Diese Redewendung kennt man, wenn man schon mal Menschen nach Ihrem Befinden gefragt hat. Wenn die wahre Antwort darauf zu kompliziert oder zu persönlich ist, oder wenn man einfach nicht ausbreiten möchte, was einem gerade alles durch den Kopf oder den Leib geht, dann sagt man oft, dass es halt irgendwie geht, weil es gehen muss. Man hat Verpflichtungen, so wie alle anderen auch. Man hat Sorgen und Ängste, so wie alle anderen auch. Man hat knappe Ressourcen, so wie alle anderen auch. Aber irgendwie geht es trotzdem immer weiter… muss halt!
Ist es das, wofür wir leben? Muss halt? Ist es das, was wir uns eigentlich wünschen, wonach wir streben? Oder ist es nicht eher so, dass wir uns, jeder auf seine Weise das Wünschen und Streben nach und nach aberziehen, weil zuerst die Last des Alltages gestemmt werden muss? Eigentlich ist es traurig; zumindest auf den ersten Blick. Doch denkt man länger darüber nach, fällt auf, dass so viele Wünsche, so manches Streben einfach vollkommen unrealistisch ist. Damit trösten wir uns – mit Realismus, mit Bodenständigkeit, mit dem Verwurzelt-Sein im Hier und Jetzt…
JA VERDAMMTE SCHEISSE, SIND WIR DEN VOLLKOMMEN BEKLOPPT?
Unsere Träume sind es, die uns aus den Höhlen geführt haben, die uns ungeahnte Entdeckungen machen ließen, uns zu faszinierenden Einsichten geführt und zur dominanten Spezies auf dem Erdenrund gemacht haben. Und auch, wenn man jetzt einschränkend hinzufügen muss, dass dies für das Erdenrund teilweise fatale Konsequenzen mit sich gebracht hat, bleibt die Faszination über ein Wesen, dass sich so weit entwickeln konnte und dies immer noch tut. Doch berauben wir uns dieses Erbes, wenn wir immer nur “…muss halt!” sagen. Denn wir können so viel mehr!
Ich habe lange darüber nachgedacht, was mich in letzter Zeit unglücklich, ja wahrhaft depressiv gemacht hat. Und ich kann mit Fug und Recht sagen, dass es meine eigene Unfähigkeit zu Entscheidungen war, die mich behindert hat; in mehr als einer Hinsicht. Doch ich habe meine Entscheidungen getroffen, Ultimaten (auch an mich) formuliert und meine Weichen gestellt. Ganz gleich, wie’s ausgehen mag – bis meine Familie und ich Ende Juli in Urlaub fahren, hat mein Leben wieder eine klare Richtung. Und diese Gewissheit wirkt befreiend.
Ich werde heute 45 und ich kann sagen, dass ich mich noch nicht so alt fühle. “…muss halt!”? Am Arsch, ich habe noch so viel vor und ich werde mich von “…muss halt!” mit Sicherheit nicht länger aufhalten lassen. Das bedeutet nicht, dass ich irgendwen im Stich lassen will; wohl aber habe ich meine Prioritäten sortiert. Und das bedeutet, dass ich mit 45 einfach zu alt bin, mir bestimmten Bullshit noch länger anzutun. In diesem Sinne wünsche ich euch Kraft und ein schönes Wochenende.
Ich bin, was manche Dinge angeht ein ziemlich normaler Typ: ich habe eine Familie, die mir manchmal, aller Liebe zum Trotz, den letzten Nerv raubt. Wenige wahre Freunde, mit denen ich immer noch stetig Kontakt pflege. Einen Job, der mich fordert, aber wenigstens meistens Spaß macht. Und natürlich Schulden; also das ganze Portfolio des Mittelstands-Mittvierzigers. Man könnte auch sagen: so cliché!
Auf der anderen Seite pflege ich seit 30 Jahren ein Hobby, das erst in letzter Zeit ein bisschen Mainstream geworden ist: Rollenspiel. Und das kotzt mich irgendwie an. Denn früher konnte man sich wenigstens beim Zocken un-mainstreamig fühlen. Da sind aber auch noch andere Aspekte, durch die ich mich als was Besonderes definiere; so wie jeder andere Mensch das auch tut. Und so wie die allermeisten von uns bin ich nicht besonders. Nicht besonders schlau, oder geschickt, oder stark. Ich bin einfach ich.
Wie jeder Mensch habe ich Träume. Welche, an denen ich festhalte, welche, die ich tatsächlich aktiv verfolge und jene, die ich zur Ruhe gelegt habe. Um einen meiner alten Freunde zu zitieren: es gibt da in meinem Hinterkopf einen Gottesacker, den ich stets alleine besuche. Denn dort stehe ich manchmal und streichle traurig die Grabsteine dieser gestorbenen Träume. Und weiß insgeheim doch genau, dass jeder so einen Friedhof im Hinterkopf hat. Denn was wollte man nicht schon alles tun…?
Als Kind lernt man – meist mühsam – Bedürfnisverzicht. Sich selbst zugunsten anderer Menschen oder einer Sache zurückzunehmen, sich mit dem zufrieden zu geben, was man jetzt gerade hat. Und doch hört das Wollen nie auf. Denn aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben; zumindest nicht in einer Welt andauernden Konsum- und Wachstums-Versprechens. Schwierig wird es allerdings in dem Moment, da sich unser Wollen auf etwas einschießt, das nur sehr schwer zu erreichen ist. Denn oft steht am Ende der Geschichte nur ein weiterer Grabstein auf dem eben beschriebenen Gottesacker.
Ich schrieb irgendwann die Tage, dass ich doch eigentlich zufrieden sein müsste, anstatt wieder einmal im finsteren Tal der Depression umher zu irren. Aber ich glaube, jetzt zumindest eine Teilantwort darauf gefunden zu haben, was mir momentan so sehr auf’s Gemüt schlägt. Natürlich hat das mit Wollen zu tun, denn sonst hätte ich ja nicht mit den obigen Ausführungen starten müssen, oder…?
