Der Storyschreiner N°7 – “Es ist noch kein…

…Meister vom Himmel gefallen!” Ein altes Sprichwort, dass versinnbildlicht, dass es, um in irgendeinem Gebiet zu Expertise und Fertigkeit zu kommen, der Übung, der Erfahrung und des Überdenkens bedarf. Kann man, so glaube ich, einfach mal stehen und wirken lassen. Weil’s halt verdammt wahr ist. Mit DER Wahrheit ist das ja so eine Sache. Denn es gibt nicht die eine, sondern jeder hat seine eigene. Ich schrieb gestern über die Manipulierbarkeit, der wir durch dauernden Antisocial-Media-Konsum Tür und Tor öffnen. Das ist natürlich nur die eine Seite; auf der Anderen lauert allerdings die Erkenntnis, dass es sehr wohl Content in diesem Moloch gibt – also Nadeln im Heuhaufen und Perlen vor den Säuen – der individuell je beruhigend, inspirierend, stärkend und auf manch andere Art positiv wirken kann. Meine ganz eigene Wahrheit ist, dass ich die GEFAHREN, welche vom heute üblichen Modus Operandi des Medienkonsums ausgehen als wesentlich prägnanter wahrnehme, denn die Benefits für meine Kreativität. In der Folge suche ich – dem typischen Confirmation Bias folgend, wie viele andere auch – immer wieder ähnliche Quellen nach ähnlichen Begriffen ab. Zumindest so lange, bis mir klar wird, dass ich wieder an irgendeiner Stelle, vom eigenen Blick getunnelt falsch abgebogen und zu tief in Alice’ Kaninchenbau getaumelt bin, um schon am Tisch des Hutmachers Tee zu trinken, anstatt selbst zu denken. Ach, wie schwach an Geist sind wir Kinder des Menschengeschlechtes doch bei Zeiten…

Piano Grand 2007 – ich will wieder dahin, dieses Jahr…

Geschichten zu erzählen bedeutet zuvorderst, im Rahmen seiner eigenen Wahrheiten zu arbeiten. Ich kann nicht für – oder gar in – den Kopf einer anderen Person schreiben! Zumindest nicht über das Bestreben hinaus, mit Bildern, Metaphern, Skripten zu arbeiten, von denen ich mir halbwegs sicher sein kann, dass sie in so gut wie jedem Menschen wirksam werden können. Wichtig an dem eben gesagten Satz ist das Wort “können”; stellt es doch die natürlich Einschränkung durch einen wirksamen Konstruktivismus dar, an dem ich beim Erzählen weder im Lehrsaal, noch beim Pen’n’Paper vorbeikommen kann. Die tatsächliche Arbeit des Autors, gleich in welchem Kontext er/sie tätig werden mag, besteht darin, die übergeordneten Themen sowie die Charaktere und deren Motive jemand anders auf der Basis eines COMMOMN GROUND verständlich zu machen. Dafür muss man diesen COMMON GROUND jedoch erst finden und zu nutzen lernen. Und das ist schon alles andere als einfach, wenn ich G’schichten aus’m Paulaner-Garten erzählen will – also aus dem Hier und Jetzt, mit dem wir alle mehr oder weniger Erfahrung haben. Kompliziert wird es, wenn ich versuche, dies in fiktionalen Geschichten greifbar zu machen, bei denen die Lebens- und Erfahrungswelt der Protagonisten unter Umständen verdammt weit weg von meiner eigenen sind.

Das Schöne an fiktionalen Erzählungen ist, dass jemand, der sich auf diese einlässt, dem Autor in aller Regel einen Vertrauensvorschuss in Form der WILLING SUSPENSION OF DISBELIEF einräumt. Damit kann man arbeiten; und solange ich diesen Vorschuss nicht als Romacier auf den ersten Seiten eines Buches oder als SL im ersten Kapitel einer neuen Pen’n’Paper-Kampagne verspiele, wird zumeist alles irgendwie gut. Allerdings ist es so, dass hier wieder das oben stehende Sprichwort greift. Matt Colville, ein Rollenspiel-Youtuber, SL und Game-Designer, dem ich schon ein paar Jahre folge, hat mal folgenden schönen Satz gesagt: “We develop taste, long before we develop skill!” Und dass man bereit sein muss, es anfangs zu verkacken, weil man schließlich immer ein bisschen weniger verkackt, um am Ende ganz gut – mit viel Übung und etwas Talent sogar sehr gut – werden zu können. Wie verdammt recht er doch hat. Das gilt im Übrigen fast deckungsgleich auch für das pädagogische Handeln. Ich sage zu meinen Kollegen immer wieder, dass sie keine Ahnung haben, wie viele Ideen, Entwürfe, Ausarbeitungen ich im Lauf der Jahre in die Tonne gekloppt habe, weil sie bei der allerersten Berührung mit dem Feind nicht nur ein bisschen versagt haben (was laut Sunzi die Norm ist), sondern ZERMALMT wurden (was bedeutet, dass die Arbeit für den Arsch war). Nicht nur im Lehrsaal, sondern auch am Spieltisch…

Wichtig beim Umfallen ist das Wiederaufstehen! [Kurzer Exkurs: Man konnte in letzter Zeit häufiger lesen, dass ich durch meine workplace struggles im Moment mehr als nur ein bisschen depressiv bin. Das bedeutet jedoch NICHT, dass ich ich meine Arbeit als solche nicht mehr mögen würde. Im Gegenteil LIEBE ich meine Arbeit. Nur die Bedingungen, zu denen diese gegenwärtig zu erbringen ist, zermürben mich, weil manche Menschen nicht verstehen wollen, dass es mir NICHT nur um Kennzahlen geht, sondern um die Sache – und dass das die EINZIG RICHTIGE ART ist, eine solche Berufsfachschule zu führen, die nicht nur von strategischer Bedeutung für die Gesamtorganisation ist, weil sie halt junge Menschen ausbildet, die unser Gesundheitswesen dringend braucht, sondern weil wir eben diesen Menschen auch ein Mindset mitzugeben versuchen, das auf Weiterentwicklung unseres Gewerkes ausgerichtet ist. Denn so wie es ist, kann es nicht bleiben! Exkurs Ende]

Weitermachen, um besser werden zu können ist also nicht optional, sondern obligat! Was mir momentan fehlt, ist immer noch der Ausgleich. Ich komme nicht dazu, die Geschichten zu erzählen, die mich tatsächlich interessieren. Wenn etwas zu einer Muss-Aufgabe wird, killt das bei mir, zumindest nach einiger Zeit die Lust und damit auch die Kreativität. Die Bilder im Museum haben die Künstler bestimmt auch nicht gemalt, damit sie halt im Museum hängen und Menschen glauben, sie sich anschauen zu MÜSSEN, weil’s halt die Mona Lisa ist und man ja kultiviert sein möchte. Sondern weil diese Künstler die Hoffnung hatten, dass anderen Menschen ihre Kunst gefallen könnte, dass diese sie zum Nachdenken anregen und die Welt mit anderen Augen sehen lassen könnte. Kunst anzusehen ist keine Aufgabe, die man erledigen MUSS, sondern die Möglichkeit, den Ausdruck einer anderen Wahrnehmung der Wahrheit zu erleben, auf den man sich einlassen KANN, um etwas davon mitzunehmen. Andernfalls kann man sich den Museumsbesuch auch schenken. Denn aus dieser Auseinandersetzung entsteht neue Kreativität, vielleicht auch neue Kunst. Aber diese Auseinandersetzung braucht Zeit, Raum, Muse. Denn es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen… See you…

