What about… happiness…? (Part 1)

Immer wieder stolpert man über Sozialwissenschaftler, die versuchen individuelles Glück zu vermessen. Oder zumindest nationales Glück. Dabei entstehen solche Rankings wie der “World Hapiness Report”. Und immer wieder wird aus solchen Studien zitiert, wenn es um die Frage der (politischen) Befindlichkeiten der Menschen in einem Land geht. Zum Beispiel in unserem Land. Nun ist das mit solchen Umfragen so ein Ding. Natürlich versucht man mit Statistik-Mojo solche Dinge wie Befrager-Bias, sozial erwartbares Antworten, Relevanz- und Konsistenzfehler, etc. rauszurechnen. Dennoch bleiben solche Befragungen stets eine individuell hoch subjektive Angelegenheit. Denn selbst, wenn die Stichproben mit großer Sorgfalt gezogen werden, habe ich u. U. einen Haufen Bruddler oder Maniker in meinem Survey, die das Ergebnis verfälschen. Quantitative Sozialforschung ist immer mit Vorsicht zu genießen, weil es immer noch genug Leute gibt, die den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation nicht kennen. Aber selbst, wenn wir davon ausgingen, dass alle Daten super sauber erhoben und verarbeitet worden seien – eine einzelne dimensionslose Zahl wie 7,09 von maximal 10 möglichen Punkten, oder der 22. Platz weltweit (Deutschlands Werte im World Hapiness Report für 2025) sagen NICHTS darüber aus, wie es den Menschen wirklich geht. Welche Sorgen sie haben, welche Probleme zu lösen sind und welche Gründe manche haben, um unglücklicher zu sein als andere. Was ist Glück denn überhaupt? Kleiner Hinweis mit Blick auf den entsprechenden Wikipedia-Eintrag (und ich weiß, dass das keine wissenschaftlich zitierfähige Quelle ist, danke der Nachfrage) zeigt auf: es ist kompliziert!

Life ain’t a game – but sometimes you’d wish, to get just a little lucky…

Aus was auch immer individuelles Glück oder Unglück sich von Fall zu Fall ergeben mag, zwei Dinge scheinen ziemlich sicher: Glück ist kein statisches Konstrukt, sondern ein, immer wieder neu auszutarierender Teil unseres Selbst; und damit, so wie der Rest unserer Identität, auch abhängig von extrinsischen Einflüssen. Etwa unseren sozialen Beziehungen. UND es wird vom subjektiven Umfang unseres Handlungsrepertoires entscheidend beeinflusst; also der Frage, inwieweit es uns (durch die Lebensumstände oder andere Personen) gestattet ist, unser Selbst so zu entfalten, wie es uns wohl tut. (Beide Faktoren finden sich übrigens in der Self Determination Theory von Decy und Ryan wieder) Das verweist uns darauf, dass Glück nur individuell konstituiert sein kann! Denn ICH kann doch NICHT ohne Weiteres wissen, wie viel oder wenig soziale Nähe andere Menschen brauchen, welche Aspekte ihrer Persönlichkeit sich u. U. gerade in einem Umbauprozess befinden und woraus sie Ihre subjektive Kompetenz ziehen; also das Gefühl, ihren Scheiß im Griff zu haben. Welcher Scheiß auch immer jetzt gerade gemeint sein mag. Das ist auch der Grund, aus dem ich diese ganzen großkotzigen, nutzlosen Ratgeberbücher zur Persönlichkeitsentwicklung so furchtbar SCHEISSE finde. Woher zum Teufel will dieses autorenartige Geschmeiß denn wissen, welche echten Bedarfe und Bedürfnisse ein Individuum hat, ohne dieses Individdum je kennengelernt zu haben? Und wie kann man sich – diesem Faktum zum Trotze – dazu versteigen, den Leichtgläubigen allgemeingültige Glückskekse als seligmachende Erkenntnis zu verticken? Und ihnen dann auch noch Handlungsweisen aufoktoyieren wollen, die von Fall zu Fall mehr schaden als helfen? Dieser ganze Selfhelp-Humbug gehört verboten, weil er tendenziell MEHR echten therapeutischen Bedarf generiert, als er Menschen tatsächlich hilft. Gleiches gilt übrigens für diese ganzen Möchtegern-Coaches, die völlig unreguliert im Internet auf Bauernfang gehen…