Das größte Problem ist, dass Wollen und Träume manchmal miteinander konfligieren. Wir wollen etwas allzu oft, weil es vernünftig ist und uns erlaubt, zum Beispiel im Job weiterzukommen; was uns dann erlaubt, sich selbst und den Lieben mehr Wünsche erfüllen zu können. Zumindest reden wir uns ein, dass ein bisschen mehr Kohle, die man in einer neuen, bedeutenderen Position erzielen kann uns tatsächlich weiter bringt.
Doch tatsächlich ist es nicht das, was uns glücklich macht. Ich werde vermutlich demnächst aufsteigen können, wie man das so schön nennt. Es läuft also eigentlich alles super. Ich habe meinen Immatrikulationsantrag für ein Masterstudium auf den Weg gebracht, in dem Wissen, dass ich noch knapp 25 Jahre arbeiten muss und dabei lieber führen als geführt werden möchte. Und doch bleibt ein schales Gefühl; nicht dem Herzen zu folgen, sondern wieder nur das zu wollen, was vernünftig ist.
Denn eigentlich will ich vor einem alten Natursteinhaus sitzen, das auf einem sanften Hügel liegt, umgeben von uralten Olivenbäumen und Weinreben. Ich will mir immer neue Geschichten ausdenken und erzählen. Und ich wünschte mir so sehr, mehr Zeit für die Menschen und Dinge zu haben, die mir etwas bedeuten, anstatt der Illusion von Karriere hinterher rennen zu müssen, weil Träume meist nun mal kein Essen auf den Tisch bringen, den Kleiderschrank füllen, oder den Turnverein für die Kinder bezahlen.
Ich bin, was ich bin ; das was man sehen kann, weil ich es zulasse. Aber auch das, was ich in den tiefsten Tiefen meines Selbst verberge. Wenigstens gibt mir das die Sicherheit, dass man mir meine Träume nicht einfach wegnehmen kann. Ob ich sie zu Grabe lege oder weiter träume, ist ganz allein meine Entscheidung. Wir alle sollten, wenigstens dann und wann wagen, mehr zu träumen…
Ich habe gerade spaßeshalber mal geschaut, was ich zu Beginn dieses Blogs, also vor etwa sechs Jahren, im Mai 2013 zum Besten gegeben habe. Mir fiel ein Artikel auf, der sich offensichtlich mit einem Aufmacher in der Wochenpostille “Stern” beschäftigte. Da ging es wohl um das Thema “40, was nun?”. Damals war ich noch nicht mal 40, habe mich aber tierisch darüber aufgeregt, dass die Autorin wohl zu dem Schluss kam, dass man nach 40 automatisch langsamer wird (werden muss), weil’s nicht mehr so geht. Und mir ging tierisch der Hut hoch. Retrospektiv betrachtet vollkommen zu Recht!
Ex post betrachtet stellen sich die vergangenen sechs Jahre in vielerlei Hinsicht als ein Parforce-Ritt dar, der mich durch viele Tiefen aber auch einige Höhen geführt hat und mich nun, mit knapp 45 vor neuen Projekten und Aufgaben hat ankommen lassen, die man getrost als ein wichtiges Etappenziel bezeichnen kann. Eigentlich bin ich genau da, wo ich sein will. Nicht dass ich vor sechs Jahren präzise hätte sagen können, wo ich hin will; auch, wenn ich damals im Grunde meines Herzens schon wusste, dass mein alter Arbeitgeber mir nicht gut tut.
Ich sagte Etappenziel, weil’s jetzt erst richtig losgehen soll. Zumindest beruflich. Und auch, was mein liebstes Hobby, das Geschichten erzählen (oder besser: das Bücher schreiben) angeht, läuft’s gut. Privat befinde ich mich zudem nach wie vor in halbwegs stabilem Fahrwasser. Wenn da nicht mein alter, dunkler Freund wäre, der mich in letzter Zeit dann und wann besucht hat, um mich daran zu erinnern, dass zu hoch zu fliegen für mich keine Option darstellt: Depressionen.
Es wäre manchmal fast zum Lachen, wenn es sich nicht nach dem Gegenteil anfühlen würde: objektiv betrachtet könnte es im Moment nur schwerlich besser laufen und ich kratze gerade am Grund eines tiefen, kalten Beckens an den Steinen und frage mich, wie man da raus kommt. Es ist nicht so, dass mich das an irgendwas hindert, oder von irgendwas abhält. Im Gegenteil “funktioniere” ich fast schon exzellent. Beängstigend exzellent, wenn man die Innenschau in Betracht zieht.
Gegenwärtig nehme ich das mit Irritation zur Kenntnis und versuche das Beste daraus zu machen; mich nicht zu sehr über jene zu ärgern, die mein Leben gelegentlich unnötig schwerer machen, oder meinen, mich benutzen zu können, wie’s ihnen in den Kram passt. Ich habe eine Familie, die – wie Familien nun mal sind – mal mehr Stütze und mal mehr Schubser ist. Und ich habe einige wenige Freunde, auf die ich mich stets verlassen kann. Und doch… und doch fehlt etwas. Nämlich das Gefühl von Glück.
Es ist ja nicht so, dass man als Mensch ein Anrecht auf dauerndes Glücklichsein hätte – auch wenn ich finde, dass man das ruhig in die Menschenrechtscharta mit aufnehmen könnte. Aber im Moment ist es dessen persistente, sachgrundlose Abwesenheit, die an mir nagt. Ich bitte daher um Entschuldigung, wenn meine übliche Benutzeroberfläche manchmal rissig wird und ich dem einen oder anderen nicht so begegne, wie er oder sie das verdient hätte. Manchmal ist einfach alles zu schwer. Dennoch möchte ich allen ein akzeptables Restwochenende wünschen.