Auch als Podcast…

If I could save time in a bottle…

Wann ist DAS passiert? Wann ist WAS passiert? Hat irgendjemand mitbekommen, dass es passiert ist? Ist es wirklich passiert? Kann man nicht revidieren, dass ETWAS passiert ist? Wenn niemand da war, als es passiert ist, ist es dann wirklich passiert. Wenn ICH nicht dabei war, wie konnte es dann passieren? Passiert nicht gerade schon wieder etwas – ohne mich? Kann’s sein, dass gerade jemand mein Gehirn passiert hat…? Ich denke ich könnte noch ein Weile weitermachen, nur um ein paar Menschen die Gehirnwindungen mit passiertem Wort-Matsch zuzukleistern. Ungefähr so, wie Antisocial Media das den ganzen verfickten Tag über tut. Du schaust in irgendjemandes Account und siehst Bilder, bei deren Entstehung du SO VERDAMMT GERNE dabei gewesen wärst – einfach, weil die optische Verarschung namens Post-Bildchen so aussieht, als ob es toll, fun, chill, cool oder sonstwas gewesen wäre. Glaubt eigentlich irgendjemand, dass diese blöden Bilder etwas abbilden, dass der Realität auch nur nahe kommt? In dem Moment, da deine Netzhaut gereizt wird und sich das Bild in deinem visuellen Kortex wieder zusammensetzt, um an die sekundäre und tertiäre Sehrinde weitergereicht zu werden, unterliegt es bereits einer Interpretations-Leistung, weil diese höheren Sehzentren mit Wiedererkennungsmerkmalen arbeiten; also Abbildern von Erinnerungen! Und dabei werden natürlich auch diese Erinnerungen und die damit verknüpften Emotionen wieder nach oben gespült. Ist das ganze noch mit anderen Sinnesreizen verknüpft, brauchen wir zum Film auch schon Taschentücher, anstatt Nachos und Popcorn…

Today…

Neben Film und Fernsehen sind viele Instagramm-/TikTok-/Sonstwas-Posts extra dazu hergestellt, um a) aus der täglichen Masse an Content herauszustechen, b) Emotionen zu wecken und c) so zu verkaufen! Kapiert’s doch endlich: erfolgreiche Antisocial-Media-Kanäle sind einfach nur Konsumfallen. Aber selbst private Konten mit lediglich ein paar Hundert Followern haben so viel kuratierten Content, dass Originalität bestenfalls ein Abfallprodukt ist; und Authentizität meist ein Fremdwort. Die Channel-Chabos tun das, weil sie halt nach Aufmerksamkeit gieren, und jeder eine verfluchte Taschenwanze zur Hand hat, die es vermeintlich so einfach macht, mit dem Rest der Welt in Kontakt zu treten (wer ohne Sünde ist… ich nehme mich da nicht aus, nur dass ihr’s wisst!). Dabei verstecken wir uns alle doch nur hinter unseren Avataren und dem Bild, von welchem wir uns wünschten, dass Andere es von uns hätten. Leben im Konjunktiv! Und trotzdem… trotzdem scrollen wir uns tot, auf der Suche nach dem einen positiven Second-Hand-Kick, weil wir tief drin WISSEN, was die richtigen Bilder und Videos mit uns machen können. Klingt das nach besten Voraussetzungen für eine Sucht? Tja, dann habt ihr’s ja begriffen. Ich könnte diesen Post jetzt also mit einem Schulterzucken abschließen und ein schicksalsergebenes “Is halt so” in meinen Bart seufzen. Oder wir reden noch ein bisschen darüber, warum das jederpersons Problem ist…. wollen wir?

Wenn Klick-hurende Instafluenzien, die irgendwelchen Kosmetik-Dreck, Fast Fashion, Billigschmuck, oder anderen, ranzigen Ein-Euro-Scheiß aus China bewerben der Kern des Problems wären, könnte man einfach Werbung auf Antisocial Media einschränken und fertig. Wird nur keiner tun, weil die betreibenden Konzerne damit ihr Geld verdienen. Meta, Alphabet und wie sie alle heißen, sind nur so groß geworden, weil die Werbung verkaufen. Und ja, auch die meisten Influenzeranzien sind einfach nur Webetreibende, die damit einen Haufen Geld verdienen, dass sie anderen Menschen Zeug verkaufen, dass JENE mit Geld bezahlen müssen, dass sie nicht haben, um es Anderen auf Social Media zu zeigen, die das überhaupt nicht interesssiert, weil DIESE viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Wer hier keinen Teufelskreislauf erkennen kann, soll doch bitte noch mal in die Grundschule! Doch die “Werbung”, die den größten Schaden anrichtet, ist jene für Feindbilder, welche die gezielte Verrohung unserer Sprache zum Ziel hat, betrieben durch die verdammten Faschisten, die eine langsame Drift unserer Gesellschaft anstreben; hin zu Kälte, Indifferenz oder gleich unverhohlenem Hass auf alles und jeden, den/die als anders wahrgenommen werden. “Das wird man jetzt doch wohl noch sagen dürfen” ist dabei der Code, der darauf hinweist, dass jetzt etwas gesagt wird, dass man NICHT SAGEN KÖNNEN DÜRFTE, weil es nur dazu geamcht ist, irgendjemand aus dem breiten Spektrum derer, die als anders wahrgenommen werden zu verletzen, herabzuwürdigen, zu beleidigen oder sonstwie zu schädigen! PFUI TEUFEL!

