Leben in der (Lebens)Lage…

Tage gehen dahin, wie Perlen auf einer Schnur. Einer am Anderen, mit recht geringen Unterschieden zwischen den Einzelteilen. Man könnte das Routine nennen, oder vielleicht auch Alltag. Jedenfalls ist es genau das, was Menschen innerlich tötet! Bitte missverstehen Sie mich korrekt – Routinen sind es, welche die Komplexität dieses Dings namens Leben innerhalb dieses anderen Dings namens Gesellschaft für uns erst begreifbar und damit überwindbar machen. Andernfalls wäre schon der morgendliche Gang zum Bäcker ein Endgegner. Und niemand kauft ein Spiel, dass aus lauter, für Ottonormalverbraucher nicht schaffbaren Bossfights besteht… außer vielleicht die Fans von “Elden Ring”. Also hatte Mutter Natur es so eingerichtet, dass wir Menschen in der Lage waren, uns auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, da ganze Industrieen sich nur noch damit beschäftigten, immer ausgefeiltere Prokrastinations-Apparate zu erfinden und der nutzlose Konsum zum alles bestimmenden Movens unserer Welt wurde. Klingt zu pessimistisch? Nah… eigentlich genügt es, mal eben von der Fernsehcouch aufzustehen, das Smartphone beiseite zu legen und… oh, Mist, ich vergaß – die Dinger sind ja jetzt fest verwachsen. Sorry, mein Fehler.

Ein fleißiges Bienchen – der Inbegriff von Routine!

Ich will – mal wieder – ehrlich sein: auch ich habe meine Routinen, die mir helfen, durch den Tag zu kommen. Die meisten davon haben mit Koffein zu tun, und das ist auch gut so. Bei anderen Handlungs-Skripten bin ich da nicht ganz so sicher. Beim Zeitunglesen zum Beispiel. Andererseits belebt auch das den Kreislauf, wenngleich DER Mechanismus eher was mit Wut als mit der koffeinergen Hemmung von GABA- und Adenosin-Rezeptoren zu tun hat. Egal. Es ging um Lebensentwürfe. Eigentlich geht es immer wieder darum, weil Identitätsgetriebene Politik versucht, dass Private insofern politisch zu machen, als individuelles Tun und Lassen, Reden und Schweigen in den Fokus öffentlicher Dekonstruktion geraten sollen, um so zuerst die Zonen des Redens und Schweigens, aber irgendwann auch die des Tuns und Lassens verschieben zu können – zum Beispiel hin nach Neu-Nazistan! Und dass dies funktioniert, sieht man an aktuellen Umfragewerten, etwa zur Asylpolitik. Aber hier geht es um eine besondere Facette dieses Mechanismus. Wenn jemandes Leben zum Subjekt einer Geschichte in einer Zeitung gemacht wird, dauert es keine Sekunden, bis die ersten Kommentatoren da sind und beginnen, alles haarklein zu analysieren, um es verächtlich machen zu können. Letztlich sind solche Artikel nichts weiter als eine willkommene Einladung für die Enttäuschten, die Eiferer, die Egoisten und die Elenden, sich auf Kosten Anderer größer, besser, stärker, wichtiger fühlen zu dürfen; und für die Apologeten jedweder politischen Strömung, die (subjektive) Überlegenheit IHRES Lebens-Entwurfes zu propagieren – am Ende bleibt in den Kommentarspalten wenig mehr als Dogma, Propaganda und echauffiertes Lamento. Über die Beleidigungen breiten wir den Mantel des Schweigens.

Natürlich beginnt man, mit solcherlei Eindrücken bombardiert, gelegentlich auch, seine eigenen Wege zu durchdenken. Nicht unbedingt hinsichtlich der Frage, ob das Private politisch ist. Denn darüber KANN es keine Diskussion geben, wenn man Ghandis “Sei du selbst der Wandel, den du in der Welt sehen willst!” ernst nehmen möchte. Er mag wohl ein sehr bigotter Mensch gewesen sein; dieser Satz verliert dennoch bis heute nichts von sener Richtigkeit. Es geht, da wir hier versuchen unseren Teil zum Wandel beizutragen vor allem um individuelle Dinge wie: Mit Wem verbringe ich meine Zeit? Was tue ich, wenn ich gerade nicht roboten gehen muss? Welche Werte sind mir wichtig; und teile ich diese mit meinen Lieben? Was möchte ich in der Erziehung meiner Kinder erreichen? Und schließlich: Wie, Womit und unter Wessen Führung verdiene ich mein Geld? Also dieser typische Midlife-Crisis-Quatsch, der sich für einen zünftigen, knapp 50-Jährigen wie mich gehört. Dazu tritt, dass ich im Moment mit meinem Job nicht zufrieden bin, dass meine beste Ehefrau von allen sich zwangsweise mit der Frage herumschlagen muss, ob sie sich selbstständig machen möchte und dass unsere Kids gerade alles andere als einfach sind. Und schon stellt man ALLES in Frage. Andere macht sowas anfällig für allerlei halbseidenen Unfug (wann genau ist aus Coaching und Beratung ein so riesiges Business geworden, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob überhaupt noch irgendjemand tatsächliche Wertschöpfung betreibt?), oder treibt sie, auf der Suche nach einfachen Antworten auf komplizierte Fragen in die Arme der Neu-Nazis in Blau. Beides wird UNS nicht passieren.

Und dennoch verstricke ich mich immer wieder in Diskussionen, die meine Überzeugungen testen. Das ist an sich nicht schlimm; im Gegenteil begrüße ich es sogar, denn wenn aus einer Überzeugung – gleichwohl diese auf Fakten gegründet sein mag – ein Dogma wird, sind wir im sagenhaften Feenland Propagandien, wo das, mit unlauteren Absichten Gesagte einfach zur Wahrheit wird – alternative facts anybody? Zu DER Fraktion will ich beim besten Willen niemals gehören. Dass ist mir zu trumpoid und zu höckig. Am Ende des Tages ist die Suche nach dem richtigen Weg niemals ganz vorbei, sondern kommt immer nur zu einem vorläufigen Abschluss, dessen Erfolg sich eigentlich nur in einer Einheit messen lässt: Glück, bzw. Zufriedenheit. Im Moment bin ich immer noch auf der Suche nach neuem Gleichgewicht; wie so viele Andere anscheinend auch. Ich kann nur hoffen, dass die Dinge in den nächsten Wochen etwas leichter werden. Denn obschon ich seit Jahrzehnten an “Leben in der Lage” gewöhnt bin (eine Phrase, die bei uns im Gesundheits-wesen auf die Dynamik jedweder (Einsatz)Situation verweist), könnte ich mal eine Verschnaufpause gebrauchen. Denn nach DER Entscheidung ist immer vor DER NÄCHSTEN Entscheidung. Aber wenigstens gibt es Phasen, in denen die Vorläufigkeit von Leben nicht ganz so deutlich spürbar wird. Nach so einer Phase sehne ich mich gerade. Und ihr so…? Allerdings, und das darf hier nicht verschwiegen werden, ist es diese Dynamik, die auch den Motor meiner Kreativität darstellt. Nur dass man manchmal gerne etwas weniger “inspirierenden” Input hätte und etwas mehr Zeit zur Kontemplation. Denn wie beim Lernen braucht es auch für meine sonstige Arbeit die richtige Mischung aus rezeptiven und produktiven Phasen – und Pausen. In diesem Sinne…

Auch als Podcast…

Der Storyschreiner N°4 – Willkommen in Vulgarien!

