In meinem Interesse…?

“Es muss doch in ihrem Interesse sein…?” Bla, Bla, Bla! Ich kann diese Floskel nicht mehr hören, macht sie doch lediglich unmißverständlich klar, dass der Sprecher eine klare Vorstellung davon hat, was seine Interessen sind und dass es ihm sehr gelegen käme, wenn ich diese auch zu meinen machte. Man könnte es aber auch so verstehen, dass er schon durchschaut hat, was meine Interessen sind und mir unterstellt wird, dass ich einfach nur zu blöd bin, diese zu erkennen.

Nun ist dieser Begriff sehr vielschichtig, meint die lateinische Wurzel doch das dazwischen, bzw. dabei sein, also die Anteilnahme an Sachverhalten und Personen, oder nach neueren Theorien aus der Soziologie und Psychologie vielleicht doch eher den Grad der Verstrickung in Interaktionsprozesse, also wie sehr wir uns mit einer Sache oder einer Person bzw. einer Gruppe von Personen beschäftigen. Das beinhaltet allerdings auch die Verknüpfung von bestimmten Zielen mit dem jeweiligen Grad an Anteilnahme, also z.B. beim Wunsch nach einer festen Beziehung, in deren Erreichen und Erhalt wir u.U. erheblichen Aufwand investieren (müssen), dass wir folglich im Gegenzug auch auf einen Benefit hoffen – eben im aktuellen Beispiel den Partner, der genau so viel in die Beziehung hinein steckt, wie man selbst.

Natürlich habe ich den Sachverhalt jetzt etwas vereinfacht, aber im Großen und Ganzen bedeutet Interesse vermutlich, stets abhängig vom jeweiligen Fokus, eine irgendwie geartete Investition, an die sich die Hoffnung auf irgend eine äquivalente Form von Reward knüpft. Dieser Reward kann in pekuniärem Erfolg bestehen, aber ebenso in sozialem Erfolg wie Zuwendung, Prestige, Anerkennung o.Ä. Dieses Verständnis des Begriffes unterstellt allerdings, dass man sich seiner Bedürfnisse und Ziele bewusst sein und die Bereitschaft aufbringen müsste, dementsprechend konsequent zu handeln.

Aber wohin führt uns das? Relativ einfach gesagt zu dem entscheidenden kleinen Unterschied zwischen dem so genannten Otto-Normal-Verbraucher und jenen, die das Sagen haben, bzw. sich das Sagen- und Tun dürfen einfach heraus nehmen, weil es ihnen gelungen ist, sich in eine Position zu manövrieren, die für eben genannte Otto-Normal-Verbraucher weder erreichbar, noch angreifbar ist: sie können ihre Interessen nicht nur präzise artikulieren, sondern sie verfügen auch über die Fähigkeit, ihre Ressourcen und die anderen Menschen um sich herum so zu instrumentalisieren, diese Interessen auch durchzusetzen und ihre sowieso schon vorhandene Macht so zu mehren. Es wirkt vielleicht auf den ersten Blick wie ein Zeitgeistproblem, dass gerade jene, welche über die Fähigkeiten und Möglichkeiten dazu verfügen, selten sonderlich altruistisch oder Gemeinwohl-orientiert zu handeln scheinen. Doch tatsächlich ist genau das eine Handlungsfigur, die sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte zieht.

Folgt man der Argumentation der Autoren des Buches “Warum Nationen scheitern”, so ist einer der wichtigsten Faktoren, die darüber entscheiden, ob eine Fraktion dazu im Stande sein kann, Macht über die anderen vorhandenen Interessengruppen zu erlangen, der Grad an Pluralismus, den eine Gesellschaft zu erlangen im Stande war/ist. Doch genau dieser gesellschaftliche Pluralismus, der letzten Endes als eine Art Dämpfer gegen autokratische Bestrebungen Einzelner wirken kann, ist sowohl in seiner Entstehung als auch seinem Erhalt von einer Menge Zufälle abhängig. Ich werde mich davon allerdings nicht noch mehr desillusionieren lassen, als dies das Leben eh schon besorgt hat. Vielmehr ist es mir ein Ansporn, die Dinge eben nicht dem Zufall zu überlassen, sondern vielmehr meinen Beitrag zu Erhalt und Wachstum von Pluralismus zu leisten.

Das was die Autoren, denen es in ihrem Buch in erster Linie um die Entwicklung von Volkswirtschaften unter unterschiedlichen institutionellen Bedingungen geht, als inklusiv Bezeichnen, also als das Gros der Gesellschaft in den Wirtschaftsprozess einschließend, nennt man anderswo Gesellschaftliche Teilhabe. Und die Erkenntnis, dass ein hoher Grad an Teilhabe möglichst vieler Gesellschaftsgruppen und der Erfolg des Gemeinwesens als Ganzes einander zumindest befördern können, ist ein alter Hut! Hier werden vielen Staaten der sogenannten ersten Welt inklusive Institutionen attestiert, also ein großer Grad an Teilhabe, doch gerade in diesem Augenblick einer nach wie vor virulenten Weltwirtschaftskrise müssen wir erfahren, dass weite Teile gerade dieser angeblich so erfolgreichen Gesellschaften von wesentlichen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen sind, weil die aktuell mit unseren Interessen betrauten Politiker lediglich die Interessen jener im Auge haben, die entweder wirtschaftliche Macht in Händen halten, oder angeblich wissenschaftlich fundierte Deutungshoheit für sich reklamieren. So viel zur gegenwärtigen Wirksamkeit des Pluralismus…

