Countdown to Christmas #1

Irgendwie schade. Das (für die oberrheinische Tiefebene) knackig kalte Hochdruckwetter hat sich wieder verdünnisiert, um dem typischen bäh-feucht-laukalt-Grau Platz zu machen, dass hierorts das Winterwetter viel zu oft bestimmt. So wird das nix mit ausreichender Vitamin-D-Produktion. Darüber hinaus ist damit der letzte Hauch einer Chance auf ein klimatisch schönes (vielleicht sogar dezent angweißtes?) Christfest dahin. Die Wetter-App hat zwar schon die ganze Woche die diesbezügliche Chance mit 0% beziffert, aber ihr wisst ja – die Hoffnung stirbt zuletzt. Überhaupt hat sich immer noch keine Weihnachtsstimmung eingestellt. Könnte daran liegen, dass für die Kinder bis gestern noch Schul-Bambule war und die beste Ehefrau von allen bis auf den letzten Drücker schuften muss. Als Goldschmiedin ist sie halt in einer schenk-kritischen Branche beschäftigt. Und unsere Hütte sieht, wenn man vom Wohnzimmer mal absieht, nach allem möglichen aus, nur nicht nach Fest…

Okay, selbst zu Festtagen sind wir definitiv nix für „Schöner Wohnen“. Man bemerkt, dass hier ein paar kreative Irre mit (ebenfalls kreativen) Kindern und einem eher schwach ausgeprägtem Sinn für jene Dauerfeudelei wohnen, die zu meiner Verwunderung manche Menschen regelmäßig überfällt. Ich würde mal vermuten, dieses Virus könnte auch mal eine nähere Betrachtung vertragen. Bei uns ist „ordentlich“ eine Kategorie, die meistens anderen passiert. Witzigerweise bin ich derjenige, der wesentlich häufiger darüber jammert, als alle anderen. Was daran liegen könnte, dass ich einfach NIX finde, wenn ich es nicht selbst aufgeräumt habe. Was jedoch für meine Gattin im Gegenzug nur selten ein Problem darstellt. Wie dem auch sei – wir müssen, Stand jetzt, noch mal ordentlich nachlegen beim Aufräumen. Andererseits erwartet man ja auch keinen Besuch. Zwar konnte die Politik sich – einmal mehr zu spät, zu wenig konsequent und zu wirtschaftsanbiedernd – zu einem Mü Maßnahmen-Essenz durchringen, die jedoch NICHTS am Fortgang der Pandemie, mit sich gerade aufbauender 5. Omikron-Welle ändern wird! Wir locken uns dann halt selber down, so gut es geht.

Damit haben wir noch sowas benannt, das auf die Seele drückt. Und dann kriegt man, ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit, auch noch dauernd irgendwelche Anzeigen, Adds, Ratgeberdingenskirchens und Zeitungsartikel unter die Nase gehalten, dass man seinen Konsum mäßigen, auf seine Gesundheit achten und immer schön brav seine Arbeitskraft erhalten soll. Freunde der Nacht – F***T EUCH! Wenn es um unnötige Maschinen, zu viel Autofahren, Flugreisen, zu intensives Heizen, weniger aber dafür besseres Fleisch, etc. geht, alles kein Thema. Aber meine Unterstützung für die ökologisch-önologische Landwirtschaft werde ich sicher nicht einstellen! Denn es gibt gegenwärtig keinen guten Grund, mit dem Trinken aufzuhören! Und ja, ich kenne die Empfehlungen der WHO, besten Dank! Halbwegs oft halte ich mich auch daran. Doch solange ich morgens nicht mit einem Zittern und dem Wunsch nach einem Drink aufwache, oder aber meine Familie, Freunde, Job vernachlässige, bleibt erst mal alles so, wie es ist. Man nennt sowas auch Lebensqualität.

Natürlich könnte man noch andere Dinge anführen, die mehr Verzicht sinnvoll erscheinen lassen (Gesundheitsfragen etwa). Und solange mein Verzicht (viel) mehr Menschen dient, als er schadet, werde ich mich stets bemühen, noch besser zu werden. Aber ich bin in den letzten Jahren zu der Auffassung gelangt, dass es einige wenige Bereiche meines Lebens gibt, in denen ich nicht zurückstecken werde, solange ich das Ressourcenschonend tun kann. Mal davon abgesehen, das was Konsum in seiner Gesamtheit betrachtet angeht, meine Lieben und ich Waisenkinder sind. Wenn man sich so anschaut, wie viel und für was heuer wieder Kohle für Geschenke rausgepulvert wird, kann ich nur den Kopf schütteln. Dann halte ich mich doch lieber an den folgenden alten Witz: „Sie: Schatz, kochst du mit Rotwein? Er: Chawoll! Sie; Und was gibt es? ER: Chwiebelsuppe…hick…“ Im Sinne der Risikobewertung nennt man so was „at-risk behaviour“. Man weiß schon, dass das eigene Verhalten mit Risiken verbunden ist, aber gleichzeitig ist man davon überzeugt, diese beherrschen zu können. Kennt jeder Kerl, der Auto fährt…

Die Ambivalenz, sich seiner Fehler bewusst zu sein, und diese dennoch aushalten zu können, ist eine schlichte Notwenigkeit, wenn man in unserer verrückten Welt einen halbwegs klaren Kopf behalten möchte. Insbesondere rings um Weihnachten, wenn man den, nicht immer charmenten Schrullen manch anderer Teile der Familie nicht entkommen kann. Wie’s auch ausgeht, die beste Ehefrau von allen, die Kinder und ich werden es auch dieses Jahr wieder überleben, keine perfekte Bilderbuchweihnachtsfamilie mit einem perfekten Bilderbuchweihnachten zu sein. Auch wenn wir am Heiligabend für ca. 2h echt jedes Mal unser Bestes geben. Hauptsache, am Ende sind alle satt, zufrieden und müde. Der Rest findet sich dann. Wir hören uns morgen noch mal.

Auch als Podcast…

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