Das meine Dämonen manchmal mit mir durchgehen, ist auch nach vielen vielen Jahren, in denen ich theoretisch gelernt haben könnte, mich im Zaum zu halten, immer noch so – ich halte es da mit Bruce Banner, wenn er im ersten Avengers-Fim sinngemäß sagt “Ich verrate Ihnen ein Geheimnis Cap. Ich bin immer wütend!” Das bin ich. Nur in dick und nicht grün! Anfechtungen seien dazu da, stoisch überwunden zu werden, haben irgendwelche, vermutlich recht gelassenen und klugen Leute mal gesagt. Wahrscheinlich waren die da auch schon so steinalt, dass ihr Sympathiko-Tonus kaum noch messbar war. Woanders habe ich neulich gehört, dass ein ruhiger und souveräner Umgang mit Streit, selbst wenn man seine Affekte aufwallen fühlt, einen erst wahrhaft zum Mann macht; ganz ehrlich “Critical Drinker”, ich halte das für eine schöne idealtypische Anforderung, die im wahren Leben schneller den Bach runtergeht, als dein Whiskey. In den allermeisten Lebenslagen mag es ja stimmen, denn wer schreit, hat meist Unrecht. Und doch machen erst unsere Emotionen, vor allem aber die Fähigkeit, diese auch in anderen Wesen erkennen zu können, uns wahrhaft zu Menschen. Altruismus wäre ohne diese, eigentlich recht simple Fähigkeit nicht möglich; allerdings kann Empathie auch als Waffe eingesetzt werden, wenn ich mir diese zu Nutze mache, indem ich das Gegenüber auf die Palme zu bringen versuche. Fest jede*r von uns (außer vielleicht Autisten) weiß halbwegs intuitiv, wie das geht; womit ebenfalls fast jede’r von uns weiß, dass man Dinge so und so verstehen kann – WENN MAN MÖCHTE! Auch das wird gerne als Waffe eingesetzt – “Missverstehen Sie mich richtig!” ist daher ein Titel, den ich richtig gut finde. Ich persönlich kann Emotional-Opportunismus allerdings nicht besonders leiden. Ich mag Menschen, die mir auf die Nasenspitze zusagen, wenn ich Scheiße gebaut habe (natürlich darf man auch mal was Nettes sagen…); und die es im Gegenzug vertragen, wenn ich ihnen gegenüber genau das Gleiche tue. Daran erlebe ich allerdings letzthin in meinem Arbeitsumfeld einen Mangel, weshalb ich dazu nur sagen kann – ZUM TEUFEL MIT DER GELASSENHEIT!

Die Spiegelung im Kabinenfenster fand ich gut – da habe ich das so gelassen…

Es wäre möglicherweise justiziabel, mich hier in aller Breite über DAS auzulassen, was ich in letzter Zeit erlebt habe. Angemerkt sei daher lediglich Folgendes: wenn man in seinem weiteren Umfeld einen eklatanten Mangel an Haltung, Prinzipientreue, Integrität, mithin also Charakterstärke erleben muss, hat man irgendwann keine Lust mehr. Keine Lust mehr auf Spielchen, keine Lust mehr, immerzu die Klappe zu halten, keine Lust mehr einfach zu schlucken, weil es Menschen gibt, die sich in der Position wähnen, Macht über einen auszuüben. Kleiner Hinweis: Macht kann man nur über jene ausüben, welche dieses Tun auch durch konkludentes Verhalten legitimieren. Mein Verhalten mag – um des lieben Friedens Willen – konkludent AUSSEHEN. Es IST jedoch nicht konkludent, da ich die Machtausübung durch Menschen, denen es aus meiner Sicht an den eben benannten Eigenschaften mangelt, schlicht nicht anerkenne! Insgesamt kann ich Menschen, die Macchiavelismus zu betreiben versuchen nicht besonders leiden. Vielleicht auch, weil so viele sich dabei wie Stümper anstellen. Ich bin in meinem Leben mittlerweile so oft das Opfer von teils seltsamen Manipulationsversuchen geworden, dass meine Allergie dagegen ein erhebliches Ausmaß angenommen hat. Schwamm drüber…

Ich war heute, um ein wenig runterzukommen (funktioniert für einen Höhnenängstlichen in einer Hochseilbahn auch total gut… 😉 ) mit meiner Familie auf der BUGA. Immerhin neigt sich das Spektakel dem Ende. Und daher war’s – ganz entgegen meinen Vermutungen – so dermaßen brechend voll, dass ich am liebsten schon am Eingang wieder umgedreht hätte. Hab mich dann doch überwunden, meine Runden gedreht und die geplante Seilbahn-Rückfahrt zu Gunsten der Bus-/Strab-Umrundung abgesagt. Tatsächlich habe ich, dem Trubel sei Dank, mal eine Weile nicht an die Scheiße gedacht, die mich morgen früh wieder erwartet. Im Moment ist, falls das trotz meiner bisherigen Ausführungen noch irgendjemanden wundert, meine Motivation zum Roboten eher eingeschränkt. Aber man hat ja sowas wie Pflichtgefühl. Ich spüre immer stärker diesen Drang, etwas Anderes auszuprobieren; und sei es nur, um MIR zu beweisen, dass mein Marktwert immer noch gut ist. Nein… eigentlich liegt es eher daran, dass die beste Ehefrau von allen mir am Freitag Abend auf die Nasenspitze zugesagt hat, dass mein Job mir im Moment nicht gut tut. Was hatte ich vorhin über direkte Ansprache gesagt? Deshalb liebe ich sie so sehr! Und sie hat verdammt Recht. Ich mag meine Aufgabe – aber die Rahmenbedingungen sind in den letzten Jahren zumindest subjektiv fortwährend schlechter geworden. Und ICH muss es fühlen, sonst kann ich es nicht. Was ich nicht kann? JA und AMEN sagen, wenn ich das Gegenüber eigentlich schütteln möchte, damit ihm seine eigene Beschränktheit wie Schuppen aus den Haaren vor die Augen fällt. Auf robuste Ansprache verzichten müssen, weil da Snowflakes sein KÖNNTEN, die damit nicht klar kommen, wenn man deutlich kommuniziert; oder es falsch verstehen WOLLEN. Und schließlich immer nur Mangel verwalten und um Assets kämpfen zu müssen, selbst dann, wenn dieser Mangel schon die Substanz der Einrichtung bedroht. Ist das irgendwo anders? Dann schreibt mich an!

Ehrlich – ich hätte letzthin gerne ein paar deftige Ausflüge nach Vulgarien unternommen, konnte meine Dämonen aber, weil ich Spielchen erkenne, wenn ich sie sehe, im Zaum halten und Schauspielern. Aber wer weiß. Vielleicht hätte eine “handfeste” fristlose Kündigung MIR besser getan. Eigentlich hatte ich einen noch deutlich expliziteren Post geschrieben, aber ich habe keinen Bock auf juristischen Müll; Karma ist sowieso ein Bumerang, der in jedem Fall trifft. Und man sieht sich IMMER zwei Mal im Leben. Ich muss Entscheidungen treffen. in jedem Fall werden es interessante Tage, die da kommen. In diesem Sinne, steht aufrecht, auch wenn der Wind scharf bläst, wahrt eure Integrität, steht zu euren Prinzipien – und geht, wenn das nicht möglich ist. Schöne, stürmische Woche.

Auch als Podcast…

Neues von Bibo Blogsberg #1 – Verantwortungsdiffusion

Je größer eine Organisation wird, desto komplexer sind die Netzwerke darinnen und desto undurchsichtiger werden die Befindlichkeiten der beteiligten Protagonisten. Das ist ein Allgemeinplatz, den wirklich jede*r versteht, der sich länger als 17 Nanosekunden mit Organisationsentwicklung befasst hat. Was mich einschließt. Wenn man bedenkt, dass ich das weiß, könnte ich manchmal auch einfach meine Fresse halten, mich zurücklehnen und den Dingen ihren Lauf lassen. Oft genug sind es ja nicht mal MEINE Affen in meinem Zirkus, die gerade ausgebrochen sind, um irgendwelchen fancy Unsinn zu veranstalten. Und doch… fühle ich halt eine gewisse Verantwortung, die mit meinen Aufgaben einher geht. Egal…. Geschichte: Vollkommen meta betrachtet tun wir Menschen manchmal Dinge, die wir sein lassen sollten. Manche Dinge sind einfach nur ungesund, wie zuviel neuen Wein zu trinken, um sich dann trotzdem über den Kopp und den Flotten Otto am nächsten Morgen zu ärgern. Oder ein blöder Fehler, wie etwa, mit eleganter Flottigkeit durch die wohlgetarnte Radarfalle zu donnern, an einem “Unfallschwerpunkt”- a.k.a. hier passiert nie was, aber es ist total gut geeignet um die Leute abzuzocken. Oder ein Ottolenghi-Rezept nachkochen zu wollen, ohne vorher Mami Fortuna die Sterne, Knochen und Karten befragen zu lassen UND einen maghrebo-arabo-afrikano-asiatischen Feinschmeckerladen bis auf die Grundfesten leergekauft zu haben.