Bitte verstehen sie mich nicht falsch, der Pluralismus existiert, er ist sogar noch deutlich gewachsen seit jenen Tagen, da unser Staatswesen jung war. Er hat jedoch auf Grund der wachsenden Entkopplung der administrativen Institutionen von ihrer Legitimierung durch eine echte – und vor allem ehrliche – Vertretung der Interessen dessen, was man landläufig “Volk” nennt deutlich an Einfluss verloren. Im Grunde regieren die Regierenden für sich selbst und jene, die über genug Gewicht verfügen, sich Gehör zu verschaffen. Der Rest darf so sehr pluralisieren, wie er möchte, es nutzt nur nichts; oder zumindest nicht viel. Bevor also noch mal einer anfängt, von “…in meinem Interesse…” zu schwadronieren, möge er bitte erst seine Glaubwürdigkeit genau überprüfen, oder noch besser einfach die Klappe halten.

Ich mache mir einstweilen weiterhin Gedanken, wie man es möglich machen kann, den existenten Pluralismus wieder in die Politik zu tragen. Spannende Sache, aber nur, wenn man seinen Kopf auch mal zum Nachdenken benutzt, seine Interessen benennen kann und schließlich obendrein noch bereit ist, für diese einzutreten. Harte Hürde, aber ich werde es weiter versuchen. Versuchen sie’s doch mit!

A snipet of uncertainty

Unwägbarkeiten, also jene Sachen und Sachverhalte, auf die man persönlich keinen nennenswerten Einfluss ausüben kann, die aber sehr wohl Einfluss auf einen selbst oder aber zumindest die mehr oder weniger unmittelbare Lebensumgebung haben können, bereiten uns Unwohlsein. Manchmal sogar blanke Angst, obschon wir doch eigentlich wissen sollten, dass das Ungewisse seit Anbeginn des Menschendaseins zu unseren ständigen Begleitern gehört.

Als Pädagogikstudent muss ich mich, wie jeder angehende Geistes- und Sozialwissenschaftler mit Statistik herumschlagen. Obwohl jedem, der mal das Vergnügen hatte, sich in Literatur zur Anwendung statistischer Methoden auf soziale Sachverhalte einarbeiten zu müssen alsbald klar werden dürfte – zumindest, sofern er oder sie nicht schon vollkommen “Fachblind” geworden ist – dass man bei der Menge an Vereinfachungen, die man für ein auch nur einigermaßen umsetzbares Modell hinzunehmen hat, kaum erwarten darf, allgemeingültige Ergebnisse zu bekommen. Man muss/soll nach den Lehrbüchern soviel Dynamik wie möglich amputieren, damit man danach ein amputiertes Modell eines dynamischen Sachverhaltes bekommt. Ich muss da durch, aber ich empfinde es als großen Unfug.

Ohne Frage finde ich es spannend, neue Erkenntnisse über die Prozesse sozialer Interaktion zu erlangen, aber ich glaube dabei mittlerweile mehr an das aufmerksame Beobachten und die Analyse mittels des gesunden Menschenverstandes, anstatt an Sigma, Korrelation und Normalverteilung; denn wenn ich mir mein persönliches Umfeld genau anschaue, komme ich immer wieder zu der einen, für mich jedoch mittlerweile alles entscheidenden Frage: warum sollte ich überhaupt versuchen, ein Wesen in eine normierende Klassifizierung zu fassen, dass sich in seiner Komplexität, Dynamik und Vielfalt mit unseren aktuellen Mitteln (noch) überhaupt nicht darstellen lässt, nämlich den Menschen? Und überdies – wohin führt es, wenn man versucht Menschen nach Schablonen zu erfassen? Was kommt danach, wenn man schließlich glaubt, alle Unsicherheit eliminiert zu haben? Wird den einzelnen Schablonen dann ein rangskalierter Wert zugewiesen? Der Gedanke lässt mich schaudern, wäre es doch nicht ohne Präzedenz…

Ich lebe lieber mit Unwägbarkeiten, auch hinsichtlich Derer, mit denen ich täglich zu tun habe, denn der Input, die Spannung, die Herausforderung sind für mich als Individuum ein unverzichtbarer Teil vom Sinn meines Lebens. All die Widersprüchlichkeiten, die Dynamik und die Notwendigkeit zur Einbeziehung neuer, anderer Aspekte in mein Denken und Tun machen mich erst lebendig, lassen mich eben zu jenem sozialen Wesen werden, dass man Mensch nennt.

Transparency Personal?

Mit gewissem Amüsement konnte ich letzthin beobachten, wie sich Menschen unterschiedlichster Couleur darüber ereiferten, wie schlimm und unerwartet und überraschend und vollkommen unrechtmäßig und Vertrauen vernichtend und überhaupt und Blalabarberschwurbel man den Umstand kommentierte, dass sich die USA bzw. deren vermeintliches Hauptüberwachungsorgan NSA überall reingehackt haben, wo sie nur reinkommen konnten. Da dachte ich so bei mir, dass der Sinn Nachrichtendienstlicher Tätigkeit die HEIMLICHE Gewinnung von Informationen ist und wenn ich diesen Umstand im Bewusstsein behalte, muss es doch wenig verwunderlich sein, dass sie genau das getan haben, so gut sie konnten. Und bei DEM Budget konnten sie halt schon ziemlich gut…

