What about happiness? (Part 8)

Immer dieses inszeniert-arrogante Geseiere über die “kleinen Dinge im Leben”, die man doch voller Achtsamkeit genießen muss! Ja, ja Selbstverwirklichungs-Dinkeldörte und Stylehipster-Jean-Yves – schon recht, ihr habt’s voll drauf mit dem Leben und so. Und jetzt verschwindet mit eurem öko-getradeten Matcha-Latte bitte auf eurem Holland-Lastenrad aus meinem Sichtfeld, sonst muss ich furchtbar KOTZEN bei so viel sorgfältig kuratiertem, selbstgefälligem Narzissmus! Quinoa ist übrigens NICHT nachhaltig. Wo war ich…? Ach ja, mal wieder beim Glücklichsein… oder besser hoffentlich bald glücklicher Werden. Ich kann berichten, dass ich mich, um der existenziellen Sicherheit und meines Teams Willen, dazu entschlossen habe, genau dort zu bleiben, wo ich bin und auch weiter genau die Position auszufüllen, die ich bislang bekleidete – obschon manche Menschen mich offensichtlich zu gerne von exakt dieser Position entsorgt gesehen hätten. Man kann natürlich versuchen, dass als Schutz des Mitarbeiters zu verkaufen – oder aber wir nennen es beim wahren Namen: verbandspolitische Machtspielchen, weil ich halt nicht so leicht zu steuern bin wie Andere. Is mir egal, wie man es nennt. So einfach wird man mich nicht los. Und weil die nächste Runde so sicher kommt, wie das Amen in der (evangelischen) Kirche, lege ich bereits meine Munition bereit. Damit ist dieses Thema für MICH zunächst geschlossen, denn ich habe auch so eine Menge Dinge zu erledigen, danke der Nachfrage. Ob mich das jetzt glücklicher macht? Sagen wir mal so – ich fühle eine beinahe tödliche Ruhe bezüglich meiner Arbeit und den Dingen, mit denen ich dort konfrontiert bin. Vermutlich habe ich nun endgültig emotional damit abgeschlossen. Ich erwarte keine Entschuldigung für subjektiv erlittenes Leid mehr, sondern mache einfach nur meinen Job; und zwar auf hohem Performancelevel! Und intern äußere ich sehr präzise und sehr deutlich, was ich über wen denke! Wenig davon ist schmeichelhaft…

Glücklichsein hat was mit Coping-Strategien zu tun, also Mechanismen, die einem helfen, aufkommenden Stress zu verarbeiten, bzw., Resilienz-Ressourcen (wieder) aufzubauen. Was soll ich sagen: ich lasse meinen Ärger raus (hier und auch bei bestimmten Personen). Ich habe ein paar sehr enge soziale Bindungen, die mir helfen, mich selbst und die Dinge, die mich anfechten zu reflektieren; und auch mal zu re-framen. Ich nutze meine kreativen Hobbies, um mir positive Selbstwirksamkeitserfahrungen zu verschaffen, welche die Batterien wieder auffüllen sollen. Ich beschäftige mich aktiv immer wieder mit dem, was mich aufregt. Und doch genügt es noch nicht. Wahrscheinlich bräuchte es eine längere Auszeit, weil mein Akku auch nach einem langen Wochenende bestenfalls bei drei von fünf Balken steht. Nach einem Urlaub vielleicht bei vier… Fünf Balken habe ich schon EWIG nicht mehr erlebt. Natürlich bin ich mit meinen Problemen nicht allein, aber seien wir doch mal ehrlich – die allermeisten anderen Menschen interessieren mich ebenso einen Scheiß, wie ich sie. Also hören wir doch mit dem verlogenen Whataboutism auf und sagen wie es ist: ich funktioniere paradoxerweise mit drei oder auch nur einem von fünf Balken immer noch besser als sehr viele ander mit mehr Energie. Warum? Weil ich unterdessen gelernt habe, in dem was ich tue verfickt viel effizienter zu sein als Andere! Get over it, bro – you ain’t on my level, and maybe you’ll never be! Dieses bisschen Arroganz gönne ich mir hier und jetzt! Aber vielleicht wäre es für meine Gesamtgesundheit besser, wenn ich leichter bräche? Keine Ahnung Weil das aber nicht so ist, schleppe ich mich von Weekend zu Weekend, von Urlaub zu Urlaub, von Sitzung zu Sitzung, von Tag zu Tag. Das klingt jetzt schlimmer, als es tatsächlich ist, denn es tut nicht allzu weh; wahrscheinlich sind manche Rezeptoren schon lange abgestorben. Doch – ich schaffe mir immer wieder Gelegenheiten, auszubrechen, etwas Schönes, Spannendes, Inspirierendes, Belustigendes zu erleben, was dann doch über eine gewisse Zeit hilft.

Ich war am letzten Sonntag – ja einem DIESER heißen Tage – abends in der Stadt unterwegs, um zu knipsen. Ich kam irgendwann zu einen recht zentralen Ort und am Ufer des Neckar sinterten ein paar, auf den ersten Blick ziemlich abgerissene aussehende Gestalten auf einem Weg umher, die aus einer Boombox recht laut Techno hörten. Mir fiel zuerst der eine auf, der rücklings auf dem Weg lag und ich dachte von Ferne, vielleicht bräuchte er Hilfe. Doch während ich näher kam wurde mir klar, dass er gerade nur seinen erweiterten Bewusstseinszustand genießen wollte. Ich würde mal schätzen, dass ‘ne schöne Ladung Acid oder so im Spiel war. Also ging ich weiter auf eine Fußgängerbrücke, die mich immer wieder als Ausgangspunkt für Fotomotive anzieht. Und irgendwie merkte ich, dass der Techno meine Füße bewegen wollte. Ich höre unterschiedlichste Formen von Musik und verschiedene elektronische Stile gehören definitiv zu meinen bevorzugten Genres. Ich fand das lustig und wenn’s nicht so verflucht heiß gewesen wäre, hätte ich alter, dicker Mann mich definitiv mehr zu den Klängen bewegt. Die Musik begleitete mich die ganze Zeit, während ich rings um die Brücke knipste – und irgendwie machte das den Abend gleich noch mal besser. Es war eine Fotosession und zugleich auch ein bisschen wie Ausgehen. Wenngleich meine Disco-Zeiten schon ein paar Tage zurückliegen mögen. Es sind solche – stets unerwarteten – Erlebnisse, die für mich das Salz in der Suppe meines Lebens sind. Die mir helfen, mich selbst wieder zu grounden und akzeptieren zu können, dass es auch für mich noch Fun and Games gibt. Dass ich meine Arbeit stets an ihrem Ort zurücklassen und nicht weiter darüber nachgrübeln muss. Dass ich doch viel freier bin, als ich das manchmal empfinde. Und das eine meiner wichtigsten Resilienz-Ressourcen meine Fähigkeit ist, mich auch – immer noch – auf das Unerwartete einlassen zu können! Zumindest manchmal. Einfach weniger erwarten und mehr treiben lassen. Werde ich ab jetzt wieder häufiger versuchen. In diesem Sinne, ein schönes Wochenende im Flow…

Auch als Podcast…

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