Darf’s ein bisschen weniger sein?

Es ist NICHT interessant, sondern WIDERLICH, was auf manche Aufforderung zur Solidarität, oder auch mal zum Verzicht, um dem ungerechtfertigten, illegalen, brutalen, grausamen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine wenigstens ein Zeichen entgegenzusetzen, so durch die Kommentarspalten der antisozialen Medien schwappt: Politiker sprechend davon, einfach mal etwas weniger zu heizen – und der Mob geifert! Politiker rechtfertigen die massiv gestiegenen Sprit- und Gaspreise – und der Mob geifert! Politiker bitten Bürger*innen um Übergangsquartiere für Kriegsflüchtlinge – und der Mob geifert! Weil sie alle glauben, dass der Besitzstand etwas Gegebenes ist, ein Recht, dass ihnen niemand wegnehmen kann. Fragt doch mal die Ukrainer, die jetzt herkommen, was ihnen geblieben ist? Fakt ist, dass es KEIN RECHT AUF BESITZSTANDSWAHRUNG GIBT! Und das wir Deutschen gut daran tun, dankbar dafür zu sein, dass wir global betrachtet zu den absoluten Gewinnern der Phase nach dem 2. Weltkrieg gehören; die übrigens endgültig vorbei ist! Aber wenn man Jahrzehnte lang mit dem Gleichen berieselt wird (etwa der „Das Boot ist voll!“-Rhethorik, oder dem Märchen, dass die Beschäftigten den Gürtel enger schnallen müssen, während mit den Renditen auch der Gini-Koeffizient steigt), glaubt man das irgendwann auch – und macht sein Kreuz bei den Apologeten wirtschafts-freundlicher Politik. Danke für nichts CDSUDP!

Wenn man dann noch ein paar Tröpfchen latenten Rassissmus dazugibt, die im niemals wirklich entnazifizierten Deutschland auf den fruchtbaren Boden dumpf-völkischer, xenophober, chauvinistischer, nationalistisch durchseuchter Ideologien in so manchen Köpfen fallen, hat man die AfD; und auch jene Vertreter, die noch einen Ticken weiter Rechts sind. Scheiß-Nazis halt. Und diese braunen Schweine schaffen es immer und immer wieder, jene abzufischen, die sich abgehängt, marginalisiert, nicht gehört, nicht respektiert fühlen – egal, ob dies objektiv der Fall sein mag, oder eben nicht. Einfache Antworten auf komplizierte Fragen standen halt schon immer hoch im Kurs. Weil selber denken ja so sehr anstrengt! Und in diese Melange aus Blut-und-Boden-Rhethorik, Existenz- und Abstiegsangst, sowie Hilflosgkeit im Angesicht des Ungeheuerlichen platzen fliehende Menschen, die dieser beknackte moskowitische Diktator und seine Oligarcho-Kleptokratie in deren Heimat angegriffen haben, einfach, weil sie Bock darauf hatten, und es innenpolitisch opportun war. DENN ES GIBT KEINE RECHTFERTIGUNG FÜR DIESEN KRIEG!

Eigentlich wollte ich mich nicht mehr damit befassen, aber wo auch immer man hinschaut, hinhört, hinkommt, gibt es kein Entrinnen – die Bilder, die Geschichten, das Grauen sind omnipräsent – und die Auswirkungen des Krieges für uns alle spürbar. Und wenn nur am verdammten Geldbeutel! Ja…am verdammten Geldbeutel, der offenkundig für viele Menschen hierzulande die Humanität, die Solidarität, den Altruismus und den Glauben an das Gute im Menschen endgültig ersetzt hat. Wohin man blickt, nur Homo Oeconomicus, der rumjammert, dass er etwas von seinem ungeheuerlichen Wohlstand hergeben soll. Leute, die in selbstgefälligem Whataboutism darauf hinweisen, dass es Obdachlose in der Stadt gäbe, denen man zuerst helfen solle (das sind Bundesweit übrigens ca. 45.000, im direkten Vergleich zu den über 2.000.000, die auf der Flucht vor dem Krieg sind). Die sich darüber aufregen, dass der Sprit so teuer ist, dass sie bald nur noch für den Betrieb des Fahrzeuges arbeiten.