Bruce Banners legendär markiger Einzeiler “Mein Geheimnis ist – ich bin immer wütend!” könnte zu manchen Zeiten als Charakterisierung meiner Gefühlswelt dienen. Nicht immer, aber immer noch oft genug spüre ich diesen Drang, dummen Menschen einfach eins in die Fresse zu hauen. Im Gegensatz zu Bruce Banner hätte ich für derlei Aktionen allerdings keine große, grüne Entschuldigung, die in mir wohnt und manchmal einfach zuschlagen MUSS. Also zähle ich, innerlich kochend, bis zehn und denke mir mein Teil. Gäbe es entweder Denkblasen in der Realität, oder würde ich meinem Drängen doch mal nachgeben … oh mein Gott, man müsste mich auf ewig wegsperren!
Überhaupt sind emotionale Entgleisungen in vielen Kulturen mit dem Verlust von “Gesicht” verbunden, mit sozialer Stigmatisierung und Sanktionen. Warum eigentlich? Wie befreiend es wäre, einfach mal einen strunzdummen Nazi plätten zu dürfen. So eine “Purge Night” klingt an manchen Tagen wie eine ziemlich gute Idee. Andererseits haben die Zehn Gebote als Grundlage sozialen Miteinanders durchaus ihre Daseinsberechtigung. Denn im Umkehrschluss dürften die Nazis dann ja auch; also ehrlich – so herum betrachtet ist’s dann schon nicht mehr ganz so spaßig. Nun ja – drauf geschissen. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten seine Wut zu kanalisieren. Manche gehen in den Wald und schießen auf Rehe (andere auf Menschen, aber das ist ja eigentlich unter Strafandrohung verboten!), manche springen ohne Not, nur mit einem Gummiseil am Fuß von ‘ner Brücke (wiederum Andere auch mal ohne Seil, dass ist dann nicht ganz so lustig), oder gehen auf den Fußballplatz – und ärgern sich dann hinterher auch noch darüber, dass das Beinahe-Abfackeln des Nebenmannes zu Sanktionen für den geliebten Verein führt. Nun ja…
Ich versuche meine Wut unter anderem hier zu kanalisieren. Oder auf Fratzenbuch, wo meine verbalen Auslassungen gegenüber strunzdummen Nazis mittlerweile deutlich an Schärfe gewinnen. ich bin noch nicht im Bereich der hemmungslosen Beschimpfung angekommen, aber… wer weiß, kommt vielleicht noch. Wut ist Energie und Energie kann nicht vernichtet werden, sondern nur umgewandelt (ich weiß, dass diese Beschreibung vereinfachend ist, aber wenn ich schon mal Physik für Psychologie missbrauche, sind Verluste einzukalkulieren 😉 ). Also wandele ich einen Teil in Bewegung um, was bei mir nicht annähernd so spektakulär wie bei Bruce Banner oder irgendwelchen Hooligans aussieht. Ich gehe nämlich einfach nur spazieren. Und ein anderer Teil fließt in meine Kreativität.
Wie, der kann etwas erschaffen, wenn er wütend ist? Oh ja, sagt er; denn Widerspruch und Kampf (selbst nicht-physischer) beflügeln meinen Geist. Ich glaube nicht, dass man die Methode einfach auf andere Individuen transponieren kann. Aber wenn mich irgendwas umtreibt, dann muss es raus. Es ist ein körperliches Drängen, jetzt etwas zu “machen”, also etwas zu erschaffen. So ging es mir die letzten Tage. Mein Urlaub lief nicht ganz so, wie gedacht (es war eh nur freie Zeit zu Hause, was für echte Erholung tödlich ist), was dazu führte, dass mein Gehirn Überstunden an einem fernen Ort gemacht hat. Ich bin Pen&Paper-Rollenspieler (vor allem Spielleiter), also habe ich kurzerhand ein neues Setting geschrieben und gleich mit einer Kleingruppe geplaytested. War leider geil…
Was für mich und mein Wutlevel viel tödlicher wirkt, als alles andere, ist, wenn ich meiner Kreativität keinen Raum lassen kann, weil Zeitdruck und Verpflichtungen, auf die ich keinen Einfluss nehmen kann mich einengen, ja manchmal geradezu erdrücken. Und diese Situationen gibt es, weiß Gott nicht nur im Job! An manchen Tagen hadere ich mit meiner Wut. An anderen umarme ich sie, weil sie mich zur Rampensau macht. Und ich bin, im tiefsten Grunde meines Herzens, gerne eine Rampensau! Nun bemerke ich seit einer Weile, dass mein Wutlevel sinkt und weiß wirklich nicht, was ich davon halten soll. Ich bin doch noch zu jung, um altersmilde zu werden, gottverdammt… ah, da ist sie ja doch noch… puh. Wie dem auch sei, ich kann nur dazu raten, sich selbst diesbezüglich genau zu analysieren. Vielleicht steckt ja doch ein guter Hulk in euch. Wenn ihr’s rausgefunden habt, sagt mir bescheid. Bis dahin – schönes Wochenende!
Ich muss es gestehen – und im Zugeben meiner Lässlichkeiten und Fehler werde ich langsam aber sicher immer besser – dass ich mir über diese Begrifflichkeit noch nie Gedanken gemacht habe. Ja…, Work-Life-Balance damit kann ich was anfangen, seit ich gelernt habe diesen Quatsch zu hassen. Wo kämen wir denn da hin, wenn die guten, guten Arbeitgeber-Lobbyisten keine Möglichkeit mehr fänden, in unseren ach so modernen Zeiten auf allen erdenklichen Wegen in unser privates Leben vorzudringen. Der Gläserne Bürger ist für mich nicht nur auf Grund der Amok laufenden Sicherheits-Fuzzis ein Albtraum; er ist vielmehr die wahr gewordene Ejakulations-Zielscheibe eines jeden, der nicht nur Waren, sondern auch Ideen verkaufen muss.
