Besseres Büro – bessere Arbeit?

Menschen, die von sich behaupten, dass Ihnen Äußerlichkeiten nichts bedeuten, sind in aller Regel entweder Lügner oder Mönche. Da ich weder besonders fit, noch besonders fotogen bin, bezieht sich der Begriff “Äußerlichkeiten” in meiner Welt eigentlich immer auf Gimmicks. Für die Meisten sind die Dinge, mit denen ich hantiere, Wohlstands-Spielzeuge; für mich sind es, (neben dem Verspieltheits- und dem Haben-will-Faktor, der manchen Objekten wohl doch innewohnt) vor allem Werkzeuge. Bei Werkzeugen denken die meisten Leute an einen schicken Werkstattwagen mit diesem Marken-Steckschlüsselsatz, und dem Marken-Drehmomentschlüssel, und der Marken-Bohrmaschine, und…. Ich denke dabei eher an Geräte, die mir einerseits beim Recherchieren, andererseits beim Ordnen, Vertonen und Visualisieren meiner Ideen helfen. Also Kameras, Mikrofone, IT-Kram und so Zeug. Aber all diese Dinge brauchen ja ein Zuhause.

Das Zuhause für die letztgenannten Gegenstände ist üblicherweise ein Schreibtisch. Ich habe einen Schreibtisch – und im Moment ist das ein relativ konventioneller Ort; vielleicht bis auf das Feature der elektrischen Höhenverstellung. Wie das bei diesen schwedischen Produkten aber manchmal so ist: die Qualität gewisser Teile ist eher problematisch. Gerade die einfachen Schribtischplatten sind dünn, und pappig, und für manche Dinge überhaupt nicht geeignet. Wenn man einen höhenverstellbaren Schreibtisch hat, wäre es z. B. total fancy, wenn der Desktop-Rechner in einem Käfig unter der Tischplatte hängen könnte, weil sich dann die Kabelführung wesentlich geschmeidiger gestalten ließe. Da steht schließlich neben dem Rechner selbst noch einiges mehr am Platz. An derlei Praktabilität haben die skandinavischen Produkt-Designer jedoch nicht gedacht. Und jetzt braucht der Tisch halt ein general make-over.

Mittlerweile tummeln sich da diverse Klemmstative für Webcams, Mikrofone, und bald auch für die Monitore, wenn ich dieser Tage eine neue, stabilere Tischplatte installiert habe. Denn: versatility is king! In meiner Theorie wird das meinen Workflow beschleunigen, ja geradezu zum Abheben bringen und ich werde ein Projekt nach dem anderen… ach Käse. Ich will das einfach ausprobieren, denn tatsächlich kommt noch ein bisschen Kleinkram dazu und dann mag ich es gerne ordentlich. Mit den (semi)professionellen Twitch-Stream-Desks mancher meiner Schüler*innen und Kollegen*innen kann und will ich nicht mitstinken. Allerdings habe ich gerade die Möglichkeiten eines Elgato-Streamdecks für mich entdeckt. Damit steuert man manche Software doch sehr viel geschmeidiger und schneller. Steh ich voll drauf. Einzig mein Budget hatte mich letzthin davon abgehalten, hier noch ein wenig zu experimentieren. Doch im Moment ist das weniger das Problem. Zeit ist eher ein limitierender Faktor. Dennoch muss ich die nächsten Tage ein bisschen basteln, denn im Moment nerven mich die Limits meines Setups doch ziemlich…

Tatsächlich probiere ich zu Hause manches aus, was später in größerem Maßstab in meiner Einrichtung implementiert werden soll. Ich war schon immer davon überzeugt, dass mehr und tiefer gehenderes Wissen über die Werkzeuge, die man nutzen möchte nicht schaden kann. Und dieses Wissen schaffe ich zu Hause. Ich habe damit eine exzellente Ausrede dafür, in Gimmicks zu investieren, die ich für meine eigenen Projekte dann genauso nutzen kann. Ich träume nämlich immer noch davon, hier auf meinem Blog eine Interview-Reihe zu starten, mit den verschiedensten Leuten, denen ich so begegne. Und eventuell das Thema Lehr-Videos auszubauen. Und meine kreativen Kräfte auch mal für meine Buchprojekte zu nutzen. Und dann ist ein Schreibtisch, an dem man sich wohlfühlt, nicht einfach nur eine Äußerlichkeit, sondern eine Notwendigkeit, weil es den Workflow tatsächlich beflügeln kann. Nicht muss, aber doch kann. In diesem Sinne wünsche ich eine gute Woche. Ihr werdet ja sehen, was draus geworden ist.

Hoch sensibel?

Wer mir hier schon länger folgt, weiß ziemlich genau, dass ich mit den jeweils gerade gängigen Labeln nicht allzu viel anfangen kann. Menschen neigen ja oft dazu, NICHT so sein zu wollen, wie alle anderen; und suchen deshalb, mal bewusst, mal unbewusst nach Merkmalen an sich selbst, die zur Distinktion vom “Mainstream” taugen. Ganz so, als wenn in einer Mehrheitsgesellschaft integriert zu sein, etwas Schlimmes wäre. Streben nicht, solchen Moden zum Trotze, all jene Marginalisierten, wie PoC, LGBTIQ+-People, etc. danach, den Status der Integration zu erreichen? Oder besser gesagt danach, in ihrem Andersein voll akzeptiert dazugehören zu dürfen? Wie kann es dann aber sein, dass Menschen, die vermeintlich schon dazu gehören, nach Möglichkeiten suchen, sich von eben dieser Zugehörigkeit abzugrenzen?

Ich habe schon häufiger in letzter Zeit etwas über den Begriff “Hochsensibilität” gelesen. Kurz gesprochen geht es darum, dass es angeblich Menschen gibt, deren soziale und kognitive Wahrnehmung intensiver ist, als bei den meisten Anderen, was bei den Betroffenen im Umkehrschluss einen kognitiven und sozialen Overflow erzeugt; oder vereinfacht gesprochen: sie kommen mit zu vielen Reizen einfach nicht klar! Ich sage “angeblich”, weil das Thema in der Psychologie hoch umstritten ist, und die “Diagnostik” vollkommen auf, wissenschaftlich unzureichend getesteten, Selbstbefragungen fusst. Um es an dieser Stelle ganz klar zu sagen: ich halte das Ganze für Humbug! Bzw. für einen falschen diagnostischen Ansatz. Leider ist es in den letzten Jahren quasi zu einer Mode degeneriert, sich selbst als “hochsensibel” zu bezeichnen, und damit ein Label zu erzeugen, welches man wie eine Monstranz vor sich hertragen kann, damit alle Anderen ja brav Rücksicht nehmen. Dass damit möglicherweise vollkommen anders gelagerte – und zum Teil vermutlich dringend behandlungsbedürftige Psychopathologien – verschleiert werden, ist nur ein bedauerlicher Nebeneffekt .