Wenn man auf der anderen Seite beobachtet, mit welchem Enthusiasmus Menschen wiederum unterschiedlichster Herkunft ihr Leben “verdaten”, also einen unter Umständen verdammt großen Teil ihres täglichen Lebens mit den unterschiedlichsten Methoden aufzeichnen, nicht selten auch noch im Internet – Entschuldigung, ich meine natürlich die Cloud! – speichern und gegebenenfalls auch noch Dritten zugänglich machen, muss man sich nicht wundern, wenn sich andere Menschen zu den unterschiedlichsten Zwecken an diesem Datenreservoir bedienen. Zweifellos ist das Internet eine Art unendliches Gedächtnis, sofern man die auch heute noch existierenden technischen Grenzen der Datenspeicherung für einen kurzen Moment bei Seite lässt. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Selbstverdatung als eine Art virtueller Unsterblichkeit ein vordergründig recht charmanter Gedanke. Und ich stimme Christian Heller, dem Autor von “Postprivacy” insofern zu, als wir es noch nicht geschafft haben, uns mit der schönen neuen Welt hinsichtlich einer funktionierenden Definition und Umsetzung unserer Persönlichkeitsrechte sinnvoll zu arrangieren. DAS heißt aber mitnichten, dass ich im Umkehrschluss einfach auf Privatsphäre verzichten MUSS.

Jedoch drängt sich mir irgendwie doch verstohlen das Wort Bigotterie auf, wenn man auf der einen Seite allüberall gegen die bösen, bösen Amis wettert und auf der anderen Seite trunkenheitsselige Partyfotos auf Facebook einstellt, die im Übrigen auch der Personalchef des nächsten potentiellen Arbeitgebers eventuell interessant findet. Wir Menschen haben nun mal, wie man bei aufmerksamem Studium der Historie ganz gut sehen kann, des Öfteren das Problem, dass die Geschwindigkeit, mit der wir unsere technischen Errungenschaften machen unsere Fähigkeit, mit den Tücken der jeweils neuen Objekte umzugehen lernen bei weitem übertrifft. Mit so mancher “alter” Technologie wie z.B. der Nukleartechnik kommen wir bis heute nicht richtig klar; und wir probieren es immerhin schon gute 70 Jahre…

Wenn man es von dieser Warte aus betrachtet, ist es vielleicht einfach noch nicht an der Zeit, dass wir unsere Privatsphäre – oder das, was man in Zukunft darunter verstehen wird – in Einklang mit den Möglichkeiten und Problemzonen der Neuen Medien bringen können. Allerdings erscheint es ratsam, diesbezüglich einfach mal mit etwas mehr Umsicht zu Werke zu gehen, bevor man Menschen dafür attackiert, dass sie einfach nur das getan haben, wofür der Staat sie bezahlt. Egal welcher Staat! Was mich dazu führt, einmal mehr darauf hinzuweisen, dass bestimmte Rechte, die wir als selbstverständlich betrachten, wie etwa die Unverletzbarkeit der Wohnung, das Fernmeldegeheimnis, oder auch das Recht auf freie Meinungsäußerung im Namen der Sicherheit des Staates ausgehöhlt werden könne, wenn wir als Bürger uns nicht explizit dagegen zur Wehr setzen; Stichwort “Vorratsdatenspeicherung”. Wie viel ein jeder von sich Preis geben möchte, ist sicherlich gegenwärtig (noch) eine individuelle Entscheidung, aber diese Freiheit kann uns auch ganz leicht aberkannt werden. Denken sie mal drüber nach, bevor sie ausgerechnet bei Facebook mal wieder irgend einen Unsinn posten…

A snipet of Identity?

Begriffe sind toll – man hat ein Schlagwort, welches auf einen Streich so viel sagt, so viele Assoziationen freisetzt, so viel Bedeutung in sich trägt, dass man sich weitere Worte sparen und sofort zum Wesentlichen kommen kann. Und übersieht dabei, dass die wenigsten komplexen Begriffe frei von Widersprüchlichkeiten sind und je nach Betrachter und Blickwinkel auf äußerst unterschiedliche Art interpretiert werden können. Wie eben das schöne Wort “Identität”…

Die Identität ist ein Teil unserer Persönlichkeit, welcher deren unvermeidliche Verstrickung in soziale Netzwerke unterschiedlichster Größe repräsentiert. Eben durch dieses Eingebettetsein in das Soziale werden wir als Individuen erst real, bekommen wir erst einen Sinn und eine Bestimmung, die sich wiederum zu einem nicht unerheblichen Teil aus unserer Identität speist. Bedenken wir hier zum Beispiel das Identifikationspotential eines Fußballfans mit “seinem” Verein. Jeder von uns ist Teil von Vielem, somit ein soziales Wesen und definiert sich als Individuum über dieses Teil-Haben als Teil-Sein. All diese Teile bilden unseren Anker im Hier und Jetzt, irgendwie den Boden, auf dem unsere Persönlichkeit wächst.

Doch der Begriff Identität lässt sich eben wegen dieses, für jeden von uns fühlbaren Anteils, den er an uns hat sehr gut missbrauchen. Es ist zumeist nicht Problembelastet, wenn wir uns ein Stück weit mit unserem Arbeitgeber, unserer Jugendkultur, unserem Verein identifizieren, doch in dem Moment, da Politik ins Spiel kommt, wird die Begrifflichkeit Identität problematisch. Die Instrumentalisierung einer so genannten “kulturellen Identität” ist die Wurzel des Übels.