Der überbordende Gebrauch von Antisocial Media macht uns indifferent gegenüber solchen Dingen. Denn es wird immer mehr Menschen einfach egal, das es andere Meinungen als die eigene geben könnte, weil die tatsächliche Macht des Wortes durch den unnötigen Konsum so vieler nutzloser Worte bis zur Unkenntlichkeit verwässert wird. Die eigene Meinung entsteht dann nicht mehr, wie es eigentlich richtig wäre, aus Wissen und Bedenken, sondern ganz und gar aus Gefühlen, die sich auf Antisocial Media so wunderbar erzeugen und steuern lassen. Das ist es, was der Begriff “alternative Fakten” tatsächlich meint – nämlich Fakten durch Emotionen zu ersetzen, die viel leichter manipulierbar sind. Gesellschaften verändern sich auf dem Marktplatz des Diskurses, den wir “Öffentlichkeit” zu nennen pflegen. Und dieser Marktplatz verändert sein Gesicht gerade hin zu einem Truppenübungsplatz, auf dem die Faschos schon mal ein bisschen Stechschritt üben, damit sich die Plebs wieder dran gewöhnen kann, dass es bald ein Viertes Reich geben wird. Oder was denkt ihr, was Typen wie Höcke wollen? Es würde unsere Leben reicher, authentischer, achtsamer und nachhaltiger machen, wenn wir auf dieses Antisocial-Media-Ego-Gewichse endlich ganz verzichten könnten. Und verbietet bitte endlich diese unerträglichen Influenzeranzien: insbesondere Fast-Fashion ist gelebte Umweltzerstörung, fördert Sklavenarbeit im globalen Süden und ist ein Treiber der Klimakrise. ALSO WEG DAMIT! Und was man mit der ganzen Zeit anfangen könnte, die man dann nicht mehr damit verschwendet, um auf seine überteuerte Taschenwanze zu glotzen. Dann müsste man sie auch nicht in einer Flasche aufheben. Friert wohl, denn es ist Winterwunderwochenende…

…da brauchen wir ‘nen Berater!

Versucht euch auszumalen, dass ihr vorhabt, bzw. beauftragt werdet, ein kleines Unternehmen zu führen. Ihr seid Praktiker aus dem Fach- bzw. Dienstleistungsbereich, in dem das Unternehmen tätig ist, bzw. tätig werden soll. UND ihr verfügt nachweislich, neben der Fach-Expertise, auch über die Fähigkeit, analytisch-wissenschaftlich zu arbeiten. Was wird passieren, wenn ihr nicht auch zuällig Betriebswirt seid? Genau – irgendjemand, der Betriebswirt ist, wird euch erklären, wie ihr euren Job zu machen habt, damit man damit Geld verdienen kann. Das ist prinzipiell weder unmoralisch noch schädlich, denn Geld müssen wir alle verdienen, weil unser Wirtschaftssystem so beschaffen ist. Das Problem entsteht erst dann, wenn eure Primärziele (eine möglichst gute Dienstleistung erbringen) mit denen der Betriebswirte auf einer oder mehreren Ebenen konfligieren. Denn in aller Regel sind die Betriebswirte diejenigen, die in jedem Unternehmen darüber bestimmen, was wie wann getan werden soll – leider oftmals vollkommen fachwissensfrei oder gar systemagnostisch. Damit ist nicht die wirtschaftliche Betrachtung gemeint, sondern das ganze Drumherum, denn Menschen dazu zu befähigen, im beruflichen Kontext ihr volles Potential zu entfalten, braucht weit mehr als einen Paycheck: nämlich persönliche und systemische Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, sowie Wertschätzung. Doch viele denken da immer noch schwäbisch- ned geschennt isch g’nuug g’lobt – WAS FÜR EIN SCHWACHSINN!

Zu Ostern wieder in Südfrankreich sein zu können – das hält mich im Moment aufrecht…

Nun ja – In vielerlei Hinsicht sind Betriebswirte wie Ärzte – die glauben auch, nur weil sie ein Studium der Humanmedizin absolviert hätten, könnten sie alles: Personal führen, Projekte managen, Menschen unterrichten, Curriculi entwickeln, gesellschaftliche und systemische Entwicklungen beurteilen, etcpp; und ignorieren dabei völlig, dass man all diese Dinge üblicherweise von der Pike auf LERNEN / STUDIEREN MUSS. (Kleiner Hinweis – ein Handelsübliches Masterstudium Business Administration hat so um 120 CP – bei den meisten MBAs sind nur zwischen 10 – 15 CP davon in Human Ressources. Man darf froh sein, wenn die hinterher neben Schulz vonThun und vielleicht Watzlawick noch irgendwelche anderen Theorien GEHÖRT haben – von der PRAXIS will ich gar nicht erst anfangen… bei den Ärzten ist das übrigens nicht viel anders. Man erwartet, dass die Studierenden Social Skills mitbringen, bzw. während der Famulatur und des PJ schärfen; da das Tutoring jedoch bis heute – je nach Fakultät – Hit and Miss ist, wird das gelegentliche arrogante Arschloch, welches ohne soziale Eignung ins Studium drängt, viel zu oft hinterher immer noch eines sein!)

Besonders problematisch wird das Ganze, wenn irgendjemand auf die unselige Idee kommt, externe Berater in ein Unternehmen zu holen, weil irgendwas nicht so läuft, wie gedacht: denn deren häufigste Antwort auf finanzielle Schieflagen ist Cost-Cutting um jeden Preis. Vielen Dank dafür, dass dadurch nicht selten jede Initiative und Innovation im derart “beratenen” Unternehmen erstickt werden. Ein artverwandter Bereich ist das sogenannte Coaching – eine Dienstleistungsbranche, die in den letzten Jahren auf Grund bedauernswerter Unterregulation (JA, SOWAS GIBT’S IN DEUTSCHLAND AUCH!) zu einem derart unübersichtlichen El Dorado windiger Abzocker, findiger Selbstvermarkter ohne kreative Substanz und waschechter Betrüger geworden ist, dass es schwerfällt, echte Hilfe/Beratung zu finden. Ich hatte mich neulich mal dafür interessiert, weil ich selbst mich gerne bilde. Allerdings habe ich davon Abstand genommen, weil es mir ehrlich gesagt ein wenig überzogen scheint, dass man selbst an staatlichen Hochschulen TAUSENDE von Euros dafür bezahlen muss, um als Pädagoge mit Grundausbildung und Berufserfahrung in den Bezugswissenschaften Kommunikations- und Kognitions-Psychologie, Soziologie und Erziehungswissenschaft seinen Horizont noch ein bisschen erweitern zu dürfen. Hier läuft irgendwas falsch. Insbesondere, wenn hochtrabende Studiengangs-Bezeichnungen wie “Systemisches Coaching” NICHT zu einer geschützten Berufsbezeichnung führen… (WÜRG, SPEI!) Zumal diese “Dienstleistung” oftmals unnötig ist. Ja, es gibt Situationen, in denen ein frischer Blick von außen hilft. Dafür muss man aber nicht notwendigerweise irgendjemandem einen Haufen Geld in den Rachen werfen.