Ein anderer ist, dass das sowieso schon hohe Potential zur Stigmatisierung psychisch Kranker in unserer Gesellschaft noch mal gesteigert wird. Denn selbstverständlich fordern die Menschen, die sich selbst diese Zuschreibung geben Verständnis, Rücksichtnahme, u.U. sogar Behandlung – ohne wirklich erklären zu können, was das Problem ist. Das ist einem besseren Verständnis für die realen Leiden psychisch Erkrankter nicht zuträglich, weil es für die Nichtrkrankten wieder mal aussieht, wie eine Befindlichkeitsstörung, für die sie oft nur ein “Komm halt klar, Diggah!” übrig haben. Als langjährig Depressionserkrankter weiß ich, wovon ich spreche. Psychisch Kranke bluten nicht, die Extremitäten sind nicht krumm, sie haben keine Schmerzen, gegen welche die üblichen Mittelchen helfen. Und was man nicht sehen oder anfassen kann, das existiert für viele Menschen nicht. Und da passen die “Hochsensiblen” halt voll ins Feindbild: “Mensch, der sich auf meine Kosten ausruht, indem er/sie krankfeiert!” Zudem belasten sie damit das sowieso schon überlastete System zur Behandlung psychisch Erkrankter in unserem Land.

Warum mich das so triggert, hat der letzte Absatz zum Teil erklärt. Aber da ist, zumindest für mich selbst noch etwas anderes. Natürlich habe ich, als ich zum ersten Mal von dieser Modeselbstdiagnose hörte, mal geschaut, was es damit auf sich hat, und ob das auch auf mich zutreffen könnte. In dunklen Stunden sucht man gelegentlich Trost in seltsamen Dingen. Und natürlich trafen verschiedene Aspekte der Fragebögen auf mich zu. Einfach, weil sie auf ziemlich viele Menschen zutreffen. Das ist Verarsche auf hohem Niveau. Mal davon abgesehen, dass nach meiner Erfahrung Menschen mit psychischen Erkrankungen sehr häufig ein ziemlich feines Näschen für die anderen Menschen um sich herum haben. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass als Vorteil zu sehen und entsprechend zu nutzen. Aber gewiss öffnen sich hier auch Türen in die dunkleren Zimmer des Selbst. Ich würde mir einfach wünschen, dass man nicht einfach einen Selbsttest machen und sich dann auf eigenes Betreiben pathologisieren kann, wenn vielleicht die einzige Motivation ist, anders als die anderen Kinder sein zu wollen!

So kam denn in den Kommentarsektionen unterhalb solcher Artikel auch häufiger der Begriff “Snowflake” vor. Und selbstverständlich wurde der hier mit negativer Konnotation gebraucht. So nach dem Motto “diese Pussies sollen sich mal nicht so haben”. Die oben begonnene Beweisführung ist damit für mich abgeschlossen. Allerdings kann ich nicht umhin, zumindest ein gewisses Maß an Zustimmung zu empfinden. Denn manche Artikel klangen wirklich wie Werthers Weltschmerz, und nicht wie die Erzählung über eine ernsthafte Erkrankung. Da wurden mehr so typische Erste-Welt-Luxusproblemchen mit Überforderung durch eine durchbeschleunigt-fordernde Welt beschrieben. Die habe ich auch! Dauernd! Ich kann meine Sensibilität trotzdem moderieren. Und das mit einer diagnostizierten und behandelten psychischen Erkrankung. Und da muss ich dann halt auch sagen: “Kommt klar ihr Mimosen! Andere haben wirkliche Probleme!”. Für heute ist die Sensibilität bei mir ausverkauft. Schönen Tag noch.

Storytelling Reloaded…

So lange ich mich entsinnen kann, war Geschichtenerzählen ein wichtiger Teil meines Lebens. Als Knabe war ich enthusiastisch, aber nicht sonderlich gut darin. Als junger Adoleszenter war ich selbstüberzeugt, aber bestenfalls so lala. Mit der Zeit wurde es jedoch immer besser – und ich immer kritischer. Heutzutage kann ich zumindest eine Geschichte aus dem Stehgreif hinwerfen, und sie klingt üblicherweise sogar halbwegs plausibel. Das sind allerdings immer nur Snippets of Story, also quasi Appetithäppchen des Erzählens, oder Amuse-Gueule der Dichtkunst. Es ist eine vollkommen andere Hausnummer, einen Roman zu schreiben. Hab ich schon ausprobiert. Von den vielleicht zwei Dutzend angefangenen Manuskripten (eigentlich sind es ja Tastatuskripte, denn ich schreibe nur selten viel mit der Hand, weil meine Schrift grässlich ist!) haben es immerhin drei Romane und drei Bändchen mit Episodengeschichten in Druck und unter Menschen geschafft. Und die hatten immer was mit meiner sonstigen Profession zu tun, auch wenn es sich dabei um Werke der Fiktion handelte. Zudem habe ich sie zusammen mit einem anderen Autor verfasst…

Nun ringe ich mit mir und meinen Autoren-Instinkten. Denn der kleine Urlaub am Bodensee hat meine kreativen Kanäle freigeblasen; so sehr frei geblasen, dass das ursprüngliche Schriftstück nun seine zweite Überarbeitung hinter sich hat und jetzt ca. 13 Seiten mehr aufweist. Nicht übel für drei halbe Abende am Bildschirm. Hab im Urlaub ja auch noch was anderes zu tun. Aber so sehr ich auch den Wunsch verspüre, es fertig zu bringen (und dieses Buch hat jetzt aber auch gar nichts mit meinem Job zu tun, denn es ist ein Sci-Fi-Roman), hadere ich mit dem Gedanken, es zu veröffentlichen, wenn’s dann doch recht bald fertig werden sollte. Man malt sich in seinem Kämmerlein ja immer so komische Sachen aus: dass man mal ein Buch schreibt, das dann knallt, und richtig Kohle bringt. Man kann plötzlich vom Schreiben leben, dann kommt Hollywood wegen der Filmrechte, man macht einen auf J.K. Rowling und verbringt seinen Lebensabend auf einem eigenen Weingut in der Toskana. Träume sind Schäume, oder…?

Die Meersburg

Das setzt dann solche unguten Hätte-Hätte-Kaskaden im Kopf in Bewegung, die einen nirgendwo hin führen, denn in der Regel wird das Ergebnis (m)einer Veröffentlichung bei rund 90.000 Titeln pro Jahr vermutlich eher ernüchternd ausfallen. Drum bin ich dann auch so böse und denke mir “Den Scheiß will eh keiner lesen!”, dann tut’s nicht so weh, wenn das eben Gedachte hinterher wahr wird. Aber die Hoffnung! Wie war das doch gleich noch mit den Übeln, die aus Pandoras Büchse entfleucht und über die Menschen gekommen sind…? Sei’s drum, irgendwann muss ich diese Denke überwinden, und es einfach wagen. Also ein Buch veröffentlichen, dass ich ganz alleine geschrieben habe – und in dem (so gut wie) nix über den Rettungsdienst steht. Denn ein paar kleine Seitenhiebe auf den Sparwahn im Gesundheitswesen konnte ich mir auch im Genre Science-Fiction echt nicht verkneifen. Allerdings wird es wohl noch bis nächstes Jahr dauern, denn der November und Dezember werden arbeitstechnisch noch mal heftig. Da habe ich vermutlich kaum bis keine Zeit für meine aufwendigeren Hobbies.