Denn indem ich durch den rhetorischen Kunstgriff, anstatt des Sozialen die Kultur zur Basis der Identität zu machen, aus etwas indivudellem ein Unterscheidungsmerkmal für Gruppen konstruiere, kann ich andere Menschen, die vielleicht auch noch von woanders kommen ganz erstklassig ausgrenzen, ihnen ein “Unmensch-Sein” andichten, das berechtigen soll, sie zu stigmatisieren und zu verfolgen, wobei die Wahl der Mittel zunächst im Dunkel verborgen bleibt. Das macht derlei Tun aber nicht richtiger, denn Identität bleibt etwas individuelles, soziales und darf nicht, weil es jemandem – wie z.B. den “Identitären”, die ja immer so schön betonen, sie seien nicht rechts – in den Kram passt zu einem wohlfeilen Indikator für WIR gegen DIE gemacht werden.

Ich persönlich beziehe meine Identität nicht aus der Zugehörigkeit zu einer Kultur, denn Angehöriger eines stets im Gange befindlichen Prozesses zu sein, ergibt für mich irgendwie nicht so recht Sinn. Oh, ich bin durchaus verschiedensten sozialen Gruppierungen zugehörig und empfinde diese Beziehungen als mal mehr, mal weniger Sinn stiftend für meine Existenz; und sicherlich beeinflusst mich Kultur bzw. der Umstand, dass mein Sein einerseits in diesen Fluss eingebettet ist, ihn andererseits aber auch verändert, so dass man von Reziprozität sprechen könnte. Aber ich bin nicht so sehr von der Idee der Kultur als Heimat durchdrungen, dass ich mich von dem rassistischen Geschwafel jener mitreißen ließe, die Identität von etwas individuellem zu etwas kollektivem umgestalten wollen, um Menschen so beeinflussen zu können. Man hüte sich vor “Identität” als Schlagwort, vor allem in Einheit mit “Heimat” und “Kultur”; da ergießt sich braune Brühe in leere Köpfe… Selber denken und selbst seine Identität finden macht frei, unabhängig und stark. Aber über Stärke reden wir ein anderes Mal!

Auf dem Entschleunigungsstreifen…

Sonnendurchflutete Hügellandschaften, bewachsen mit allerlei südlichem Laubgehölz umfrieden ein Natursteinhaus, hinter welchem man einen kleinen Pool finden kann, der sich allerdings am Hügel knapp unterhalb eines auf charmante Art dezent verwilderten Renaissancegärtchens findet. Das klingt nach einem Ort, der durchaus zum Verweilen einlädt, insbesondere wenn man den Umstand in Betracht zieht, dass der Besitzer des Anwesens sich nicht nur die Freiheit nimmt, Teile des Hauses – natürlich gegen ein Entgelt – zum Bewohnen auf Zeit anzubieten, sondern überdies auch ein recht ordentlicher Winzer zu sein scheint.

Abzüglich der üblichen Urlaubsimmanenten Missgeschicke und Reibungsverluste doch ein ziemlich hübscher Entschleunigungsstreifen, auf den ich meinen müden Geist gebracht habe. Langsamer zu leben bedeutet allerdings nicht unbedingt, langsamer denken, oder gar unproduktiv sein zu müssen, obschon ein gutes Stück echter Müssiggang – und für Solchen bedarf es ebenso genuiner Tiefenentspannung – natürlicher obligater Bestandteil der Erholungszeit von der Drangsal der Lohnarbeit sein sollte. Sonst braucht man keine Arbeitsunterbrechung!

Das Leben solcher Art zu entschleunigen bedeutet auf der Verlustseite, keinen bzw. nur sehr eingeschränkten Internetzugang, kein Fernsehen, keine Tageszeitung und wenig tiefer gehende soziale Interaktion abseits der eigenen mitgereisten Verwandschaft und gelegentlicher Bekanntschaften zu haben. Auf der Gewinnseite steht Zeit; Zeit zum (lustvollen!) Lesen, Zeit zum Erkunden neuer Orte, Zeit zum Genießen und schlussendlich Zeit zum Nachdenken. Und die brauchte ich in letzter Zeit reichlich!

Man hört häufig davon, dass Leute, zumeist solche, die ein wenig bekannter sind als ich auf Reisen gehen, um sich selbst (wieder?) zu finden; was in mir die Frage aufwirft, ob man sich denn erst richtig verlieren muss, um sich wiederfinden zu können, oder ob man sich auch dafür qualifizieren kann, indem man nur ein bisschen vom Weg abkommt, welcher Weg das auch immer sein mag…? Und ist das, was man so zu finden hofft im Erfolgsfalle zwingend besser als dass, was man vorher an sich hatte? Ehrlich gesagt hab ich diesbezüglich für andere Menschen bestenfalls eine Ahnung, aber keinen Ratschlag. Was jedoch mich betrifft, so weiß ich sehr genau, was ich an mir habe und was nicht, wobei das Haben und das Nichthaben jeweils sowohl positive, als auch negative Seiten besitzen. Ich muss demnach zumindest nichts wiederfinden, sondern habe vielmehr Dank der Entschleunigung Rechenleistung für aktuelle Problemstellungen frei, die sich ergeben haben.

Immer wieder im Leben kommen wir an Scheidewege; entweder, wenn sich durch neue Kenntnisse und Erlebnisse unsere Prioritäten verändern, oder wenn sich die persönlichen “Umgebungsparameter” durch äußere Einflüsse mehr oder weniger nachhaltig verändern. Derlei zwingt uns zumindest, das bisherige Vorgehen zu Überdenken und gegebenenfalls zu ändern. Wenn wir uns dann allerdings geliebter Gewohnheiten entledigen müssen, schlicht weil deren Basis nicht mehr existiert, tut das trotz des Wissens um die Dynamik weh. Solcher Schmerz kann allerdings auch klärend auf den Geist wirken und in mir ist die Erkenntnis gereift, dass es an der Zeit ist für Veränderungen. Wenn man nach Jahren des Stillhaltens, Duldens und Hoffens auf besseres Wetter endlich bemerkt hat, dass man bestimmte “Umgebungsparameter” trotz aller Bemühungen nicht zum Positiven wenden kann, ist es wahrscheinlich an der Zeit, die Umgebung zu wechseln und auf bessere “Parameter” zu hoffen…

“Should I stay, or should I go…?”