Oder man weist auf einen Fehler hin – das ist je nach Betrachtungsweise auch falsch, weil die oben erwähnten komplexen Netzwerke mit ihren Befindlichkeitsfallen an den “richtigen” Stellen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jemanden platzieren, der a) easily offended ist, weil die Unterscheidung zwischen Sachverhalt und Person für unfassbar viele Menschen ein unfassbar großes Problem darstellt, b) eine eher gestrige Fehlerkultur pflegt, in der es üblich ist, den Überbringer der Nachricht zu köpfen, anstatt einfach den Fehler abzustellen und c) Verantwortungsdiffusion betreibt, weil man in einem komplexen Netzwerk immer jemanden findet, dem man die Schuld zuschieben kann. Der Kreativität sind hierbei keinerlei Grenzen gesetzt. Höre ich da gerade aus dem Plenum, diese Geschichte habe bis hierhin keinen Spannungsbogen? Nun ja, es ist eine alltägliche Geschichte, die so zuverlässig immer wieder auftaucht und grüßt, wie das Murmeltier. Was man kennt, das schockt einen – eigentlich – nicht mehr, oder? Der Protagonist meiner Geschichte wurde jedoch stinksauer und ist es immer noch, weil man anscheinend auf Fehler einfach nicht hinweist, oder aber den Hinweis so sehr herunterverdünnen muss, dass dieser genauso wirksam wird, wie Homöopathie – nämlich gar nicht. Damit sich ja niemand auf den Schlips getreten fühlt – HABE ICH SCHON MAL ERWÄHNT, WIE SEHR ICH SCHLIPSE HASSE?

Ich könnte mich, und das ist die gute Nachricht, eigentlich fühlen, wie der König meiner kleinen Welt, denn zwei sehr steile und schroffe Klippen wurden erfolgreich umschifft – und wenngleich ich auf die Note für meine Master-Arbeit nun etwas warten muss, ist dieser Abschnitt zu Ende. Mein Leben wird dennoch nicht langweilig, da genug Projekte und Aufgaben meine Aufmerksamkeit erfordern. Und genau da kann ich solche Querschüsse nicht gebrauchen, weil meine Stabilität sich eben gerade erst wieder einzupendeln begonnen hat. Und ICH überdies nicht der Typ bin, der seine Verantwortung diffundieren lässt. Aber dauerhaft und immer wieder für so vieles in Frage gestellt zu werden, dass eigentlich selbstverständlich sein sollte, wie etwa, meiner Kontrollfunktion nachzukommen, nagt an mir. Ich bleibe daher bei meiner Aussage – wenn DAS nicht besser wird, ist es der 31.12.23! Ich habe kein Problem damit, wenn man mir auf den Hinterkopf schlägt, weil ich was verbockt habe, was – Gottseidank – eher selten vorkommt, aber natürlich NICHT nie; wir sind ja alle nur Menschen. Aber ich habe ein Problem, wenn Worte auf die Goldwaage gelegt werden sollen, damit sich niemand angegriffen fühlt, obwohl diese Worte einfach nur eine Sache ausdrücken, die dringend angegangen werden muss. Ich kenne meinen Schulz von Thun weiß Gott, aber irgendwann muss mit dem Rumgeeiere Schluss sein und es braucht Ansagen! Und das verstehen andere offenkundig einfach nicht. Am Ende des Tages bedeutet LEITEN notwendigerweise, nach dem DENKEN zu ENTSCHEIDEN und UMZUSETZEN – und nicht nur darüber zu reden! Irgendwann scheint DAS jedoch aus der Mode gekommen zu sein, und ich habe die Aktennotiz nicht bekommen. Wenn ich ehrlich bin – hätte ich sie bekommen, würde ich diese ignorieren, denn im Geschäftsleben sind wir nicht bei Wünschdirwas, sondern die Zielscheibe auf der Schießbahn. Ach, ich habe schon wieder keine Lust mehr und es sind noch fünf Wochen bis zur nächsten, allzu kurzen Auszeit. Ade, war ned schee…

Das große Staunen N°6 – Konstrukti-was…?

Der Blick aus dem Fenster offenbart es – der Hochsommer geht zu Ende. Gerade mal 8 und es wird schon langsam dunkel da draußen. Viel zu schnell und schmerzhaft zog dieser Sommer vorbei. Gefühlt zu nass und zu kühl (was laut Klimadaten schlicht nicht stimmt), dafür durchsetzt mit einem eklatanten Mangel an Urlaub und einem ebenso eklatanten Überschuss an Arbeit, der sich zumindest an einer Front langsam in Wohlgefallen auflöst – GOTTSEIDANK! Ich will nicht verschweigen, dass ich zumindest in einem Sektor mit mir zufrieden bin – doch auf den anderen Baustellen lauern noch einige Fährnisse, auf die ich gerade überhaupt nicht vorbereitet bin. Und morgen sind die großen Ferien vorbei. Beide Kinder auf neuen Schulen, die Große pubertiert hart, wir sind alle immer noch, immer wieder überarbeitet und bald ist vielleicht schon wieder Dauerschmuddelwetter vor der Tür. Da kannste doch eigentlich nur noch im Strahl kotzen, oder? Oder auch nicht. Keine existenziellen Sorgen, feste Jobs, die wir auch noch gerne machen, echte Freunde; all das lässt vergessen, dass wir gerade den Psalm 23 durchlaufen – wobei ich vieles bin, aber nicht so richtig ein guter Christ. Humanist ja – Christ so lala.

Ich habe mich gerade – natürlich für meine Master-Thesis – mal wieder ausführlich mit dem Konstruktivismus beschäftigt, der da sagt, dass wir alle uns unsere Realität konstruieren – auf Basis dessen, was wir wahrnehmen. Und dass unsere Wahrnehmung durch unsere Biografie, durch unsere Sozialisation, durch unsere (Er)Kenntnisse und unsere Emotionen strukturiert wird. Manche gehen sogar davon aus, dass es gar keine objektiv erfahrbare Umwelt gibt, sondern nur unsere individuellen Konstruktionen. Nun sag DAS mal der Mauer, die dem Auto im Weg stand, der offenen Schranktür, an der du dir den Schädel eingerannt hast, dem spitzen kleinen Legostein, der sich mit Wucht in deine nackte Fußsohle gebohrt hat – immerhin ist ja noch Sommer, da trage ich in der Wohnung nur höchst selten Schuhe oder Socken. Ich denke, dass es sehr wohl eine objektiv erfahrbare Umwelt gibt – aber eben auch jede Menge Dinge, die wir selbst konstruieren. Z.B. auch unsere Vorstellung davon, wie unsere Welt beschaffen zu sein hätte. Was dann dazu führt, dass wir unglücklich werden, weil eben diese Vorstellung, bzw. Konstruktion und die objektiv erfahrbare Realität miteinander konfligieren. Für jene, denen es nicht aufgefallen ist, ich habe gerade kreativ die konstruktivistische Weltsicht mit psychologischem Framing vermischt. Und es tut nicht mal weh. Was für mich bedeutet, dass angeblich sortenreine wissenschaftliche Theorien oft genug nur Hypothesen sind, bei denen sich jede*r mal eben rausnimmt, was er/sie braucht…