Denkt doch mal: all diese fortschrittlichen Formen selbst organisierter Arbeit, wie etwa Home-Office sind nachweislich dazu gemacht, Work und Life zu entgrenzen und den Betroffenen mehr und länger arbeiten zu lassen, als der das müsste. DAMIT verdienen Unternehmen Geld. Ich mache meinen Job auch ganz gerne. Aber wenn die Zeit rum ist, ist sie rum – denn ich arbeite um zu leben, nicht etwa umgekehrt. Es ist zweifellos ein Privileg, einer Tätigkeit nachgehen zu dürfen, die man selbst als wert- und sinnvoll empfindet und die auch noch Spaß macht. Das darf aber nie darüber hinweg täuschen, dass mein Job darin besteht, für jemand anders Bigtime Kohle zu scheffeln, während ich selbst mit Peanuts nach Hause gehe. OK, manchmal liegen unter den Peanuts auch noch ein paar dry-aged T-Bone-Steaks und anderer Schischi; aber am Ende der Rechnung bin ich nur ein Rädchen im Getriebe.
Wahrhaft sinnstiftend für meine Existenz sind jedoch – auch wenn ich jetzt gewiss nicht über den Sinn des Lebens referieren werde, den findet ihr eher bei “Monty Python”, als bei mir – meine Familie, meine Freunde, meine kreativen Tätigkeiten und jede Mischung davon. Alles Sachen, mit denen ich kein Geld verdiene; und vor allem auch nicht verdienen muss. Denn die von jedem Lobbyisten gewünschte Durch-Ökonomisierung meines Daseins treibt mir Hasspickel ins Gesicht. “Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps”. So volkstümlich frontal dieses Bonmot auch daher kommen mag, sagt es doch eigentlich alles, was man dazu wissen muss. Und dann kommen irgendwelche Menschoiden daher und fangen an, von Work-Love-Balance zu reden.
Man habe ja so viel zu geben, auch auf der Arbeit (Karma-Friedefreudeeierkuchen-Kollegen-Geschwurbel); oder man bringe zu viel von der Arbeit mit nach Hause (Beziehungs-Coaching-Notwendigkeits-Geschwurbel) und überhaupt müsse man ja bei der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Leben auch immer Beziehungen mitdenken. Ja Scheiß die Wand an… Wie ich drauf komme? Ich hab die Tage so einen Artikel auf Fratzenbuch gesehen, kurz gelesen und einen freundlichen Kommentar dazu hinterlassen. Ja echt, ich war freundlich, habe aber drauf hingewiesen, dass die dort aufgewärmten Ratschläge zur Selbstausbeutung führen können. Wurde wohl sogar positiv aufgenommen, aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass es nur eine vernünftige Sache für Work-Life-Love-Balance braucht: die eigene “NEIN”-Schwäche zu reduzieren!
Wenn ich nicht auf dem Dienstplan stehe, bin ich nicht verfügbar – vor allem nicht an Wochenenden, denn unter der Woche sehe ich oft meine Familie kaum, wenn ich Kernzeit arbeite. Mit Spät- und Nachtdienst ist es nur bedingt besser, aber wenigstens kann ich ausschlafen. Zudem sind da einige einige meiner Buddies, mit denen ich Pen&Paper spiele. Die können nur am Wochenende und kommen von 100-200 KM weit her. Die kommen nicht Donnerstags Abends mal eben auf einen Plausch vorbei. Ich kriege aber eben vor allem mit Hilfe dieser sozialen Events und meiner Familie meine Balance in den Griff, wenn ich nicht noch extra Work mit nach Hause nehmen muss. Das tue ich auch so schon oft genug, denn als Dozent in der Erwachsenen-Bildung kannst du nicht in Ruhe tolle Lehrgänge entwerfen, wenn Hinz und Kunz im zwei-Minuten-Takt mit irgendwelchem Kram durch deine Tür gewalzt kommt. Natürlich ist jedes Anliegen wichtig – zumindest für seinen Besitzer. Aber Kreativität braucht Ruhe und Zeit. Und ohne Kreativität gibt’s keine tollen Aus- und Fortbildungen. Aber der “Fuzzi von der Theorie-Abteilung” ist halt auch noch Sachbearbeiter.
Und wenn ich manchmal so sehe, was für vollkommen unflexible Bürokratie-Monster auch im Gefüge karitativer Arbeitgeber entstehen, wenn irgendwelche Menschen was am Tisch auskochen, die offenkundig keine Ahnung haben, wie viel kostbare Zeit durch das unnütze, doppelte und dreifache Verschieben von Informationen verschwendet wird, möchte ich raus, wo der Maurer kein Loch gelassen hat. Aber das geht hier jetzt zu weit. Zum Abschluss nur so viel: ich arbeite gerne selbstbestimmt. Ich habe kein Problem mit Zielvorgaben und Erfüllungszeiträumen, mit Deckungsbeiträgen und Personalwirtschaft. Aber ich habe ein Problem damit, wenn andere denken, sie müssten Dinge zu Tode organisieren, die ich besser könnte, wenn ich dürfte. Was ich gerade beschreibe ist übrigens einer der häufigsten Gründe, warum Unternehmen qualifiziertes Personal verlieren… zum Beispiel mich!
Ich werde dann in Kürze mal sehen, ob ich meine berufliche Stellung nicht doch noch ein bisschen mehr in Richtung selbstbestimmte Tätigkeit bewegen kann. Dann würde auch meine Balance wieder besser. Au revoir.
Rollenverständnis. Insbesondere bei Geschlechterrollen. Eines der größten Probleme der Menschheit überhaupt. Wenn man es ein wenig überspitzt, ist es die Wurzel allen Übels. Weil sich in dem großem Graufeld zwischen Zero und Hero beiderseits des Gender-Äquators (und auch in dem Raum dazwischen) so viele Möglichkeiten auftun, sich selbst und andere Miss zu verstehen, dass Konflikte vorprogrammiert sind. Und wer glaubt, dass persönliche Kränkungen bei Politikern nicht ausreichen, um mal eben einen neuen Krisenherd aufzumachen, der soll sich einfach die letzten 27 Monate mit Donald Trump noch mal genau ansehen. (Nicht dass Barrack Obama eine blütenreine Weste gehabt hätte – auch unter seiner Administration gab es Staatsterrorismus).