Heimkehr nach Politistan…

Ich war drei Wochen weg. Drei Wochen in Italien. Drei Wochen fern von meinem üblichen Maß des Internetgebrauchs. Drei Wochen fern der Nachrichten und vor allem des Wahlkrampfes. Nun komme ich heim; und obschon ich darüber nachgedacht habe, weiß ich keinen Deut besser als zuvor, welcher dieser selbstverliebten, vom Subsystem “Politik” bis zur Unkenntlichkeit des Menschseins dressierten leeren Hüllen voller unnötiger, verlogener und Daseinsentfremdeter Propaganda ich meine Stimme geben soll. Oder besser, welcher Agenda ich zustimmen mag, die zu repräsentieren diese Repräsentatoren die Stirne besitzen?

Eigentlich keiner und damit beginnt ein Dilemma, dass unsere Demokratie, so sie diesen Namen denn überhaupt noch verdient, nicht besser machen wird. Denn unabhängig davon, ob es am Schluss dieser Farce Rot-Grün (Oh je!), Rot-Rot-Grün (Gott behüte!), Schwarz-Gelb (Bitte nicht nochmal!) oder Schwarz-Rot (Ach du liebes Lieschen!) heißen muss, wird es vermutlich mehr Nichtwähler, sicher aber mehr Protestwähler geben. Und solche so genannten Alternativen wie die Anti-Euro-Partei (das Rad der Geschichte kann man nicht zurück drehen!), die Piraten (das Rad der Geschichte kann auch nicht mit Gewalt schneller gedreht werden und wir sind für liquid democracy einfach noch nicht reif!) oder irgendwelche Kräfte vom äußersten Linken oder rechten Rand sind als Stimmenfänger bestenfalls ein Symptom für das wohl endgültig erreichte Verfallsdatum unseres politischen Systems.

Eigentlich ist es Zeit, mal wirklich über Alternativen nachzudenken, die sich nicht in den Ritualen des Status Quo zerreiben lassen. Viel Spaß beim Wählen!

Sicherheitsbedenken N°3

Ich höre immer was von “Belangen der nationalen Sicherheit” und dann denke ich mir manchmal, warum wir wegen etwas belangt werden müssen, dass doch eigentlich als Dienst an uns als Bürger dieser Nation verstanden sein sollte? Wie kann es denn sein, das man mich wegen eben dieser nebulösen – später noch etwas genauer zu durchleuchtenden – Belange bespitzelt, unter den generellen Verdacht der potentiellen Staatsuntreue oder gar -feindlichkeit stellt, mein geistiges Eigentum und meine persönliche Integrität beschädigt und mir verweigert, darüber bescheid zu wissen? Haben denn alle Staatsdiener vergessen, dass der Staat nur deshalb existiert, weil ich existiere und mich im Grunde aus freien Stücken entschlossen habe, bestimmte Regeln des Zusammenlebens, die hierorts gelten anzuerkennen? Und falls ich genau das nicht mehr täte, wäre ich dann ein Verbrecher, ein Terrorist oder einfach nur ein Freigeist, der die unrechtmäßige Einmischung des Staates in meine Privatsphäre ablehnt?

Bevor ich mich nun sofort ereifere, mich selbst als ablehnenden Freigeist zu outen, wäre es angezeigt, zu erklären, was die Grundlage meiner kritischen Haltung gegenüber verschiedenen Intitutionen unseres Staates ist und auf welchem gedanklichen Fundament sie steht. Ich empfinde nämlich Menschen, die “DAGEGEN!” rufen, ohne eine Begründung für ihre Haltung nennen zu können als lächerlich dumme Schaumschläger, von denen auf Grund ihrer schieren Lautstärke Notiz nehmen zu müssen für mich eine Beleidigung meiner Intelligenz konstituiert. So let’s get on with it!

Warum haben Staaten irgendwann angefangen, Institutionen abseits einer, wie auch immer gearteten herrschenden Kaste auszuprägen, deren Legitimation lediglich darin bestanden hatte, irgendwie irgendwann mehr Macht angesammelt haben zu können, als alle Anderen? Zum einen, weil wirtschaftlicher Erfolg in autokratischen Regimen stets nur in begrenztem Umfang möglich ist, aber jeder gerne wirtschaftlich erfolgreich wäre, andererseits aber wegen der schlichten Menge der am Konstrukt Beteiligten. Irgendwann muss man damit beginnen, sich halbwegs zuverlässiger Instrumente zur Verwaltung der wachsenden Zahl an einem bestimmten Platz zusammenlebender Individuen zu bedienen. Tatsächlich war eine der ersten Erkenntnisse, dass es nur möglich ist, Steuern einzutreiben, wenn man auch weiß, wer wem wie viel Steuern schuldet, so man denn über die Möglichkeit verfügt, diesen Anspruch auch durchzusetzen. Man merke auf: durchzusetzen! Einen Anspruch zu haben und über die Mittel zu verfügen, ihn durchsetzen zu können bedeutet noch lange nicht, dass eben dieser Anspruch auch legitim ist.