Staatsweingut Meersburg

Womit eines der großen Dilemmata unserer Zeit angesprochen wäre: Arbeitsverdichtung, Stress, Anforderungen vs. Selbstbestimmung, Selbstenfaltung, Sinn. Manchmal kriege ich die vielen Kontrahenten unter einen Hut, im Moment jedoch gerade mal wieder nicht; einer der Gründe, warum ich (wie schon erwähnt, mit dem Segen meiner besten Ehefrau von allen) eine kurze Flucht angetreten habe. Eigentlich hatte ich nur Wandern, Knipsen, Lesen und Chillen im Hinterkopf, als ich mir die Location ausgesucht habe. Doch das Buch “Plot and Structure” von James Scott Bell, welches neulich schon mal hier Erwähnung fand, hat mir so richtig Lust gemacht, es anzugehen. Nachdem das Manuskript fast zwei Jahre unbearbeitet und ungesehen auf dem Massenspeicher meines Desktops vor sich hin gesintert hatte, brauchte es Überwindung und einen Anstoß, damit fortzufahren. Und die Anstrengung hat sich aus meiner Sicht gelohnt. Selbst wenn Andere hinterher sagen, dass es ihnen nicht gefällt – in erster Linie werde ich es zu Ende bringen, um mir zu beweisen, dass ich auch noch was anderes kann, als im Lehrsaal den Hemden-Ständer spielen…

Blick auf die Unterstadt

Ich mag meinen Job. Und ich nehme die Herausforderungen, die er mit sich bringt immer wieder gerne an. Ebenso gerne habe ich aber auch Wochenden oder Urlaube, um mal, mehr oder weniger ungehindert mein eigenes Ding machen zu können. Mal davon abgesehen, dass ich die Gemeinsamkeiten zwischen meinen Hobbies Storytelling / Pen’n’Paper-RPG und meiner pädagogischen Arbeit schon bei mehr als einer Gelegenheit herausgearbeitet habe. Womit ich zumindest die Gelegenheit bekomme, beim Storytelling in Übung zu bleiben. Nichtsdestotrotz fiebere ich schon jetzt, da ich noch am schönen Bodensee weile, schon dem Weihnachtsurlaub entgegen. Einige Stunden davon werde ich nämlich sicher in meiner Kammer sitzen, und an einem Buch schreiben. Seid jedoch versichert, bis dahin lesen wir uns noch öfter. Das hier sind schließlich keine Romane. Ich wünsche übrigens allseits abgefahrene Allerseelen – “All Hallows Eve” á la americaine kann mir gestohlen bleiben. Gute Nacht…

Over the hills and far away…

Ich las heute morgen auf ZON einen Artikel, in dem sich eine Frau darüber ausließ, dass man ab dem Moment, da man Mutter würde, dauernd und von allen Schuldgefühle gemacht bekäme: man gehe das mit der Schwangerschaft falsch an, sei später dann zu wenig für das Kind da, oder helikopterte zuviel, man arbeite zu wenig, man erzöge falsch, oder gar nicht, man setze sich nicht genug für die Schule, den Kindergarten, wasauchimmer ein, man mache überhaupt gar nix richtig! Der Artikel ist leider nur hinter der Z+-Paywall für Abonenten verfügbar, deshalb verlinke ich hier nicht. Das Resumée der Autorin ist denn auch ernüchternd. Sie findet, dass man als Frau und als Mutter zu wenig gewertschätzt und entlastet, dafür aber zu sehr gedisst und bevormundet würde. Ich bin jetzt halt ein Kerl, aber ich könnte mir vorstellen, dass meine beste Ehefrau von allen was dazu zu sagen hätte – denn selbstverständlich spielt diese Diskussion auch in unserer Beziehung zumindest manchmal eine nicht unwichtige Rolle.

Die Autorin berichtete dann schlussendlich darüber, dass sie sich ganz bewusst davon freizumachen versuche, indem sie sich gezielt frei nähme und halt fünfe gerade sein ließe, wann immer sich die Gelegenheit dazu böte. Denn jeder Mensch bräuchte seine Freiräume. Ich fühlte mich sofort an ähnliche Gespräche mit meiner besseren Hälfte erinnert; vor allem, weil ICH gerade einen solchen Freiraum genieße. Und ich mich nun doch fragen muss, ob ich mich dafür schämen sollte, dass ich mir a few days off genommen habe, um mal wieder klar zu kommen: mit mir selbst, der Welt, meinen Aufgaben und dem ganzen anderen Scheiß. Es ist nicht so, dass dieser Vorgang ohne Präzedenz wäre. Alle paar Jahre breche ich mal für ein paar Tage aus gewohnten Mustern aus – und lasse fünfe gerade sein. Und ich bin gerade ziemlich glücklich darüber. Andererseits würde ich mir wünschen, dass meine Gattin, dass auch täte. Beim letzten Gespräch gab sie nämlich verschiedene Gründe an, warum das nicht ginge…

Ohne jetzt hier Interna aus dem Eheleben ausbreiten zu wollen, kann ich aber sagen, dass manche Gründe davon etwas mit Umständen im Arbeitsumfeld zu tun haben; andere jedoch sind psychologische Barrieren. Und wenn ich mich nicht vollkommen täusche, entstammen diese Barrieren eben jenem Framing, welches der, im Artikel recht gut beschriebene Konformitätsdruck für Frauen und Mütter vermutlich erzeugt: du hast IMMER zuerst für deine Kinder (oder deinen Haushalt, deinen Ehemann, etc.) da zu sein, und erst dann für dich. Ich habe diesen Effekt in Gesprächen auch schon mal als “Depersonalisieren” bezeichnet, weil es sich für mich so anfühlt, als wenn die eigene Persönlichkeit entwertet und ganz langsam verdrängt würde, wenn sie zu lange und zu oft hinter den Belangen Anderer zurückstehen muss. Und ich bin davon überzeugt, dass nicht wenige – Frauen und Männer – jetzt gerade nickend vor dem Bildschirm sitzen, weil sie eben dieses Gefühl kennen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht missverstanden werden: ich verstehe den vollkommen berechtigten feministischen Impetus der oben beschriebenen Argumentation, weshalb ich meiner Gattin schon ein paar Mal angeboten habe, sie solle doch einfach auch mal was machen, nur für sich, weit genug weg und ein paar Tage lang. Bisher hat sie das immer abgelehnt. Vielleicht klappt es ja jetzt. Frauen haben sehr viele Belastungen, und unsere Gesellschaft als Ganzes tut sich immer noch schwer damit, Emanzipation zu (be)fördern. Und als Vater von zwei Töchtern sehe ich das mit Sorge (um ihre Zukunft) und Beschämung (über meine biologische Hälfte der Spezies Mensch). Nichtsdestotrotz möchte ich, dass zur Kenntnis genommen wird, dass solche Probleme auch Männer betreffen. Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nicht annähernd so oft, wie Frauen. Dennoch ist es eine Frage echter Emazipation, dass wir dann in diesem Zusammenhang auch über diese Kerle sprechen, die es nicht einfach so wegstecken können – dieses Ausdauerspiel namens “Leben”.