Für mich bedeutet das jetzt im Wesentlichen, dass ich versuchen will, diesen “Sommer der Scheiße” in etwas umzudeuten, dass um Klassen besser erträglich ist – einen “Sommer der konstanten Herausforderung”, dem wir uns gestellt und schließlich gewonnen haben – denn wir haben – neben keinen existentiellen Sorgen, festen Jobs, die wir auch noch gerne machen und echten Freunden – zwei Kinder, die uns brauchen und lieben (auch, wenn die zwei das manchmal auf sehr “kreative” Art zeigen) und jede Menge positive Perspektiven. Man muss sich nur immer wieder daran erinnern, dass a) das Leben weitergeht, b) nix so heiß gegessen wird, wie’s gekocht wird, c) die Dringlichkeit der Dinge fast immer durch die sie Erledigenden bestimmt wird, und nicht durch die Drängenden und d) sich auch mal selbst zu feiern vollkommen legitim ist. Wenn du’s nämlich nicht selber tust, werden manche Andere – speziell im Arbeitsumfeld – DEINE Zeit missbrauchen, DEINE Kohle verjuxen und sich insgeheim darüber kaputt lachen, dass DU so blöd bist, ihren Job auch noch mitzumachen. Fickt euch, ihr faulen Amateure der Welt! In diesem Sinne – mein Engagement gibt’s für jene, die es wirklich brauchen, die es zu schätzen wissen und evtl. das Wort “Danke” noch nicht vollkommen verlernt haben. Die anderen können zur Hölle fahren. In diesem Sinne – immer schön lässig bleiben, stur lächeln und winken. Dann wird’s schon mit der neuen Woche.

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Them Vampir Ella

Eigentlich wollte ich heute anfangen, einen Roman über einen genderfluiden Vegan-Pir zu schreiben, der leider ein Allergieproblem mit Rote-Beete hat: them Vampir Ella! Aber was soll ich sagen – stattdessen habe ich mich dann doch in zähnekrirschend Zähigkeit mit hermeneutischer Gesprächsanalyse auseinandergesetzt, damit das verfluchte Master-Dingens fertig wird. Yeehaa Baby, da soll mal einer meckern. Ich bin übrigens ein bisschen hyper, weil gestern das Drama um meine Schwiegermutter seinen vorläufigen Abschluss fand – in Form der Beisetzung. (Weiter)Leben ist immer vorläufig, ich weiß, ich weiß, nichtsdestotrotz hatte ich vor dieser Veranstaltung FURCHTBARE Angst, weil es HASSE – nicht nur ein bisschen ungenehm finde, NEIN ICH HASSE ES – wenn auch nur die entfernteste Möglichkeit besteht, dass ich in der Öffentlichkeit die Fassung verlieren könnte. Denn die Fassung ist das Einzige, was meine Birne im Moment zusammenhält; und zwar in jedem gottverdammten übertragenen oder auch nicht übertragenen Sinne. Und daher muss Ella warten.

Was sie wohl denkt, wenn der Depp mit der kamera vor ihr steht…?

Ich hatte neulich so einen Moment, wo ich im Büro stand, und nebenbei auf Basis einer dahin geworfenen Bemerkung einer lieben Kollegin anfing, eine Geschichte zu erzählen. Free Style, vollkommen absurd und kein bisschen politisch korrekt. DAS ist es, was ich im Moment gerne täte, anstatt in aller Theoremik über das Geschichtenerzählen zu schreiben. Doch wohin mich der Weg im Moment auch tragen mag – physisch, wie psychisch – meine Gedanken landen am Ende des Tages sicher wieder bei den Teilen der Analyse, die noch zu erledigen sind, den Seiten, die noch zu schreiben sind und dem Theorie-Modell, dass noch auszuformulieren ist. “Goddamit Daddy – you know I love you, but you’ve gottahellofalot to learn about ROCK’N’ROLL!” (Danke Meat Loaf!). Ich behaupte ja immer, dass Männer kein Multitasking können. Das ist so aber nicht ganz richtig, wir sind sehr wohl in der Lage, einen sauberen Zeitmultiplex am Laufen zu halten. nur sind die verwendeten Timeslots nicht so kurz, wie oft bei Frauen, so dass es einfach langsamer aussieht. Weniger effektiv ist es nur vielleicht. Was damit gesagt sein soll? Dass ich zwar nicht verstehe warum, aber immer noch ziemlich effektiv bin, obwohl ich eigentlich vorletzte Woche zusammengebrochen sein sollte. Und es tut nicht mal besonders weh. Bin gespannt, wie lang das noch geht…

Eigentlich ist es in den dunkleren Stunden immer die kreative Ader, die uns rettet. Die uns mit großer Inbrunst Unfug verzapfen, über die witzigeren Widersinnigkeiten des Lebens reflektieren, Fünfe zumindest mit runden Ecken versehen, und dem Schicksal mit großer Geste und dreckigem Lachen den Stinkefinger zeigen lässt. Wenn man halt nicht für’s Aufgeben gemacht ist, wird vieles leichter. Ich kenne aber auch Menschen, denen das nicht so leicht fällt; die statt Unfug zu machen dann über Ernsthaftes nachdenken, die bei einer graden Fünf die Nachkommastellen suchen und sich den Mittelfinger in der Drehtür zur Lobby des Lebens einklemmen. Ich bin etwas abgefuckter: Selbst wenn ich verzweifelt bin, gibt’s immer irgendeinen Scheiß, der mich noch zum Lachen bringt, mich ablenkt und mich nicht vollkommen durchdrehen lässt. Und wenn es nur ist, hier einen Blogpost zu schreiben, den vielleicht ein paar Dutzend Menschen lesen… wenn überhaupt. Daher erheb ich den 25.08 hiermit zu meinem persönlichen Scheißegal-Tag. Ich rappele mich jetzt auf, richte mein Krönchen und gehe zum Narrenball; Drinks inclusive. Ich wünsche euch ‘n schönes Wochende!

Auch als Podcast…

Das große Staunen N°5 – ergibt das Sinn…?

Ich hänge gerade hart auf Sinnkrise fest! Ich kenn das ja von mir, wenn mal wieder die Depression reinkickt und mich auf Tour in den emotionalen Marianengraben schickt. Wobei diese Formulierung vielleicht das falsche Bild vermittelt. Ich bin dann nicht zu Tode betrübt und könnte den ganzen Tag heulen. Ich bin auch nicht katatonisch wie manch Andere. Nein, ich fühle dann genau NICHTS. Gar nichts. Weder die schönen noch die schlimmen Dinge. Ich kann zwar funktionieren, halt im Rahmen definierter Parameter, nehme wahr, was rings um mich rum passiert, kann mit anderen Menschen interargieren und sogar einordnen, dass das alles nicht gut ist. Alles rational einordnen! Ich bin also empathisch. Aber fühlen? Nein, fühlen kann ich nichts. Dieses Mal ist es etwas anders, was daran liegen könnte, dass sehr unterschiedliche Stressoren zusammenkommen, die allerdings eine sehr diffuse Gemengelage erzeugen, die mit meinen üblichen Methoden abzuarbeiten nicht funktionieren kann; das ist jetzt schon sicher. Und das macht micht kribbelig. Unter anderem auch, weil meine Ambivalenz- und Ambiguitätstoleranz gerade komplett aufgebraucht sind. Ich stehe also im emotionalen Sinne nackt bis auf die Unterhose aufrecht in einem Sandsturm, der mich langsam aber sicher bis auf die Knochen wegschmirgelt…

Sinn ist ja gerade so ein Buzzword. All diejenigen, die nicht gerade bei Instatokfluenzer-Oberselbstproduzierern zwischen Yoga und Chai Latte nach “Purpose”-Rezepten suchen, sich einen Ratgeber nach dem anderen kaufen, oder jedem nutzlosen Trend hinterher rennen, der gerade als Sau durchs mediale Dorf getrieben wird, landen irgendwann fast zwangsläufig bei älteren Ideen zum Thema Sinn – und damit bei den “echten” Philosophen, die sich seit der griechischen Klassik mit der Thematik auseinandersetzen. Und wenn man dann schließlich bei Sartre gelandet ist – “Existenzialismus” klingt ja schon irgendwie nach Lebenssinn – der sagte “Frei sein heißt zum Freisein verurteilt sein”, wird klar, dass man sich seinen Sinn nur selbst suchen kann. Und man kann ihn nicht einfach so herstellen. Er kann nur emergieren – also erkennbar hervortreten – aus dem, was wir tun oder lassen; denn allzu viele Dinge, die wir tun (können), tragen die Option auf Sinn in sich, die sich jedoch nicht zwingend realisieren muss. Daher sind wir Menschen mit dieser Freiheit zu wählen nicht selten überfordert. Das beginnt bei Konsumartikeln, zieht sich über unsere Studien- oder Berufswahl hin zur Partnersuche und schließlich der Schaffung eines “Nestes”. Immer und überall sind wir vor die Wahl gestellt und haben doch nur unzureichende Werkzeuge, diese zu treffen.