Ich fände es, ganz im Gegenteil, extrem erfrischend, wenn man den Fachleuten eines jeweiligen Bereiches, sofern sie denn ihr Gehalt wert sind, auch das Vertrauen entgegen brächte, sie tun zu lassen, wofür sie eigentlich da sind. Und ich rede da keiner vollkommen unkontrollierten Vor-sich-hin-Wurschtelei das Wort; aber, wenn jemand sagt, so kann man es machen, so jedoch nicht, weil das 2. “so” vielleicht auf dem BWL-Papier gut klingt, in der Realität aber aus unterschiedlichsten Sachgründen einfach nicht funktionieren kann, dann sollten die “Money People” einfach mal die eigenen Vorstellungen von der Beschaffenheit der Welt – und manchmal auch das eigene Ego – beiseite lassen, zuhören und nicken. DAS würde so vieles besser machen! Ich werde jetzt nicht behaupten, dass ich weiß, wie man alles besser macht. Aber ich denke, eine solide Vorstellung davon zu haben, was in meinem Fachbereich geht – und was nicht. Und ich hatte in letzter Zeit häufiger den Eindruck, dass ich einfach nur gut aussehen und jemand anderes Ideen verkaufen sollte. Was zwei Probleme mit sich bringt: a) ich sehe nach aktuellen Maßstäben nicht besonders gut aus und b) ich bin kein sonderlich guter Verkäufer, wenn ich vom Produkt nicht überzeugt bin. Was mich dahin gebracht hat, mich zu fragen, ob ich als mein eigener Chef nicht doch besser dran wäre. Was ich aus diesen Gedanken mache, wird die Zukunft zeigen. Gerade jetzt ist meine Motivation, am Montagmorgen wieder in die Tretmühle zu steigen, allerdings erheblich eingeschränkt. Mal schauen, was der letzte Urlaubstag so bringt. Haltet die Ohren steif…

New Work N°15 – Let’s do this AI-thing…

Ich war heute Morgen in der Stimmung zum Cheaten, also habe ich Chat.GPT 3.5 gefragt worüber ich heute bloggen sollte. Natürlich habe ich das Ganze ein bisschen spezifiziert und den Auftrag auf den Bereich “Kreativität und AI” eingegrenzt. Ich will euch die Ergebnisse nicht vorenthalten:

Exploring the intersection of AI and the creative process can be a fascinating and engaging topic for a blog post. Here are some specific ideas you might consider:

1) AI in Art and Design:

Discuss how AI is being used in various forms of art, such as visual arts, music, and literature. Explore specific examples and the impact AI has on creativity in these fields.

2) Creative Collaboration with AI:

Explore how artists and creators are collaborating with AI tools to enhance their work. Highlight case studies where AI has played a role in co-creating content with human artists.

3) AI and Writing:

Dive into the ways AI is influencing the writing process. Discuss AI-generated content, writing assistance tools, and the implications of using AI in creative writing.

4) Ethical Considerations:

Address the ethical concerns surrounding the use of AI in the creative process. Discuss issues such as attribution, ownership, and the potential for bias in AI-generated content.

5) AI Tools for Creatives:

Create a list of AI tools that can aid creatives in their work. This could include tools for generating ideas, enhancing designs, or even assisting with the editing process.

6) The Future of Creativity with AI:

Speculate on how AI might continue to shape the future of creativity. Discuss emerging trends and potential advancements in AI technology that could impact the creative process.

7) Challenges and Limitations:

Explore the challenges and limitations of integrating AI into the creative process. Discuss instances where AI may fall short and the ongoing efforts to overcome these obstacles.

8) AI and Innovation:

Discuss how AI is contributing to innovation in various creative industries. Explore how it's enabling new forms of expression and pushing the boundaries of traditional creative disciplines.

Remember to include examples, case studies, and practical insights to make your blog post informative and engaging. Additionally, consider incorporating visuals, such as images or infographics, to enhance the reader's understanding of the concepts you discuss.
Netzwerkblume… 😉

Chat-GPT 3.5 ist das frei verfügbare Tool, für dessen Nutzung man sich lediglich auf Open AIs Webseite registrieren muss, und schon taucht der Eingabeprompt auf. Was mich an den obigen Antwort am meisten fasziniert, ist die Tatsache, dass “Die Maschine” in ihrer Vorschlagskiste auch, oder vor allem, die bereits kontrovers diskutierten Fragestellungen nicht ausklammert (siehe etwa Punkt 4). Nun sind wir noch eine Weile davon entfernt, dass künstliche Intelligenz ein eigenes Bewusstsein erlangt, aber die Tools, die irgendwann möglicherweise dazu führen werden, sind zum größten Teil bereits vorhabenden (schaut euch mal diese Simulation eines neuralen Netzwerkes an). Irgendwann wird jemand herausfinden, wie dieses sich kombinieren lassen, um den finalen Schritt zu gehen. Die wichtigste Frage, die keiner so recht beantworten kann oder will, ist jedoch: wird dieses neue Bewusstsein den Weg des Prometheus nehmen und uns Menschen als Vordenker und Bringer eines neuen Funken helfen, besser zu werden; oder doch den von Frankensteins Kreatur, die von blindem Streben getrieben anfängt zu töten, um schließlich ihre eigenen Fehler zu erkennen, und sich selbst ein Ende zu setzen. Wenn man so will, hat Mary Shelley diese Frage vor über 200 Jahren in ihrem Buch vorweg genommen. Manchmal lohnt es sich doch, die Klassiker noch mal neu zu lesen…

Ich glaube nicht, dass ich solche Fragen sinnvoll oder umfänglich beantworten kann. Da ich jedoch sowohl im Beruflichen als auch im Privaten ein Geschichtenerzähler bin, reizen mich die Möglichkeiten der aktuell verfügbaren Technik immens; und ich bin dabei bereit, wenigstens ein bisschen mit dem prometheischen Feuer zu spielen, denn die aktuellen Large Language Models – wie eben Chat-GPT – lernen ja durch die Interaktion mit Nutzern dazu. Will heißen, wir sind jetzt im Bereich des Beta-Testes angelangt, wo Nutzer durch die Interaktion das Maschinenlernen beschleunigen und befördern. Über die Frage, ob AI in der Arbeitswelt eine Rolle spielen wird oder nicht, sind wir längst hinaus. Der Geist ist aus der Flasche, die Büchse der Pandora offen – wie wir damit umgehen, wird darüber entscheiden, ob daraus Gutes erwächst, oder eben Unheil. Auch in der Kreativ-Branche, oder besser vor allem dort, wird derzeit heiß diskutiert, was das alles bedeutet; und doch nutzen laut einer Befragung bereits 83% der Beschäftigten auf die eine oder andere Art und Weise AI. Das soll nicht wie Zweck-Fatalismus klingen. Es ist eher eine Feststellung, dass wir Menschen schon immer sehr gut darin waren, neue Techniken zu entwickeln, diese zum Einsatz zu bringen – nicht selten gleich zur Waffe bastardisiert – um uns erst DANACH zu fragen, was wir eigentlich gerade getan haben. Der große Unterschied, etwa zu Oppenheimer und der Bombe ist, dass die Dinge HEUTE im großen Theater der antisozialen Medien und des dauerdurchbrennenden Hechel-Journalismus nicht ernsthaft diskutiert oder durchdacht werden, und trotzdem jeder eine Meinung dazu hat; unabhängig davon, wie gut oder schlecht informiert dieses auch ein mag. Denn Reichweite bekommen Informationen heute viel schneller als früher – allerdings auch die FALSCHEN Infos…