Seien wir ganz ehrlich: die Welt ist komplizierter geworden, seit ich als Rotzlöffel in den 80ern des vergangenen Jahrhunderts aufgewachsen bin und sozialisiert wurde. Ich versuche Schritt zu halten, aber das ist nicht immer einfach. Und wenn ich mich so umsehe, befürchte ich, dass dieses “Schritthalten” (also bewusst auf dem Weg, hin zu einer wirklich emanzipierten Gesellschaft mitgehen) vielen noch schwerer fällt. Seht es uns Männern, die wir versuchen, was dazu zu lernen, bitte nach, wenn wir noch nicht so viel besser geworden sind, wie wir eigentlich müssten, in diesem Spiel namens “Gleichberechtigung”. Denen, die es absichtlich nicht mitspielen wollen, dürft ihr von mir aus mit einem rostigen Löffel die Eier ausschaben. Aber es gibt genug Kerle wie mich, die noch was dazulernen können und wollen. Habt einfach noch etwas Geduld – und gebt uns dann und wann einen Schubs. Wir können das ab, auch wenn wir im ersten Moment vermutlich nicht immer glücklich darüber sind. Das Ziel ist noch over the hills and far away – so wie meine momentane Bleibe. Also müssen wir alle dranbleiben! Peace!

Infuencerreißprobe…

Das ich für jene Menschen wenig Gegenliebe übrig habe, die einfach nur sich selbst und ihre, allzu häufig auch noch unmaßgebliche Meinung über unmaßgebliche Dinge als Marktwert haben, konnte man in der Vergangenheit sicher schon das ein oder andere Mal rauslesen. Ich halte Influencer, und was sie in der Hauptsache tun, für eine mindestens genauso schlimme Pest, wie das ganze Nazigeschmeiß im Netz der Hetze! Das WeltWeitNetz ist in den vergangenen Jahren zu einem Ort degeneriert, an dem geschönte, oder gar falsche Identitäten unrealistische Träume über unmögliche Zukünfte hypen, um sich dann gegenseitig auf die virtuellen Schultern zu klopfen, während sie diejenigen verbal filettieren, die es wagen, nicht ihrer unmaßgeblichen Meinung zu sein. So viel zum Thema, “das Netz würde die Demokratie befördern”…

Lichtgestalten sucht man in dieser Melange aus Hass, Häme, Provkation, Mobbing, etc. vergebens. Schon mal vom “Drachenlord” gehört? Traurige Gestalt, traurige Geschichte, traurige Nachbarn. Und es gibt offensichtlich Menschen, die ihrerseits Geld mit einer Mobbingwelt rings um diese Randerscheinung des Internets verdienen. Also Leute, die mit Memes, Blogs, Vlogs und anderem Kleinkram rings um Rainer W. so viel Kohle machen, dass sie, allein schon aus fislkalischen Erwägungen. die Hatemachine immer weiter am Laufen halten müssen. Wie unfassbar pervers ist dass denn bitte? Man mag von diesem Mann halten was man will – aber jemanden als Opfer von Mobbing zu instrumentalisieren, um damit Geld zu verdienen, ist an Inhumanität, Egoismus und Arroganz nur noch durch physische Folter zu überbieten.

Jetzt soll er in den Knast, weil andere ihn so lange gepiesackt haben, bis er ausgerastet ist und physisch angegriffen hat. Dass es in so einem Fall keine Unschuldigen gibt, ist klar. Aber wer in Wahrheit wie viel Schuld zu tragen hätte, ist mit einem Gerichtsurteil nicht beantwortet. Ich würde es feiern, wenn solche Menschen ihre Missetaten wieder bekämen. Ich behaupte ja öfter, dass Karma ein Bumerang sei. Manchmal trifft dieser aber anscheinend einfach nicht hart genug. Da wir jedoch in einem Rechtsstaat leben, und es offensichtlich nicht möglich ist, solchem Tun Einhalt zu gebieten – das klappt ja auch bei Nazis nicht, und solche Schmeißfliegen des Cybermobbings agieren auf dem gleichen niederträchtigen Niveau – kann man nur hoffen, dass es die auf andere Art trifft. Welche auch immer das dann sein mag…

Eigentlich ist es ja gar kein Degenerationseffekt des Internets. Das Netz ist halt einfach zur Waffe verkommen, so wie jede andere Erfindung der Menschheit davor auch schon. Worte sind Werkzeuge, können folglich auch als Waffe gebraucht werden, um andere wahrhaftig zu verletzen. Und das Internet hat allen Menschen die Möglichkeit verschafft, diese Waffe global, unmittelbar und dauerhaft zum Einsatz bringen zu können. Es ist nicht das Internet, das degeneriert ist – es ist der Mensch! Und daher ist es eigentlich auch vollkommen egal, ob wir das mit dem Klimawandel noch gerissen kriegen. Denn besser wäre es wohl, wenn wir vom Antlitz dieses wunderschönen Planeten einfach verschwinden würden. Sang- und Klanglos, ohne dass es noch irgendeine Influence auf den weiteren Gang der Dinge hätte.

Weil das aber noch eine Weile dauern wird, und die Hoffnung bekanntermaßen als Letztes aus Pandoras Büchse kam, und auch als Letztes sterben wird, ergehe ich mich, genau wie diese dummen kleinen Cybermobber und Influencer – ist eh alles nur das Selbe – in gewalttätigen, kleinbürgerlichen Großmachtphantasien, die ich hier nicht ausführen muss. Und versuche dennoch wenigstens den/die eine*n oder andere*n davon zu überzeugen, dass humanistisches Menschenbild und Handeln eine Alternative zu jenen öffentlich ausgelebten narzisstischen Persönlichkeitsstörungen sein könnten, welche das Netz offenkundig befeuert. Schönes Wochenende in Egomanistan…

Who am I?