Üblicherweise, wenn ich vor solchen Widrigkeiten stehe, wie gerade jetzt, flüchte ich mich ins Geschichtenerzählen. Aber auch diese Option ist mir derzeit verbaut, weil ich etwas abliefern muss, dass zwar auch mit dem Geschichtenerzählen zu tun hat, jedoch in einem professionellen, nicht in einem Freizeitkontext. Und da ist die Verpflichtungs-Intensität halt eine ganz andere, als wenn ich mich an den Spieltisch setze und mit meinen Pen’n’Paper-Homies ein paar nette Stunden habe. Oder anders formuliert: das Scheißding muss bis Ende September abgeliefert sein, oder sonst... Und genau jetzt fühlt sich meine Arbeit daran so an, als wenn ich Alice hinterher rennen würde, immer tiefer und tiefer in diesen Kaninchenbau aus verschiedensten An- und Einsichten zum Storytelling aus Didaktik, Medientheotie, Psychologie, Pädagogik, Soziologie. Ich weiß so unglaublich viel und doch lange noch nicht genug! Ich renne und renne metaphorisch und komme doch nicht ans Ziel! “Running around in circles is a good way to get nowhere fast!” Herr Doktor, auch ohne Couch glaube ich, dass ich verdammt dringend eine Pause brauche. Holt mich hier raus, ich bin ein Lehrer. Verdammte Axt.

Das irritierende an dem Ganzen ist, dass all die Dinge zusammengenommen tatsächlich Sinn ergeben. Meine konzeptionellen Ideen funktionieren; ich bin allerdings gerade im Begriff, mich atomar zu verzetteln, weil ich an einigen Stellen aus dem Staunen nicht mehr herauskomme. Und wenn du die ganze Zeit staunst, bzw. von Ideen so fasziniert bist, dass du aus reinem Interesse weiterlesen möchtest, dann schreibst du halt nicht. Und schon ist die reservierte Arbeitszeit kaputtgestaunt. Ob’s dieses Wort gibt, “kaputtgestaunt”? Na ja, falls das bisher nicht der Fall ist, gefalle ich mir darin, die längst fällige Hommage an Shakespear hier fallen zu lassen; dem fielen auf alle Fälle auch immer neue Worte ein (Haha – Wortspiel. Ich hoffe, Heinz Ehrhard rotiert nicht zu sehr in seinem Grabe…) Zumindest eines kann ich mit Sicherheit sagen: wie’s auch ausgeht, gelernt habe ich durch diese Arbeit gewiss etwas. Und das sogar nachhaltig. Jetzt muss sie nur noch bis zum Termin fertig werden. Wenn da nur nicht noch die ganzen anderen Anfechtungen wären, die einem den Tag versauen. Doch dazu ein anderes Mal mehr. Einstweilen versuche ich nicht vollkommen aus der Rolle zu fallen – bleibt sauber und gestattet euch auch, zu staunen. Es gibt jeden Tag einen Grund dazu. Man muss nur offen bleiben…!

Auch als Podcast…

Gut gemeint…

Alles in allem geht man so seinem Tagwerk namens “Leben” nach und versucht, die Dinge im Fluss und den Kopf über Wasser zu halten. Manchmal gelingt das besser, manchmal weniger gut; was kein Problem darstellt, solange man dabei nicht bewusst nennenswerten Schaden anrichtet. Im Großen und Ganzen ist das der Gang der Dinge. Außer, man trägt für irgendetwas Verantwortung – dann passiert der Schaden in dem Moment, da man die Verantwortung übernimmt. Meine beste Ehefrau von allen sagte die Tage zu mir, dass sie das hat kommen sehen, seit ich für etwas Verantwortung übernommen habe: nämlich dass ich, solange ich nicht mein echter eigener Boss wäre, immer unglücklich bliebe, weil ich zwangsläufig von anderen, weiter oben in der Hierarchie ins Handwerk gepfuscht bekäme. Und wisst ihr was – sie hat verdammt recht. Man muss dazu allerdings etwas differenzieren. Ich habe kein Problem damit, mir von meinen Teammitgliedern etwas sagen zu lassen, solange es dem Gesamtergebnis dient. Unser angestrebtes Gesamtergebnis ist übrigens, qualitativ hochwertige Aus- und Fortbildung anzubieten, uns als Pädagogen und Menschen weiter zu entwickeln und dabei wirtschaftlich verantwortungsvoll zu handeln. Der zweite Passus bedeutet allerdings nicht “Gewinnerzielungsabsicht”, sondern “Kostendeckung”. Und damit kommen wir zu dem Punkt, an dem ich fuchsig werden muss. “Man muss doch auf dem Markt mit dieser Dienstleistung richtig Geld verdienen können! Mindestens soundsoviel Prozent Bruttoumsatzrendite müssen es schon sein…!” NÖ, MUSS MAN NICHT! Man MUSS endlich verstehen, dass der Homo Oeconomicus eine Schimäre ist, und dass eine Organisationskultur, die den Namen auch verdient, auf Transparenz, Vertrauen, Wertschätzung und gegenseitigem Respekt aufbaut – IN BEIDE RICHTUNGEN.

Barrieren…

Ich meine es meistens gut mit den Menschen, auch wenn ich die meisten von ihnen zu hassen behaupte. An schlechten Tagen ist die Behauptung wahr, an guten… nicht so ganz. Einer meiner Chefs meint manchmal sogar, ich meine es zu gut mit den Menschen. Ich sei vielleicht gelegentlich zu weich. Kann sein. Doch in einer Welt, in der es offenkundig Usus geworden ist, Menschen vor allem nach ihrer geschäftlichen Nützlichkeit, ihrer Produktivität und ihrer Anpassbarkeit an betriebliche Notwendigkeiten zu beurteilen, verweigere ich mich dieser kapitalistischen Verzweckung des Menschen. Auch, wenn immer wieder gerne behauptet wird, dass Unternehmenshandeln sich am Besten der Angestellten und Kunden orientieren würde, kommt mir der Mensch mit seinen Interessen, Bedürfnissen, Begrenzungen und Sorgen zu kurz. Als Pädagoge ist ein nicht unerheblicher Teil meiner Zeit darauf verwandt, an Einstellungen zu arbeiten. Mindsets wachsen zu lassen, indem man die Menschen dazu bringt, ihre eigenen Überzeugungen zu hinterfragen – die bewussten und die unbewussten. Und die ganze Zeit über beschäftigt man sich dabei notwendigerweise mit seiner eigenen Begrenztheit. Ich habe in den letzten Tagen erfahren müssen, dass ich an meinen Grenzen angekommen, evtl. sogar darüber hinaus gegangen bin. Und stehe dennoch hier und kann nicht anders, als weiterzumachen. Weil ich es gut meine. Gut mit den anderen Menschen, ihren Interessen, Bedürfnissen, Begrenzungen und Sorgen. Nur meine eigenen, die habe ich wohl aus dem Blick verloren…