Über Legitimität musste bzw. muss man sich ja aber auch heute nicht wirklich den Kopf zerbrechen, wenn man ein autokratischer Herrscher ist. Worauf man Lust hat, das wird gemacht… oder? Das stimmt zumindest solange, wie sich jene, welche von der Autokratie ausgebeutet werden nicht in der Lage sind, ihr Gefühl der Ohnmacht zu überwinden und sich gegen die Opression zu wehren. In dem Moment, da aber jener perfide Mechanismus, der uns Angst vor jenen mit gefühlt größerer Macht haben lässt zu versagen beginnt, ab dem Zeitpunkt da sich der Wille zum Widerstand regt und seine Tragkraft in der Breite entfacht, versagen die autokratischen Institutionen. Die lassen sich nämlich nur durch ein Geflecht von Abhängigkeiten und eine willkürlich erschaffene, von Immobilität geprägte, soziale Rangordnung aufrecht erhalten. Wird die Macht der Ranghöheren aber in Zweifel gezogen und schließlich angefochten, bliebt als letztes Mittel des Machterhaltes nur noch die Gewalt. Doch unsere Zeiten haben sich geändert, man kann nicht mehr einfach ein paar Tausend Menschen verschwinden lassen, ohne dass der Rest der Welt davon Notiz nimmt und die autokratischen Institutionen in ihrer Legitimität von Außen angezweifelt oder sogar angegriffen werden. Der so genannte arabische Frühling hat das sehr deutlich demonstriert.

Auch in einem als demokratisch etikettierten Staatswesen beruht die Legitimation seiner Institutionen auf der Anerkennung von Macht. Dem Wesen der Demokratie nach wird diese Macht aber als von den Bürgern ausgehend auf Mandatsträger delegiert, welche diese im Sinne der Bürger ausüben sollten… Tja, das mit diesem “sollten” im vorangegangenen Satz, das ist so eine Sache, denn ist das Mandat erst erteilt, hat die delegierte Macht, welche sich ja nun auf wenige Individuen konzentriert die dumme Angewohnheit, sich zu verselbständigen. Könnte daran liegen, dass wir ja alle nur Menschen sind, es aber eigentlich besonderer charakterlicher Merkmale bedarf, um sich zum Mandatsträger überhaupt zu eignen und Politik offensichtlich nicht selten Individuen anzieht, welche eben diese Merkmale nicht mitbringen. Verdammt…

Es gibt eine Menge Theorien über systemische Autopoiese, also die Selbsterhaltungstendenzen komplexer sozialer (Sub)Systeme und welche Blüten diese so treiben kann, aber alle Theorie bringt uns nicht weiter, wenn eben die daraus erwachsende Entfremdung der Bürger eines Staates von den Institutionen des Selben uns in eben jene aktuelle Paradoxie zwingt, dass die Institutionen, bzw. deren Vertreter anfangen, die Bürger des Staates, der sie ja erst hervor gebracht hat unter den Generalverdacht der Staatsfeindlichkeit zu stellen. Nicht der Staat muss vor seinen Bürgern geschützt werden, sondern die Bürger vor einem solchen Staat.

Die Sicherheit des Staates – und damit ist in der Politik immer zuerst die Integrität seiner Institutionen und derer Interessen gemeint – als oberste Prämisse könnte als hehres Ziel gelten, wenn die Umsetzung nicht die Interessen der Bürger unterwandern und schädigen würde, anstatt diese zu schützen, wie es erwartbar wäre. Ich, als Bürger der BRD legitimiere die Institutionen dieses Staates durch mein Agieren als Bürger, durch die Wahrnehmung meiner Bürgerrechte und -pflichten und die Achtung der Gesetze, welche sich ein paar durchaus kluge Köpfe ausgedacht hatten, um ein einigermaßen friedvolles und produktives Zusammenleben von so vielen Leutchen auf einem Haufen irgendwie möglich machen zu können. Ich achte die Gesetze, doch wie sieht es mit dem Staat aus, in dem ich lebe?

Meine Sicherheit, also die Sicherheit meiner persönlichen Integrität, meiner Privatsphäre, sofern ich sie gewahrt sehe möchte und der Geschäfte, welche ich durch Erwerbstätigkeit und Konsum dauernd tätige, wird von diesem Staat anscheinend weniger geachtet als das Wohl seiner eigenen Institutionen und derer Vertreter. Dieser Umstand lässt mich am Sinn dieses Staatswesens ehrlich gesagt zweifeln. Und doch habe ich Hoffnung, nämlich dass es mehr Menschen geben wird, die auch hierorts anfangen, die Einhaltung ihrer Rechte anzumahnen. Noch sind wir Deutschen diesbezüglich träge, messen dem Gehorsam mehr Wert zu als der Kritik, außer wenn wir sie anonym und somit “gefahrlos” absondern können. Aber vielleicht … vielleicht weht da inmitten der Hitzewelle doch ein laues Lüftchen der Veränderung. Kohl war bleierne Zeit, Merkel ist bleierne Zeit und ihr ministerialbürokratisches Gefolge ist machtvoll, aber Blei kann dankenswerter Weise auch versinken – hoffentlich bald dort, wo sie hingehören: im Strudel der geschichtlichen Belanglosigkeit.