Die letzten Wochen waren eine Zerreissprobe. Und ich denke, dass ich diese langsam, aber sicher überstanden habe. Oh, der große schwarze Hund ist immer noch zu Besuch, aber wir haben uns darauf geeinigt, dass er im Moment nah bei der Heizung liegen bleibt, und sich nicht allzu viel bewegt; dafür darf er zuschauen. Zusätzliches Futter braucht er ja nicht… Beruflich komme ich derzeit wieder in ruhigeres Fahrwasser, weil sich die richtige Mischung aus Offensive und Diplomatie eben doch auszahlt, wenn man nur ein bisschen Geduld hat. Eine meiner großen Schwächen ist leider, dass ich eigentlich am Liebsten immer alles sofort gelöst sehen möchte. Man könnte jetzt mit Ende 40 mal langsam ein bisschen ruhiger werden, oder? Immerhin habe ich mir noch eine kleine Verschnaufpause für Ende des Monats eingeplant. Dennoch werden die Monate November und Dezember noch mal ein long run. Wie immer halt. Wie gerne hätte ich im Moment noch mal Sommer in der Toskana…

Pieve die Santa Maria a Panzano

“Who am I” ist natürlich eine Catchphrase um verschiedene Aspekte meines Selbst zu reflektieren, die ich in den letzten Wochen an mir bemerkt habe:

  • willensstark scheint auf den ersten Blick positiv, kann aber halt auch in Sturheit oder Verbohrtheit umschlagen. Manchmal dauert es ein bisschen, bis man den Unterschied selbst erkennt. Zumeist braucht es dabei Hilfe von Außen.
  • hoffnungsfroh kann hingegen die Gestalt von leichtgläubig, oder vertrauensselig annehmen. Dennoch ist Hoffnung empfinden zu dürfen, auch, wenn’s mal ein wenig rauer zugeht trotzdem ein nicht zu unterschätzendes Geschenk.
  • Organisator ja, das kann ich tatsächlich. Auch wenn ich mir ab und zu wünschen würde, dass ich nicht ganz so viele Workarounds aus dem Hut zaubern müsste. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels – und zur Abwechslung ist es mal kein entgegen kommender Zug…!
  • ambivalent/ambig emotionale Wechselbäder sind mir weder fremd, noch komme ich damit im Alltag nicht klar. Dennoch ist meine diesbezügliche Toleranz gegenwärtig beinahe aufgebraucht. Ich brauche mal ein paar Momente der Klarheit!
  • Muse auch mein Talent zur Inspiration scheint noch zu funktionieren, wenngleich ich mir mehr Raum schaffen muss, mich auch mal wieder selbst zu inspirieren. Vielleicht hilft ja meine gegenwärtige Lektüre ein wenig…
  • integrativ Menschen und ihre Motive/Ziele unter einen Hut zu bekommen, ist manchmal gar nicht so einfach. Genau das hat mich in den letzten Wochen Nerven en masse gekostet. Aber es zahlt sich aus – und das für alle Beteiligten. Da bin ich mir sicher.

Damit ist natürlich immer noch nicht gesagt, wer ich bin! Das rauszufinden passiert ja aber auch dauernd neu, und ist wohl nie abgeschlossen. Gegenwärtig schlage ich mich deshalb, quasi als Ersatzbefriedigung, mal wieder mit der Frage rum, was ich eigentlich will. Ich meine, ich mache meinen Job wirklich verdammt gerne, aber ich möchte mich nicht nur darüber definieren. Und gerade jetzt ist alles ein bisschen viel. In meinem Hinterkopf spukt mal wieder der Gedanke endlich mehr zu schreiben; endlich mal eines der drei bis vier Bücher, die zum Teil relativ weit gediehen auf meiner Festplatte vor sich hin sintern auch zum Ende zu bringen. Aber das ist schwer, wenn man das Gefühlt hat, das an jedem Projekt noch etwas (evtl. Entscheidendes?) fehlt. In solchen Momenten darf man sich auch – oder gerade – als kreativer Mensch mal Inspiration und Ideen von Außen holen. Und da schwemmte das moderne Antquariat aus den USA das hier auf meinen Schreibtisch:

ISBN: 978 -1-58297294-7

So far, a damn good read! Es beantwortet sicher nicht meine Eingangsfrage, aber es hat mir Lust gemacht, mich mal wieder auf andere Art, als “nur” beim Bloggen, für’s Studium oder die Arbeit an die Tastatur zu klemmen – und vor allem auch meinen wilderen Gedanken mal Freiraum zu geben. Dass ich mehr als genug Geschichten zum Erzählen hätte, daran hat nie ein Zweifel bestanden. Aber ich stelle gerade fest, dass ich an so manchem Grat meiner Skills noch schleifen kann – und werde. Vielleicht wird es neben der vielen Arbeit doch ein guter Herbst. Ich werd’s euch wissen lassen. Bis dahin wünsche ich eine gute Zeit. Und hoffe, dass nicht wieder 10 Tage zwischen zwei Posts vergehen. See you soon.

Langsam aber sicher…

Die Zeitung aufzuschlagen – gleich ob man das mit gutem, altmodisch bedrucktem Papier bewerkstelligt, oder aber per Wischgeste am Mobile Device – ist ein kathartischer Akt. Steht ja doch nur Scheiß im Tageblatt. Das schlechte Nachrichten aus Sicht eines Redakteurs dabei gute sind, weil Tod und Sex sich in vielerlei Hinsicht immer noch am besten verkaufen lassen, ist ein alter Hut; oder ein Feigenblatt, je nachdem… Dabei wird aus dem Redakteur oft ein Redukteur, denn der Informationsgehalt muss auf ein verdau- und auch wieder ausspeibares Maß reduziert werden. Sonst ist Ottonormalbürger*in womöglich geneigt, nach mehr Fakten zu suchen und sich ein eigenes Bild zu machen. OK, das war böse und gilt nicht für jede Postille. Zumeist aber für die BLUT, die WELT, den FOCUS, die NZZ und noch so ein paar Blätter, die Tradition als ausreichenden Fortschritt zu verkaufen versuchen. Diese kuratierten “Snipets of Info” sind dabei meist genau so zugeschnitten, dass sie sich einfach, dumm und unreflektiert in den asozialen Medien teilen lassen. Wer mag nicht ein paar schnelle Likes, wenn das mit Titten, Dogmen, Tod und Hass doch am schnellsten geht…?

Jaaaa, ich bin mal wieder in einer dieser Stimmungen. Noch vor ein paar Wochen, als ich mit meiner Familie auf dem Ausflug unterwegs war, bei dem unter anderem auch die Bilder in diesem Post entstanden sind, fühlte sich das noch besser an. Wir alle haben ja diese Erzählung unserer Selbst im Hinterkopf, diese Idee einer individuellen Identität, die Herr ihrer kleinen Welt, ihrer Handlungen, ihres Wohls ist. Tja… manchmal fliegt der flotte Selbstbetrug allzu schnell auf. Im Moment bin ich der Herr von NIX. Alle Pläne sind durch eine kleine Unbedachtheit in der Schwebe, alle Kontrolle liegt nun in anderen Händen, und die Selbstsicherheit kauert in einer dunklen Ecke hinter dem Ofen in der Küche meines Gedankenpalastes und wartet – wartet auf den Zusammenbruch des Kartenhauses.

