Die linke Mitte…

…unserer Gesellschaft existiert so, wie Herr Hofreiter diese denkt  nicht mehr.  Unabhängig davon, wo der Angehörige einer bestimmten Partei nach unserem alten Richtungs- und Farb-Kompass im politischen Spektrum hingehören würde, sind die Wähler schon lange nicht mehr so einfach einzuordnen. Das Fortschreiten der demokratischen Entwicklung hat hierzulande seit den 50ern des 20. Jahrhunderts zu einer Pluralisierung der Gesellschaft beigetragen. In frühen Sozialtheorien sehr homogene Gruppen wie Bürger, Bauern, Arbeiter gibt es nicht mehr – vielleicht hat es diese auch nie wirklich in der Form gegeben. Heute spricht man von sozialen Milieus, in denen jeweils auch noch Unterströmungen zu finden sind. Jedenfalls kann man aber mit Sicherheit sagen, dass eine Zuordnung wie: Arbeiter => Unterschicht => SPD-Wähler spätestens seit den frühern 90ern keine Gültigkeit mehr haben.

Es gibt die linke Mitte der Gesellschaft mit einem potentiellen Wähler-Anteil von , sagen wir mal 30-35% einfach nicht mehr, weil die gesellschaftliche Pluralität jedem Individuum heutzutage viel mehr Optionen lässt. Betrachtet man Pluralität als Folge von Demokratisierung, folgt daraus, das Karma ein Bumerang ist! Denn die ehemaligen Volksparteien, welche im Laufe ihrer eigenen Entwicklung die Demokratisierung befördert haben, erreichen damit automatisch ihr eigenes Verfallsdatum.

Das bedeutet mitnichten, dass die Demokratie fertig hat; vielmehr erscheint mir, nach längerem Überdenken aller Aspekte eine Minderheitsregierung als das passende Abbild einer solchen Gesellschaft. Eine regierende Partei wäre bei jeder größeren Entscheidung, die in der öffentlichen Debatte immer auch eine ideologische Aufladung erfährt gezwungen, neu nach Mehrheiten zu suchen. Auch Ideologien müssen im Namen der Sache verhandelbar ein. Das nährt in mir die Hoffnung, dass dadurch wieder eine sachorientiertere Politik möglich sein könnte, weil keiner an Koalitions-Zwänge oder ähnliches gebunden wäre.  Die jeweilige Sache wäre von Belang!

Natürlich ist es utopisch anzunehmen, dass Partei-Ideologie dann keine Rolle mehr spielen würde. Ganz im Gegenteil hätten alle Partein die Chance, ihre Konturen öffentlich besser zu schärfen, indem man ihren Anteil an Sachgrund-basierten Entscheidungen wieder besser wahrnehmen könnte. Es ist schon traurig, dass auf Grund der Posten und Pöstchen, die jeweils winken in der politischen Klasse überwiegend kein Interesse an der Sache, sondern nur an sich selbst herrscht [Dies ist eine Unterstellung, über Gegenbeweise würde ich mich sehr freuen!].

In jedem Fall wäre es ein Prüfstein: Totgesagte [SPD] könnten zu neuem Leben finden und angefeindete [AfD] könnten, insbesondere bezüglich Ihrer derzeit fragwürdigen ideologischen Ausrichtung an der Realität gesunden. Selbst für die FDP wäre hier ein Platz, denn auf einem freien Politikmarkt dürfte sie offen und ehrlich Klientelpolitik betreiben und würde vielleicht endlich einmal offenbaren, wofür sie eigentlich steht. Ich sehe im Moment nur Chancen, keine Risiken. Denn seien wir einmal ehrlich: noch vier Jahre GoKo halte ich wohl nicht wirklich aus! Schönen Tag noch…

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