Wir wachsen mit Rollenbildern auf. Es kann gar nicht anders sein, denn unsere Eltern, deren Eltern und wiederum auch deren Eltern und so weiter sind mit Rollenbildern aufgewachsen; tradierten Vorstellungen davon, wie ein Junge oder ein Mädchen sich zu verhalten hätten, während sie zum Mann bzw. zur Frau heranwachsen. Allein der Umstand, dass es Homo-, Bi- und Transsexualität (und noch so viele andere Spielarten) schon immer gegeben hat, wurde durch diese Traditionen in den meisten Kulturen – so auch in unserer – stets negiert. Erst allmählich begann sich dies zu ändern. Zögerlich treten jene ins Licht, die nicht länger bereit sind, ihre wahre Natur zu verstecken. Und ebenso allmählich finden diese “Angriffe” auf tradierte Rollenbilder Eingang in die Medien.
Um wirklich verstehen zu können, wie entsetzlich das alles für “den klassischen Mann” oder “die klassische Frau” ist (heute bestenfalls noch künstliche Begrifflichkeiten, die vielleicht irgendwann einmal ein Korrelat in der realen Welt gehabt haben mögen), muss man sich nur vor Augen führen, wie kurz es erst her ist, dass die Welt subjektiv noch in Ordnung war. Bis 1958 brauchten Frauen die Erlaubnis des Vaters oder Gatten, um den Führerschein machen zu dürfen. Erst ab 1969 sah das BGB eine verheiratete Frau als geschäftsfähig an und erst seit 1977 dürfen Frauen ohne Erlaubnis des Ehepartners einem Beruf nachgehen. Ach, das waren noch gute alte Zeiten…
Wollt ihr mich verarschen? Es gibt keine gute alte Zeit. Es gab sie nie und vermutlich wird es leider auch in Zukunft immer wieder Perioden geben, derer man sich – ex post – unangemessen nostalgisch erinnert, weil Menschen das halt so machen; die Scheiße einfach mal ausblenden, damit das eigene Narrativ nicht ganz so düster daherkommt. Ich nahm gerade eben einen winzigen Ausschnitt aus der jüngeren Emanzipations-Geschichte der Frau, damit klar wird, warum so viele Männer immer noch nicht klar kommen. Jahrtausende des guten alten Patriarchats weggewischt von ein paar links-grün-versifften Emanzen, die einfach nicht verstehen wollen, dass das Primat des Mannes den Naturgesetzen folgt… Wacht auf, ihr Opfer und versteht, dass man Rollen auch ändern kann, aus ihnen ausbrechen, sie neu definieren.
Unsere Welt ist eine wesentlich stärker partikularisierte, als sie dies noch vor fünfzig Jahren war. Wir zahlen den Preis der Moderne durch die Notwendigkeit, uns unseren Platz in dieser Welt immer wieder selbst immer wieder neu suchen zu müssen. Ulrich Beck benannte dieses Phänomen mit dem Schlagwort “Risikogesellschaft”. Und in mancherlei Hinsicht ist seine Analyse immer noch aktuell. Die Medien sind, so sehr sie sich auch bemühen mögen, Avantgarde sein zu wollen, immer auch ein Spiegel des Zeitgeistes. Und es hat lange gedauert, bis wir im Fernsehen nicht mehr dauernd über den “Macho-Hero” auf der Suche nach seiner “Damsel in Distress” gestolpert sind, sondern eben auch ängstliche, (vermeintlich) schwache, suchende, verletzliche Männer zum Vorschein kamen, die in der Realität schon immer da waren. Wenn jetzt die plakative Übersexualisierung beiderlei Geschlechts noch aufhören würde, kämen wir vielleicht endlich zur Normalität. Wär doch mal ganz nett. Schöne Woche noch…
Es gab mal Zeiten (an die ich mich sogar noch erinnere) da war Punk ein eigenständiger Begriff und Vertreter dieser Subkultur hatten (zumindest teilweise) eine Agenda. Und wenn es nur darum ging, möglichst wenig Berührungspunkte mit dem politischen und ökonomischen Establishment zu haben – vulgo unseren Eltern und anderen Personen, die in unsere Welt einzugreifen versuchten. Natürlich hatte das was mit den Ablösungs-Bemühungen zu tun, die jeder Jugendliche und Adolesezente durchlaufen muss. Rebellion gegen die Altvorderen ist unser westlicher Rite de Passage.
Ergo hat das Wort in meinem mittlerweile bald 45-jährigen Hinterkopf eine andere Bedeutung, als dies bei jüngeren Menschen der Fall ist, bzw. sein kann. Ich habe Punk als etwas Bedeutsames erlebt und auch wenn der Enthusiasmus der Jugend in den meisten Protagonisten meiner Geschichte gewichen sein mag, bleibt zumindest die Erinnerung an etwas, das größer war, als man selbst. Und das Gefühl, sich nicht vollkommen einem System ergeben zu haben, dass uns alle auf die eine oder andere Weise verschlingen möchte.
Heutzutage jedoch wird Punk nur noch als Suffix benutzt. Ein Wortanhängsel, dass diesem oder jenem Dings die Bedeutung “rebellisch” oder “non-mainstream” verleihen soll. Es dient – zumindest in den Köpfen jener, die gerne Etiketten verteilen, also zum Beispiel Kunst-/Film-/Literaturkritikern – nur noch dem Zweck, irgendwas ideologisch hoch zu adeln; einen Bedeutungsüberschuss zu erzeugen, der gar nicht da ist. Ich schrieb vor etwa einem Jahr, dass in meinen Augen Cyberpunk nicht tot ist. (Ich warne allerdings davor, es ist einer meiner wenigen Posts in Englisch). Nun haben wir auch hier einen Kunstbegriff, über dessen tatsächliche Herkunft viel gesprochen wurde, zum Beispiel von Bruce Bethke, dessen erste Kurzgeschichte 1983 diesen Titel trug. Wie er selbst sagt, haben viele dazu beigetragen, das literarische Genre, welches sich dahinter verbirgt zu definieren.