Als ich durch die beeindruckenden Reste des Klosters Disibodenberg mäanderte, hätte ich mir nicht träumen lassen, wie schnell mal wieder alles an die Wand fahren würde. Allerdings hätte ich auch nicht damit gerechnet wie – mit Verlaub – SCHEISSEGAL mir das gerade ist. Ich denke, während ich diese Zeilen schreibe darüber nach, was wohl passiert, wenn alsbald tatsächlich der schlimmste Fall eintritt. Und komme langsam zu dem Schluss, dass dieser schlimmste Fall vermutlich für andere wesentlich schlimmer wäre, als für mich. Ich bin zwar eigentlich keiner, der beim ersten Anzeichen von Schwierigkeiten den Schwanz einzieht und wegrennt. Wenn ich was verbockt habe, kommuniziere ich das, und gehe dann in die Offensive, in dem Versuch zu kitten, was zu kitten ist. Aber wir alle wissen, dass wir nicht immer Herren unseres Schicksals sind. Also bin ich trotzdem auch unruhig, denn wenn man das Seine getan hat und warten muss, ist das immer beunruhigend. Wir sind schließlich Menschen und da ist unsere Ratio immer nur ein Haaresbreite von der Irrationalität, dem Subjektiven, der Intuition entfernt. Auch im Gegenüber…

Jedenfalls schlug ich heute morgen die Zeitung auf und da war wieder einer dieser Artikel über Sinnsuche. Ein Thema, das mich schon lange verfolgt. Und es passte gerade zu meiner Stimmung, also las ich den Kram, wo auch im Artikel und in den Kommentaren wieder nur olle Kamellen aufgegossen wurden. Da wird mit Philosophen um sich geworfen, als wenn die lange gedachten, gedruckten und 1000fach replizierten Gedanken eines Anderen, und mögen es noch so kluge Ergüsse sein, tatsächlich Balsam für (m)eine Wunde Seele sein könnten. Natürlich kann man sich in irgendeinem Buch oder Magazinartikel wiederfinden – wenn man denn dort nach sich suchen möchte. Und natürlich sitzt man dann irgendwann nickend da uns sagt “JA, das könnte ich mal versuchen…”. Hölle nein. “Walk a mile in my shoes!” ist nicht nur so dahingesagt. Es ist ein Sinnbild für das Bestreben, Anderen die eigene Sicht auf die Existenz begreifbar machen zu wollen. Was selten richtig gut klappt. Das ist ja schon bei Menschen schwierig, mit denen man lange bekannt ist. Aber bei irgendwelchen x-beliebigen Dritten? Wie soll also eines anderen Schreibe tatsächlich meine Probleme lösen helfen…?

Wie auch beim Fotografieren versuche ich bei diesen Meditationen über die verschissene Verfasstheit meiner Lebensrealität (und nichts anderes sind manche meiner Posts) viele unterschiedliche Blickwinkel – und bin nur selten wirklich mit den Ergebnissen zufrieden. Vielleicht ist aber genau diese Erkenntnis das Substrat, welches mir momentan am meisten Entlastung verschafft: dass 100% Zufriedenheit einfach eine Illusion bleiben muss, weil immer irgendetwas stört, den Blick versperrt, nicht funktioniert wie versprochen oder gedacht, vom eigentlich Relevanten ablenkt und schlussendlich Illusionen zerstört. Illusionen über das eigene Vermögen (nicht im Sinne von Geld sondern Kompetenz), über die eigenen Intentionen und Ziele, die eigene Situation. “Da steh ich nun ich armer Tor. Und bin so klug als wie zuvor.” Danke, Dr. Faust. Allerdings habe ich NICHT meine Seele dem Teufel verkauft. So weit bin ich noch nicht in meinem Streben nach Erkenntnis. Jedoch langsam aber sicher mal wieder auf der Suche nach Lösungen für komplexe Probleme. Einstweilen wünsche ich uns allen ein schönes Wochenende, Geduld und Zufriedenheit. Peace.

Should I stay, or should I go?

“Wenn du tot bist, tut es nur den anderen weh; genauso, als wenn du dumm bist!”

…from somewhere in the Internet

Mann muss einfach sagen, dass der Spruch so verdammt wahr ist, dass es tatsächlich immer wieder weh tut, wenn man seinen Auswirkungen in der Realität begegnet. Man kann sich dem zu entziehen versuchen. Ich selbst bin gerade wieder einmal an dem Punkt angelangt, da ich social media gerne komplett aus meinem Leben ausschließen würde! Denn subjektiv sind da nur noch Idioten unterwegs! Und habe doch Angst, dass ich damit manchen meiner “weak ties” den Stecker ziehen würde, was zumindest bei ein paar davon wohl zu einer Verarmung meines Selbst führen könnte. Denn über die “weak ties” in unseren Sozialbeziehungen realisieren wir eine Reflexionsfläche, deren Wirkung auf unsere Persönlichkeit nicht unterschätzt werden sollte. Es ist zwar ein Allgemeinplatz, dass wir Menschen soziale Wesen seien, aber nirgends lässt sich das besser beobachten, als an einem Ort, an dem eine größere Menge von Menschen mit unterschiedlich starken Bindungen in informeller Atmosphäre zusammenkommt. Zum Beispiel bei Partys im Zusammenhang mit dem beruflichen Umfeld.

Ein weiterer Allgemeinplatz lautet: “never fuck at the office/company”; wir alle haben zumindest ein intuitives Verständnis dafür, dass eine Beziehung derart auf ein “neues Level” zu bringen allerlei … interessante … Folgen haben kann. Denn in der Regel führen derlei Punktualisierungen dazu, dass sich die individuellen Netzwerke der dabei (nicht nur sexuell) interagierenden Akteure auch miteinander vernetzen. Im Guten, wie im Bösen. “Homo Homini Lupus” ist nicht einfach nur so dahingesagt. Menschen verfolgen nämlich Ziele. Manche gehen dabei intelligent und strategisch vor, andere lassen sich bewusst treiben, wohlwissend, dass sie Wirkmacht haben; und wieder andere verstehen gar nicht, dass und wie sie Einfluss ausüben, und wirken so von Außen betrachtet eher wie eine Flipperkugel; oder wie der Schmetterling, der den Orkan auslöst…! Das muss nicht unbedingt echte Blödheit sein, die einem den Tag versaut. Allzu naives Handeln kann genau die gleiche verheerende Wirkung entfalten.

Ich mag gedankliche Assoziationsketten. Springen wir also von der Party direkt ins Netz! Heutzutage ist es sehr einfach, Reaktionen auszulösen, weil man einfach irgendwas irgendwo posten kann und – je nachdem wie provokant, blöd, kalkuliert böse, anbiedernd oder sonstwie Aufmerksamkeit heischend die Äußerungen gewesen sein mögen – mit mehr oder weniger direktem Feedback rechnen darf. Denn ein paar Dumme, die sich auf die verbale Tretmine werfen, finden sich immer. Manchmal macht das sogar Spaß, wenn man ein paar Nazis triggert und dann FB melden kann, damit sie wenigstens für ein paar Tage gesperrt werden und so nicht andauernd ihre Verbaldiarrhoe absondern können. Aber auf die Dauer werden auch solche Spielchen langweilig. Und sie desillusionieren mich. Ich dachte, wir – so als Gesellschaft – wären schon ein Stück weiter. Sind wir aber ganz offensichtlich nicht. Und daraus wird dann unter Umständen eine Spirale, an der ich nicht teilhaben möchte, denn meine Depressionen sind auch so schon nicht immer einfach im Griff zu halten. Daraus folgt, wie bereits oben gesagt, dass ich eigentlich dem ganzen social-media-Quatsch entsagen sollte. Aber auch nicht…