Machen wir hierzu mal eine kurze Rechnung: statistisch fahren PKW in der BRD ca. 13.700 KM/anno. Nehmen wir aber für die vielen, vielen armen Pendler großzügig einen Median von 20.000KM/anno an, und gehen davon aus, dass ca. 70% davon für den Weg zur Arbeit und zurück benötigt werden: 14000KM : 100 = 140 x 7,5l/100KM => Jahresverbrauch für den Arbeitsweg 1050 Litern, aufgerundet, weil großzügig: 1100 Liter. Bei den gegenwärtigen Spritpreisen ( 2021: 1,50€/l – jetzt 2,25€/l für Benzin) bedeutet das eine Mehrausgabe von ca. 825,00€/anno – oder 70€/Monat. Bei unteren durchschnittlichen Monatseinkommen von ca. 2000,00€ bedeutet das Mehrausgaben in Höhe von 3,5%/Monat. Wie das aussieht, wenn man 3000,00€ Haushaltseinkommen ansetzt, kann sich ja jetzt selbst ausrechnen. Ich frage jetzt mal ganz spitz: was macht man den mit den 825,00€? Einmal 7 Tage Malle all-in für eine Person? Super, denn damit ist der ökologische Fußabdruck vollkommen im Eimer. Zurücklegen, für den Fall, dass mal die Waschmaschine etc. kaputt geht? Okay! Die Vereins-mitgliedschaften für die Kinder finanzieren? Verstehe ich! Wie man es auch dreht und wendet, je nideriger das Haushaltseinkommen, desto stärker würde auch ich einen Ausgleich aus Staatsmitteln befürworten. Leider sind aber die, die am lautesten schreien, meistens auch die, die es am wenigsten betrifft – die dafür aber mächtige Dogmen im Hinterkopf haben.

Unser Problem sind keine Kriegsflüchtlinge, oder das unbedingte Festhalten-Müssen an liebgewonnenen, schlechten Angewohnheiten (wie überdimensionierte Verbrenner für den Weg zur Gammelfleischtheke), sondern, dass wir immer noch die Zocker, die Manchester-Kapitalisten und ihre speichelleckenden Lobbyisten bestimmen lassen, was gut für uns ist. „Konsum ist gut! Verzicht ist böse, weil schlecht für die Wirtschaft. Ihr müsst konsumieren, und immer schön neidisch auf den Tisch des anderen schielen, damit ihr ja nie zufrieden seid, mit dem was ihr habt. Oder euch mit- anstatt übereinander unterhaltet, und plötzlich womöglich feststellt, dass wir euch seit Jahrzehnten verarschen, ausbeuten und gefügig zu halten versuchen…“ Wenn ich solchen Schrott im Kopf habe, kann ich natürlich nicht mit offenen Armen auf diese Menschen zugehen, die gerade durch halb Europa geflüchtet sind. Und wenn jetzt jemand daher kommt und rumnölt „…aber Schengenabkommen und Erstaufnahmestaat…“ – die meisten hocken in Polen, und warten, wie sich die Situation entwickelt. Ukrainer von hier sind aufgebrochen, um sich der Armee anzuschließen. Jene, die bei uns landen, haben – aus welchen Gründen auch immer – Angst um ihr Leben.

Ich fahre Bahn anstatt Auto. Wir schauen, was wir abgeben und vielleicht noch spenden können. Und wir missen trotzdem nichts. Was braucht IHR denn, um euch gut zu fühlen?Also ICH fände Frieden ganz toll. Gerechtigkeit für diesen lupenreinen Diktator Putin und seine Räuber-Bande. Eine etwas bessere Verteilung von Ressourcen und damit Chancen. Weniger Streit, weniger Neid, weniger Verschwendung, weniger Dogmen. Denn nicht nur manchmal ist weniger am Ende einfach mehr. Mehr für Alle. Bis die Tage. Bleibt gesund!

Auch als Podcast…

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