Es war das erste Kunstwort dieser Art, doch in den folgenden Jahren wurde alsbald alles als -punk definiert, was irgendwie nicht in die hergebrachten Taxonomien passte. Das -punk sich dabei eigentlich auf Rebellion gegen eine Gesellschaftsordnung bezog, die so mancher bereits damals (also Anfang der 80er des 20. Jahrhunderts) heraufziehen sah, wird dabei gerne unterschlagen; jene Ordnung die wir heute haben: die unumschränkte, alles durchdringen wollende, alles monetarisieren wollende Macht des Kapitals. Wir leben im Zeitalter des Cyberpunk und merken es nicht mal, halten den Begriff immer noch für Science-Fiction und uns selbst so weit entfernt von den beschriebenen Dystopien, wie es nur geht. How about taking a look around...
Hab ich die Tage von Neon Gods gesprochen? Natürlich hat dieser Begriff einen Überschuss an Bedeutung; Neonreklamen sind zum Sinnbild der Moderne geworden und Götter beten wir heute nicht mehr wirklich in der Kirche an. Mamon ist die neue Religion. Damit markiert Neon Gods einen Übergang von der Moderne zur Post-Moderne, der sich immerzu im Hier und Jetzt vollzieht. Wir haben nicht, wie Francis Fukuyama schon Anfang der 90er des 20. Jahrhunderts postulierte, das Ende der Geschichte erreicht. Wir sind vielmehr mittendrin. Denn wo sonst, als in der Gegenwart soll sich denn bitte das Ende von Geschichte realisieren?
Für die Schöpfer solcher Begriffe wie Cyberpunk haben ihre Kreationen Sinn und Bedeutung. Jene, die nur ein Geschäft wittern, degenerieren solche Begriffe zu Marketinginstrumenten, zu sinnentleerten Hülsen, die einfach nur Illusionen verkaufen sollen. Ich bleibe bei meinem Cyberpunk, wenngleich er sich neu erfinden muss, um wieder Relevanz zu gewinnen. Fragen, die Science -Fiction an unsere Welt stellen müsste, gibt es mehr als genug. In diesem Sinne eine schöne Woche.
Spazieren gehen tut dem Körper gut, der Seele sowieso und manchmal auch dem Intellekt. Ich habe heute morgen einmal mehr – zu meinem Bedauern immer noch eine eine meiner schlechteren Angewohnheiten – mehr oder weniger kurz in Facebook geschaut und dort festgestellt, dass mal wieder Polit-Trash-Discussion-Time ist. Diskutiert wurde über den Film “Kleine Germanen”, der natürlich auf beiden Seiten Beißreflexe ausgelöst hat. Auf der einen, weil die links-grün-versiffte Medienlandschaft wieder mal vermeintliche Lügen über die wahren Deutschen Patrioten verbreitet (was objektiv betrachtet leider nicht immer wahr ist); und auf der anderen, weil natürlich jeder, der Worte wie Volk, Patriot, Vaterland und Stolz in einem ganzen Satz (oder Absatz) benutzt, automatisch ein Nazi ist (was ebenso wenig stimmt)…
Im Grunde genommen ist also gar nichts Unerwartetes passiert. Unerwartet waren jedoch die Gedanken, die das in mir ausgelöst hat. Ich war ja nun in den letzten Jahren nie weit entfernt von harscher Kapitalismus- und Gesellschafts-Kritik, aber meine vagabundierenden Gedanken stolperten über einen alten Song, den ich sehr schätze: “Sound of Silence” von Simon & Garfunkel. [Ich oute mich hier als Oldschooler – die Version von Disturbed mag ich nicht!] Jedenfalls blieben meine Gedanken an dem Song hängen und ich ging ihn noch mal durch. Nichts an diesem Text ist Füllwerk, denn er erzählt eine Geschichte von Entfremdung, Vereinsamung und Bedeutungsverlust im Angesicht moderner Zeiten, die flüsternd jeden Winkel unseres Daseins vergiften:
I’ve come to talk with you again Because a vision softly creeping Left its seeds while I was sleeping And the vision that was planted in my brain still remains Within the sound of silence
Kann es sein, dass die ständige Berieselung einen großen Teil von uns endgültig in durchkonformisierte Konsum-Sklaven verwandelt hat? Sind wir nicht mehr fähig, in der Öffentlichkeit differenziert über bestimmte Dinge zu reden, weil die Vereinfachungs-Didaktik der Werbung endgültig auch die politische Meinungsbildung erobert hat? Und falls dem tatsächlich so ist, warum bemerke ich das erst jetzt, wo Simon & Garfunkel doch vor 55 Jahren schon darüber gesungen haben…?
In restless dreams I walked alone Narrow streets of cobblestone ‘Neath the halo of a streetlamp I turned my collar to the cold and damp When my eyes were stabbed by the flash of a neon light That split the night And touched the sound of silence
Und warum bemerken so viele andere nicht, dass sie geblendet werden?
