwärtige Großwetterlage sein, dass ich diesen Beitrag im Garten unter einem Schirm sitzend tippe, unterbrochen durch regelmäßige Besuche eines recht großen Planschbeckens, welches wenige Meter entfernt im Schatten kleiner Bäume steht. Dazu gehört aber auch der deutliche Hinweis, dass dies keine Glosse über’s Wetter wird. Allenfalls lasse ich en passant ein paar Worte über meine subjektive empfundene, totale Hilflosigkeit gegenüber dieser Omega-Wetterlage fallen. Denn gegen alle anderen möglichen und unmöglichen Dinge kann man irgendetwas tun – auch, wenn es nur Worte sind. Dass die Feder mächtiger als das Schwert sei, ist ja eine Behauptung, die nicht in allen situativen Gegebenheiten Gültigkeit erlangt. Wenn mich jemand mit einer Waffe angreift, nutzen Worte meist wenig. Es sei denn, es handelte sich um eine Zauberformel. Aber derlei funktioniert nur im Kontext meines liebsten Hobbys. In realiter werde ich mich entweder verteidigen, oder Fersengeld geben. Ich selbst bin allerdings recht langsam, also… Dachlatte. Oder, was halt sonst so gerade in Griffweite umherliegt. Es hat doch jeder von uns irgendwo solchen potthässlichen – aber durchaus gewichtigen – Nippes rumstehen, denn Tante Friedegunde anno einunschlörpzig aus ihrem Indomethien-Urlaub mitgebracht hat. Hernach ist der Angreifer außer Gefecht und der Nippes hoffentlich perdu. Aber du kannst mit einer noch so schweren (und hässlichen) irdenen Figur des alten Gottes Baklava nicht auf Hitze einschlagen. Nur auf die Meteorologen. Und das wäre ungerecht, denn die machen auch nur ihren Job.

Wie wäre es aber mit den Politikern, die um’s Verrecken nicht verstehen wollen, dass sie für Profite unsere Zukunft zerstören. So dumm ist doch nicht mal Gas-Kathi, die mittlerweile auch nur noch als Handpuppe der Lobbyisten wirkt. Noch dazu ermöglicht das Profite, die nur einem sehr kleinen Teil der Menschen zu Gute kommen, denn die reale Existenz des “Trickle-Down”-Effekts ist in diversen Studien widerlegt worden. Wie wäre es also, so jemandem eine Figur von Baklava in die Fresse zu schlagen? Ob das Schädelhirntrauma oder der Zuckerschock die Person dahinrafft, wäre dann ja eigentlich völlig einerlei. Aber, aber… wir sind doch nicht gewalttätig – außer der Andere fängt an. Doch man muss sich ernsthaft fragen, was denn nun noch passieren muss, damit man ENDLICH damit beginnt, längst überfällige Dinge zu tun: wie etwa Investitionen in Klimaneutralität, aber eben auch Maßnahmen zum Schutz vor kommenden Extremwetterereignissen. Eigentlich ist es ein schlechter Witz, dass man den ganzen Querdioten, AFDeppen, aber leider auch so vielen stinknormalen Konservativ-Almans immer wieder erklären muss, dass Klima-Erwärmung nicht automatisch bedeutet, dass es dauern heiß ist, sondern dass die Zahl extremer Wetterereignisse seit etwa 30 Jahren erheblich zunimmt. Nein, Hans-Dieter, es war nicht schon immer so wie jetzt! Da bescheißt dich deine Erinnerung! Und genau, weil es so viele Trottel gibt, die einfachste Zusammenhänge nicht verstehen, selbst wenn man ihnen ein Piktogramm und ein paar Worte in einfacher Sprache auf eine Serviette malt, brauchen wir SEHR DRINGEND VIEL MEHR Investitionen in Bildung. Weil auf Grund der Politik, die tote Pferde subventioniert (fossile Technik), was ausschließlich den eh schon zu viel Habenden zu Gute kommt, auch noch die eh schon schlechter Gestellten keine Ressourcen haben, sich gegen die Folgen des Klimawandels zu schützen, müssen Gesundheit und Soziales ebenfalls neu auf die Agenda. Politiker sind nicht ausschließlich dazu da, die Wirtschaft zu schützen – ihr Handeln MUSS dem Wohl ALLER Bürger*innen dienen. Das zu den Bürger*innen auch Unternehmer*innen gehören, ist selbstverständlich. Aber eben nicht nur die.
Ich habe keine Figur des alten Gottes Baklava. Und ich bin auch nicht gewalttätig. Aber ich habe Sorgen. In den letzten Tagen spürte ich, wie ob der nicht nachlassen wollenden Hitze nach und nach eine völlig irreale Angst in mir aufkam. Die Angst, dass das jetzt so weiter geht, bis wir einfach alle an den Temperaturen verreckt sind. Ich gehe körperlich auf dem Zahnfleisch, weil ich kein Jungspund mehr und leider auch nicht allzu schlank bin. Dass zusammen mit meiner Depression hat eine veritable Panikattacke in mir aufkommen lassen. Ich habe unterdessen eine Strategie gefunden damit umzugehen, aber gestern Abend hätte ich nicht in Worte fassen können, wie es mir wirklich geht – und ich war alles in allem so fertig, dass ich nicht mal ein vernünftiges Gespräch mit der besten Ehefrau von allen Zustande brachte. Die nebenbei bemerkt von diesem Mist ebenso gehörig die Schnauze voll hat, wie ich. Denn immer noch gilt “The heat is on!” Heute morgen hatte ich daher früh das Haus verlassen, bin eine Runde durch den See geschwommen und danach in einem nahe gelegenen Mittelgebirge umher gestromert. Ich fand ein Plätzchen, das erträglicher war, als die heimatliche Hütte, schrieb etwas in mein Journal, kam hernach an einem Ort aus der Vergangenheit vorbei und als ich die Tore der Stadt auf dem Heimweg zum zweiten Mal passierte, war ich mit der Hitze als ständiger Begleiterin gewachsen. Natürlich sind regelmäßige Cooldowns trotzdem erforderlich, denn die menschliche Physis ist für solche Temperaturen eigentlich nicht gemacht; zumindest meine nicht. Aber der Schrecken hat sich weitestgehend verloren. Es ist halt einfach nur beschissen heiß. Nach heute Nacht haben wir dann das Gröbste wohl überstanden. Ich kann es kaum erwarten. Aber… wenn sich dieser Meteorologe doch geirrt haben sollte, suche ich nach dieser verdammten Baklava-Figur, wallah… Bis die Tage.