 

Sicherheitsbedenken N°2

Irgendwie kann ich nicht umhin, meine Gedanken gelegentlich wandern zu lassen. Sie wandern dann an Orte, die weder kartographisch erfasst, noch – zumindest manchmal – einfach zu fassen sind. Ich bin mir des Umstandes bewusst, dass ich manchmal drei Mal um die Ecke denke, bevor für den Leser/Zuhörer das Ziel auch nur annähernd klar wird und ich verzettele mich bei meinen Denkspielen auch mal ordentlich öffentlich. Aber ehrlich gesagt finde ich das authentisch, denn all das bin ich und wenn ich dann, wie im letzten Artikel, das böse Fäkalwort nutze, dann geschieht dies sicher unter anderem auch aus dramaturgischem Kalkül, aber vor allem, weil es Dinge gibt, die man einfach nicht anders titulieren kann; ganz gleich wie gebildet man sich auch gerne gerieren würde.

Unabhängig vom Furor, der mich dann und wann packt, wenn ich meine Mitmenschoiden, insbesondere die Angehörigen der Subspezies Homo Sapiens Politicus zu beobachten gezwungen werde, ergehe ich mich eigentlich immer in Betrachtungen meiner Umwelt. Es ist mir quasi ein natürliches Bedürfnis, die Vorgänge um mich herum verstehen und miteinander in Beziehung setzen zu können. Übrigens ist genau das eine Grundvoraussetzung für politisches Agieren, gleich auf welcher Ebene. Die Folgerungen, welche ich aus meinen Beobachtungen ziehe und auszusprechen die Stirne habe, sind nicht selten wenig Mainstreamkompatibel, aber das ist mir egal, sofern ich wenigstens manchmal jemanden zum selber Denken anrege.

Ich räsoniere hier ein bisschen über meine Beweggründe und Ziele, weil ich mich in meinem letzten Blogpost zu der Bemerkung verstiegen habe, das Terrorismus, ganz gleich wie grausam, dumm und wenig Zielführend er auch sein mag, auf soziale Ungleichheiten aufmerksam macht. Und weil ich mir sicher bin, dass man das sowohl absichtlich als auch unabsichtlich missverstehen kann, ist hier ein kleiner erklärender Exkurs angezeigt:

Ein terroristischer Ausflug…

Wenn wir heutzutage von Terrorismus sprechen, so meinen die Allermeisten den so genannten islamistischen Terror, weil zumindest gegenwärtig der weitaus größte Teil aller terroristischen Taten auf das Konto von Menschen geht, welche die Lehre Allahs nicht recht verstanden haben oder sie im falschen Sinne erklärt bekommen haben. Der Boden auf welchem die Saat dieses gewalttätigen Gedankengutes aufgeht, ist in vielen Fällen durch eine soziale und wirtschaftliche Dürre sehr empfänglich für den wohlklingend verführerischen rhetorischen Regen, der im Kern einfach nur die Schuld für all die erduldete Not einem System zuschreibt, welches sich selbst gegenüber seinen eigenen Kindern als dankbarer Sündenbock zeigt – unsere durch und durch säkularisierte westliche Konsumgesellschaft.

Es gab und gibt auch jede Menge Menschen innerhalb unserer keineswegs perfekten Gesellschaftsform, die auf dem Wege der Gewalt etwas zu ändern suchen, etwa Theodore Kaczynski, besser bekannt als der UNA-Bomber, der den Neo-Luddismus, also die Ablehnung der immer weiter fortschreitenden Technisierung unserer Lebenswelt als Antrieb für seine Taten angab. Oder aber Timothy McVeigh, der das Murrah-Building in Oklahoma sprengte und über dessen Motive bis heute keine vollständige Klarheit herrscht, auch wenn ein ultranationalistischer Hintergrund zumindest vermutet werden kann. Auch ultralinks motivierte Gewalttaten verschiedener Gruppen in den 70er und 80er Jahren in Europa, wie etwa der deutschen “Rote Armee Fraktion” oder der französischen “Action Directe” können sicherlich als Terrorismus bezeichnet werden. Heutzutage jedoch dominiert global der islamistische Terror, der seine Wurzeln in einem weit verbreiteten Ohnmachts- und Ausbeutungsgefühl der Bewohner vieler Zweite- und Dritte-Welt-Länder gegenüber den Staaten der ersten Welt hat. Ich scheue mich bekanntermaßen davor, Menschen auf ökonomische Motive reduzieren zu wollen, aber die dort vorherrschende blanke Not mag zumindest die Vorbedingungen schaffen – ein radikales Umfeld lässt radikales Denken entstehen, aus dem irgendwann mit der “richtigen” Motivation dann schlussendlich radikales Handeln wird.

Freilich gibt es Terror in vielen Darreichungsformen, schließlich sind Bomben, Schusswaffen und Messer, so grausam und zugleich Publizitätserzeugend sie auch sein mögen, nur die allerletzte Steigerung von Terror. Er beginnt immer mit dem Entzug einfachster Menschenrechte, wie ihn zum Beispiel die Taliban gegenüber Andersdenkenden und vor allem Frauen ausüben. Diesem Denkansatz folgend müsste es unser erstes – eigentlich einziges – Ziel sein, die Einhaltung der Menschenrechte durchzusetzen und, wie jenes pakistanische Mädchen Malala Yousafzai auf beeindruckende Art vor der Jugendversammlung der Vereinten Nationen eingefordert hat jedem Kind Bildung bringen. “Ein hehres Ziel, aber weder durchsetzbar noch finanzierbar!” höre ich es in meinem Hinterkopf. Wie teuer waren doch gleich noch mal diese Spionageprogramme.

…endet nicht vor meiner Haustür!