Ich bin im Job auf Probleme gestoßen, die zum Teil meinem Gutmeinen geschuldet sind. Diese Kritik nehme ich an; weil mir bewusst geworden ist, dass ich da zu lax gehandelt, zu sehr auf den Respekt und die Verlässlichkeit Anderer vertraut habe. DEN Fehler mache ich nicht noch einmal. Zu einem anderen Teil sind diese Probleme aber auch den tauben Ohren jener Anderen geschuldet, welche sich die Welt nun machen Widdewiddewie sie ihnen gefällt. Und DIE nehmen ihre Kritik NICHT an. Und das schaue ich mir höchstens noch ein paar Monate an. Wenn sich bis dahin kein Verstehen und kein Respekt für meine Posoitionen abzeichnet, bin ich weg! Denn die haben geschafft, dass mir mein Commitment und meine Arbeit der letzten Jahre nutzlos vorkommen! Dass ich kein Land mehr sehe! Dass ich an mir und meiner Qualität zweifle! Danke für nichts! Dafür wird immer schön eine Schippe Arbeit nach der anderen nachgelegt. Mehr Verantwortung gefordert. Mehr Leistung. Mehr Umsatz. Doch entschädigt das Schmerzensgeld, welches ich derzeit beziehe, wirklich für all das? Dafür, dehumanisiert und funktionalisiert zu werden? Nicht mehr als der Mensch wahrgenommen zu werden, der man eigentlich ist – nicht mal von sich selbst…? Ich mochte meinen Job – bis nur auf Zahlen fixierte Narren ihn mir wegnehmen und durch einen riesigen Haufen Kapitalistenscheiße ersetzen wollten. Aber noch bin ich nicht fertig. Mal sehen, wie’s ausgeht. Ab jetzt muss ich es mit mir selbst gut meinen. Mein einziges Ziel dabei ist, auch in Zukunft erhobenen Hauptes in den Spiegel sehen und sagen zu können: “Meine Ideale kann NIEMAND kaufen! No pasarán!”

Das große Staunen N°4 – stur lächeln und winken!

Als wenn ich’s nicht gewusst hätte! Die letzten zwei Wochen sind an mir vorbei galoppiert wie’n Eichhörnchen auf Koks. Natürlich sagt man sich immer, dass man nach dem Urlaub erst mal langsam reinmäandern möchte, aber das ist eigentlich nicht mein Ding. Ich hasse es abgrundtief, wenn Dinge zu lange unerledigt rumliegen; und das ist nach zwei Wochen Absenz halt automatisch der Fall. Und musste mich dennoch dieser Tage schelten lassen, weil etwas so lange liegen geblieben ist, dass dies gewisse Probleme verursacht hat. Aufmerksamkeit ist schon eine merkwürdige Angelegenheit. Einerseits sind wir mit etwas Übung in der Lage, unfassbare viele kleine Dinge im Nahbereich beinahe gleichzeitig zu registrieren. Aber das große Ganze, oder auch ein Prozess, der nicht direkt vor unserer Nase liegt? Pfffft… aus den Augen, aus dem Sinn! Das ist wohl einer der Gründe, warum so viele Menschen nicht verstehen, dass auch ihr – zugegeben oft sehr kleiner – Beitrag zum Klimaschutz einen Wert hätte, wenn sie denn bereit wären, diesen zu leisten. Oder das Wählen gehen nicht nur ein demokratisches Recht ist, sondern gleichsam auch eine Pflicht, die Demokratie durch Legitimation zu stärken. Auch, wenn man nicht immer der gleichen Meinung sein mag, wie der schlussendliche Gewinner.

Gorges de Galamus

Ich versuche derzeit, meine Aufmerksamkeit so nah wie möglich bei den Dingen zu lassen, die MIR persönlich wichtig sind, weil sie mein Leben berühren; gleich, ob das jetzt primär meine Familie, meine Freunde, meine Studien oder meine Arbeit betrifft. Vorhin versuchte ich, etwas zu lesen, dass mir wichtig ist und für meine Studien hilfreich sein wird. Allerdings war ich so blöd, diesen Versuch auf meinem Handtuch, im Schatten eines Baumes an den Gestaden unseres bevorzugten Badesees zu unternehmen. An einem Samstagmittag im Frühsommer ist es da ja auch menschenler und total beschaulich, nicht wahr…? Kurz gesagt, nach fünf Minuten habe ich das Buch entnervt wieder weggelegt, weil die immer wieder zwischen Englisch und Deutsch wechselnde Konversation mehrerer Hardcore-Gamer in der Nähe mich brutal abgelenkt hat; wofür die natürlich nichts konnten, sie suchten ja auch nur Erfrischung im Grünen. Ich stelle einmal mehr fest, dass ich für bestimmte Tätigkeiten meine Solitude brauche. Das fickt mich auch immer wieder während der Arbeit. Ich sitze in meinem Büro und versuche mich gerade tief in einen Kaninchenbau hineinzudenken, auf der Suche nach einer Alice der Erwachsenenbildung – und alle verdammten fünf Minuten gibt’s irgendeine Ablenkung. So sehr ich die meisten meiner Kollegen:innen auch schätze und mag – ICH kann so NICHT arbeiten! Zumindest nicht an Projekten, die nach Hirnschmalz verlangen.

Der Input, den ich in meinem Job als Schulleiter abarbeiten muss, erfordert ein schnelles Hin- und Herfokussieren incl. Scharfstellen nach Auffinden der richtigen Brennweite, analog zum Gebrauch eines guten Reisezooms (in meinem Fall: M. Zuiko Digital ED 12-100mm F4 IS Pro). Das Problem ist, dass ich dabei – im Gegensatz zu meinen Knips-Sessions – nicht immer selbst darüber bestimme, wie viel Zeit ich mir für ein bestimmtes Motiv nehmen kann, weil es viele Stakeholder gibt, deren interessen ich im Blick behalten muss. Ist ein bisschen wie Jonglieren mit Fackeln, worin ich definitiv viel weniger geübt bin, als im Fotografieren. Daraus folgt, dass mein Job eine gewisse Fehleranfälligkeit bekommt, je mehr Prozesse unterschiedlicher Natur und Geschwindigkeit gleichzeitig am Laufen sind. Manche Menschen akzeptieren das als Entschuldigung, wenn mal was verrutscht ist, andere nicht, weil in der Geschäftswelt am Ende eines Quartals / Jahres nur das Ergebnis unter dem Strich zählt. Und ich verstehe das selbstverständlich, nehme ich meine Gesamt-Verantwortung doch durchaus ernst. Ich werde jetzt nicht behaupten, dass mich das nicht belasten würde; tatsächlich ist für mich persönlich meine erste und wichtigste Mission, sach- und fachadäquate pädagogische Qualität an die SuS / TN zu bekommen! Und ich höre in letzter Zeit immer wieder, dass es so, wie wir das täten zu teuer würde. Die ursprünglich ausgelobte Mission war jedoch eine andere. Die Parameter haben sich mittlerweile aber geändert, weil ambitionierte Projekte entwickelt werden. Geld wächst aber nicht auf Bäumen und Preise kann man genauso wenig beliebig erhöhen, wie SuS / TN-Zahlen. Das will man aber an gewissen Stellen nicht hören.

Ich will wieder dahin!

Wir bleiben nach wie vor, auch wenn das auf den ersten Blick anders wirken mag, beim Thema Aufmerksamkeit: wenn ich irgendwas anschaue, dann gibt es immer bestimmte Qualitäten eines betrachteten Objektes, die verschiedenen Betrachtern unterschiedlich stark augenfällig werden: meine beste Ehefrau von allen ist Goldschmiedin. Sie macht Dinge von erlesener Kunstfertigkeit, die nicht unbedingt zum Alltagsbedarf gehören. Nähere ich mich einem solchen Objekt, kann ich entweder die handwerkliche Arbeit und Expertise bewundern, die hineingeflossen sind, mich fragen, ob dieses Stück zu mir passen würde – oder ich hänge mich am Preisschild auf und fange an rumzunölen, dass das ja viel zu teuer sei. Das Material würde doch nur soundsoviel kosten. Die Gegenfrage ist dann immer, ob man, wenn man ein Auto bräuchte auch nur bereit wäre, die Materialien zu bezahlen, nicht jedoch das ganze Handwerk, welches sich in einem so komplizierten technischen Gerät realisiert. Viele Leute verstehen die Frage nicht, weil es ihnen vielleicht nicht an finanzieller Expertise gebricht – wohl aber an dem angemessenem Respekt für die Komplexität und das Know-How, welche es für die fragliche Leistung braucht. Wer Analogien zu meiner Tätigkeit findet, darf gerne darüber nachdenken.

