Fresh from Absurdistan N°16 – Ja, sind wir im Wald hier…?

Na, schön in den Mai getanzt? Bei mir hat sich wenigstens der Nacken rhythmisch bewegt, wenngleich ich sagen muss, dass alleine zu moshen wohl nicht das Selbe ist. Nun ja, drauf geschissen; Hauptsache meine Kopfhörer machen genug Druck. Und das können sie. Ansonsten ist alles beim Alten. Wir hocken, nach wie vor, daheim und versuchen uns an Aufgaben, für die man normalerweise studieren muss – und wenn mich jetzt jemand darauf hinweisen möchte, dass ich doch auch Pädagoge sei, möchte meine Rechte gerne einen Tunnel durch sein Fressbrett graben. Denn die eigene Brut beschulen zu müssen ist, als wenn du nackig durch einen Sandsturm laufen musst. Das schält dich bis auf die Knochen und reißt dir die Seele raus.

Schwamm drüber. Irgendwie geht’s ja immer weiter. Man könnte vielleicht befremdet sein, dass sich die Bundesliga so abmüht, wieder ans Laufen zu kommen. Auch wenn die überbezahlten Affen, die da unnötig Bälle durch’s Bild schieben offensichtlich weniger Ahnung von physical distancing haben, als meine Siebenjährige. Aber dazu hat Micky Beisenherz ja schon alles Relevante gesagt. Auch die Kaufprämie für Neuwagen ist voll die gute Idee – weil die allermeisten von uns ja während der Krise auch ordentlich durchverdient haben, weil sie nur zum Scheißen eine Pause machen konnten, aber ja eh kein Klopapier verfügbar war und deswegen jetzt alle ordentlich Fett auf der Kette haben… Kann dem Altmaier mal jemand ein Bildchen malen, damit er kapiert, was für einen Stuss er von sich gibt? Aber bitte nicht zu kompliziert, sonst perlts vor Anstrengung auf der Glatze.

Kurz zuvor rollte Wolfgang Schäuble ins Bild; und ich muss sagen, dass ich seine Äußerungen nicht im Ansatz so Menschen verachtend finde, wie Martin Klingst in seiner Kolumne. Wer genau liest, sieht, dass er den Hinweis auf die Menschenwürde als das höchste Gut, welches das Grundgesetz schützt – also ein noch höheres Gut als als das Leben an sich – zunächst auf sich selbst bezieht. Eine Denkfigur, die man angesichts seines Lebens und der Dinge, die er erdulden musste respektieren sollte. Mitnichten redet er hier einer Triage das Wort. Überdies sollte die Würde des Menschen auch beim Sterbeprozess geschützt werden. Etwas, womit man sich hier in Deutschland immer noch sehr schwer tut. Vielleicht war es das, was Her Schäuble sagen wollte? Vielleicht wollte er die ganzen Bedenkenträger auch einfach nur darauf hinweisen, dass das Leben nun mal eine sexuell übertragbare Krankheit ist, die zwangsläufig mit dem Tod endet?

Und nur mal so am Rande: wer ein bisschen Ahnung von Katastrophenmedizin und MANV-Stufen hat, weiß um die ethischen Dilemmata, die mit der Notwendigkeit einer Triagierung einher gehen. Dennoch wird derlei z.B. auch in der rettungsdienstlichen Ausbildung geschult. Reden wir hier also über etwas vollkommen Undenkbares? Nein, tun wir nicht. Insbesondere nicht unter dem Aspekt, dass eine Pandemie wie SARS-CoV2 ein zeitlich prolongierter, supranationaler MANV ist. Und auch, wenn keiner von uns gerne darüber redet: wenn es hart auf hart kommt, haben wir sehr wohl eine informelle Taxonomie zur Hand, um Entscheidungen treffen zu können.

Wie man’s auch dreht und wendet – dieses verdammte Virus beherrscht immer noch unser Leben. Und zwar nicht nur dadurch, dass der Lockdown – wenn auch in abgeschwächter Form – immer noch anhält, sondern vor allem durch das mediale Bombardement, dass Stunde um Stunde neue Berichte produziert, die sich allzu häufig nur in Nuancen voneinander unterscheiden. Denn im Stundentakt entstehen keine neuen Erkenntnisse. Allerdings kann ich im Stundentakt die Menschen entweder noch ängstlicher, paranoider und neurotischer machen – oder noch gleichgültiger, egoistischer und aggressiver. Beide Varianten sind dem Gemeinwesen wenig zuträglich. Und es wäre wirklich mal an der Zeit, dass die Medienschaffenden ihre wenig rühmliche Rolle in der Corona-Krise noch mal überdenken. Rezo hat dazu ein paar gute Gedanken geäußert und ich hätte auch Bock drauf. Wie sieht’s mit euch da draußen aus?

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