Anstatt immer mehr Menschen zu kriminalisieren, zu bespitzeln, für dumm zu verkaufen und von Entscheidungsprozessen auszugrenzen, die unser aller Zukunft beeinflussen, sollten unsere so genannten Führer sich darauf besinnen, wer sie in ihre Ämter getragen hat und wem sie Rechenschaft schuldig sind – weder einzig der Wirtschaftslobby noch nur ihrer eigenen kranken Umwelt mit Namen Politik, sondern mir und jedem anderen mündigen Bürger, gleich wie viel oder wenig er/sie hat oder ist! Und darüber hinaus endlich verstehen, dass man Terror nicht mit Waffen und Bespitzelung sondern mit Bildung und wohl gemeinter Hilfe zur Selbsthilfe bekämpft. Der Weg ist gewiss lang und steinig aber ich finde ihn wesentlich wertvoller als die asphaltierte Schnellstraße in den Totalitarismus, auf der wir uns gerade befinden.

Ich habe noch nicht zu Ende gedacht, aber manchmal muss man zwischendurch nicht nur die Schrift sondern auch die eigenen Ideen interpunktieren und reifen lassen. Die folgen in Kürze auf diesem Kanal. Bis dahin, denkt wohl!

Sicherheitsbedenken N°1

Abhörskandal – ich kann diese Scheiße nicht mehr hören! Auf der einen Seite tummeln sich die selbst ernannten Bürgerrechtsaktivisten jedweder Couleur, übrigens auch solche, die unsere Bürgerrechte üblicherweise bestenfalls als Allerletztes auf ihrer Agenda haben, jedoch auf Sympathiestimmen im kommenden Wahlkampf hoffen und darum jetzt medienwirksam alle Formen von Datensammlung für Teufelswerk erklären. Auf der “Gegenfront” stehen die Befürworter des Gläsernen Bürgers, für die jedes noch so kleine Geheimnis die potentielle Verschleierung einer möglichen Straftat bedeutet. Ein Albtraum für jeden Sicherheitsmenschen; hinterher könnten die Bürger noch Dinge denken, die man selbst zu bedenken Bedenken erdacht haben könnte.

Sicherheit sei ein genauso wichtiges Bürgerrecht wie die Privatsphäre, denn ohne sie würden die einfachsten Dinge des Alltäglichen plötzlich zum Pogohüpfen im Minenfeld. Garantierte der Staat zum Beispiel nicht für die Verbindlichkeit von Verträgen, könnte man nichts mehr einkaufen. Der Arbeitgeber könnte einen einfach ausnehmen; was er ja trotzdem auf jede erdenkliche Art tut. Also setzt man die Sicherheit des Staatswesens mit der Sicherheit seiner Bürger gleich, schließlich würde in einer Demokratie ein generelles Misstrauen gegenüber den Institutionen des Staates keine Berechtigung haben, denn zum Schutz der Freiheit sei der Schutz der Sicherheit unabdingbar und man wäre ja naiv, wenn man von staatlicher Überwachung überrascht wäre Ja, ist schon schön, wenn man öffentlich naiv sein darf und auch noch als Journalist dafür bezahlt wird.

Hier sind zwei grundlegende Denkfehler zu konstatieren: zum einen sind die Institutionen des Staates mittlerweile durch ihre inhärenten Selbsterhaltungstendenzen soweit vom Willen des Volkes entfernt, sofern dieser überhaupt auszumachen wäre, dass man getrost von systemischer Entfremdung durch Selbstzweck sprechen darf. Ich empfehle hierzu Habermas und Luhmann als Lektüre. Und überdies ist es ausgesprochen kurzsichtig, Volksvertretern und vor allem den Mitgliedern der ihnen beigeordneten Ministerialbürokratie zu unterstellen, dass sie für Versuchungen, welche sich im Spannungsbereich der Dichotomiepole Gemeinwohl und Eigenwohl abspielen in keinster Weise anfällig wären. Das sind alles Menschen – und hier dürfte der gleiche Prozentsatz an Individuen zu finden sein, welche schwach an Charakter sind, wie beim Rest auch.

Natürlich ist es ein wichtiges Vorhaben, die Sicherheit des Staates und seiner Bürger zu schützen, doch bevor man sich nun hinstellt und Sicherheitsbehörden mit diesem äußerst kurz greifenden Argument einen Persilschein dafür hinschmiert, sich einfach so meine intimsten Gedanken zu eigen machen zu dürfen, um dann irriger Weise zu glauben, beurteilen zu können, wie ich ticke und somit meinen individuellen Gefährdergrad benennen zu können, MUSS man sich fragen wer was dadurch gewinnen kann? Wieso braucht ein Staat überhaupt Kontrolle über seine Bürger? Sollte das Verhältnis nicht genau umgekehrt sein? Dieser Argumentationsstruktur liegt die vollkommen irrige Annahme zu Grunde, ein Staat müsse Macht über alle Lebensbereiche seiner Bürger ausüben können. Das ist autokratische Scheiße, gegen die man sich bis zur letzten Konsequenz wehren muss, denn der Bespitzelung folgt die Bevormundung und die mündete bisher immer in der Diktatur.

Anstatt immer mehr Geld in die Überwachung und Befriedung zu investieren wären wir – nein nicht wir, sondern unsere politischen Führer – besser beraten, mehr für sozialen Ausgleich zu tun. Denn das, was die selbst ernannten Eliten fürchten, ist nicht der Terrorismus als solches, sondern der Umstand, dass dieser – wenngleich auch auf die denkbar dümmste Art – auf soziale Ungleichheiten hinweist. Räumte man diese aus, beendete man auch den Terrorismus und könnte seine Drohnen und Funkanlagen und Computer und den ganzen anderen Rotz einmotten. Aber soweit sind wir noch lange nicht, darum will ich die Tage weiter über das Thema nachdenken…