Man wirft den Quatsch- und Querdenkern, Aluhüten, Nazis und dem ganzen anderen Geschmeiß, dass so gerne auf FB rumlungert ja immer vor, sich in Echokammern und Filterblasen gegenseitig aufzuschaukeln und zu radikalisieren. Entzöge ich mich dem nun, und bequemte mich nur noch in meine individuelle Komfortzone, wo nette Menschen mein Ego streicheln und mir stets wacker beipflichten, wenn ich mal wieder irgendwelchen Quatsch von mir gebe – was auch mir regelmäßig passiert – dann wäre ich kein Jota besser, als die von mir eben benannten stumpfsinnigen, dogmatischen Hohlfrüchte vom Eso-Rechten Rand! Und da haben wir mein Dilemma. Denn eigentlich bewirke ich vermutlich so gut wie nichts, weil es denen ja nicht weh tut, denn sie sind – auf eine spezielle, blinde Art – dumm! Mir tut’s aber weh, mich damit auseinanderzusetzen, weil es meinen, eigentlich immer noch starken Glauben an das Gute im Menschen immer und immer wieder ein bisschen beschädigt! Und damit auch mich selbst…

Vermutlich läuft es zum wiederholten Male darauf hinaus, dass ich mich für eine Weile von dem Scheiß fernhalte. Bis zu dem Moment, da ich feststelle, dass es mich doch wieder kitzelt. Meine Hoffnungen dabei sind, dass ich a) vielleicht, vielleicht doch wenigstens einen von denen zurück unter die nicht vollkommen Hirntoten hole und b) langsam, mit zunehmendem Alter nach und nach etwas resilienter werde. Oder noch zynischer und abgefuckter. Das wäre – für mich – auch OK. Aber ganz ehrlich – ich könnte mal einen Ratschlag gebrauchen. Schönen Samstag. [PS: DANKESCHÖN an “The Clash” für den Titel.]

Quotes for a dirty old man…

Ich habe mal wieder in Charles Bukowski reingeblättert. Er war genauso alt wie ich jetzt, als er anfing, mit der Kolumne “Notes of a dirty old man” einen gewissen literarischen Erfolg zu erzielen. Unkonventionell, gewalttätig, unter die Gürtellinie, manchmal um zwei Ecken denkend – einfach zu konsumieren waren seine Geschichten nie! Mäanderten manchmal in einem Satz durch mehrere Themen. Ich lese ihn als desillusionierten Humanisten. Da fällt mir ein: ist es nicht komisch, dass wir uns selbst immerzu durch anderer Leute Augen bzw. Brille zu sehen versuchen? In sich selbst ruhen, in gewissen Momenten einfach einen Scheiß auf die Meinung Anderer geben, sein Ding machen – das war nie MEIN DING. Ich meine, ehrlich, ich muss mich heute weniger bemühen, Bullshit mit einem Achselzucken und einem “Ja, wenn du meinst…”, welches meine zumindest teilweise wohlwollende Ignoranz zum Ausdruck bringen soll, passiv zur Kenntnis zu nehmen. Je weniger nah der Mensch, desto leichter das Achselzucken. Und dann sind da diese Momente, wo mich vollkommen fremde Leute triggern. Verdammt und zugenäht…

Vermutlich gibt es da diese spezielle Sorte Mensch, die einfach nie zu alt für ein bisschen gediegenen Krawall wird. Ich denke ein Aspekt dabei ist, dass man Überzeugungen hat. Der Unterschied zwischen einer Überzeugung und einem Dogma ist für mich übrigens (Obacht, kein Anspruch auf Allgemeingültigkeit!), dass eine Überzeugung auf Erkenntnis beruht und ein Dogma auf Emotion. Ein weiterer Unterschied ist, dass eine Überzeugung durch neue, andere Erkenntnisse veränderbar bleibt, wohingegen sich das Dogma immer mehr gegen Fakten imprägniert. Es besteht also mithin ein Unterschied zwischen dem – auch mal vehement-verbalgewaltigen – Vertreten einer fundierten Überzeugung und dem zumeist phrasendreschenden Dogmatisieren. Und ich kann es leider nicht leugenen: Dogmatiker triggern mich immer wieder, weil sie nicht weiter denken können, als bis zum Ende ihres Horizonts. Selbst wenn du die auf den Kalmit stellst, sehen sie anstatt der oberrheinischen Tiefebene nur Bäume…

Ein anderer Aspekt des gediegenen alten Krawallbruders (Krawallschwestern seien mir natürlich auch willkommen!) ist der unruhige Geist. Wenn man sich für zuviel interessiert und seine Aufmerksamkeit zu weit streut, bleibt man manchmal zwangsweise in einem Zustand unbefriedigter Erregung zurück (rein platonisch gesprochen!), weil ein einzelnes Menschenleben viel zu kurz ist, für so viele Interessen. Zumindest, wenn man mit einem Standardintellekt ausgestattet ist. Zudem macht der unruhige Geist einen anfällig für allerlei dummen Kram, wie etwa Depressionen; weil man einfach intensiver empfindet. Ich kann das nicht wirklich erklären, aber es fühlt sich in etwa so an, als wenn man an einem blendend hellen Sommertag ohne Sonnenbrille nach oben schaut. Da ist zu viel Licht! Als wenn man euf einem belebten Platz versucht, einem Vogel zuzuhören. Da sind zu viel Geräusche! Als wenn man versucht, sich auf einen Affekt zu konzentrieren, während ringsum eine Demo tobt. Da sind zuviel (negative) Emotionen. Es ist manchmal einfach von allem zuviel…

Ich habe gelernt damit zu leben. Und meistens funktioniert das OK. Nicht immer, aber wenigstens meistens. Manchmal jedoch ist das Leben wie Bukowski lesen – da ist einfach zuviel Leben im Leben drin. Du kannst dich dem auch nicht entziehen, denn der Zug rollt, die Maschine will gefüttert werden, alle warten darauf, dass du deinen verdammten Job erledigst. Du hast ja nur einen Job – funktionieren, damit alles andere auch funktionieren kann, weil wir alle zusammen funktionieren müssen. Ist das das Leben? Reduziert sein auf eine Funktion? Klingt nicht wirklich nach Freiheit. Ich meine, objektiv betrachtet leben wir in einem der reichsten, freiesten, sichersten, bestorganisierten Länder der Erde. Klar, wir haben auch Probleme: soziale und wirtschaftliche Ungleichheit, struktureller Rassismus, mangelndes Commitment für den Umweltschutz, Egoismus, Narzissmus, und noch ein paar andere -ismen – ABER, im Mittel geht es uns verdammt viel besser, als einem sehr großen Prozentsatz der Welt. (Wird immer gerne verschwiegen, wie gut Demokratie funktionieren kann, wenn es den Demokratiefeinden gerade in den Kram passt.) Was ist es dann, dass so viele so unglücklich und unzufrieden macht?

