What about… happiness…? (Part 5)

Einsamkeit…? Ich habe in den vergangenen Monaten immer wieder darüber nachgedacht, warum es mich manchmal geradezu magisch an Orte zieht, an denen sich tendenziell eher weniger Menschen aufhalten. Natürlich ist das einerseits der Tatsache geschuldet, dass ich mich als extravertierten Introvertierten erlebe; was in der Folge bedeutet, dass ich meine sozialen Batterien nur unter ganz bestimmten Bedingungen aufladen kann und ein Zuviel an sozialer Interaktion – vor allem, wenn ich mir Art und Umfang derselben nicht freiwillig aussuchen kann – mich furchtbar erschöpft. Andererseits merke ich jedoch auch dieses Verlangen nach bestimmten Stimuli, welche mir die heimatliche Hütte nicht bieten kann. Licht, Luft, immer wieder unterschiedliche Perspektiven. Wird das auch noch mit Solitude gepaart, bin ich recht schnell ein bisschen glücklicher. Draußen zeigten sich, passend zum Datum erste zarte Anzeichen von Frühling. Das bot mir eine ganze Menge der erwünschten Stimuli… allerdings nicht nur mir. Die Promenade entlang des Rheins war heute Morgen voll mit Gutwetter-Spaziergängern und ganzen Rudeln von Kampfjoggern. Zumindest bis zu einem bestimmten Punkt, ab dem es dann wieder einsamer wurde. Ich glaube, sagen zu können, dass mich die allermeisten Menschen, die ich nicht in meine Umgebung eingeladen habe, oft nur durch ihre Anwesenheit nerven. Das ist allerdings getriggert von bestimmten Erwartungen. Gestern Abend zum Beispiel war ich mit der besten Ehefrau von allen auswärts essen. Und das kuschelige kleine Restaurant war rappelvoll. Trotzdem hat mich das nicht im Mindesten gestört, weil ich mich ganz auf die Konversation mit meiner Liebsten und das köstliche Essen konzentrieren konnte – die Erwartung an die Situation war eine völlig andere und ich hatte zudem vorher zu Hause meine Ruhe gehabt. Heute Morgen jedoch hat mich die ebenfalls rappelvolle Promenade überrascht. Und damit meine, derzeit nicht sonderlich ausgeprägte Contenance auf die Probe gestellt.

Das Problem ist Folgendes: andere Menschen sind immer ein Spiegel für uns selbst. Unser Denken, unser Handeln, was wir kommunikativ und emotional alles nach außen abstrahlen, nicht selten sogar für Dinge, die uns selbst noch nicht bewusst geworden sind. Manchmal möchte man jedoch einfach nur sein… schlicht existieren, ohne alles sofort reflektieren zu müssen. Insbesondere, wenn man sich selbst im Alltag sonst zumeist als hoch reflektiert wahrnimmt. Oder besser gesagt… viel zu oft alles viel zu sehr zerdenkend. Über-analysierend. Immer einen Schritt weiter sein wollend, als alle anderen (weil man nicht selten tatsächlich einen Schritt weiter ist). Das macht einen entsetzlich müde, weil auch nach der 100. (gedanklichen) Teilung immer noch etwas da ist, dass nicht atomisiert wurde; nicht atomisiert werden KANN! Man versucht es trotzdem immer weiter. Wenn ich nun also sage, dass andere Menschen mich triggern, dann ist damit nicht irgendeine eventuell nervtötende Eigennart am Gegenüber gemeint, sondern vielmehr meine eigenen – teils subliminalen – Wahrnehmungen, die nicht nur Emotionen auslösen, wenn ich nichts fühlen möchte, sondern auch zum Nachdenken anregen, wenn ICH GAR NICHT NACHDENKEN WILL! Müßiggang ist mir ein Wert an sich, weil ich diese Zeiten des Nichtstuns brauche. Wobei Nichtstun im Grunde nicht die korrekte Bezeichnung ist, wenn man bedenkt, dass ich während so einer Phase oft mehrere Kilometer zu Fuß zurücklege. Es geht, wie so oft, um die Zweckfreiheit. Ich gehe diese Strecken NICHT, um etwas zu TUN (also etwa für meinen Körper oder so), sondern es geht darum, währenddessen NICHTS zielgerichtetes tun zu MÜSSEN. Mit niemandem kommunizieren und sich für nichts rechtfertigen müssen. Nichts bedenken zu müssen (außer dem, was mir gerade so durch den Geist treibt). Sich einfach der ewigen Effizienzjagd zu entziehen und einfach nur zu existieren. Vielleicht, weil ich mich in den letzten Monaten oft zu sehr auf meine offensichtlichen Funktionen (vor allem im Job) reduziert gefühlt habe. Weil ich immer seltener das Gefühl hatte, ich selbst sein zu dürfen, sondern immerzu nur noch irgendjemand anderes’ Zielen und Verwertungslogik dienen zu müssen…

Es ist mitnichten so, dass ich immerzu alleine sein möchte. Aber ich suche mir, sofern ich dazu Gelegenheit bekomme, gerne selbst aus, wann ich mit wem wie viel Zeit verbringe. Ich würde das unter Selbstschutz verbuchen; und an solchem habe ich derzeit immer noch erheblichen Bedarf. Die beste Ehefrau von allen fragte mich übrigens heute Morgen, ob sie mitkommen solle/dürfe. Und ich habe – aus den eben dargelegten Gründen – freundlich abgelehnt. Ich liebe sie auch nach über 30 Jahren immer noch sehr, aber heute morgen war ich auf der Suche nach Solitude. Denn bei Einsamkeit muss man immer die Frage stellen, ob diese als belastend oder als befreiend empfunden wird. MEINE Phasen der Einsamkeit sind zumeist selbst gewählt und belasten mich nicht – sie verschaffen mir im Gegenteil viel mehr Entlastung von den dauernden Anforderungen Anderer an mich. Und in letzter Zeit war mein Bedarf an Ruhe, genauso wie im Übrigen mein Schlafbedürfnis deutlich erhöht. Für mich ein deutliches Zeichen, dass ich gut daran tue, mir diese Freiräume so oft und so nachhaltig wie möglich zu verschaffen. Das vermag vielleicht nicht unbedingt Happiness zu verschaffen; aber doch zumindest ein Gefühl von Frieden, dass dem nahekommt. Ich habe mir daher ein Experiment verschafft. Normalerweise schlafe ich in den letzten Monaten in der Nacht von Sonntag auf Montag immer schlecht… vermutlich, weil normalerweise am Montag die Arbeitswoche beginnt. Dieses Mal habe ich einen Trick angewandt und mir – aus verschiedenen Anlässen – den Montag freigeschaufelt. Mal schauen, ob sich mein mieser Schlaf auf die Nacht von Montag auf Dienstag verschiebt…? Euch anderen einen guten Start in die neue Woche. Robotet morgen schön für mich mit…

Auch als Podcast…

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