Aber wir sind wieder abgeschweift, nicht wahr. Glück also… hm…? Wie wäre es dann mit Kairos, dem glücklichen Moment? Dem “die Gelegenheit beim Schopfe packen”. Doch der Kairos – wenn wir ihn als günstige Gelegenheit verstehen, etwas zu tun – funktioniert nur in Tateinheit mit Chronos, der Unaufhaltsamkeit des Vergehens alles Vergänglichen; oder, wie ich es meistens nenne, der unüberwindbaren Mauer der nächsten Sekunde. Nehmen wir an, ein Fenster zum Handeln bietet sich, doch wir wissen, dass es sich wieder schließen wird. Handeln wir? Handeln wir instinktiv und hoffen auf das Beste? Handeln wir langsam (sogar zu langsam), weil wir erst alles bedenken wollen? Und würden wir glücklicher gewesen sein, wenn wir jetzt instinktiv gehandelt hätten? Oder doch unglücklicher, weil die Fortune eine grausame Geliebte sein kann, die uns genau im richtigen Moment – nämlich unserem zu erkennen geglaubten Kairos – im Stich lässt? Wie man’s auch dreht und wendet, das Glück packen zu wollen, scheint eine sehr schwierige Angelegenheit, ist das Glück doch offensichtlich ein höchst flüchtiges, schwer zu greifendes Ding. Oder müssen wir einfach nur warten bis es zu uns kommt? Kommt es denn einfach so zu jedem? Braucht man dafür einen Lottoschein – oder einfach nur ein großes Herz und offene Sinne? Genügt es vielleicht, nahe bei jemandem zu bleiben, der offensichtlich glücklich ist, damit etwas davon auf mich abfärbt? Und… wie erkenne ich jemanden der glücklich ist denn überhaupt? Ich meine, so wenig wie wir (gottseidank) LCD-Displays auf der Stirn haben, die anzeigen, was wir gerade denken, so wenig zeigt irgendetwas an, ob wir gerade glücklich sind oder nicht. Und um hier gleich mal mit einem vollkommen idiotischen Gedanken aufzuräumen: Menschen können sehr gleichmütig oder gar glücklich aussehen und innendrin ist trotzdem Dresden, 13.02.1945… ALLES kaputtbombardiert.

Diesen Gedanken nehmen wir alsbald noch einmal auf. Doch zunächst zurück zu Kairos und Chronos; oder besser zu Chronos. Denn wir Menschen empfinden Zeit, sowohl individuell als auch situationsabhängig, höchst unterschiedlich. Und das wirkt auf unser jeweiliges Glück, von dem wir mittlerweile wissen dürften, dass es sich um ein individuell, wie auch zeit- und situationsabhängig höchst unterschiedliches GEFÜHL handelt! Wenn wir uns nun aber darauf einigen können, Glück als ein prozessuales Konstrukt verstehen zu wollen, welches durch verschiedenste Einflüsse seine Intensität und Gestalt WANDELN KANN, bzw. oft WANDELN MUSS, dann bleibt eigentlich doch nur eines übrig – nämlich unser eigenes Framing bezüglich unserer Glückswahrnehmung zu überprüfen. Na ja, ganz so einfach ist es dann doch nicht – und dieses EINZIGE ist überdies weitaus komplexer, als der spröde Begriff “Framing” vermuten lässt. Daher wenden wir uns dem in einem weiteren Post zu. Bis dahin wünsche ich noch einen schönen Rest-Samstag.

Auch als Podcast…

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