Einerseits sicher der eine Problemfaktor, nämlich die Ungleichheit. Unser System bevorteilt Typen wie mich überproportional. Andererseits hat sich so eine existenzielle Angst breit gemacht. Die Individualisierung und Partikularisierung unserer Gesellschaft hat dem Indviduum mehr Verantwortung aufgeladen: “DU musst sehen, dass DU dein Leben alleine auf die Reihe kriegst! Ach und übrigens – ab jetzt musst DU das noch scheller können!” Der Druck macht die Menschen mürbe. Sich wie Bukowski ’68 mal eben mit einem Bier an die Schreibmaschine setzen, und dem lieben Herrgott zumindest literarisch den Stinkefinger zeigen, kann sich so heute gut wie niemand mehr leisten. Stattdessen müssen wir mehr leisten, um uns überhaupt das Leisten leisten zu können. Tretmühle Turbokapitalismus. Das ist es, was mich (pardon) immer härter fickt! Ich mag meine Arbeit als Schulleiter, als Dozent, als Projektentwickler, als Mentor – aber auch hier ist ein dauernder Druck spürbar, Ergebnisse erzeugen zu müssen. Und die Messbarkeit dessen, was ich tue, ist halt nicht in wirklich Monatsabschlüssen, sondern immer nur über mehrere Jahre hinweg beurteilbar. Für die Leute aus dem fernen Fiskalien (Controller) ist das ein Alptraum! Dabei entwickle ich mich (ungeahnter Weise) immer mehr zum Kaufmann. Dennoch suche ich immer noch beinahe verzweifelt nach einem Weg, den kreativen Träumer in mir mit dem, in die Realität eingebundenen Arbeitstier zu versöhnen. Hätte irgend jemand mal einen Rat für mich…?

Ende Gelände! Kein Bock mehr auf Bullshit!

Warum triggern mich Menschen auf Facebook immer noch gelegentlich? Warum kann ich es nicht einfach bleiben lassen, mit jenen Verbohrten zu diskutieren, deren selbstgefällig-weinerliches Geseiere mich im Grunde genommen nur noch anödet. Und deren Wohl und Wehe mir mittlerweile so weit an meinen Arsch vorbeigeht, dass die ganze gottverdammte Pazifikflotte in Fächerformation durchfahren könnte? Weil ich den einen oder anderen persönlich kenne? Was bedeutet persönlich kennen überhaupt? Ich meine, jetzt mal ganz ehrlich – an manchen Tagen kennt man sich ja nicht mal selbst richtig; aber andere Menschen schon? Die haben doch nicht mal ein Display in der Stirn implantiert, auf dem man sehen könnte, was sie wirklich denken. Damit umzugehen ist alles andere als einfach.

Weil andere Menschen nämlich Ansprüche an mich formulieren. Manche Ansprüche sind relevant und gerechtfertigt. Zum Beispiel, weil ich Kohle dafür bekomme, diese irgendwie zu befriedigen. Andere jedoch sind irrelevant und nervtötend. Weil ich Meinungen anerkennen soll, die es nicht mal wert sind, eine weitere Sekunde darüber nachzudenken: arrogant, dogmatisch, asozial, egoistisch und schlicht dumm. Diskussionen über das Impfen etwa. Ich kriege kein Geld dafür, verschwende im Gegenteil sogar Lebenszeit, weil diese Dösköppe nicht verstehen können – oder verstehen wollen – dass ihr Horizont sogar zu begrenzt ist, um die Grenzen ihres Horizonts erkennen zu können. Bei Wissenschaft gibt’s keine Meinungen! Nur Fakten, die natürlich interpretationsbedürftig sein können. Aber wenn ein paar Hundert, oder gar ein paar Tausend Wissenschaftler eines Fachs zu dem gleichen Ergebnis kommen, nämlich das Impfen gegen Covid-19 sinnvoll ist, weil es Gesundheit erhält und sogar Leben rettet, dann ist alles, was man in der YouTube-Uni oder auf der Google-FH lernen kann, um dieser akkumulierten Fachmeinung zu widersprechen einfach nur Bullshit für die Tonne!

Dann kommen alsbald noch irgendwelche politischen Thesen dazu, man mixt das Ganze mit angeblich verifizierten persönlichen Anekdoten (die keinerlei faktischen Wert besitzen, weil sie nichts beweisen können!) und fängt an, von der Einschränkung des Lebens für die armen Impfverweigerer zu labern; und das ja jetzt eine Zweiklassengesellschaft entstünde, wenn man diesen Aluhüten die Teilnahme am öffentlichen Leben einschränkt. Da kommen dann sogar Vergleiche mit der NS-Zeit. Ich würde vorschlagen, man geht mal nach Belarus und protestiert dort gegen das autokratische Regime von Herrn Lukaschenko. Während die Covid-Maßnahmen-Demonstranten freundlich vom Wasserwerfer der Berliner Polizei berieselt werden, weil sie sich Anordnungen widersetzen und versuchen, Polizisten zu verprügeln, kommen in Belarus Spezialpolizeieinheiten, packen dich, bringen dich in ein Geheimgefängnis und schlagen dich zusammen. Einfach, weil ihnen deine Fresse nicht gefällt und du ein Pappschild hochgehalten hast.

Und während nach ein paar Stunden unerträglicher Personalienfeststellung durch die deutsche Polizei unsere Covidioten dann mit einem “Du, DU, DU!” auf freien Fuß gesetzt werden, wird der Demonstrant in Belarus gerade zum dritten Mal zusammengeschlagen. Und zu dem Zeitpunkt, da die Covidioten dann nach dem Wochenende zu ihrem Anwalt rennen, findet man in Belarus manchmal irgendwo ein frisches Grab… Oder aber, die Gefangenen tauchen einfach niemals mehr irgendwo auf. Aber in Deutschland haben wir Repressionen? Eingeschränkte Meinungsfreiheit? HALLO, WAHRNEHMUNG? Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft haben wir schon lange. Nennt sich übrigens Kapitalismus. Und das Menschen, die ohne Not jedwede Solidarität mit dem Rest des Landes verweigern, weil sie sich in ihren Grundrechten eingeschränkt glauben dafür Konsequenzen erfahren, ist einfach nur – nun ja – konsequent!

Am schönsten finde ich die, die OHNE JGELICHE ECHTE EXPERTISE meinen, mir erklären zu können, wie Gesundheit(swesen) funktioniert! Herzig! Echt herzig! Da kann ich einfach nur noch sagen: “Walk a few hundred Miles in my shoes. I’ve done it, been there, came back with tons of first-hand-experience. I’ve done real scientific research myself and learned, how to judge the quality of that done by others. And I needn’t take any bullshit from noone any longer!” Ich hab’s satt. Ich gehe die Tage mal durch meine “Freundesliste” und sortiere den ganzen Filz aus Wahrheitsverweigerern, Möchtegern-Libertären, Aluhüten (und vermutlich auch dem einen oder anderen, bislang gut getarnten Nazi…) aus, weil viele mich einfach nur noch nerven und negative Energie verbreiten, mit der ich nicht mehr umgehen kann und will. Glaubt doch was ihr wollt – aber erzählt es nicht mir, sondern eurer verschissenen Parkuhr. Tschüss!