And in the naked light I saw Ten thousand people, maybe more People talking without speaking People hearing without listening People writing songs that voices never shared No one dared Disturb the sound of silence
Es wäre arrogant zu vermuten, dass ich der Einzige bin, dem solche Gedanken durch den Kopf gehen. Einerseits, weil offensichtlich Künstler und Intellektuelle schon vor langer Zeit gesehen haben, welchen Weg unsere Gesellschaft nimmt. Man mag über Noam Chomsky denken, was man will, aber sein Buch “Manufacturing Consent” (zusammen mit Edward S. Herman) ist schon ein Augenöffner. Öffentliche Meinung wird selbstverständlich gezielt zu beeinflussen gesucht. Die Kampagnen rund um Richard Nixons “War on drugs” illustrieren dies eindrucksvoll. Andererseits, weil sich immer wieder Kampagnen gegen den, von der Politik vorgesehen Weg formieren. Was diese im einzelnen erreichen wollen und welche Methoden sie dafür nutzen, darf diskutiert werden (siehe die “Gelbwesten” in Frankreich); Fakt ist jedoch, dass durchaus viele Menschen durch die Illusionen sehen und sich eine eigene Meinung bilden können. Eine Meinung ist zunächst etwas individuelles. Erst wenn sich viele Gleichgesinnte finden, wird aus einer Meinung eine Agenda…
“Fools”, said I, “You do not know” “Silence like a cancer grows Hear my words that I might teach you Take my arms that I might reach you” But my words like silent raindrops fell And echoed in the wells of silence
Ja, warum ist das so, dass trotz der Möglichkeit dazu viele Menschen es nicht sehen, es nicht fühlen, es nicht verstehen können? Verstehen wollen? Weil auch jene, welche die öffentliche Meinung schon seit so langer Zeit beeinflussen, eine Agenda haben. Und sie haben es gewiss nicht verabsäumt, diese Agenda bei jeder sich bietenden Gelegenheit in unsere Köpfe zu hämmern:
And the people bowed and prayed To the neon god they made And the sign flashed out its warning In the words that it was forming And the sign said “The words of the prophets are written on the subway walls And tenement halls And whispered in the sounds of silence
“Neon Gods”… ich mag diesen Terminus, denn er sagt in seinem gewaltigen Bedeutungsüberschuss fast alles, was es dazu zu wissen gibt. Ich bin mir sicher, als Neil Gaiman seinen Roman “American Gods” verfasste, hatte er dieses Lied zumindest dann und wann im Hinterkopf. Doch wo führen mich meine ganzen Überlegungen über einen uralten Song hin? Nun…dahin, zu denken, dass unsere diskursiven Fähigkeiten durch Propaganda vergiftet sind. Der Mythos der Einfachheit (und Alternativlosigkeit) politischen Handelns, der von allen Seiten stets auf’s neue befeuert wird, macht die meisten Menschen zu willfährigen Anhängern dieser oder jener Agenda, die sich – langsam, aber unaufhaltsam – zu Dogmen verfestigt. Und ein Dogma erlaubt keine fruchtbare Diskussion mehr. Wir leben folglich im Zeitalter der Dogmen.
Ich weiß, dass meine Einsichten nur wenige weiter bringen werden, aber viele Wenig machen ein Viel. Vielleicht kommen wir ja doch wieder dazu, uns über die Dinge verständigen zu können, nicht nur despektierlich übereinander her zu ziehen. Uns zusammen zu setzen, um uns auseinandersetzen zu können. Das wäre mein Wunsch. In diesem Sinne – ein schönes Wochenende!
Ich habe diese Beitragsreihe u. A. eröffnet, um auch etwas mehr über mich selbst herauszufinden, die Definition meiner Selbst zu schärfen, einige Positionen klar zu machen; schließlich mich selbst neu zu positionieren. Wer bin ich, wo steh ich, wo will ich hin? Das sind ja Fragen, die jeden Menschen mehr oder weniger stark bewegen, mithin also keine Besonderheit. Ich nehme mich selbst auch nicht als besonders wahr. Auch nicht im Hinblick auf meine Kreativität oder meine Fähigkeiten. Das sind Dinge, die man trainieren kann.
Wann immer ich mich mal genau an meinem heimatlichen Arbeitsplatz umsehe, bemerke ich die Vielzahl an unterschiedlichen Einflüssen, die während meiner kreativen Phasen auf mich einwirken. Diese Einflüsse empfinde ich als befruchtend. Ich bin der, der ich bin, weil ich das mit mir herumtrage, was ich war – Erfahrungen, Erinnerungen, Gesammeltes, Erlerntes, meine Hobbies und schließlich ältere Produkte meiner Kreativität. All das ist präsent und hilft mir vorwärts. Denn manchmal muss man, um ans Ziel zu kommen, nicht nur um die Ecke, sondern um den ganzen Block denken (vulgo sich selbst remixen). Das geht in MEINEM persönlichen Büro einfach am Besten.
[WIRKLICH KURZER EXKURS:] An meinem Arbeitsplatz in der Firma fällt mir echtes, kreatives Arbeiten schwer. Die typischen Sachbearbeiter-Dinge wie die Organisation und Nachbereitung von Fortbildungen, das Koordinieren von Ressourcen, etc. fällt mir nicht schwer; das geht im Team auch viel besser. Aber etwas Neues entwickeln, wenn dauern jemand mit einem anderen Problem oder einer Information durch die Tür kommt (open door policy)… das funktioniert nicht. Zumindest nicht für mich! Mal ganz davon ab, dass die firmeneigene IT-Ausstattung einfach nicht meinen Bedürfnissen entspricht. [EXKURS ENDE].
Kreativität bedeutet aus meiner Sicht also nicht, jedes Mal das verdammte Rad neu erfinden zu müssen; es gibt Dinge, die man nur schwerlich noch besser machen kann. Vielmehr ist Kreativität aus meiner Sicht die Fähigkeit, alle mentalen und kognitiven Ressourcen nutzbar zu machen, um ein Problem bestmöglich lösen zu können. Karl Popper, ein bedeutender Philosoph des 20. Jahrhunderts schreibt in seinem Buch “Alles Leben ist Problemlösen” (Piper, München, 2015, S. 261 ff.) von Technik als Kulturfaktor. Für mich bedeutet dies, dass Technik nicht mehr als ein Hilfsmittel zum Problemlösen ist, ja nicht mehr sein darf. Sie darf mich nicht behindern, oder meine Kreativität durch Beschränkungen lenken (daher mein Problem mit der, aus meiner Sicht mangelhaften, IT-Ausstattung bei der Arbeit).
Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich vor meinem Bildschirm und kann den Text schneller redigieren, als Stephen King, der laut eigenem Bekunden bis heute all seine Texte auf einer Schreibmaschine oder handschriftlich entwickelt. Das wäre mir selbst zu analog, was aber für mich beweist, das Kreativität in unterschiedlichen Individuen unterschiedliche Voraussetzungen hat; denn ich würde wirklich nicht bestreiten wollen, das Stephen King ein überaus kreativer Autor ist. Ich habe hier, wo ich sitze, Zugriff auf das Internet, meine persönliche Bibliothek und einige andere Dinge, die mich umgeben. Ich brauche diese erweiterte Herangehensweise und denke immer darüber nach, wie ich meinen individuellen Workflow noch besser gestalten kann.
Woraus natürlich die Frage erwächst, ob man auch zu kreativ sein kann? Ich denke schon, dass das der Fall ist. Wenn ich mich nicht zeitlich beschränke und mich zwinge, dann und wann aufzustehen, dann nehmen mich meine Gedanken mit auf weite Reisen; wobei selbstverständlich auch immer die Gefahr besteht, sich vollkommen zu verzetteln. Den Fokus zu verlieren und einfach irgendwas zu tun, anstatt auf das selbst gesteckte Ziel hinzuarbeiten. Darunter leidet erst die Qualität – und irgendwann der Mensch selbst. Denn ohne Fokus und Ziel ist Kreativität nutzlos.
Ich bin nichts Besonderes. Ich bin nur manchmal allzu kreativ, was dann mein Zeitmanagement und damit auch manch andere Dinge über den Haufen wirft. Fragt mal meine Familie! Doch genau dieser Teil definiert mich als Persönlichkeit in erheblichem Umfang. Deshalb kann und will ich das nicht beschneiden. Es ist auch der Grund, warum ich hier so entschieden auftrete. Denn ich habe durch mein Schreiben und Reden gelernt, meine Ideen und Meinungen präsentieren zu können. Also tue ich das, so laut ich kann!
Was als nächstes in dieser Reihe kommt weiß ich jetzt noch nicht. Aber wir hören uns ganz sicher auch in diesem Kontext bald wieder. Schönen Sonntag noch…
Irgendwie habe ich in den letzten Tagen häufiger beobachtet, dass Menschen, mit denen ich durch diese große, blöde Webseite mit dem Fratzennamen verbunden bin unreflektiert Blödsinn teilen…mal wieder. Dabei ist es so verdammt einfach, die Seriosität eines Artikels, oder auch einer ganzen Webseite zu überprüfen. Und weil ich den Eindruck habe, das manche Menschen hierbei vielleicht doch etwas Nachhilfe brauchen könnten, habe ich eine ganz einfach Anleitung zusammengestellt:
[ACHTUNG – WICHTIG] Wer natürlich meint, auch weiterhin unreflektiert Nazi-Scheiße in meine Timeline spülen zu müssen, den kicke ich ohne weitere Vorwarnung. Ich habe von diesem ganzen “Das-wird-man-doch-noch-sagen-dürfen”-Gesülze nämlich so dermaßen die Schnauze voll, dass ich sonst leider nicht jedermanns körperliche Unversehrtheit garantieren kann. [ENDE]
Quelle überprüfen: Woher stammt der geteilte Artikel? Oft ist die Herkunfts-Webseite leicht ermittelbar. Wenn es einfach nur ein Meme von einer anderen Facebook-Seite ist, wird es schon schwierig mit der Glaubwürdigkeit.
Impressum der Quelle überprüfen: Ist eines vorhanden, gehen wir direkt zum dritten Punkt. Ist keines vorhanden – Artikel sperren, weil er nicht als seriös eingestuft werden kann. Keine halbwegs seriöse Institution hat kein Impressum. (Ist übrigens in Deutschland überdies ein Rechtsverstoß gegen §5 TMG und §55 RStV).
Glaubwürdigkeit des Impressums überprüfen: Nun glauben die ersten, ich sei paranoid, aber hierzu ein kleines Beispiel von heute: jemand verlinkt einen Artikel von der sogenannten “Bundesdeutschen Zeitung”. Deren Impressum findet sich hier: Eine Online-Redaktion in Schweden, eine Adresse unter den Linden, unter der sich laut Google ein Restaurant befindet und eine Telefonnummer, die zwar nach Berlin gehört, jedoch nicht zur Adresse passt…? Schlussendlich die Webseite, die sich den Anstrich einer seriösen Zeitung gibt, etwa nach den bekannten Vorbildern SZ, FAZ, NZZ. Den Untertitel “Qualitätsjournalismus durch Wissensvorsprung” finde ich angesichts meiner Recherche-Ergebnisse wenig überzeugend.
Autoren recherchieren: zu Journalisten (seriösen ebenso wie tendenziösen) gibt es eine Vita, die in aller Regel Aufschluss über Gesinnung etc. zulässt. Ich habe keine Probleme mit liberalen und echten konservativen Positionen. Nur mit Populismus, Chauvinismus, Rassismus möchte ich nicht behelligt werden.
Oh mein Gott, so viel Aufwand, wenn ich etwas teilen möchte? Aber die haben doch Recht, wir können doch nicht…..! Nein, meistens haben die nicht Recht, sondern nur Angst und Hass im Herzen, die sie überall zu verbreiten suchen. Die von mir oben beschriebene Vorgehensweise dauert ca. 3-4 Minuten und verhindert hoffentlich, dass wir ein 4. Reich bekommen. Das ist es mir immer wert. Denkt mal drüber nach, bevor ihr wieder unreflektiert irgendeinen Dreck verlinkt. Schönen Tag noch.
Auch zum Hören…
Anmelden
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen aus Zahlen und Buchstaben enthalten, mindestens 1 Großbuchstaben enthalten