Ganz ehrlich – ich hatte heute mit einem alten Freund eine kurze Konversation via Chat, die sich um die Frage drehte, ob ich nicht kürzer treten könnte. Mein Antwort war, dass das genau JETZT nicht der Fall sei, weil ich eben für bestimmte Dinge eine Verpflichtung habe, die ich erfüllen will, das Licht am Ende des Tunnels jedoch vom Jahresende aus schon langsam sichtbar wird. Und ich empfinde die eben erwähnte Verpflichtung – dies sei in aller Deutlichkeit gesagt – zuvorderst für meine Kollegen:innen und die uns anvertrauten SuS; nicht jedoch zwingend für meinen Arbeitgeber. DER muss sich langsam aber sicher genau überlegen, ob der eingeschlagene Kurs wirklich so gesund ist, wie man sich das derzeit einredet! Meine Antwort darauf ist mittlerweile leider ein klares “NEIN”! Und ich bin mittlerweile müde, dies durch die Blume zu sagen, um dabei, wie die Pinguine aus Madagaskar, stur zu lächeln und zu winken. Skipper kann mir mal den Buckel runter rutschen. Ich wünsche euch dennoch ein schönes Wochenende und viel Spaß bei dem guten Wetter. Genießen wir es, so lange es noch geht.

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°47 – Der DEMOTIVATOR!

Klingt das Wort da oben etwa ein bisschen wie der DEMENTOR aus Harry Potter? Na ja, die Ähnlichkeit ist vielleicht gewollt. Als Lehrer in einer Berufsfachschule stehe ich nicht selten vor dem Problem, junge Menschen zum Lernen motivieren zu müssen. Man geht ja immer naiv davon aus, dass die alle im Unterricht nicht nur physisch, sondern auch psychisch präsent sind, weil sie sich ja freiwillig für diese Berufsausbildung entschieden haben. PUSTEKUCHEN. Geht man dann nämlich durch die Reihen, stellt man durchaus fest, dass da nebenher ganz andere Dinge eine Rolle spielen. Vielleicht, weil nicht jedes Thema jeden Menschen gleich stark interessiert. Was zunächst vollkommen legitim ist. Allerdings ist das ALLERMEISTE davon am Ende prüfungsrelevant. Aber das geht ihnen erst so ca. vier Monate vor Schluss auf – und dann gehen ihnen noch ganz andere Dinge; z. B. die Düse, oder der Arsch auf Grundeis. Fakt ist, dass man nicht JEDE:N zu ALLEM gleich gut motivieren kann. Aber zumindest kann man versuchen, Interesse zu erzeugen, denn Interesse hilft bei der intrinsischen Motivation (vgl. hierzu Krapp 1999, S. 400 ff).

End of the road…

Man könnte im Umkehrschluss sagen, dass schlechtes Unterrichtsdesign, vor allem aber auch schlechtes Aufgabendesign die Motivation der Schüler:innen vernichten, oder anders gespochen absaugen kann, so wie ein Dementor seinem Opfer alle Emotionen und Affekte absaugt und es psychisch verkrüppelt zurücklässt. Nun führt ein, oder auch mehrere nicht optimal gelaufene Unterrichte mitnichten dazu, Schüler:innen psychisch zu verkrüppeln. Wohl aber kann es mit der Zeit zu einer insgesamt sinkenden lernmotivation führen, die zu schlechteren Leistungen führt (wir müssen halt taxonomieren, also Noten geben), was widerum zu einer sinkenden Lernmotivation führt, was… der Teufelskreislauf ist leicht zu erkennen, wenn man denn möchte. Eines der großen Probleme hierbei ist, dass selbst bei hinreichend guter, ausgewogener, methodenpluralistischer Vorbereitung durch Pädagogen, wie bereits oben erwähnt, nicht alle Menschen auf die gleiche Weise zu packen sind. Nun haben junge Erwachsene zwar noch keine voll ausgereifte Selbstkontrolle, sind aber schon ein Stück des Weges gegangen; weshalb man die zumeist irgendwie auf die Spur bekommt. Bei Grundschulkindern ist dies jedoch NOCH nicht der Fall.

Ich bin nicht nur Pädagoge, sondern auch Vater. Und meine kleinere Tochter ist, wenngleich ein kluges, wortgewandtes, sportliches Kind auch ein ziemlicher Sturkopf – und unter dem ganzen Bohei, den sie verzapfen kann ein eher sensibler Mensch. Nun ist es so, dass die Grundschule hier in Deutschland nachweislich darauf angelegt ist, die Kinder zu normieren, in Schubladen zu packen und zur passenden pädagogischen Weiterbearbeitung an die “richtige” Folgeschulform zu verweisen. Ich meine das nicht böse. Es gibt gewiss jede Menge Pädagogen:innen da draußen, die ihr Bestes geben, ihren Schülern:innen Spaß am Lernen zu vermitteln; aber das primäre und sekundäre Schulwesen in Deutschland sind – Marktwirtschaft sei Dank – darauf ausgerichtet, möglichst viele, möglichst reibungslos in den Arbeitsmarkt integrierbare Humanressourcen zu dressieren! Und nicht wenige Pauker:innen haben eben dies so sehr verinnerlicht, dass sie die Notwendigkeiten dieses “Dressierens” bis zum bitteren Ende durchdeklinieren! Mit der Folge, dass Kinder wie meine kleinere Tochter an der Schule verzweifeln. Denn sie LÄSST SICH NICHT EINPASSEN!

Ja, da müsste ich in meiner Funktion als Lehrer und Leiter einer Berufsfachschule doch Jubeln – da kommen doch lauter super beschulbare Drohnen zu mir, oder? NÖ! Da kommen nicht selten Menschen, denen man das Lernen Wollen von Grund auf verleidet hat und denen, in der Folge, meine Kollegen und ich mit Mühe wieder beibringen müssen, für sich selbst und seine Ziele Eigenverantwortung zu übernehmen (ich verweise hier auf das Thema “Metakognitive Strategien” stärken, über welches ich im letzten Post dieser Serie gesprochen hatte). Schaue ich nun auf meine kleine Tochter, könnte ich im Strahl kotzen, wenn ich z.B. höre, dass sie ein Referat mit einem frei wählbaren Thema halten darf/soll, allerdings erst im Nachhinein sehr spezielle Formatvorgaben gemacht werden und dann bemängelt wird, dass die Kinder sich nicht an diese Vorgaben gehalten hätten. Also ich sage mal, wie man das bei uns macht: für selbstorganisierte Arbeitsaufträge gibt es auch bei jungen Erwachsenen Vorgaben hinsichtlich Quellen, Zeitansätzen, Meilensteinen und Formaten, die zuvor transparent kommuniziert werden. Innerhalb dieser Vorgaben ist jedoch eine Menge Kreativiät möglich – und wünschenswert. Andernfalls bekomme ich nämlich keine Eigenleistung, sondern irgendwas – was bei einer 10jährigen dann vermutlich auch noch eine Menge Starthilfe von den Eltern benötigt, weil ein Kind in dem Alter in aller Regel noch nicht auf der formal-operationalen Stufe der kognitiven Entwicklung angekommen ist, die es aber braucht, um komplexe Zusammenhänge erfassen und darstellen zu können. Insbesondere, wenn man auch noch erraten muss, was der/die Pädagoge:in denn nun sehen möchte, oder auch nicht! Befasst man sich heutzutage in der Pädagogen:innen-Ausbildung nicht mehr mit Piaget, Erikson, Kohlberg…?