AI verändert bereits jetzt den Modus Operandi vieler Bereiche, ohne, dass wir uns tatsächlich schon die Mühe gemacht hätten, ernsthaft über Technikfolgen-Abschätzung zu reden, oder gar verbindliche Regeln für den Umgang mit den Chancen und Grenzen von AI aufgestellt zu haben. Wie so oft rennen Philosphie und Jurisdiktion der technischen Entwicklung hinterher, weil Ingenieure in blinder Begeisterung “einfach mal machen”. Offenkundig steht Mary Shelleys “Frankenstein oder der moderne Prometheus” als Hinweis auf die NOTWENDIGE Reflexion eigenen Tuns, BEVOR man es tut bis heute nicht sonderlich hoch im Kurs. Wie ausgesprochen schade. Vielleicht lege ich meine Hoffnung einfach darein, dass es genug Menschen wie mich gibt, die “Der Maschine” Empathie beibringen wollen, bevor sie dereinst dann endgültig – und leider nicht vollkommen zu Unrecht – auf uns Menschen losgehen wird. Welcome to SKYNET! Und viel Spaß in der neuen Woche,

VLOG 06 – Oldschool Teacher…?

Habe mich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit mal wieder mit Methoden und Techniken auseinandergesetzt und bin dabei zu der Erkenntnis gelangt, dass Oldschool nicht immer schlecht sein muss, wenn man die IDee mit etwas technichem Einsatz “aufbohrt” und in ein frisches Gewand kleidet. Wie wär’s heute zur Abwechslung mal mit ein bisschen Overhead-Projektor-Feeling? Enjoy.

Homestudio Productions Indie Edition… 😉

Bienvenue en Provence N°4 – Quoi faire…?

Wenn man so bei Regen im Ferienhaus sitzt, was diese Woche an zwei Tagen der Fall war, hat man Zeit, sich mit seltsamen Dingen zu beschäftigen. Einerseits bedeutet Müßiggang in diesem Falle, ein wenig die guten alten Storyteller-Muskeln zu flexen und sich mal wieder an One-on-One-Pen’n’Paper zu versuchen. Mein Take auf 80s-Mystery-Horror-Action ist ein wenig anders, als in “Stranger Things” oder “Tales from the Loop”, lässt sich aber ganz gut an. Vielleicht mache ich daraus ‘ne Kampagne, wenn ich noch ein paar andere Leute angespielt habe. Man wird sehen. Andererseits habe ich natürlich Blogposts geschrieben, gelesen – und Zeit im Internet verdödelt. In letzter Zeit spült mir Insta häufig irgendwelche Leute in die Timeline, die entweder a) ihre “Coaching-Lehrgänge” für Leute anpreisen, die schnelles Geld machen wollen b) ihre Online-Plattform für “Coaches” anpreisen, die schnelles Geld machen wollen oder c) ihr “Coaching” für Leute anbieten, die – wie könnte es auch anders sein – schnelles Geld machen wollen. Scheint fast so, als wenn die Welt nur noch aus Tradern, Influencern, Coaches und Leuten besteht, die “irgendwas mit Medien” machen; und es überdies kinderleicht wäre, schnelles Geld zu machen. Allen Leuten, die mit Traden schnelles Geld machen wollen, empfehle ich folgendes Buch “Eine Billion Dollar” von Andreas Eschbach. Stellt für einen Eschbach erstaunlich gut globale Wirtschafts-Zusammenhänge dar; und erklärt nebenbei, warum unser Reichtum mittelbar auf der Armut des globalen Südens beruht.

Brücken sind in jeder Hinsicht ein Symbol für das Erschließen neuer Wege!

Ich habe das vermutlich auch noch selbst ausgelöst, indem ich mich neulich online über die Möglichkeiten einer Berater-Ausbildung informiert habe. Mir schwebte dabei die Idee eines kurzen Akademie-Studiums mit einem universitäten Zertifkat als Abschluss vor, und nicht der andere Schischi, den man sonst so erwerben kann. Aber, wenn überhaupt, erst in einer größeren Weile. Und jetzt habe ich dauernd diesen Mist in meiner Timeline. Ich habe kein Interesse an schnellem Geld! Ich habe Interesse an nachhaltigem persönlichem Wachstum, und ich möchte mich dabei mit Ideen und Konzepten auseinandersetzen, deren Fokus NICHT auf MONEY, MONEY, MONEY liegt. Ich sehe mich selbst als Ermöglicher, als Trouble-Shooter, als Wege-Aufzeiger, Brückenbauer und ja, auch als Berater. Ich bin Erwachsenen-Pädagoge, da gehören die vorgenannten Dinge, wenn man seinen Job ernst nimmt, automatisch zur Beschreibung. Und doch haben mich diese ganzen Posts zum Nachdenken gebracht. Ich meine – wenn man eine digitale Lernumgebung, die es Leuten ermöglicht, Dinge besser tun zu können für ein, die Subsistenz absicherndes Micropayment abieten könnte, und besonders Benachteiligten über ein Sponsoring Lernen kostenfrei ermöglichen könnte (und ich bin sicher NICHT der erste, der auf solche Ideen kommt), könnten wir Bildung wieder ein Stück weit demokratisieren. Denn genau der Mangel an Bildung und Teilhabe, der durch Armut entsteht ist es, der die Fundamente unserer Demokratie erodiert. Manche Dinge müssen ohne Zweifel Geld kosten, weil es nicht umsonst ist, sie zu produzieren, zu hosten und zu vertreiben. Aber meine Absicht wäre nicht, damit Unsummen Geld zu verdienen, denn ich habe einen guten Job. Aber vielleicht so viel, dass ich den guten Job irgendwann reduzieren und mich anderen wichtigen Fragen widmen kann.

Im Moment wälze ich einfach nur unreife und spinnerte Ideen, aber ganz sicher werde ich mich, wenn ich wieder etwas Zeit und einen Kopf dafür habe, um die Reifung jener eben beschriebenen Konzepte bemühen. Es erscheint mir die Mühe wert, weil es mein Weg sein könnte, der Gesellschaft etwas von dem zurückzugeben, was ich ihr verdanke. Und ich möchte diesen ganzen selbstdarstellernden Menschen auf Insta eines mitgeben: ihr mögt eure Motive hinter vielen wohlklingenden Worten verstecken, die Werte suggerieren; ich kann nur einen einzigen Wert erkennen, der euch wirklich interessiert: euch selbst. Und da gehe ich nicht mit, denn der schnellste Weg, viel für sich selbst zu erreichen, führt immer über den Rücken Anderer; ein Umstand, den ihr immer gerne unterschlagt, wenn ihr von euren “Erfolgen” berichtet. Lasst uns doch stattdessen die antisozialen Medien zur Abwechslung mal wirklich für etwas soziales nutzen und Bildung demokratisieren, anstatt sie zu monetarisieren. Ich fänd’s gut! Und ihr so…?

Bienvenue en Provence N°3 – Kairos…

Nö, ich habe mich NICHT bei der Haupstadt Ägyptens verschrieben. “Kairos” ist der griechische Ausdruck für einen günstigen Moment; dieses “genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtige Idee haben”-Ding, welches im Ergebnis dazu führt, dass z.B. ein Bill Gates stinkreich ist – und ich nicht. Na ja, dieser Vergleich unterschlägt natürlich einige Details, aber der Grundgedanke ist, dass man “das Richtige” tut, wenn der Moment dafür gereift ist, oder sich eine günstige Gelegenheit aus den Geschehnissen heraus ergibt. In diesem Sinne ist der Kairos also nicht notwendigerweise das Ende einer langwierigen und komplizierten Planung (obwohl das durchaus möglich sein kann), sondern er realisiert sich nicht selten auch darin, die Umstände lesen und geschickt reagieren zu können. Louis Pasteur sagte zwar sinngemäß, dass das Glück mit den gut Vorbereiteten sei, aber auf mache Gelegenheit bereitet dich nichts vor. Manchmal ist es dann der Sprung vom Kopf des Löwen, wenngleich es eher selten um den Beweis von Würdigkeit geht. Wir suchen im Alltag aber auch nur selten den heiligen Gral.

Was ist wichtiger – Hintergrund oder Vordergrund…?

Doch, was ist dieses “Richtige”. Es geht ja hier und jetzt um günstige Gelegenheiten, und nicht etwa um Moral – oder…? Frage ich Adorno, kann es natürlich kein richtiges Leben im Falschen geben – wobei er sich dabei, entgegen der Alltagsverwendung des Zitates zunächst lediglich auf die Ästhetik des Wohnraumes bezog. Die Frankfurter Schule hat sich halt auch mit Fragen des Alltags befasst. Doch im Grunde lässt es sich auch auf die Kant’sche Suche nach der Moral übertragen. Denkt man jedoch Adorno kurz zu einem vorläufigen Ende und fügt ‘ne nicht zu knapp bemessene Prise Marx hinzu (Erst kommt das Fressen, dann die Moral), dann wird klar, dass die äußeren Umstände unseres Lebens, also die Art, wie wir unser direktes Lebensumfeld gestalten (wollen würden), eine Reflektion unserer inneren Umstände darstellen. Ich nehme noch eben den Bourdieu für eine Tasse “Notwendigkeits-Geschmack” aus dem Regal, und schon wissen wir, dass diese Darstellung in aller Regel durch unsere wirtschaftlichen Grenzen (nennt es Klasse, Milieu, Stand, ganz wie euch bleiebt) deformiert wird. Das ist Moralsozialisation in a nutshell: wir sind eine Mischung aus dem, was andere uns vormachen/anbieten, den daraus destillierten individuellen Wünschen und dem, was wir uns tatsächlich leisten können. Denn ohne den ganzen weltlichen Tünnef sind wir alle – zumindest größtenteils – gleich geschaffen…

Moral ist aber eine entscheidende Komponente, wenn es um das Richtige Tun (oder Lassen) im richtigen Moment geht. Den Kairos zu erkennen ist das Eine. Sich “richtig” zu entscheiden das andere. Denn zum einen überschätzen wir üblichwerweise unsere Fähigkeit zur objektiven Einschätzung von Chancen und Risiken eines gegebenen Sachverhaltes Xn maßlos (lest Daniel Kahneman “Schnelles Denken, langsames Denken”, dann wisst ihr, was ich meine); zum anderen unterstellt allein der Begriff “günstige Gelegenheit” per Konnotation für die meisten lediglich eine Chance auf wirtschaftlichen Gewinn. Von moralischen Gewinn durch Solidarität, Altruismus, Bedürfnisverzicht, etc. ist da beinahe nie die Rede. Weil so viele von uns gar nicht mehr wissen, was diese Begriffe bedeuten. Ihr wolltet doch noch wissen, warum ich gestern behauptet habe, (zumindest die meisten) Menschen zu hassen. Da habt ihr eure Antwort: weil Menschlichkeit unter Menschen zu oft nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Wenn solche Mitmenschoiden einen Kairos erkennen, ist dieser stets nur mit dem persönlichen Vorankommen verknüpft, selten bis nie jedoch mit einem übergeordneten Wert für die Gesellschaft, deren Teil sie trotzdem immer noch sind; so sehr sie sich auch gegen diese Erkenntnis wehren mögen.

Ob ich selbst wirtschaftlich günstige Gelegenheiten beim Schopfe packe…? Ein paar Mal in meinem Leben tat ich das und ich kann sagen, dass ich mich nicht dafür schäme, weil ich denke, die Vorteile, welche ich daraus ziehen durfte, durch mein Tun für diejenigen, welche sie mir gewährten umfänglich ausgeglichen zu haben. Man kann gewiss immer noch ein bisschen mehr auf die Haben-Seite des eigenen Karma-Kontos einzahlen, aber ich bin diesbezüglich mit mir ziemlich im Reinen. Bedauerlicherweise denken das jene, die eigentlich deutlich in der Karma-Bringschuld sind, vermutlich ebenso…! Man könnte mir nun natürlich einen Wahrnehmungsbias unterstellen, da wir doch alle eine positive Geschichte unseres Seins erzählen wollen. Identitätsbestätigung und so. Aber ich erlaube mir folgende Entgegnung: kehrt erst mal vor eurer eigenen Tür! Danke. Ansonsten versuche ich, auch jene Chancen zu ergreifen, die andere, oder wahlweise eine gute Sache voranzubringen versprechen. Und als Lehrer und Leitungsperson habe ich dazu durchaus Gelegenheit. Mir wäre es aber vor allem wichtig, dass sich andere auch für diese Sicht der Dinge begeistern können. Ihr hättet jetzt die Gelegenheit, euch die Frage zu stellen, ob es für euch – neben euch selbst – noch etwas anderes gibt, was euch wichtig genug ist, nach den richtigen Gelegenheiten Ausschau zu halten und etwas zu tun, wenn sich welche ergeben. Ich würde mich freuen, davon zu hören.

Der Storyschreiner N°5 – Es braucht Charakter…

Man kann irgendetwas 35 Jahre lang tun und trotzdem kaum besser darin werden, wenn man die gleichen Dinge immer auf die gleiche Art tut, ohne je zu fragen, ob es vielleicht anders ginge – oder ob DAS die richtige Art ist, es zu tun. Oder ob man überhaupt das richtige tut? Man trifft solche Menschen überall; und immer wieder stelle ich mir diese Frage: wie kommt man dazu, wieder und wieder auf neue Fragen die immer gleichen, alten Antworten geben zu wollen? Gehen diese Leute blind und taub durchs Leben? Bilden sich diese Leute nicht mehr weiter? Und ich meine damit ausdrücklich nicht nur den beruflichen Kontext. Interessieren die sich noch für irgendwas? Um etwas spezifischer zu werden: ich meine hier nicht jene Leute, die in ihrem Fachgebiet gut SIND (die bilden sich nämlich aus eigenem Antrieb weiter), sondern jene, die nur GLAUBEN gut zu sein (und sich daher auf ihren “Lorbeeren” ausruhen). Zweifellos müsste man annehmen, dass lange Erfahrung und Praxis einen automatisch besser machen; aber Pustekuchen – tatsächlich ist es erst die (selbst)reflexive Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun und Lassen, die Menschen an ihren Aufgaben wachsen lässt. Will heißen – roboten allein macht einen nicht besser!

Immer schön einen Durchgang zum Weg offenlassen!

Das gilt natürlich auch für kreative Tätigkeiten. Bevor der Spaß entsteht, ist zumeist harte Arbeit angesagt; die Basics lassen sich durch Immitation (abschauen und nachmachen) und Repitition (Wiederholen bis es wehtut) erlernen. Danach entsteht ein Zuwachs jedoch nur noch, wenn man sich mit seinem Handeln auch denkend auseinandersetzt. Ich merke das besonders beim Geschichtenerzählen. Ich habe über eine lange Zeit nur eine flache Lernkurve gehabt, weil ich nicht experimentierfreudig war und ein wenig eingefahren agiert habe. Etwa beim Pen’n’Paper habe ich immer schön das das “Monster of the Week” präsentiert, bis ich dann irgendwann doch noch verstanden habe, Plots zu entwickeln, verschiedene Story-Bögen miteinander zu verflechten und die Struktur des Dramas zu nutzen. Bis heute funktioniert das mal mehr, mal weniger gut. Wobei unter SL heute auch eine gewisse Diskussion über die Frage herrscht, ob SL denn tatsächlich auch Storyteller sind? Nicht wenige sind der Meinung, dass dies nicht der Fall wäre, weil ja die Spieler durch ihre Charaktere die Geschichte erzählen, und zu viel Storytelling seitens der SL die Freiheit der Spieler einschränken würde; man kommt da ganz leicht auf das unebene Terrain der Railroading-Diskussion. Ich denke jedoch, dass SL sehr wohl ein Storyteller sein darf, ja sogar sein muss. Und dass Storytelling auch bei anderen Gelegenheiten seine Daseinsberechtigung hat. Es gibt jedoch zwischen dem Storytelling des SL beim Pen’n’Paper und bei meiner Arbeit im Lehrsaal einen inhärenten Unterschied: beim Pen’n’Paper ist es klar Charaktergetrieben, wohingegen Storytelling in der Erwachsenenbildung klar Plotgetrieben ist. Und daraus resultieren deutliche Unterschiede in der Herangehensweise.

Wenn ich Abenteuer für meine Spielrunden vorbereite, denke ich mir zuerst die Nichtspielercharaktere aus, ihre Motivationen, ihre Ziele, ihre möglichen Beziehungen zu den Spielercharakteren und wo sie aufzufinden sind. Von diesen Nexuspunkten aus weben die Spieler*innen dann ein Netzwerk möglicher Pfade, und entscheiden sich jeweils für eine Richtung, in die sie weitergehen wollen. Ich habe also keinen Plot im eigentlichen Sinne, sondern – wahrscheinlich irgendwann in Konflikte geratende – Charaktere mit jeweils eigener Agenda, aus deren Tun oder Lassen sich die Handlung der Geschichte ergibt. Meine Arbeit als Storyteller ist, den Rahmen vorzubereiten; wie jedoch das Bild am Ende aussehen wird, weiß ich zu Beginn genauso wenig wie meine Spieler*innen – mal davon abgesehen, dass das Ganze eine rein fiktionale Angelegenheit ist, die der Unterhaltung dient! Im Lehrsaal hingegen brauche ich eine Geschichte, die einerseits real genug ist und in das aktuelle Themengebiet passt, andererseits aber auch genug Anknüpfungspunkte an bereits vorhandene Erfahrungen der Zuhörenden besitzt und überdies den Weg zum Stoff interessant genug präsentiert, dass man sich aktiv damit auseinandersetzen möchte. Hier bereite ich Pfade vor, von denen ich mir wünsche, dass die Schüler*innen diese beschreiten mögen, und das unabhängig von den Charakteren. Ich habe von Anfang an eine klare Vorstellung, wo wir starten, und wo wir enden. Lediglich den Weg dazwischen gestalten die Schüler*innen beim selbstorientierten Lernen nach ihren Bedürfnissen.

Man kann also mit einem Blick erkennen, dass in beiden Instanzen Storytelling die Rolle spielt, die Leute an ihrem gegenwärtigen (mentalen) Standort abzuholen und auf eine mentale Landkarte zu führen; in beiden Fällen wählen die Zuhörenden den Weg! Im Unterrichtssetting muss ich mir als Erzähler, der gleichzeitig Lehrender ist, jedoch das Privileg vorbehalten, ein festes Ziel ansteuern zu wollen, was mein weiteres Handeln strukturiert. Am Spieltisch lasse ich mich einfach von meinen Spieler*innen mitreißen. In beiden Fällen jedoch bin ich wiederum von Charakteren abhängig. Am Spieltisch von den fiktionalen Charakteren, welche die Spieler*innen und ich entwickelt haben, um diese Geschichte gemeinsam weiter – und hoffentlich zu Ende – zu entwickeln. Und im Lehrsaal von den realen Charakteren meiner Schüler*innen, die – hoffentlich – aktiv mit den Inhalten der Erzählung zu interagieren beginnen. Und das stellt mich vor große Herausforderungen. Die Leute an meinem Spieltisch sind freiwillig da und VERLANGEN von meinem Bullshit zu hören! Die Schüler*innen jedoch… auf mich wirkt es oft so, als seien sie in jungen Jahren schon bis zu einem Level abgestumpft, welches ich so von mir selbst in dem Alter nicht kannte. Allerdings ist anekdotische Evidenz ja nicht verallgemeinerbar, also ist DAS zunächst nur so ein Gefühl.

Wenn ich raten müsste, wäre meine erste Vermutung, dass sie während ihrer allgemein-bildenden schulischen Laufbahn zu oft Menschen in die Finger gefallen sind, die seit 35 Jahren das gleiche tun, ohne sich noch je zu fragen, ob das heute noch so passt. Der Charakter zeigt sich durch das Tun oder Lassen und Lehrer sind Rolemodel, im Guten wie im Schlechten. Aber natürlich hat sich auch unser Medienkonsum in diesen 35 Jahren, seit ich in der Schule das erste Mal mit Rollenspiel in Berührung kam, erheblich verändert. Und auch damals gab es schon Pädagogen und Pauker. Ich denke, dass ich den Unterschied nicht unbedingt erklären muss. Für mich ist damit klar, dass die Funktion von Storytelling immer von den involvierten oder erzählten Charakteren und deren Motivationen, Zielen, Beziehungen abhängt. Das macht es für mich so spannend, aber auch so schwierig. Und weckt in mir den Wunsch, nicht nur noch mehr darüber zu lernen, sondern auch mehr Menschen daran teilhaben zu lassen. Mal sehen, ob, bzw. wie ich das hin kriege. Wahrscheinlich bedarf es dazu einer gewissen Charakterfestigkeit… C U soon.

Auch als Podcast…

Erwachsen bilden N°48 – Im Lauf der Zeit…

Wann immer ich dazu genötigt bin, mich mit dem Lernen auf theoretischer Ebene auseinanderzusetzen, sei es, weil ich Ausbilder ausbilde oder Lernstrategien für Azubis aufbereiten muss, komme ich nicht umhin, meine eigene Lernbiografie zu reflektieren, mich immer wieder neu mit dem eigenen Tun und Lassen zu beschäftigen. Wir Menschen sind ja dazu verdammt, die Erzählung unseres Daseins immer wieder neu auszutarieren, damit wir uns als Herrscher*innen unseres eigenen Schicksals fühlen können. Zwar könnte kaum etwas von der Realität weiter entfernt sein, wenn man einmal die unüberwindbare Mauer der nächsten Sekunde für sich selbst realisiert hat. Keiner von uns kann hinter diese Mauer schauen und niemand kann irgend etwas ungeschehen machen, sobald wir an ihr vorbeigelaufen sind. Such is the nature of time itself! Akzeptiert man das, relativiert es so Manches – auch den Umstand, dass man einige Dinge im Nachgang vielleicht anders hätte angehen sollen. Denn eigentlich bin ich mit der Person, die ich geworden bin und den Dingen die ich heute tue (und wie ich sie tue) soweit ganz zufrieden. Nur die Rahmenbedingungen könnten in letzter Zeit wirklich besser sein.

geodätische Kuppeln werden wieder modern…?

In den letzten Jahren hat das Thema “Simulation” in der beruflichen Aus- und Weiterbildung im Gesundheitswesen einen immer höheren Stellenwert erlangt. Grundsätzlich kann man auch mit eher einfachen technischen Setups akzeptable Ergebnisse erzielen. Allerdings sind die Ansprüche der Kunden in den letzten Jahren immer höher geworden, schlicht, weil einige Anbieter die Latte mittlerweile deutlich höher gelegt haben. Wenn ich sowas den Leuten mit dem Geldbeutel sage und darauf hinweise, dass es wohl eine gewisse zeitliche Dringlichkeit hat, sich in einem hoch volatilen Markt noch stabiler aufstellen zu müssen, ernte ich im Moment allerdings oft ein “NEIN”. Ich sage dann sowas wie, “dann mache ich halt Schulentwicklung mit angezogener Handbremse…”, was dann auch nicht Recht ist. Aber es gibt keinen Fortschritt zum Nulltarif und in dem Bereich, in dem ich tätig bin, kann man Kunden nicht auf Bäumen wachsen lassen, sondern muss diejenigen, die es gibt mühsam davon überzeugen, dass ich ein rundes Gesamtpaket anbiete. Und dazu gehört halt auch eine zeitgemäße Ausstattung. Man kann über Manches streiten, aber eines ist sicher – der Markt wächst noch ein paar wenige Jahre weiter, dann kommt das untere Ende der demografischen Zwiebel, begleitet vom unweigerlichen Zurückgehen von Bedarfen in der Präklinik. Und wessen Organsiation / Institution dann nicht breit und stabil aufgestellt ist, verschwindet wieder im Nirwana des 4. Aggregatszustandes – ÜBERFLÜSSIG…

Es gibt so viele kluge Menschen, die Strategien formulieren und diese auch politisch vorantreiben können. Was diese Leute nicht hören wollen sind- zugegeben gelegentlich wie Unkenrufe klingende – Einwürfe von der Seitenlinie. Zum Beispiel von Menschen wie mir, die nicht nur das Geschehen seit ca. 30 Jahren aus erster Hand kennen, in der Lage sind, dieses analytisch zu durchdringen, sondern auch noch zu anderen Schlüssen kommen. Und so blöd sind, dies offen auszusprechen. Das ist politisch und für die Karriere nicht opportun, aber ich scheiße auf Karriere, wenn ich Leute in die falsche Richtung rennen und dabei den Karren mit in den Dreck ziehen sehe. Es ist einfach nicht meine Art, Leute sehenden Auges in ihr Verderben rennen zu lassen; außer vielleicht, wenn ich sie nicht leiden kann… Nun scheint es mir manchmal so, als wenn das Erreichen einer gewissen Position innerhalb einer Organisation Menschen – vor allem die white, middle-aged, cis-gender males – gegen das Erwägen anderer Meinungen imprägniert. Man könnte auch von Dogmatismus sprechen; meistens ein eher an der neoliberalen ökonomischen Lehre orientierter Dogmatismus. Ich glaube, wenn ich mich noch lange mit Renditezielen und Erlöserwartungen rumschlagen muss, werde ich ein bisschen wahnsinnig.

Ich hatte in der Vergangenheit proaktiv Strategien entwickelt und kommuniziert, die sich nicht nur an den ökonomischen Notwendigkeiten der Führung eines Privatschulbetriebes orientierten, sondern auch antizipierend an den Veränderungen des Gesundheitswesens, wie diese sich jetzt anbahnen. Manche haben genickt, ein paar haben Beifall gespendet und passiert ist – NICHTS! Keine Unterstützung, keine angepasste Gesamtstrategie, keine noch so vorsichtige Investition in Innovationen. Nur Provinzfürsten-Klein-Klein, das manchen jetzt um die Ohren fliegt. Und wer ist wieder Schuld? Natürlich der dämliche Schulleiter, weil er aus Scheiße kein Gold machen kann. NEIN, ich kann tatsächlich aus Scheiße kein Gold machen. Ich kann Menschen dazu befähigen, ihre eigenen Potentiale auszubilden, um so an sich selbst und ihren Aufgaben wachsen zu können! Ich kann Wege aufzeigen, wie sich nicht nur Individuen, sondern auch Organisationen (oder zumindest Teile davon) entwickeln können! Ich kann Menschen zu Leadership ermächtigen – und ich brauche dafür weder Macht, noch übermäßig teure Gadgets oder Unmengen an Personal! ZEIT brauche ich, die richtigen LEUTE und etwas RAUM; doch diese Ressourcen gibt es nicht für lau. Weder jetzt, noch in Zukunft. In Zukunft wird es eher NOCH teurer. Aber dann gibt es ja jemanden, den man dafür auch verantwortlich machen kann, wenn’s halt nicht so läuft, gell? NÖ – GIBT’S NICH! Denn wenn wieder aus politischen Dünkeln und Sparen am falschen Ende ein Projekt an die Wand gefahren wird, bleibe ich dabei: 31.12. Die Zeit läuft. Gute Nacht.

Auch als Podcast…