Ende Gelände!

Ich hatte wirklich gedacht, ich könnte es wegdiskutieren. Oder wegarbeiten. Oder weglaufen. Oder wegzocken. Oder wegmasturbieren. Irgendwas, dass einen auf den Weg bringt; aus diesem elenden Dilemma, dauernd zu müssen und eigentlich… um’s Verrecken nicht mehr zu können! Ich hatte gedacht, ich hätte es im Griff. Klar geworden, dass ich mich volles Programm selbst belüge, ist mir gestern, als ein Kollege morgens zunächst darüber verwundert war, dass ich so wach und aufgedreht sei, nur um mich dann nachmittags darauf hinzuweisen, dass ich voll Scheiße aussehen würde. Und das obwohl objektiv alles Bombe läuft. Aber subjektiv ist nix Bombe. NIX, VERDAMMT NOCH EINS!

Ich renne meine Projekten und meiner Zeit schon lange hinterher. Das liegt zum einen an meinem Credo erst mal “vielleicht” zu sagen und es probieren zu wollen, wo andere sich schon kopfschüttelnd abwenden. Und zum anderen daran, dass man deshalb glaubt, ich sei belastbar. Oh, ich erfülle meine Aufgaben. Zumeist sogar gut und halbwegs pünktlich. Aber es kostet immer mehr Kraft. Und jetzt stelle ich fest, dass die Batterie leer ist. Oder, wie es ein Meme auf Facebook neulich (sinngemäß zitiert) so treffend ausgedrückte: “…kaputt, denn die Ladung geht immer gleich wieder flöten!” Ich merke das daran, dass sich meine negative Energie, die ansonsten in mir selbst unterwegs bleibt, um bestenfalls mal einen voll derben Spruch zum Vorschein zu bringen, sich plötzlich, unkontrolliert und mit teils erschreckenden Effekten auf Andere richtet. Und wenn ich das Gefühl bekomme, etwas oder jemanden schlagen zu wollen, nehme ich immer etwas.

Ich werde also morgen für eine weder einfache, noch kurze Aufgabe meine verbliebenen Reserven zusammennehmen, meine übliche Bedienoberfläche rauskehren und den Shit rocken, wie so viele mal zuvor auch schon. Dann werde ich irgendwann zu Hause ankommen und abwarten, wie schlimm der Zusammenbruch wird. In einem anderen Zeitalter, in einem Prä-Covid-Zeitalter war “zu Hause” meist (nicht immer, aber oft) ein Ort an dem man dann irgendwie runterkommen, sich erden und wieder zum Mensch werden konnte. Doch auch der Rest der Familie geht auf dem pandemüden Zahnfleisch und sehnt sich ein Ende dieses Wahnsinns herbei. Denn auch die haben angefangen, ihre individuellen Dämonen mit Wucht aufeinander loszulassen. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Nur habe ich nicht mal mehr die Kraft, damit umzugehen…

Es ist also, wie es ist – die Depression ist zurück. Volles Programm. Und ich habe keinen Plan B (geschweige denn X), keinen Nerv, keine Kraft und keine Perspektive. Nehme ich mich jetzt einfach raus, geht das wichtigstes Projekt meines Berufslebens womöglich den Bach runter. Nehme ich mich nicht raus, gehe womöglich ich den Bach runter. Beide Varianten beinhalten Schmerz, Verlust, vielleicht Katharsis und – mit etwas Pech – eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung meines Beitrags zum Familieneinkommen. Versteht ihr ganzen selbsternannten Leistungsträger da draußen jetzt, warum wir ein bedingungsloses Grundeinkommen brauchen? Also werde ich erst mal weitermachen, damit wenigstens an der Front alles gut bleibt und mich nach Hilfe umtun, in der Hoffnung es – einmal mehr – wieder irgendwie gerissen zu bekommen. Wir hören uns…

Eine Antwort auf „Ende Gelände!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.