Fordernder…?

Nach meinem Aufruf zur Genügsamkeit im sozialen, aber vielleicht auch im wirtschaftlichen Umgang kann ich nicht umhin, nun auch den Gegenpart zu thematisieren. Wir Menschen sind als Wesen immer dualistisch angelegt. Das bedeutet, dass Widersprüche und Gegensätze stets Teil unserer Natur sind. Wir sind sozial, aber auch egoistisch. Wir sind stark, aber auch schwach. Wir herrschen und wir folgen. Oft sind diese Gegensätze so stark, so polarisierend, dass die daraus resultierende Spannung nicht aufgelöst werden kann, oder eines von beiden Prinzipien so dominant, dass es das andere verdrängt. Beide Konstellationen können uns ein Leben lang immer wieder in Probleme stürzen.

Wir können uns dem leider nicht entziehen. Und so ist man zumindest ab und an gezwungen, Entscheidungen zu treffen und dann auch durchzusetzen, die einem überhaupt keinen Spaß machen. Nun ist das Leben zwar ein Ponyhof, doch nirgendwo stand geschrieben, dass alle Ponys nett sein müssten. Im Privaten manifestieren sich solche Problem-Szenarien zumeist in unseren Beziehungen. Darauf will ich hier nicht eingehen, da ich vieles sein kann; als Beziehungsratgeber bin ich jedoch mutmaßlich nicht geeignet. Aber auch im Beruflichen kann einem so etwas passieren. Und genau da stehe ich im Moment gerade…

Wer schon mal in einer komplexeren Organisation tätig war, kennt das: es gibt Grüppchen, Seilschaften, Verbände und dazwischen ein unsichtbares Netz aus altem Scheiß. Freundschaften, Verbindlichkeiten, Sympathien. Aber eben auch Unausgesprochenes, Kränkungen, Widerspruch bis hin zur Animosität. Kommt man da quasi neu hinein, ist es anfangs manchmal wie Pogo-Hüpfen im Minenfeld. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis du den ersten Volltreffer landest. Manche Auswirkungen sind peinlich, manche amüsant; aber manche können auch alles in Frage stellen, was du zu wissen glaubst.

Ich bin, wie schon des Öfteren erwähnt, ein neugieriges Wesen. ich habe gerne das ganze Bild. Doch dazu muss man sich erst einmal mit allen unterhalten. Mit manchen kommt man leichter ins Gespräch, mit anderen weniger leicht. Doch das ändert nichts am Kommunikationsbedarf, wenn man manche Fallen von vornherein entschärfen möchte. Ich darf sagen, dass meine Trefferquote hier mittelprächtig ist. So, wie bei den meisten anderen auch. Allerdings bin ich geduldiger (vielleicht auch leidensfähiger) als viele andere. Mag am Alter liegen. Und ich habe gelernt, dass es einen bestimmten Punkt, ab dem wir uns an unsere (Er)Kenntnisse zu krallen beginnen, weil uns das eine gefühlte Sicherheit im Umgang mit dem Unbill des Alltags gibt. Das ist der Punkt an dem gefühlte Wahrheit zum Dogma wird.

Das Dogma ist immunisierte Überzeugung (gut zu beobachten bei AfD-Anhängern oder machen Gläubigen). Es gibt uns das recht, so zu tun, wie wir tun. Egal, ob wir damit objektiv Recht haben, oder auch nicht. Man neigt dazu, Menschen, die man gut leiden kann so etwas lange nachzusehen. Aber nicht unendlich lang. Irgendwann kommt der Punkt, da das eigene Autonomie-Bestreben sich des Kategorischen Imperativs erinnert und beginnt, Dinge zu fordern. Doch wie fordernd kann bzw. darf ich werden?

Es ist eine Gratwanderung; wie so vieles andere im Leben auch. Unsere Existenz ist nie ein gerader Fluss und wenn mich das Leben erwas gelehrt hat, dann, dass ich das Unerwartete erwarten muss und das Erfahrung etwas ist, das man hat, fünf Minuten nachdem man es gebraucht hätte. Nach allem, was ich in der letzten Zeit erlebt habe, stehe ich jetzt an dem Punkt, an dem ich fordernder werden MUSS. Also werde ich fordern. Und bei Nichterfüllung meine Konsequenzen ziehen. Das Leben ist zu kurz zum Warten!

Habt eine schöne Woche…

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