Writing Fiction #02 – In style!

“You develop taste, long before you develop skill” Matt Colville sagte das vor mittlerweile über sechs Jahren in einem seiner Videos. Und ich hatte noch nicht gleich verstanden, was das für mich bedeuten sollte. Heute weiß ich: man entwickelt, wenn man viel liest, zuerst ein sehr feines Sensorium für Stil, für semantischen Gehalt, für Satz- und Textaufbau; eben für all diese Dinge, die ausmachen, ob man einen Text mag, oder nicht. Nicht jeder Autor spricht einen dabei an, selbst wenn dieser alle Ratschläge aus dem Youtube-Lektoren-Handbuch gewissenhaft umgesetzt hat. Denn der offenkundige Versuch, servil um die vermeintlichen “Lesegewohnheiten” dieses oder jenes Publikums herum zu scharwenzeln mag vielleicht irgendwelche Easy-Reading-Opfer zum Kauf veranlassen. Es killt jedoch auch die Seele der eigenen Schreibe. Natürlich kippt niemand einfach so den First Draft eines Textes in die Welt. Aber seinen Text polieren zu wollen, um dieses oder jenes Kriterium zu erfüllen, macht zumeist weder den Autor glücklich, noch ist es eine Garantie, so erfolgreich zu werden, dass man davon leben kann. Es geht in allererster Linie darum, etwas zu schreiben, dass einem selbst gefällt! Dass dabei auch ausdrückt, was in einem selbst gerade gesagt werden möchte! Dass einen selbst als Mensch reflektiert! Dass die eigene Geschichte so erzählt, wie man sie auch woanders als auf dem bedrucktem Papier oder dem digitalen Display erzählen würde. All diese Aspekte bewusst beim eigenen Schreiben erleben zu können, bedarf jedoch der Übung; oder vereinfacht gesagt: ihr müsst schreiben, schreiben und noch mal schreiben, um besser schreiben zu können. So wie bei allen anderen Skills auch! Ich habe folglich sehr viele Texte geschrieben, die NIEMALS irgendjemand zu Gesicht bekommen wird, weil sie alle Fehler machen, die man in einem Text machen kann: sie nehmen einem die Fantasie, weil sie zu viel erklären. Sie ersticken in ihren eigenen Klischees, und hantieren mit Charakteren, die anstatt eigenständiger Figuren bloße Schablonen sind, die sich überdies nicht entwickeln. Sie mixen Genreaspekte, die man besser nicht mixen sollte. Sie arbeiten mit Deus Ex Machina und Zufällen, die ich keinem Serienautor heute noch abnehmen würde. Und so weiter und so fort. Jeder Mensch, der sich mit dem Schreiben etwas ernsthafter befasst, besitzt irgendwann einen reich gefüllten Giftschrank des Unlesbaren. Und jetzt kommt auch noch KI dazu…

Was mich persönlich in diesem Zusammenhang am meisten abschreckt, ist der Umstand, dass mittlerweile Bücher auf den Markt drängen, die so offenkundig mit Hilfe der Chatbots von Large Language Models (dass, was wir blöderweise künstliche Intelligenz nennen) erzeugt wurden, dass man sich fragen muss, wann irgendjemand endlich OpenAI und dieses ganze andere Tech-Bro-Geschmeiß aus den Faschistischen Staaten von Amerika so derbe zu Rechenschaft zieht, dass sie für den Rest ihres Lebens beim Scheißen Schmerzen haben… Die haben Texte geklaut – und tun dies immer noch – und ihre kackfreundlichen Algorithmen verwursten und verunstalten die Textfragmente, mit denen man sie “trainiert” hat auf so grauenhaft uninspirierte Weise, dass man sich ehrlich zu wünschen beginnt, künftig nur noch Grundschüleraufsätze lesen zu müssen! Die wurden wenigstens von einem Menschen geschrieben. Nur noch mal zum Mitschreiben für all die Trottel, die das noch nicht verstanden haben: KI kann keine Creatio ex nihilo! Diese beherrschen nur Menschen! ALLES, was KI produziert, ist ein Mash-Up., Re-Mix oder schlicht nur ein unverschämter Klau von Dingen, die MENSCHEN ZUVOR ERSCHAFFEN HABEN! Merkt euch das – und wenn ihr ein Buch verkaufen wollt, dann schreibt es gefälligst selbst! Und nur, um das an dieser Stelle klarzustellen – ich selbst nutze auch KI. Ich habe sogar ein Bezahl-Abo. Ich nutze dieses beruflich, um Fachtexte analysieren und mir einfache repitive Aufgaben abnehmen zu lassen, bei denen es keine Probleme mit Datenschutz, Betriebsgeheimnis, Kultursensibilität und halluzinierenden Chatbots gibt. Und privat vor allem, um Bilder für meine Game-Settings im TTRPG-Hobby zu bearbeiten. So gut wie nix davon findet man dann im, eh schon überaus AI-Slop-reichen Netz wieder. Und ganz gewiss lasse ich meine Geschichten oder Blogposts, wie etwa auch diesen Text hier NICHT von KI schreiben…

Den eigenen Stil zu finden ist ein Teil dessen, was durch das stetige Schreiben-Üben quasi en passant passiert. Jeder von uns hat eine innere Stimme, die sich auf eine spezielle Art äußert. Viele dieser Stimmen mögen zuerst ähnlich klingen, aber Wortschatz, Wortwahl, Sprechrhythmus, Satzbau und -länge, humorige Anteile, Blumigkeit oder Direktheit – eben all das, was einen Schreibstil im Kern ausmacht, variiert von Person zu Person erheblich, wenn man genau hinschaut. Und festigt sich eben erst mit der Menge der geschriebenen Texte und der damit einhergehenden Erfahrung. Stil ist somit einerseits eine Frage von individueller biographischer Realität und zwangsweise ebenso ein prozessuales Konstrukt, wie die ganze (erwachsene) Persönlichkeit. Andererseits aber abhängig von beständiger Übung und reflektierter (Selbst)Kritik. In diesem Spannungsfeld emergiert etwas, dass keine Maschine bislang erreichen kann: echtes, kreatives Schreiben! Wenn dieser Text also irgendeinen Sinn hat, dann den, nicht nur nach dem eigenen Warum zu suchen (das war Part 01 dieser neuen Serie), sondern auch nach der eigenen Stimme. Erst wenn wir diese beiden Elemente für uns selbst beisammen haben, können wir uns dem eigentlichen Prozess des Schreibens zuwenden, der – und damit erteile ich dem Thema “Ratgeber” erneut eine Absage – hier aus meiner Warte beschrieben wird! Ob das irgendjemandem nutzt? Keine Ahnung. Wir werden sehen. (F)rohen Karfreitag noch…

Auch als Podcast…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert