Fresh from Absurdistan N°12 – …serious about social distancing?

Man darf ja vor die Tür. Also, alleine und mit genügend Abstand von den anderen Menschen darf man somit durchaus spazieren gehen. Und darum mache ich das im Moment so regelmäßig, wie ich dies eigentlich auch ohne Corona tun sollte; denn etwas mehr Bewegung schadet meinem Leib kein Jota. Nun habe ich das Glück, dass ich für einen anständigen Spaziergang nicht allzu weit von zu Hause weg muss: ich stolpere aus der Haustür, drehe mich nach links und ein paar Augenblicke später bin ich im Waldpark. Heidewitzka, da isses wirklich schön! Man mäandert über die Waldwege und je tiefer man hinein latscht, umso distanziger wird es dann auch.

Die ganzen Alibi-Spaziergänger schaffen es bis auf den Promenadenweg und spätestens am Bellenkrappen ist dann Sense. Enten füttern, blöde kucken, wieder zurückgehen. Ich gehe lieber am “Schlauch” entlang, bis ich keine Lust mehr habe und dann wieder zurück. Man begegnet bei schönem Wetter auch dort Menschen. Nur nicht ganz so vielen. Man sieht auch Radfahrer, die im Waldpark eigentlich nur auf die asphaltierten Wege dürfen; aber wen interessieren schon Regeln, wenn einen kein Cop vom Bike schießt. Ich schere mich da auch nicht nennenswert drum, so lange sie Abstand halten – und damit meine ich nicht Corona-Distanz, sondern halt mindestens so viel, dass ich nicht wegen denen auf die Fresse falle. Kriegen die meisten sogar hin.

Was mich jedoch ganz und gar irritiert, ist der mittlerweile ubiquitär zu verzeichnende Verlust von Höflichkeit. Ein freundliches Nicken und ein “Guten Tag” (heute Vormittag wahlweise auch ein “Frohe Ostern”), da bricht man sich doch echt keinen Zacken aus der Krone, oder? Weit gefehlt. Manch muffeln sogar rum, die meisten kucken aber einfach ostentativ weg. Eine kurze, nicht repräsentative Erhebung meinerseits förderte übrigens folgendes zu Tage: je jünger die Spaziergänger / Radfahrer, desto unhöflicher waren sie. Umgangsformen haben also doch etwas mit Reife zu tun, ich hab’s ja schon immer gewusst. Ob das aber tatsächlich mit Corona zusammenhängt? Nun zumindest bei der alten Dame, die sich bei meinem Anblick den Jackenkragen vor’s Gesicht schlug (so entsetzlich sehe ich doch nun wirklich nicht aus), liegt dieser Verdacht wohl nahe.Nun ja. In der Ebene zwischen Nixraffien und Kannitverstahn liegt halt Vulgarien, direkt unterhalb von Indolentistan. Man kann von da übrigens auch super einen Ausflug zu den Aluhuten machen(© beste Ehefrau von allen).

Seien wir doch mal ehrlich – es ist schon ein Trauerspiel, was diese Seuche mit unserer Gesellschaft anstellt. Doch abseits von Covid-Leugnern, nicht medizinisch gebildeten Besserwissern, Hamsterkäufern und dem anderen typischen Internet-Geschmeiß nagt die Angst an mir, dass wir das Wort Solidarität nach Ablauf des Lockdowns einfach aus dem Wortschaft streichen wollen. Dieser Artikel aus Zeit Online legt für mich den Verdacht nahe, dass die momentan aufgezwungene Isolation dem eh schon um sich greifenden Online-Narzissmus nur noch mehr Schub gibt. Und je mehr Menschen glauben, dass es sich als “Digital Native” doch ganz gut leben lässt, desto mehr schwindet das, was wir Öffentlichkeit nennen in der Realität. Beste Voraussetzungen für Faschos und Spinner, noch mehr gesellschaftliche Positionen zu besetzen. Denn in Absurdistan scheint der Trip zu den Aluhuten ziemlich kurz zu sein…

Ich bin weit davon entfernt, in Resignation zu verfallen. Dafür kenne ich viel zu viele kluge, patente, solidarische Demokraten, die nicht nur dem Fascho-Gesindel, sondern auch den Bewohnern der Aluhuten und anderen unnötigen Zeitgenossen schon bei Zeiten Paroli bieten können und wollen. Und dennoch wäre Warten jetzt falsch! Denn im Gegenteil ist genau jetzt ist die Zeit, sich auf die Lockerung des Lockdown vorzubereiten. Nicht durch noch größere Einkäufe, noch strikteres Cocooning oder andauernde Instrospektion, sondern durch Beteiligung. Nur, weil wir alle daheim hocken müssen (außer während des Spazierganges), heißt dass nicht, dass wir nicht analysieren, hypothetisieren, diskutieren, entwickeln, träumen könnten; und das am besten zusammen. Um an dieser Stelle Rezo zu zitieren: “Ich hätte Bock drauf.” Ihr auch? C U soon.

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Fresh from Absurdistan N°11 – …ist denn gar Freitag?

“Süss und Fruchtig” steht auf einer Weinflasche, welche die beste Ehefrau von Allen zum Behufe der Herbeiführung einer “Kastrierter-Feiertag”-Amnesie mit nach Hause gebracht hat. Der Wein ist ein Trollinger; kann man zu stehen wie man will, aber mein erster Gedanke war, dass Trollinger im Internet eher “Bös und Suchtig” sind. Nun ja. Es ist wahrscheinlich, dass mein Osterfest ein ruhiges – vielleicht, vielleicht sogar harmonisches – wird, was ich allen anderen natürlich auch wünsche. Allerdings beschleicht mich das Gefühl, dass die Menschen unter ruhig und harmonisch jeweils etwas anderes verstehen.

Ich hatte hier gerade neulich von der Macht der Bilder gesprochen. Und dass auch Bilder nicht nicht kommunizieren können. Nun bin ich natürlich, auch wenn ich immer gerne behaupte, dass es mir bisher noch nicht gelungen ist, auf der Erde nennenswert viel intelligentes Leben zu finden, bei weitem nicht der Einzige, der das kapiert hat. Es gibt einen ganzen Wirtschaftszweig, der sich nur um diese Erkenntnis dreht: Marketing! Welchen Schaden diese Profession manchmal anrichten kann, lässt sich an Hand dieses Artikels auf Zeit Online ganz gut erahnen: nur so viel, ernste Wissenschaft und Marketing kann man nicht Hand in Hand betreiben, weil Marketing IMMER ETWAS VERKAUFEN MUSS! Grausiger Gedanke. Nun kann man Marketing als notwendiges Übel des postmodernen Kapitalismus betrachten. Oder man liest mal dieses Buch von Mark Fisher – oder soll ich lieber k-punk sagen?

Man mag zu unserer Gesellschaftsordnung ja denken, was man will. Die oft propagierte “Alternativlosigkeit” politischen und gesellschaftlichen Handelns, welche man uns immer wieder – mal mehr, mal weniger geschickt medial aufbereitet – serviert, will mich aber nicht mehr so recht überzeugen. Dass ich Sozialdemokrat bin und das heutzutage nur noch wenig mit SPD-Wählen zu tun hat, habe ich an vielen Stellen schon durchblicken lassen. Doch der Gedanke, dass der allseits behauptete Realismus des Systems Kapitalismus nur eine Illusion ist, die uns von dessen Notwendigkeit – und damit von der Notwenigkeit der Konformität, Selbstausbeutung, Selbstoptimierung und Ökonomisierung unseres Daseins – überzeugen soll, verfängt auf mehr als einer Ebene. Ich empfehle es daher als Lektüre. Auch für jene, die einen Schrein des Kapitalismus in ihrem Herzen errichtet haben. Denn sich selbst zu hinterfragen, steht jedem gut zu Gesicht.

Mir übrigens auch und daher muss ich an dieser Stelle (Karfreitag!) natürlich auch etwas Selbst-Kasteiung betreiben. Ich nutze dieses Medium nicht selten polemisch, manchmal nachgerade agitatorisch und stets als Vehikel für MEINE Meinung. Dies geschieht jedoch und das soll an dieser Stelle deutlich kommuniziert werden, nicht etwa, weil ich diese für absolut halte, sondern weil ich sie an Anderen reiben und differenzieren möchte. Da sich leider nur selten Widerspruch ergibt, bedeutet das für mich, dass es drei mögliche Interpretationen gibt:

  1. Ich habe aus dem – auch in der Realität stattfindenden Denken und Diskutieren – ein Gedankengebäude destilliert, das Hand und Fuß hat – vulgo: ich habe Recht (wenigstens ein bisschen).
  2. Die meisten Anderen sind einfach zu faul, zu abgestumpft oder schlicht zu blöde, um zu verstehen, wovon ich rede und können oder wollen sich deswegen nicht die Mühe machen, mich hier auf meinem eigenen Felde anzugreifen – was ich absolut lieben würde!
  3. Ich habe nicht die Reichweite, die ich mir erhoffen, erwarten, zutrauen würde.

Ich befürchte, dass es eine Mischung aus zwei und drei ist, weil Recht zu haben bedeuten würde, dass auch ich langsam dem Dogmatismus anheim zu fallen beginne; etwas, dass ich mit allen Mitteln zu verhindern versuche, denn Dogmatiker haben in meiner Welt per Definition nie Recht, weil sie Arschlöcher sind! Allerdings – und das gibt mir wiederum die Energie, hier weiter zu machen – glaube ich an die Macht der Ergotherapie. Um es einmal mehr auszusprechen: das hier ist eine öffentliche Sortierung und Reifung meiner Gedanken. Wenn andere daran teilhaben wollen, sind sie dazu herzlich eingeladen und ich würde mich freuen. Im Grunde meines Herzens aber weiß ich, dass es auch vollkommen ohne Publikum das wäre, was es jetzt ist: eine Spielwiese für meine Dämonen!

Es ist übrigens – dies sei hier noch mal erwähnt – Karfreitag. Und mit Bezug auf den ersten Absatz bin ich erstaunt. Ich hatte ernsthaft in den letzten Tagen wenige (tatsächlich gar keine) Trollinger vor der virtuellen Flinte. Stattdessen habe ich mich unversehens zu einer “Kettenmail” hinreißen lassen. Aber wenn die Helferherzen schon vor den Vorhang sollen… 😉 . Denn tief drinnen bin ich ja immer noch verdammt stolz auf meinen Ursprungs-Job und glücklich, dass ich im Laufe der Jahrzehnte (verdammich, bin ich tatsächlich schon so alt…? ) eine Menge netter und ein paar wirklich außergewöhnliche Menschen kennen lernen durfte. Daher wünsche ich allen – im Rahmen der Möglichkeiten – einen stressfreien und sonnigen Karfreitag. Wir sehen uns.

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Fresh from Absurdistan N°10 – Blockwart Ahoi!

“…du kannst einen -ismus einfach nicht bekämpfen!” Jo, dem ist eigentlich nix hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass ich nie gedacht hätte, dass ich irgendwann mal Blockwartismus in nazi-esker Form wahrhaft erleben müsste. Nun ist es nicht so, dass ich selbst schon ausgegrenzt wurde, weil ich zu den “Systemrelevanten” zähle. Ich hatte auch noch nicht die zweifelhafte Ehre, von der Polizei kontrolliert zu werden, weil sich Nachbarn, in wohlverdienter Erregung über die dauernden Qualmfahnen von meinem Balkon zur Denunziation bei den, eh schon überlasteten, Ordnungsbehörden entschlossen hätten. Und schließlich musste mich niemand auffordern, nur eine Packung Klopapier einzukaufen. Andere produzieren wohl doch mehr Scheiße als ich…

Und doch beschleicht einen das Gefühl, dass die Leute einander im öffentlichen Raum mit Misstrauen beäugen, sich anscheinend sehr genau überlegen, ob das Gegenüber (also ich) wohl gerade ein ächtbares Verhalten an den Tag legt; oder ob das schon OK ist, wenn der Typ im Waldpark spazieren geht? Vergessen die freie Gesellschaft, vergessen auch das Sommermärchen von 2006 und schließlich wurde auch das 2015er “Wir schaffen das!” vergessen – die einzige Aktion, für die ich Frau Merkel wirklich respektiere. Es fühlt sich fast so an, als wenn diese Krankheit mit all den Maßnahmen, die gerade Gültigkeit haben, eine allzu dünne Schicht freundlichen Putzes auf dem, immer noch inhuman kalten, vom Ruch der Geschichte umwehten Zweckgebäude unserer Gesellschaft wegblasen würde, als wenn’s nix wäre.

Die Tage hatte ich – wie immer auf Fratzengedöhns, oder wie auch immer diese verdammte Zeitverschwendungsmaschine auch heißen mag – eine Diskussion um einen Artikel von Heribert Prantl, in dem er vor den möglichen Folgen eines prolongierten Lockdowns für unsere Demokratie gewarnt hat. Und natürlich kamen sofort eilfertig Leute daher, welche die “alternativlosen” Argumente der Politiker Mantra-artig zu wiederholen begannen. Nicht dass mich hier jemand falsch versteht: die Maßnahmen an sich sind absolut sinnvoll! Und dennoch hat der Lockdown Folgen für unser Gemeinwesen, die jetzt noch nicht abzusehen sind; was die bange Frage aufwirft, ab welchem Zeitpunkt wir denn nun den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

Ich möchte hier nicht als Cassandra auftreten (auch, wenn ich den Namen mag). Und doch lassen sich bereits jetzt Erosions-Prozesse unserer Demokratie wahrnehmen (wie eben der, Anfangs beschriebene, Blockwartismus), die mich zu folgenden, möglicherweise etwas verstörenden Fragen führen:

  • Wann wird die Zahl der Suizide durch zerstörte Existenzen und vernachlässigte psychisch Kranke höher sein, als die der Todesfälle durch Covid-19?
  • Wie viel – oder wenig – Zeit braucht es noch, bevor sogenannte “Gegenöffentlichkeiten” den politischen Diskurs bestimmen können?
  • Wie sehr wird sich die Meinungsbildung durch die unverantwortliche Verkürzung und Vereinfachung von Sachverhalten polarisieren und radikalisieren?
  • Warum will die Bundeskanzlerin keine öffentliche Diskussion über Wohl und Wehe des Lockdowns und die Frage, wie lange dieser noch zu dauern hat?
  • Bis wann nehmen Bürger Repressalien, die im guten Glauben, “das Richtige” zu tun verhängt wurden hin – und bis wann kann man diese wirklich schadfrei zurücknehmen?
  • Wer glaubt wirklich, dass Eltern Monate der Schulschließung überbrücken können, ohne dass unser Bildungssystem und damit ganze Jahrgänge nachhaltigen Schaden nehmen?
  • Was sage ich meinen Kindern, wenn sie fragen, warum man ihnen – subjektiv – einfach verbietet, zu leben, wie Kinder das eben tun, obwohl wir doch angeblich ein so freies Land sind? Und was macht das mit ihnen?
  • Polizisten, welche jetzt die Rechtsmaßnahmen rings um den Lockdown durchsetzen müssen: wer vertraut denen danach noch? Und was ist mit den Beamten, die genau jetzt jene repressive Macht schätzen lernen und diese vielleicht nicht mehr abgeben wollen?

Ein Haufen Fragen, dem so mancher sicher noch die eine oder andere beifügen möchte. Was mich betrifft: ich halte mich an die Ge- und Verbote, wohl wissend, dass über den Berg der Pandemie zu kommen viel, viel länger dauern wird, als bis zum 20.04. Warum die Politik solche Maßnahmen ergriffen hat, wurde ausführlich erklärt. Wer es bis jetzt noch nicht begriffen hat, dass Distanz zu wahren Leben rettet, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Und dennoch muss man die Diskussion um den Lockdown jetzt zu führen beginnen. Denn sonst nimmt unsere Gesellschaft, nimmt unsere Demokratie irreparablen Schaden. Und das kann ja auch niemand ernsthaft wollen. C U soon enough…

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Fresh from Absurdistan N°9 – …und täglich glänzt der Aluhut!

Ich gebe es an dieser Stelle offen zu: ich mag Verschwörungstheorien. Sie bieten so viel wunderbaren Stoff für’s Geschichten erzählen (vor allem für das Pen’n’Paper-Rollenspiel), dass man sich diesem Subgenre menschlicher Blödheit einfach nicht entziehen kann. Natürlich machen solche “was-wäre-wenn”-Spielchen nur unter der Prämisse Spaß, dass ich weiß, dass es bloße Konstrukte meiner Amok laufenden Phantasie sind. Letzten Endes basieren ganze Spielwelten mitsamt Metaplot und Corestory auf der Annahme, dass sich etwas im Geheimen abspielt. Im Film und in den Medien ist das ja auch spaßig – es ist dann quasi “Soße für’s Gehirn” der Konsumenten (man mag mir ein Zitat aus “Fletcher’s Visionen” an dieser Stelle verzeihen).

Die Idee, dass man ein so komplexes soziales Konstrukt wie eine – unter Umständen Generationen umspannende – heimliche Beeinflussung von Ereignissen einfach abstellen könnte, indem man den Oberverschwörer und ein paar seiner Stellvertreter unschädlich macht, ist natürlich ebenso Nonsens, wie anzunehmen, dass man die politische Stimmung in den USA drehen könnte, indem man Donald Trump tötete. Wer so was glaubt, schreibt auch immer noch Wunschzettel an den Weihnachtsmann; mit der Adresse Nordpol N°1. Aber für Spielzwecke darf man Sachverhalte auch mal verkürzen und vereinfachen. Machen Buch und Film ja auch. Und insgeheim wünscht man sich, dass solche analogen Lösungen (0 – 1) auch in der Realität funktionieren…

Und dann macht man, nachdem man ein bisschen in seinem Notizbuch gelesen und ein paar Ideen aufgeschrieben hat, Facebook auf und bekommt ultimativ mitgeteilt, warum Aluhut-Träger in der Realität die Sepsis im eitrigen Pickel am Arsch unseres Daseins sind! Menschoiden, die COVID-19 immer noch wahlweise für einen Hoax, für einen perfiden Plan zur Abschaffung unserer Bürgerrechte, eine Ablenkung von einer neuen (oberheimlichen) Massenmigration, oder den verdeckten Kampf gegen die Reptiloiden halten; JESUS CHRIST, WTF? … ruhig Grauer … ganz ruhig …

Es ist ja nun nicht so, dass ich – dem neuen Hauptaufgabenbereich zum Trotze – nicht wüsste, was draußen im Ländle (aber auch bundesweit) gerade abgeht. Und dass es sehr wohl starke regionale Unterschiede in der Verteilung von Infizierten-Zahlen und tatsächlich Erkrankten bis hin zur Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Behandlung gibt. Dann äußert man sich mal und wird als Lügner bezeichnet – von ‘nem Typen, der laut seinem Profil Bücher aus dem Kopp-Verlag liest. Muss ich jetzt nix zu sagen, oder? Ich habe kurz mit mir gerungen – zugegeben kürzer, als das noch vor fünf oder zehn Jahren der Fall gewesen wäre – und habe mich dann darauf beschränkt, ihm mitzuteilen, dass er seinen Aluhut doch bitte woanders glänzen lassen soll. Keine Ahnung, ob er das auch macht, aber beim nächsten Post blockiere ich den Spacko einfach. Spart Medikamente.

Allerdings – und das nehme ich wiederum mit einem schmunzelnden Kopfschütteln zur Kenntnis – lehrt es mich einmal mehr etwas für’s Leben, aber auch für mein Storytelling: Aluhutträger wollen glänzen! Sie wollen wahrgenommen werden; aber gerade so sehr, dass sie immer noch behaupten können, dass sie sich nicht zu laut äußern dürfen, weil sie sonst vom großen bösen Verschwörungs-Titanen weggeputzt werden. Und man soll ihre Botschaft ja ganz weit tragen, damit die auch ja nicht ganz aus dem Netz gelöscht werden kann. Ist ja auch so eine häufig verbreitete These unserer, ach so furchtbar unterdrückten Faschistenfreunde: “Teilt dieses Video / Meme / Sharepic, dass euch die absolute, unverfälschte Wahrheit zeigt, damit es nicht noch mal von den bösen Systemmedien gelöscht werden kann!” Nur damit ihr das auch mal gehört habt, ihr rechten Dummbatzen: DAS NETZ VERGISST NICHTS! Weder Porno noch Propaganda. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist in dem Moment verwirkt, da etwas öffentlich geteilt wird. Egal, ob der Inhalt Sinn macht, oder nicht!

Tja, narrative Naivität findet eben nicht nur in meinen Spielrunden statt, sondern auch in der Realität. Nur in der Realität wäre sie höchstens zum Lachen, wenn das sonstige Treiben der Protagonisten nicht so sehr zum Heulen wäre. Sei’s drum. In einer Hinsicht hat die Corona-Krise da ihr Gutes: von der Sch***-AfD hört und sieht man im Moment so gut wie nix. Sie sind also da, wo sie hingehören, nämlich im informationellen Nirvana.

In meinen Spielrunden hingegen werde ich den Verschwörungs-Spaß auch weiterhin fröhlich einsetzen, denn das ist das Schöne an meinem Lieblingshobby: Man kann im Kontext des Spiels Dinge tun oder lassen, aussprechen oder verschweigen und mal seinen inneren Dämonen frönen, ohne, dass es irgendwelche Auswirkungen auf die Welt an sich hat. Eskapismus in seiner besten Form, weil ich Psychohygiene mit absurden Geschichten, Quality-Time, Gelächter und manchmal auch wahrhaft Erinnerungswürdigen Momenten verbinden kann. Und dabei darf auch der Aluhut mal glänzen, ohne, dass ich in die Tischkante beißen möchte. In diesem Sinne, bleibt gesund und spielfreudig und lasst euch von den echten Aluhüten nicht den Nerv rauben. C U soon.

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Fresh from Absurdistan N°8 – Sinn und Symbolik

Man(n) muss es an dieser Stelle einfach mal zugeben – auch mir macht es Spaß, mit Bildern zu cheaten, also Dinge anders erscheinen zu lassen, als sie dies tatsächlich sind. Wir sind, zumindest sozialpsychologisch, eh alle Trickster, die sich ihr Leben schön lügen. Wie ich bereits im Beitrag “Pictured Life” hatte anklingen lassen, ist eine der dabei dominierenden Techniken heutzutage das Kuratieren der Inhalte in den eigenen Social-Media-Accounts. Wäre ich ‘n bisschen fuchsiger, würde ich jetzt von Betrug reden, aber es geht ja nur um die virtuelle Währung “LIKE”, die wir gerne auf unserem “Feel-Good”-Account einzahlen wollen. Oder besser – wir wollen andere dazu animieren, dort einzuzahlen…

Ich bin ja nich aus Eis – ich mag Likes auch! Faszinierenderweise sind es jedoch in aller Regel nicht die kuratierten Inhalte, die ich gelegentlich auch nutze (und wenn’s nur durch das Präsentieren eines, na sagen wir mal “geschickt” gewählten Bildausschnittes passiert), die mir ein Surplus dieser – im realen Leben eher wertlosen – Wertschätzungs-Token einbringen. Nö, Freunde der Nacht. ‘N simpler Shoot mit meiner sagenhaft schlechten Handycam, ohne Schischi, ohne Nachbearbeitung, ohne Action hat mir in den letzten Tagen die meisten Likes beschert. Es könnte am Meta-Content liegen. Das Bild erzählt für diejenigen, die etwas häufiger mit mir zu tun haben ja eine Geschichte, die direkt mit dem letzten Post dieser Reihe zu tun hat. Doch es ist gar nicht das unten stehende Bild selbst, um dass es mir gerade geht.

Nachtarbeit…

Mir geht es um den Meta-Content. Bilder erzählen immer eine Geschichte. Watzlawick sagt, man könne nicht nicht kommunizieren. Bilder haben diese Eigenschaft ebenso. Techies verstehen unter Meta-Content die Daten über das Bild, welche sich für den Kundigen in den Eigenschaften der Datei verbergen: Größe, Auflösung, Erstellungsdatum, Ersteller, Ort und noch manches mehr. Ich verstehe darunter jedoch die Botschaft, welche das Bild implizit transportiert. Die explizite Botschaft des obigen Bildes ist: “da steht ein NEF in einer Haltebucht”. Natürlich erkennen Ortskundige, wo sich diese Haltebucht befindet, aber das ist noch nicht der ganze Zauber. Die implizite Botschaft erschließt sich erst im Zusammenspiel zwischen dem Wissen um die postende Person und etwas von ihrer Backstory, dem Zeitpunkt und natürlich dem Content des Bildes. Ich will jetzt nicht schon wieder in Semiotik einsteigen, aber es geht um die Interpretation des Contents, welche aus einem bloßen Haufen geordneter Pixel eine Geschichte macht, die sich erzählt, ohne ausgesprochen werden zu müssen.

Der Spruch “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte” kommt ja nicht von ungefähr. Doch ihn dahin zu sagen und die tatsächliche Bedeutung dieses Spruches zu begreifen, sind zwei ganz unterschiedliche Paar Stiefel. Denn das Wissen um die Wirkung der Bilder gibt einem Möglichkeiten zur Interaktion mit einem – wie auch immer gearteten – Publikum, die Sprache allein unmöglich zu realisieren vermag. Ich liebe es, etwas dazu zu lernen. Das ist nicht einfach nur so gesagt, sondern es ist Teil meiner Essenz, gehört also zu den Aspekten, die meine Persönlichkeit im Kern ausmachen. Und ich hatte in den letzten Tagen reichlich Gelegenheit etwas dazu zu lernen. Einerseits, weil das Leben in Absurdistan mich dazu zwingt – andererseits, weil ich begonnen habe, mich darauf einzulassen. Nur wenn du Absurdistan zulässt, macht es dich nicht kaputt!

Hatte ich gerade davon gesprochen, dass die symbolische Währung “LIKE” keinen Wert in der Realität hätte? Nun ja… in normalen Zeiten, würde ich das tatsächlich so sehen wollen. Doch wir leben nun mal gerade in Absurdistan. Und in so seltsamen Zuständen gestatte ich es mir, über den Schatten meines sonstigen Social-Media-Zynismus zu springen und zu sagen: ist schon OK. Macht was ihr denkt, solange es eurer Psycho-Hygiene dient und ihr dabei den kategorischen Imperativ beachtet.

Ich sehe mich selbst als einen Novizen der semiotischen Künste, der noch einen langen Weg zum Adepten zurückzulegen hat. Doch meiner Neugierde folgend, die mich hoffentlich nicht so bald herausfinden lässt, dass ich doch eine Katze war (“curiosity killed the cat”), lerne ich im Moment an jedem Tag etwas dazu. Teils über das Lernen, was meinem Studium genauso zu Gute kommt, wie hoffentlich meinem Unterricht, teils über die Menschen um mich herum und die Gesellschaft als Ganzes; letztlich aber auch über mich. Ich meine, ich bin immer noch nur ein Typ mit einer Meinung, der, wie ihr anderen auch, durch sein Dasein stolpert und versucht, es irgendwie hinzukriegen, ohne, dass dabei allzu viel kaputt geht. Aber ich habe im Moment das Gefühl, dass es von Tag zu Tag besser wird, obschon doch alles so viel schwerer ist, als sonst.

Ich wünsche uns allen Langmut, Demut und, falls notwendig auch mal den Wagemut, diese Krise auch weiterhin auszuhalten. Vielleicht lernen wir ja alle noch etwas Sinnvolles dazu. Und wenn nicht – wenigstens ich habe meine Zeit nicht vollkommen vergeudet. Macht das Beste draus und lasst euch nicht unterkriegen – wir sehen und hören uns.

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Fresh from Absurdistan N°7 – Back on the road…

Eigentlich hatte ich vor, beruflich ein paar andere Dinge voran zu treiben, wie etwa Kursformate weiterzuentwickeln, Lernsituationen zu schreiben, etc.; aber wie das Leben im Moment so spielt, werden alle Reserven und damit auch alte Hasen wie ich reaktiviert, um auf den Sanitätsdroschken und Druidenschleudern ihren Dienst zu versehen. Also versehe ich – was kein Versehen ist – ab heute Abend mal wieder ein paar Nächte auf einem kleinen Bock. Quasi zum Eingewöhnen. Wie lange dieses Spektakel dauern wird, vermag ja jetzt noch keiner genau zu sagen. Aber zumindest für die nächsten Wochen werde ich einen Teil meiner Zeit wieder auf der Piste verbringen.

Ich habe mich deshalb gefragt, ob mir das irgendwelche besonderen Gefühle bereitet? Zum Beispiel Angst vor einer Corona-Infektion, oder besser davor, eine solche nach Hause zu schleppen? Oder Angst davor, im Moment nicht meinen eigenen Qualitäts-Ansprüchen genügen zu können, weil ich im letzten Vierteljahr keine Schicht gefahren bin (und davor auch schon eine Weile nicht mehr so viel)? Vielleicht Angst, die vielen neuen Verfahrensanweisungen nicht auf die Kette zu kriegen? Und von denen gab es, Pandemie sei Dank, in den letzten Tagen so einige.

Doch wenn ich ehrlich bin – was mir viel mehr Sorge bereitet, ist der Umstand, dass die aktuell im Eilgang durchgeprügelte Änderung des IfSG §§ 5 nicht Wenige Kollegoiden dazu verleiten wird, mal was ausprobieren zu wollen. Denn diese Gesetzesänderung, die nur einem möglichen Ärztemangel in den Kliniken vorbeugen soll, wollen einige quasi als Regelkompetenz-Persilschein durch die Hintertür nutzen. Und das geht doch ein bisschen an der Realität vorbei. Wir haben derzeit in Baden-Württemberg keine Situation, die es organisatorisch oder juristisch als gute Idee erscheinen lässt, alle NotSan mit Pharmaka auf die Menschheit los zu lassen. Ich bin mal gespannt, wann und wie der Bumerang zurückkommt?

Ich bin normalerweise, wenn es um Regelkompetenzen für Rettungsfachpersonal geht, durchaus ein progressiver Geist; doch jetzt bei jeder sich bietenden Gelegenheit “Yippiyaye!” schreiend die Ampullarien aus den Rucksäcken reißen zu wollen, erscheint mir doch ein wenig verfrüht. Mal ganz davon abgesehen, dass eine geöffnete Büche der Pandora nur schwer wieder zuzubekommen ist. Und wir sind – da muss man ganz ehrlich sein – qualitativ noch lange nicht so weit, flächendeckend Regelkompetenzen zum Einsatz zu bringen. Und – das sei hier nur am Rande gefragt – wer hat eigentlich in Deutschland offiziell eine Pandemie-Lage ausgerufen? Das Kabinett? Der Bundestag? Ich könnte mich jetzt nicht erinnern, dass irgendjemand das tatsächlich getan hätte.

Diese Woche komme ich eh nicht in die Verlegenheit, da ich Druidenschleuder fahre; aber wenn sich mir die Frage stellt, werde ich genauso handeln, wie sonst auch: mit Augenmaß, Blick für meine persönlichen, sowie die juristischen Grenzen und stets im Sinne des Patienten. Nicht jedoch im Sinne meines Retter-Egos. Würde ich mir von meinen Kollegen landauf, landab auch wünschen. In diesem Sinne – man sieht sich.

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Fresh from Absurdistan N°6 – Pictured Life

Situationskomik. Ein Mensch aus meiner Facebook-Wolke postet ein Bild von einem hübsch hergerichteten Frühstückstisch und ich denke “Joa, könnte auch bei uns daheim sein, sieht nur viel ordentlicher aus.” Seine beste Ehefrau von allen postet etwas weiter unten im Thread, dass die abgebildeten Eier noch roh waren – ich hätt’ mich wegschmeißen können. Semiose in Reinkultur. Das Bild funktionierte exzellent als Darstellung idyllischer Heimeligkeit mit Frühstücksei; man denkt bei so einem feinen Ei an den Geschmack – und diese Interpretation wurde durch einen lässigen Einzeiler zerrissen! Fast wie im Action-Film, dessen Dialoge heute ja fast nur noch aus lässigen Einzeilern bestehen. So gesehen sind Action-Filme infektiös, weil der Wortschatz aus linguistischen Einzellern besteht; man muss sogar nur einen Buchstaben austauschen.

Wo war ich? Ach ja, genau – Zeichenwirkungen! Denn so’n Bild auf Facebook ist ein (visuelles) Zeichen. Es hat für denjenigen, der’s postet eine Bedeutung und es hat für die Leute, die es rezipieren (sollen) auch eine Bedeutung. Muss nicht die Gleiche sein, aber das tut für meine Betrachtung nix zur Sache. Denn der Poster (nicht das Poster) beabsichtigt mit seinem Bild etwas. Hier zum Beispiel die Darstellung eines – mehr oder weniger – perfekten Frühstücks daheim, in Zeiten von Corona. Und wird hinterrücks von der eigenen Gattin der Inszenierung überführt – die Realität wurde kuratiert, um einem bestimmten Ideal zu genügen.

So wie sich Influenzer (im Gegensatz zu Influenza) unfassbar viel Mühe geben, Fotos “casual” aussehen zu lassen, obwohl sie ‘ne Stunde rumprobiert haben, den richtigen Winkel, die richtige Mimik, die richtige Beleuchtung zu treffen, um danach dann an dem einen “Schnappschuss” (von ca. 100) nochmal eine Stunde rumzuphotoshoppen, damit das Ergebnis auch ja “casual perfect” aussieht. Nun unterstelle ich dem oben erwähnten Menschen nicht unbedingt ein so schlimmes Geltungsbedürfnis. Aber man muss sich schon die Frage stellen, warum man sich soviel Zeit nimmt, ‘n rohes Ei auf dem Tisch zu drapieren, obschon man vielleicht gar nicht die Absicht hat, es zu kochen?

Ich bin ja nicht ohne Sünde. Ich zeige manchmal meinen Mini-Kugelgrill auf unserem Balkon. Nicht unbedingt, weil ich alle zum Besuch einladen will, sondern eher, weil ich ich es lustig finde, darauf hinzuweisen, dass ich ein echter Barbecue-Fanatic bin. Ob die Bilder kuratiert sind? Nö, man sieht darauf, was es später zu essen gibt. Man kann erkennen, dass ich die Beplankung unseres Balkons mal wieder erneuern müsste und dass mein Grill evtl. auch nicht der Allergepflegteste auf dem Erdenrund ist. So what? Was ich darstelle, ist die leicht angejahrte Hinterhof-Romantik meines Heims. Objektiv betrachtet bin ich damit nicht besser, als der beschriebene Kasus aus dem ersten Abschnitt. Nur anders.

Die meisten Menschen behaupten zwar ganz gerne, dass es ihnen Wumpe ist, wie Andere sie sehen. Faktisch ist das Bullshit; zumindest, wenn man sich Facebook mal genauer anschaut. Denn wenn man in Betracht zieht, wie viel Mühe sich Menschen dort – ohne jedwede Bezahlung – geben, ihr Leben gut aussehen zu lassen (vielleicht sogar besser als meines, oder deines, oder ihres…?) , dann hat meine Spezies so einiges zu kompensieren. Facebook-Bildchen dieser Art sind der (auswertbare) Beweis für die Existenz eines kollektiven Minderwertigkeitsgefühles der Nutzer dieser Plattform. Und ich bin schuldig in allen Punkten der Anklage. Vielleicht wäre es doch ganz gut, dass mal zu bedenken, wenn man irgendwelche Memes, Sharepics oder sonstigen virtuellen Käse teilt, liked, oder sonstwie promoted.

Wir treten viel zu oft in die Stolperfallen, die unsere eigene Geltungssucht uns im virtuellen Raum auslegt und sind dann immer ganz betreten, wenn wir auch noch öffentlich erwischt werden. Wie wäre es zur Abwechslung mal, ebenso öffentlich authentisch zu sein, dass Kuratieren bleiben zu lassen und die Dinge genauso einfach, schäbig, mundan, ungeschminkt, etc. zu zeigen, wie sie bei den Allermeisten von uns sind? Ich fände das extrem angenehm. Ein bisschen virtuelle Ehrlichkeit stünde uns allen gut zu Gesicht. In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine schöne neue Woche im Lockdown. C U soon.

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Fresh from Absurdistan N°5 – Allein oder Einsam?

Ich glaube, die Tage was von “auf sich selbst zurückgeworfen sein” geschwafelt zu haben. Wenn ich nun die letzten 96 Stunden mal Revue passieren lasse, fällt es mir allerdings schwer, dabei irgendwas Besonderes zu entdecken. Oh, sorry, natürlich hocken wir schön brav daheim, besuchen Oma und Opa nicht, betreiben “Social Distancing” (wenn manche Idioten im Supermarkt nicht so vollkommen Hirnfrei wären, ginge das noch effektiver) und machen Home-Office bzw. Home-Schooling. Soweit alles Corona…

Nun las ich die Tage etwas von den möglichen psychischen Folgen einer Quarantäne, bzw. Ausgangssperre und das manche, derart eingeengte Menschen unter Umständen ein posttraumatisches Belastungssyndrom entwickeln könnten. Dunnerlittchen, PTBS durch Quarantäne oder ein Verbot, draußen rumzulungern? Also ich meine, Opfer und Zeugen von Gewalttaten und schweren Unfällen; dass denen sowas droht, verstehe ich. Auch betrifft es gewiss mal die professionellen Helfer, die bei sowas dazu kommen. Aber – Quarantäne oder Social Distancing-Geplagte? Echt Jetzt? Es gibt verschiedene Artikel in den Online-Medien (hier, hier und hier); darüber wird z. B. auch thematisiert, dass Scheidungsraten, aber auch die Inzidenz häuslicher Gewalt in China deutlich angestiegen seien. Irritierend…

Mein erster Reflex – mit Bezug auf solche Aussagen – ist folgender: wann sind wir zu einer derart Status-fixierten Weichei-Spezies degeneriert, dass zwei oder drei Wochen daheim unsere Identität bedrohen könnten? Möglicherweise messe ich hier mit dem falschen Maßstab, da ich selbst schon immer jemand war, der das Alleinsein ganz gut aushalten konnte. Bitte nicht missverstehen: ich bin durchaus gerne regelmäßig unter Menschen (sofern es die Richtigen sind) und habe meistens kaum Berührungsängste mit neuen Bekanntschaften. Ich komme aber auch über längere Zeiträume ohne Andere aus und habe nicht im Mindesten das Gefühl eines Mangels.

Nun sehe ich mir die Menschen ringsum an und tatsächlich beschleicht mich das Gefühl, dass es nicht so sehr das Alleinsein ist, dass sie vor die Tür treibt. Natürlich wird Einsamkeit – aus sozialpsychologischer Sicht die empfundene Diskrepanz zwischen dem gewünschten Umfang sozialer Kontakte und dessen tatsächlichem Ausmaß – zu einem Problem, wenn psychiatrische Vorerkrankungen, wie etwa Borderline-Störungen , Depressionen, etc. durch die aufgezwungene Isolation verschlimmert werden können. KÖNNEN nicht MÜSSEN! Und davon ab bietet unsere moderne Welt jede Menge Abhilfen, um auch in diesen Zeiten den Kontakt nicht missen zu müssen.

Mir ist bewusst, dass ich ein klein wenig polemisch argumentiere. Und mit Sicherheit gibt es psychisch Kranke, denen die Isolation Gewalt antut. Aber hier wird eine psychische Krise herauf beschworen, die so nicht existiert. Sie wird nur deswegen herbeigeredet, weil ein sehr großer Teil meiner Mitmenschoiden verlernt hat, mal nur mit sich selbst klar zu kommen! Es schlicht nicht aushalten will, für einen definierten Zeitraum auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, ohne die ganze Welt dauer-sendend informieren zu können (müssen), wie man draußen mit den anderen aus der eigenen Blase abhängt, shoppt, arbeitet, chillt, was weiß ich noch alles tut… Kommt klar, Gottverdammt! Ihr wart nie wichtig, ihr seid jetzt nicht wichtig und ihr werdet aller Wahrscheinlichkeit nach auch nie wichtiger werden. Haltet es aus und tut was Sinnvolles mit der Zeit. Dann kommt ihr nicht dazu, durchzuknallen. Und Tschüss!

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Fresh from Absurdistan N°4 – Asozial…?

Wenn man durch den Strom der Social-Media-Angebote dümpelt, kann man dieser Tage verschiedene Phänomene beobachten, die durchaus ein bisschen irritierend sind. Da sind einerseits Menschen, die sich öffentlich darüber echauffieren, dass es so viele asoziale Ar*******er gibt, die ihnen was wegkaufen – also Hamsterer-Hasser. Das die Hamsterer auf Grund drohender Shit-Storms nicht ihre Einkäufe teilen, kann als Indiz dafür gewertet werden, dass es sich dabei doch um halbwegs vernünftige Mitglieder unserer Spezies handelt – zumindest haben sie einen Überlebensinstinkt. Dann gibt es die Mahner, die jedes sich bietende Meme und Sharepic teilen, welches auf die Gefahren von Sars-CoV2 aufmerksam macht, ganz so, als wenn man das nicht eh schon auf jedem News-Channel bis zum Erbrechen vorgekaut bekäme. Überdies gibt es noch die Relativierer, die gerne auf einer “Das ist doch alles gar nicht so schlimm!”-Welle reiten wollen, obwohl es doch verdammt schlimm ist! Und dann gibt es noch, wie bei fast jedem relevanten Thema, die Aluhut-Träger. Ach ja, was wäre Storytelling nur ohne die Aluhut-Träger…

Wenn es nicht so verdammt traurig wäre, dass vorgeblich erwachsene Menschen sich auf derlei despektierliche, dreiste, dilettantische und ganz und gar dümmliche Art gerieren müssen, könnte man sich bei einigen Äußerungen echt wegschmeißen. Aber nach Millisekunden des Nachdenkens gehe ich dann doch lieber zu Thorsten Sträter. Der kommt wenigstens halbwegs ehrlich rüber; und seine durchaus humanistischen Betrachtungen über das Menschsein sind zumeist brüllend komisch. Das Problem ist indes, dass man sich dem Ausfluss dieser Menschoiden kaum verschließen kann, es sei denn man will vollkommen auf Social Media verzichten. Doch für mich als Pädagogen und Geschichtenerzähler ist dieser Teil des Internet ein Soziotop, auf das ich nicht verzichten kann und will. Also mime ich den Human-Tierfilmer, nehme das Gute und akzeptiere, dass ich mich dafür halt durch einen atomar großen Haufen Cerebral-Poo wühlen muss…

Genug aufgeregt. Asozial – was ist das überhaupt? Nach Buchdefinition reden wir wohl von Leuten, die ein Verhalten zeigen, welches von den gesellschaftlichen Normen abweicht. Na sauber, wir sind im Arsch, Leute. Denn Unfug teilen, aus der subjektiven Distanz der Anonymität im Internet Hasstiraden absondern und im Zweifel lieber dem Rattenfänger oder Verschwörungstheoretiker, anstatt dem ausgewiesenen Fachmann zu glauben, haben schon seit ein paar Jahren Konjunktur. All diese Verhaltensweisen hätte man noch vor zwei Jahrzehnten als schädlich für die Öffentlichkeit betrachtet und sozialer Druck hätte das Unterlassen derselben höchst wahrscheinlich gemacht. Doch heute… Man kann nun trefflich darüber streiten, ob sozial-konformes Verhalten tatsächlich gut für die Menschen und die Gesellschaft ist; und ob deviantes Verhalten nicht doch eher zu vorteilhaften Kulturveränderungen führen kann. Und mit Sicherheit sind nicht all diese Social-Media-Phänomene nur schlecht; was jedoch nicht den Umkehrschluss zulässt, dass sie automatisch gut sein müssen.

Nun kann man die Zeit nicht zurückdrehen, oder Pandoras Wunder zurück in die Büchse drängen – mal davon ab, dass wir dann ja auch die Hoffnung entsorgen müssten. Z .B die Hoffnung darauf, dass eine gewisse Zeit der Reife diese eher uncharmanten Auswüchse des Internet zurückgehen lässt. Vielleicht lachen wir in ein paar Jahren, wenn sich dann doch mal verbindliche Spielregeln durchsetzen, die nicht nach Gutdünken geändert oder re-interpretiert werden können, über diesen Zirkus und blicken mit einem nostalgischen Tränchen im Augenwinkel auf den “Wilden Westen der Informationstechnologie” zurück. Oder aber, es wird alles noch viel schlimmer und wir müssen irgendwann gar das Netz abschalten. Wie auch immer das gehen sollte….

Neulich war ich im Netz unterwegs und nach einer Weile der Diskussion mit einem selbst ernannten Historiker wurde es meinem Gegenüber zu bunt, weil seine Argumente nicht stichhaltig genug waren, mich zu überzeugen; und dann ging er zum “DU” über, was ich nicht gut fand. Ich sagte ihm das und er wurde persönlich. So läuft das heutzutage. Rezo ist fälschlicherweise der Meinung, das “DU” sei das “SIE” des Netzes, weil er davon ausgeht, das Netz stelle heute schon soziale Äquidistanz her. Das ist Bullshit! Vielleicht in 20 Jahren, aber heute noch nicht. Doch genau dieses Missverständnis befeuert die oben beschriebenen Auswüchse: Manche meinen, sich online gegenüber jedem das Gleiche herausnehmen zu können, weil das Netz gleich mache. Das Netz macht (vielleicht) anonym. Gleich macht es jedoch mitnichten. Und so lange diese soziale Gleichheit eine Illusion bleibt, wird vieles, was dort geschieht von vielen als asozial empfunden werden. Ganz gleich ob es das in der realen Welt auch ist, oder nicht.

Wir täten gut daran, mal ein bisschen Druck aus dem Propaganda-Kessel zu lassen. Vielleicht würde es helfen, eine Zeitschranke für die Beantwortung von Kommentaren einzubauen. Wenn man nämlich jedesmal 20 Minuten warten müsste, würde das so manche Amygdala-gesteuerte Dummheit unterbinden. Aber was weiß ich schon – ich bin ja auch nur ein Typ mit einer Meinung. Genug über Menschen nachgedacht – der Grill wartet. Was soll man auch sonst bei dem Wetter tun, wenn man keinen Ausflug machen kann. C U.

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Fresh from Absurdistan N°3 – “FFA” meets “Erwachsen bilden”…

Es ist schon eine neue Erfahrung, sich mit dem Dreh von “Lehrvideos” herumschlagen zu müssen. Ich bin ja Pädagoge, kein Mediendesigner. Deshalb habe ich es mir auch ziemlich einfach gemacht. Im Grund sitze ich an meinem Schreibtisch und male ein großes Blatt Papier voll, während ich etwas (hoffentlich sinnvolles) dazu erzähle. Frontalunterricht-Häppchen to go sozusagen. Mein Setup dafür ist denkbar einfach und kostet, sofern man über eine halbwegs akzeptable Home-Office-Ausstattung verfügt, eigentlich ziemlich wenig extra. Bei mir sind das ca. 15,00€ für ein recht einfaches Stativ und ca. 65,00€ für eine ordentliche Logitech Full-HD-Webcam. (Beides besitze ich allerdings schon seit einer ganzen Weile in mehrfacher Ausführung, weil ich damit auch Video-gestütztes Debriefing bei Szenario-Trainings realisiere). Das sieht bei mir in etwa so aus:

Der Schreibtisch steht ein bisschen voll…

Weit wichtiger als die technischen Aspekte, die zugegebenermaßen ein eher nicht hochwertig anmutendes Produktionsergebnis zu Stande bringen, sind allerdings die didaktischen und methodischen Erwägungen, welche dahinter stehen. So, wie wir im Präsenz-Unterricht einen Methoden-Mix aus Unterrichtsgespräch, Eigenarbeit, Trainings, etc. nutzen, um a) mehr als einen Lernkanal aktivieren zu können und b) das Investment der Teilnehmer bzw. Schüler zu fördern, so setze ich auch bei meinem Online-Grundlehrgang für Rettungssanitäter auf Methoden-Pluralität und eine präsente Moderation. Letzteres ist, da der Lehrgang quasi im Experimental-Stadium stattfindet, noch schwierig zu realisieren. Elemente wie eine Social-Media-Plugin konnte ich erst heute realisieren, daher ist noch nicht abzusehen, wie gut das laufen wird. Aber ist Erwachsenenbildung nicht immer erst mal nur ein Angebot…?

Ich nutze also meine Videos, problemhaltige Fallbeschreibungen mit dazu passenden Aufgaben, teilweise mit Audio unterlegte Präsentationen, kurze Lernzielkontrollen zur Selbstüberprüfung, Arbeitsaufträge im Zusammenspiel mit dem Kursbuch und geplant sind noch ein bis zwei Skype-Seminare, um offene Fragen zu klären und eine, im gerade implementierten Forum gemeinsam zu bearbeitende Gruppenaufgabe. Im Moment ist das Teilnehmer-Investment trotz des Aufwandes noch sehr zwiespältig zu beurteilen, aber ich setze Hoffnung in die Impulse, welche das Forum-Plugin eventuell setzen kann. Ich nutze übrigens ein ganz simples WordPress-CMS mit BuddyPress-Forum.

…und von der anderen Seite.

Ich weiß jetzt schon, dass die Kurs-Evaluation für mich ein Ritt auf der Kanonenkugel wird, weil ich einerseits – aus Zeitgründen – kein Tool meines Arbeitgebers genutzt habe und andererseits vieles on the fly improvisieren muss, für das ich mir unter normalen Umständen ein paar Tage, lieber aber ein paar Wochen Vorbereitungszeit nehmen würde. Aber wer hat schon den Luxus, über soviel Zeit zu verfügen? Zumindest eines kann man über die Angelegenheit sagen: ich konnte das Problem, irgendwie weitermachen zu müssen weitestgehend Kosten-neutral lösen. Und das ist in Zeiten von Corona ja auch schon etwas.

Allerdings nehme ich als Erkenntnis für die Zukunft mit, dass ich in meinem Bereich noch einige Briketts in Sachen Digitalisierung des Unterrichts nachlegen muss. Ich bin durchaus ein Technik-affiner und experimentierfreudiger Zeitgenosse, aber es darf halt nicht sein, dass man sowas mit der heißen Nadel stricken und dabei auch noch auf private Ressourcen zurückgreifen muss, damit’s just in time funktioniert. Wenn ich mich allerdings so umsehe, bin ich definitiv nicht allein mit dem Problem. Was man in dem Kontext so von den Allgemeinbildenden Schulen hört… Nun ja, wichtig ist vor allem, den gerade entstandenen Schwung in diesem Sektor mitzunehmen. Ideen habe ich jetzt einige, mal sehen was davon in der Zukunft weiter funktionieren kann.

In jedem Fall ist es ein anstrengendes aber auch spannendes Projekt, über dessen Früchte ich euch auch in der Zukunft auf dem Laufen halten werde. Bis dahin wünsche ich einen schönen Samstagabend. Bleibt daheim, bleibt gesund, bleibt locker. Denn nach der Krise ist vor der Krise…

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