Das Böse kommt von Links – eine neue Polemik.

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen komme ich nicht umhin, mich zu fragen, warum Menschen, die sich selbst als linke Intellektuelle betrachten, immer wieder vollkommen unnötige, teils widersinnige, teils lächerliche Diskussionen provozieren müssen. Ich behaupte jetzt einfach mal – quasi im Sinne einer Nominaldefinition – dass nur sehr Wenige unter uns politisch zu einer Autokratie zurückkehren möchten; schlicht, weil uns unsere persönliche Freiheit, die im demokratischen Rahmen üblicherweise als halbwegs geschützt betrachtet werden darf, ziemlich wichtig ist.

Nun gibt es ein paar Menschen – vielleicht sind es auch ein paar mehr, aber das tut nichts zur Sache – die offenkundig der Meinung sind, dass es nur möglich ist, die Demokratie zu verteidigen, indem man ALLES, was auch nur irgendwie der rechtskonservativen Gesinnung verdächtig sein könnte einfach verbietet, bzw. ummodelt. Das sie dabei kulturelle Produkte des Chauvinismus bzw. Rassismus oder sonst eines –ismus bezichtigen, die aus einem völlig anderen geschichtlichen und somit auch gesellschaftlich-kulturellen Kontext stammen, ist ihnen dabei Wumpe, Hauptsache, es sagt keiner mehr „Negerlein“… Uups! Sie folgen dabei der Logik, dass alle Gewalt ihren Anfang in der Sprache nimmt. Prinzipiell ist das auch nicht falsch, was jeder, der schon mal gemobbt wurde sicher bestätigen kann. Doch man kann dabei auch über das Ziel hinaus schießen. Denn jeder, der nicht willig und mit vom Stolze geschwellter Brust in die Phalanx der Gender-gemainstreamten, ökologisch korrekten, Nachhaltigkeit predigenden, Solidarität proklamierenden Sozial-Bourgeoisie einschwenkt, ist automatisch ein reaktionärer, dumpfer Geist, prinzipiell immer des Faschismus verdächtig. Erinnert mich irgendwie an das ideologisch motivierte Programm der Gleichschaltung!

Es gibt einige Bereiche meines Lebens, in denen ich nicht umhin kam, Standpunkte zu bedenken und teilweise auch anzunehmen, die man durchaus als wertkonservativ bezeichnen kann, was dem Umstand geschuldet sein mag, dass man mit zunehmendem Alter in die Lage versetzt wird, seine Prinzipien zu überdenken, wenn man mit ihnen mal an die Wand gefahren ist. Andererseits bin und bleibe ich überzeugter Sozialdemokrat. Ich sehe jedoch keinen Widerspruch darin, für leistungsgerechte Entlohnung bei entlohnungsgerechter Leistung einzutreten, jedoch trotzdem nach Härtefallregelungen für jene zu verlangen, die das wirtschaftliche System überholt hat. Aber ich erwarte im Gegenzug von diesen Menschen, die heute Transferleistungen beziehen, dass sie auch die Bereitschaft und Engagement zeigen, etwas Anderes zu tun, um ihren Lebensunterhalt wieder selbst bestreiten zu können. Dass die Wege dahin, die derzeit durch den bürokratischen Wildwuchs unserer Verwaltungsorgane auf allen Ebenen viel zu kompliziert sind, begradigt und vereinfacht werden müssen, steht dabei außer Frage. Ich verlange, dass man meine Privatsphäre verteidigt, anstatt für ein paar warme Worte und ein Bruderküsschen von jenseits des großen Teiches brav Männchen zu machen. Ich will mehr Bürgerbeteiligung – aber auch eine klare Linie der Politikführung, die faule Kompromisse scheitern lässt. Das Alles und noch viel mehr…

Ich habe kein Problem damit, wenn man Unterschiede zwischen den hier lebenden Migranten und den Ureinwohnern beim Namen nennt und gelegentlich darauf hinweist, das durch divergierende Denkweisen, Traditionen und andere Glaubensbekenntnisse Probleme entstehen, die nicht einfach verschwinden, wenn man die Dinge anders, vielleicht freundlicher, oder neutraler benennt. Das Ändern des Wortes ändert nicht den Begriff, den sich Menschen von einer Sache oder einem Tatbestand machen. Jene, die tatsächlich rechtskonservativer Gesinnung sind, lernen so höchstens, wie sie ihre demokratiefeindliche Propaganda besser getarnt unters Volk bringen. Jemanden zum Umdenken zu bringen, bedarf keines anderen Etiketts – und letztlich labeln unsere tollen linken Meinungsnazis genauso, wie jeder andere auch – sondern einer vernünftigen Argumentation und des Aufzeigens gangbarer Alternativen zum Status Quo.

Und was machen unsere wackeren Oberdemokraten, während sie häkelnd beim veganen Buffet im Debattierclub sitzen, um die Welt zu verbessern? Im Schnitt so gut wie Nix! Denn tatsächlich sind die lautesten Krakeeler, diese Verfechter einer vollkommen unrealistischen Idee von der Beschaffenheit des Menschen und der Gesellschaft so weit weg von den Orten, wo die Probleme sich jeden Tag ihre Ventile in Frust, Aggression, Sucht, Gewalt und Depression suchen, dass sie jene in unserer Gesellschaft, die Segregation tatsächlich betrifft nur sehr selten zu Gesicht bekommen. Die sind in ihrer bürgerlichen Existenz dem Kiez etwa so nahe, wie meine kleine Tochter dem obersten Regalbrett. Nur dass sie oben stehen.

Würde jeder, der so von oben betrachtet total gut weiß, wie man das alles besser machen kann mal von seinem hohen Ross herunter kommen und sich mit seiner Energie effektiv nützlich machen, kämen wir vielleicht mal voran mit brennend wichtigen Themen, wie sozialer Gerechtigkeit, demographischem Wandel, Integration und Teilhabe. Im Moment betreiben diese so genannten linken Intellektuellen aber nur eine Meinungsdiktatur, mit dem Primat der Nazi-Keule. Und ich dachte noch, wir wollten in Deutschland keine Diktatur mehr haben…

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