Manche Wahrnehmungen und Erfahrungenen muss man in den richtigen Kontext setzen, um mit ihnen klarkommen zu können. ICH hatte damit in letzter Zeit so meine Probleme, weil eine Vielzahl von Vorwürfen und Problemen auf mich einprasselte, von denen einige durchaus dazu geeignet waren, mein (berufliches) Selbstbild nachhaltig zu beschädigen. Üblicherweise setzen dann Denkprozesse ein; das, was wir so gerne als Selbstreflexion bezeichnen. Und Selbstreflexion ist natürlich wichtig, um sich weiter entwickeln zu können – vor allem aber, um sich selbst in unserer überaus verwirrenden Welt immer wieder neu finden und einordnen zu können. Also, mit anderen Worten, um seine Identität bewahren zu können, die ebenso wie Kultur und Glück kein statisches Ding sondern ein Prozess ist. Und damit immer wieder neu ge- und erfunden werden muss! Nun hatte ich ja gestern über Glück gesprochen. Und war zum Ende des letzten Posts auf das regelmäßig notwenige Re-Framing der individuellen Glückswahrnehmung zu sprechen gekommen. Dem halbwegs aufmerksamen Leser werden nun bereits Parallelen zu einem anderen Thema aufgefallen sein, über welches ich hier – allerdings zumeist im Zusammenhang mit Lehren und Lernen – schon häufiger gesprochen hatte. Das Wort wurde eben auch schon mehrfach gebraucht: Selbstreflexion. “Okay…” könnte die Frage nun lauten “…willst du uns etwa gerade sagen, dass man sich sein Glück herbeireflektieren kann?” Und meine Antwort darauf ist – wie so oft – ein klares JEIN.

Gewiss können wir auf verschiedene Kontextfaktoren unseres Lebens nur in begrenztem Umfang Einfluss ausüben. Dieser Tatsache entkommen wir nicht, auch wenn hierzulande immer noch das Märchen von der Meritokratie und dem Aufstieg durch hinreichend gute Leistung erzählt wird. Die Realität ist jedoch, dass es eine unsichtbare Elite gibt, deren Zusammensetzung sich seit dem wilhelminischen Kaiserreich kaum verändert hat. Sei’s drum – DAS ist ein anderer Blogpost. Die Frage, über die nachzudenken sich allerdings wirklich lohnt ist, wie wir unsere Resllienz gegen die – durch die beschriebene Realität unausweichlichen – Herausforderungen an unsere Identität, unseren Selbstwert und auch unser Glücklichsein nachhaltig steigern können. Dass wir die Realität nicht durch Wishful Thinking verändern können (ja Leute, das sogenannte “Manifestieren” ist riesengroßer Humbug) setzen wir einfach mal als gegeben. Dass nicht alle Tage eitel Sonnenschein sein kann, ist dadurch automatisch bedingt. Jetzt kommen wir zu der Frage, ob ich für meine Glückswahrnehmung tatsächlich greifbare Erfolge brauche, oder nicht? Ich hatte im letzten Post geschrieben, dass es der SUBJEKTIVE Umfang unseres Handlungsrepertoires ist, der einen wichtigen Beitrag zum individuellen Glück leistet, indem sich hierdurch ein selbstbestimmtes Leben realisiert. Das wir auch als selbstbestimmt handelnde Individuen in einem sozialen Miteinander nicht einfach tun und lassen können, was uns gerade in den Sinn kommt, ist schon durch unsere Rechtsordnung geklärt. Also gilt es, den Blick auf die individuellen Freiheiten zu lenken, deren Ausgestaltung uns verfügbar bleibt! Man könnte jetzt enttäuscht sagen “Aber ich kann mein Glück nur in absoluter Freiheit finden!” Dann sind wir allerdings beim Libertarismus US-amerikanischer Provenienz (Republikaner). Und damit kann ICH nicht viel anfangen. Womit wir wieder beim Framing angekommen wären.
Framing bedeutet, einen Sachverhalt so neu zu beschreiben, dass andere Aspekte salient werden (also in den Vordergrund der Wahrnehmung treten). Man sollte erwähnen, dass die “dunkle Seite” (übertrieben) des Framings das Priming ist, also das gezielte extrinsische Beeinflussen durch geeignete Stimuli – etwa in der Werbung. Doch wir reden hier nur über selbstinduziertes (Re-)Framing als Technik, sich selbst gezielt für eine andere Sichtweise auf ein und das gleiche Phänomen zu sensibilisieren – nämlich durch Selbstreflexion – um sich so einem Gefühl der Ohnmacht entziehen zu können. Denn nichts killt individuelles Glück schneller als das Gefühl, unsichtbaren Mächten ausgeliefert zu sein. Man kennt diesen Satz “Warum passiert sowas immer nur mir”; wird oft und gerne gesagt, wenn mal wieder irgendetwas schief gelaufen ist. Fun Fact: es gibt eine riesige Menge Menschen, die diesen Satz jeden Tag sagen, weil jeden Tag irgendwem irgendein Mist passiert… noch ein Fun Fact: das ist kein mieses Karma, keine Strafe, keine Prüfung – in den allermeisten Fällen ist es einfach nur… Zufall. Man ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Oder die falsche Person für den Job. Oder hat eine schlechte Entscheidung getroffen, die einen jetzt einholt. Oder, oder, oder… da muss man natürlich erst mal drauf klarkommen. Gelingt dies aber, und zwar durch einen Check, ob es irgendetwas gegeben haben könnte, dass ich gegen oder für dieses oder jenes hätte tun können (und falls ja, warum ich es nicht getan habe), so senkt dies das Gefühl des Ausgeliefertseins, der Ohnmacht. Und steigert gleichsam subjektiv das Level der eigenen Selbstbestimmtheit. Und damit die eigene Glückswahrnehmung.
Das funktioniert allerdings nicht immer. Und selbst wenn es funktioniert, ist der Effekt nicht immer der gleiche. Manchmal ist es für mich mehr und manchmal weniger hilfreich. Aber… es ist nach meiner Erfahrung besser, sich auch den unangenehmen Gedanken auszusetzen, welche hierbei entstehen, weil unterdessen die Resilienz gegen solche Anfechtungen steigt. Zugegeben ist das hier kein Rat für alle Menschen. Es ist nur eine Idee, die man mal ausprobieren KÖNNTE – und deren Ergebnisse vermutlich hoch individuell ausfallen würden; weil Glück eben etwas hoch individuelles ist. Und… es ist nur eine weitere Facette. Denn zum Framing gehört die Wahrnehmung. Und über deren Aspekte sprechen wir vielleicht die Tage noch. Einstweilen wünsche ich jedoch erst mal einen schönen Vierten Advent…

Eine Antwort auf „What about… happiness…? (Part 2)“