New Work N°25 – Huzzle-Buzzle the Burnout-Champ!

Wenn ich in den letzten Wochen irgendetwas auf jeden Fall NICHT war, dann effektiv! Ich meine, mal ganz ehrlich, was wäre das auch – ein effektiver Urlaub? Ist das dieses medial hochglanzpolierte Action-Gezappel, bei dem telegene, schlanke Menschen in unfassbar pittoresken Kulissen jede verfügbare Minute mit irgendwelchen geilen Aktiviäten ausfüllen, die das Versprechen sofortiger, absoluter Erfüllung in sich tragen? Also quasi vom Matterhorn basejumpen direkt auf die Terasse eines Viersternehotels, wo der private Steward einen mit ‘nem schicken (aber absolut gesunden, weil alkoholfreien) Apperitivo emfpängt, um danach ein Menü aus einer dieser Hochglanzpostillen aufzufahren, wie sie in Wartebereichen ausliegen? Gefolgt von Mountainbiken, um die ganzen Kalorien zu kontern, denn man will ja begehrenswert – ähm, entschuldigung, telegen meinte ich natürlich – also… telegen zu bleiben? BÄH… GEH WEG…! Pardonnez-moi, aber fickt euch. Das geilste, absolute Erfüllung versprechende, was ich in den letzten Wochen getan habe, war sicher nicht jugendfrei, aber in jedem Fal liegend zu erledigen. Okay… ich habe auch viel gesessen, gelegentlich stand ich, oder bin ein paar KM gegangen. Aber an Fallschirme, Mountainbikes und neue, überragende Kulissen kann ich mich jetzt nicht erinnern. An gutes Essen jedoch schon – verdammt… Was ich damit sagen will? Nun, dass Effizienz VIELLEICHT in bestimmten Kontexten eine relevante Stellgröße sein kann. Aber ganz, ganz, ganz sicher nicht in der Freizeit. Denn sich soviel Zeit nehmen zu können, für jene Dinge, auf die man gerade JETZT Lust hat, ist der größte denkbare Luxus überhaupt. Effizienz hingegen bedeutet, die richtige Balance zwischen Ressourcen und Ergebnis zu suchen, um mit geringstmöglichem Einsatz von Ressourcen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen! Und Zeit ist nun mal für uns alle eine begrenzte Ressource. In der Wirtschaft kostet sie Geld; und uns Menschen kostet sie Leben!

Das will ich wieder sehen…

Ich will ehrlich sein: ALLES in mir sträubt sich dagegen, morgen wieder arbeiten gehen zu MÜSSEN! Nicht, weil ich meinen Job nicht mag. Manche Aspekte davon liegen mir sogar sehr am Herzen und machen Spaß. Andere hingegen haben auch in den zurückliegenden Urlaubstagen nicht nachgelassen, mir Kopfzerbrechen zu bereiten. Doch das Allerübelste ist, nicht mehr frei über meine Zeit verfügen zu dürfen. Nicht einfach sagen zu können: “Ich bin gerade zu diesem oder jenem inspiriert, das mache ich jetzt… das Andere kann warten!”. Denn im Grunde genommen könnte ich diese Freiheit haben, weil NICHTS in meinem Gewerk WIRKLICH zeitkritisch ist. Mein Manövrierraum wird mir jedoch durch Leute eingeengt, die meinen, mir aus niederen Beweggründen ins Handwerk pfuschen zu müssen und durch Menschen, die getroffene Absprachen kurzfristig über den Haufen werfen und die daraus unmittelbar resultierende Unmöglichkeit, für alle im Team mehr Relief zu schaffen. Oder durch die Rigidität von Strukturen, die auf dem typisch deutschen Diktum “Tradition ist Fortschritt genug!” beruhen. Kurzum – mir graust vor der kommenden Nacht, den an genau solchen Sonntagabenden finde ich üblicherweise nicht leicht in den Schlaf… wenn überhaupt! Mein Schlafbedürfnis ist unterdessen auch so eine Sache. Normalerweise pendelt sich meine Schlaflänge auf rund 8h ein, wenn ich meine Zubettgehzeit und meine Aufstehzeit frei wählen kann. Doch in den letzten Wochen waren es eher 9 – 9,5h/Nacht und ich war trotzdem häufig früh müde. Eigentlich ein unübersehbares Zeichen einer alles überschattenden, tiefgreifenden Erschöpfung. Was mache ich dagegen? Denn ab morgen wird meine Schlafzeit wieder gewalttätig auf 7 – 7,5h verkürzt. Denn ich komme einfach nicht früher zur Ruhe und muss trotzdem zwanghaft früh im Büro sein. Weil ich morgens wenigstens manche Aufgaben störungsfrei erledigen kann. Danach ist – zumindest für den extravertieren Introvertierten, der ich wohl bin – viel zu viel Huzz and Buzz ringsum. Vielleicht wäre zeitweise mehr Home-Office eine entlastende Option. Aber DAS wird eine INTERESSANTE Diskussion mit meinen Chefs…

Ich bin ausgewiesenermaßen kein großer Freund von Online-Selbsttests für dieses oder jenes Persönlichkeitsmerkmal. Und ich meine mich erinnern zu können, hier schon mehrfach sehr deutlich gemacht zu haben, was ich von Ratgeberbüchern (off-, wie online) halte. Und trotzdem habe ich mal wieder einen gemacht; also, so einen Online-Test. Ein Ratgeberbuch schreiben dauert länger… Das Ergebnis sagt, ich sollte mir Gedanken machen, weil ich möglicherweise mittelgradig von einem Burn-Out bedroht sei. Self-fulfilling Prophecy oder Wahrheit? ich werde wohl bald meinen Therapeuten darauf ansprechen müssen. Ich hatte hier neulich geschrieben, dass ich angefangen hätte, mich emotional von meiner Arbeit zu lösen. An dieser Stelle folgt nun – angemessen zerknirscht – das Eingeständnis, dass ich damit wohl doch noch keine allzugroßen Fortschritte gemacht habe. Andernfalls könnte mir das alles doch kilometerweit am Arsch vorbeigehen, nicht wahr? Tut es aber nicht, weil ich natürlich insbesondere meinem Team gegenüber eine Verantwortung verspüre, die ich nicht eben ablegen kann wie so’n gebrauchtes T-Shirt. Scheiß Arbeitsethos. Ich kann manche Dinge einfach nicht liegen lassen, weil ich dann das Gefühl bekommen, nicht zu genügen; nicht qualifiziert oder geeignet genug zu sein, für meinen Job. Versagensangst. Dabei muss ich für meinen Erfolg im Job so gut wie niemandem Danke sagen; außer vielleicht der besten Ehefrau von allen, weil sie mich immer unterstützt hat, auch wenn’s manchmal schwer war. Ich habe ziemlich hart für mein Vorankommen gearbeitet, weil ich für meine Liebsten – und natürlich auch mich – ein gutes Leben schaffen wollte; und irgendwann unterwegs habe ich verlernt, meine Erfolge zu feiern. Ich schrieb hier, wenn ich mich recht entsinne irgendwann mal, dass ich in den über 26 Jahren Einsatzdienst einen Teil meiner Seele auf den Straßen meiner Stadt gelassen hätte… in den letzten Jahren ist wohl noch ein weiterer Teil dazu gekommen. Und im Moment weiß ich ehrlich nicht, wo ich danach suchen soll. Aber hey… irgendwie geht es immer weiter, nicht wahr? Ich tue mir heute Abend noch was Gutes und dann… auf zu einem weiteren, glorreich beschissenen Arbeitsjahr 2026; auf dem Weg, endgültig zu Huzzle-Buzzle zu werden! Startet schön in die neue Woche. Wir lesen uns.

Auch als Podcast…

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