Ich las neulich Bob Blumes Buch “10 Dinge, die ich an der Schule hasse […]” und ich musste leider bei sehr vielen Absätzen nicken und hatte dabei den schulischen Werdegang beider Kinder, vor allem aber den meiner jüngeren Tochter vor Augen. Mit deviantem Verhalten und originellen Denk- und Argumentationsstrukturen (ich habe beide Kinder vom frühest möglichen Zeitpunkt an mit Ironie gegängelt, damit sie mir jetzt ordentlich Kontra geben können – Gott wie ich das hasse, wenn ein Plan funktioniert…) können eine Menge Lehrkräfte offenkundig schlicht NICHT umgehen. Und nutzen daher ihre “Machtposition”, um das Kind zu disziplinieren. Und die Eltern am Besten gleich mit, damit die das Kind auch schön in Form pressen helfen. Bei uns funktioniert das nicht. Und ich gebe ehrlich zu, dass ich manchmal einfach nur nicke wie der Wackeldackel, mir mein Teil denke und tue, was ICH für richtig halte! Denn am Ende müssen das Kind selbst und ICH es den Rest meines Lebens miteinander aushalten – nicht die Pädagogen:innen, die es gerade mit Ansage verbocken! Daher ist mir deren Meinung – auch weil ich selbst Pädagoge bin – herzlich gleichgültig. In ein paar Wochen ist dieses Kapitel eh rum, dann kommt meine Kleine in die Sekundarstufe. Was dann passiert, wird sich weisen. Aber noch mal ganz ehrlich: am Ende fragt keine Sau mehr nach den Noten der 7., 8., 9. Klasse! Der Mensch, der dabei am Ende rauskommt soll eigenständig denken und lernen, kritisch sein, für sich selbst einstehen und trotzdem Spaß am Leben haben können! Dann haben wir als Eltern nicht alles falsch gemacht! In diesem Sinne – Urlaub rum, morgen ruft die Arbeit. Drauf geschissen. Euch ‘ne schöne Woche!

  • Krapp, A. (1999): Intrinsische Lernmotivation und Interesse. Forschungsansätze und konzeptuelle Überlegungen. Zeitschrift für Pädagogik45(3), 387-406.
  • Blume, B. (2022): 10 Dinge, die ich an der Schule hasse und wie wir sie ändern können. München: Mosaik Verlag.
Auch als Podcast…

Das große Staunen N°3 – AI anybody…?

Es ist für mich ein wenig komisch, wenn ein Blogpost nicht komplett in einem Rutsch geschrieben wird, weil ich meine Gedanken nämlich oft “hot as they come” erst im Schreibprozess selbst sortiere; dabei Pausen zu machen, führt manchmal zu Verwirrung und Brüchen im Text. Der eine Rutsch war diesmal nicht möglich, weil Teile des Posts in Amsterdam am Flughafen entstanden sind, während ich auf meinen Flieger nach Hause warten durfte. Und dann war ein paar Tage Zwangspause, weil Hektik und Umtriebigkeit am Arbeitsplatz, gepaart mit der Notwendigkeit die Familien-Reise auf den letzten Drücker vorzubereiten, dazu geführt haben, dass das Ganze erst ein paar Tage später in Südfrankreich zu einer Konklusion kommen konnte. Aber ich will ehrlich sein – diese Gedanken haben sich schon über einen längeren Zeitraum entwickelt; und erst der Besuch einer Veranstaltung mit vielen anderen Spezialisten aus dem Feld hat dann eine Art Initialzündung in meinem Kopf bewirkt, die ich irgendwie zu fassen versuchen musste, bevor der “Spirit of thoses days” verdampft gewesen wäre. Dieses Mal führte der beschriebene Prozess dazu, dass ich mich mit Abstand nochmal mit den Gedanken auseinandersetzen musste – und ich kam zu dem Ergebnis, dass das Geschriebene für mich immer noch passt. Also geht’s jetzt los!

“…über den Wolken…”

Es ist, wie ich denke, momentan ein Allgemeinplatz, dass AI oder Artificial Intelligence der neue heiße Scheiß ist; und zwar egal wen und egal wo man fragt. Es gibt keinen Bereich, in dem man der Thematik entgeht. Ich arbeite ja im Bereich Rettungsdienst /Rettungsdienst-Ausbildung und auch für uns ist die AI-unterstützte Evaluation der vielen Daten, welche wir im Laufe eines Jahres produzieren von erheblichem Interesse. Sie kommen aus den Geräten, die bei der Diagnostik und Behandlung der Patienten genutzt werden sowie der kumulierten Anamnese der Patienten; und sie müssen erhoben werden, weil wir zur sauberen Dokumentation unserer Befunderhebung und Behandlung gesetzlich verpflichtet sind. Und sie könnten Mehrfachnutzen haben. Einerseits, weil Evidenz-basierte Medizin Evidenz braucht. Ohne epidemiologische Daten kann man nämlich nur sehr schwer herausfinden, ob die gegenwärtig installierten Prozeduren tatsächlich tun, was sie sollen – also in unserem Fall den Patienten wirklich helfen, oder ob wir’s nur so machen, weil man’s halt schon länger (immer) so macht. Manchmal habe ich nämlich den (höchst unangenehmen) Eindruck, dass verschiedene Protagonisten gar nicht so sehr daran interessiert sind, weil eine Änderung der Prozeduren sie notwendigerweise aus ihrer Komfortzone prügeln würde. Und die Bereitschaft zum Wandel war schon immer ein Problem. Nicht nur in meiner Profession…

Andererseits, weil diese Daten verschiedenen Institutionen und Personen im Verlauf einer Behandlung zugänglich gemacht werden müssen, um einen allzeit der Patientensicherheit förderlichen Wissensstand der Behandler gewährleisten zu können. Und auch da trifft man auf eine Menge Hindernisse, weil viele unterschiedliche Institutionen und Behandler mit höchst unterschiedlicher Tech-Infrastruktur und variierender Expertise in deren Nutzung in eine Patintenversorgung involviert sein können. Sinnvoll wäre mehr und tiefgreifendere Datenanalyse aber auch, weil eine sie Aufschluss darüber geben kann, welche Klientel, denen wir begegnen tatsächlich in ein Krankenhaus gehören – und welche nicht! Und zwar unabhängig davon, ob jemand glaubt, dass seine Convenience durch den Ritt im Pflasterlaster zur Ambulanz verbessert würde, man also tatsächlich annimmt, schneller dranzukommen, weil Blaulichtauto. Das ist nämlich eine Legende! Wie wir allerdings dahin kommen – also, ob wir uns darauf verlassen können, dass die Industrie und ihre Vertreter im Rahmen ihres Profit-Interesses jene Lösungen liefern können und wollen, die uns wirklich helfen, oder ob wir doch besser selbst zu Entwicklern unserer Arbeitsumgebung werden sollten – steht derzeit noch nicht fest. Nur eines ist sicher: alles bleibt anders. Oder besser: ALLES MUSS ANDERS BLEIBEN! Andernfalls fährt unser Gesundheitswesen mit Wucht an die Wand. Und das nicht nur in Deutschland.

Da aber aus meiner Sicht der Ruf laut werden muss, dass man der Wirtschaft durchaus einen guten Teil der Entwicklung von Produkten überlassen kann, politische Prozesse jedoch von Stakeholdern aus dem Feld moderiert und mit verhandelt werden sollten, gibt es nur den Weg, sich noch mehr selbst Lobby zu werden und alle möglichen Kanäle der Einflussnahme zu sichern. Das wird kein Leichtes sein, aber eines ist sicher: die berufsständischen Vertretungen gegenwärtigen Zuschnittes sind NICHT der Weisheit letzter Schluss, weil sie sich allzu oft in binnenpolitischem Klein-Klein verlieren und Partikularinteressen einzelner Parteien und Personen viel zu viel Raum in Diskussionen bekommen, die eigentlich sozialadäquat, sachorientiert und mit systemischem Blick von Fachleuten ohne Ego-Ambitionen geführt werden sollten. Ich sehe in Deustchland vieles, doch das eben benannte passiert VIEL zu selten! Wer hat Lust, sich mit mir und meinen Ideen auseinanderzusetzen? Ich wünsche euch ein schönes Pfingsfest. Grüße aus Tautavel.