Werte-Gemeinschaft – Part I

Da kommen Fremde, die bedrohen unsere Art zu leben und kosten unser Geld! Da wird im Internet schwadroniert, dass man sofort Maßnahmen zum Schutz unserer Grenzen ergreifen müsste und dass wir überdies schnellere Abschiebeverfahren, Tansitzonen und Grenzzäune bräuchten. Dass viele von denen die da kommen überhaupt nicht integrationsfähig oder –willig sind. Dass überall im Land die Kriminalitätsraten bereits jetzt explodieren würden und dass die Politik in wirklich allem auf ganzer Linie versagt hätte. Und überhaupt!

Darauf wird von diesen Menschen, deren Argumente, objektiv betrachtet durchaus nicht von der Hand zu weisen sind von ihren Gegenübern eine sachliche Debatte verlangt; und dann passiert leider etwas sehr dummes: statt Fakten zu zücken beginnt man mit Stereotypen wie etwa der Nazikeule auf das (zumeist virtuelle) Gegenüber einzudreschen, anstatt die Argumente pro Zuzug aufzubringen, die es in großer Zahl gibt und die so schwer gar nicht zu finden und zu vertreten sind. Aber genau DAS findet im öffentlichen Diskurs immer noch nicht statt, immer noch stehen sich auf der einen Seite die „Gutmenschen“ und auf der anderen die „Nazis“ unversöhnlich gegenüber, obwohl bei objektiver Betrachtung die Standpunkte oft gar nicht so weit auseinander liegen. Warum also nicht mal beides aufdröseln, dachte ich mir…

Ich verstehe, dass man Sorge darum hat, dass die derzeit unkontrollierte Zuwanderung eine Menge Probleme mit sich bringt, die insgesamt bedrohlich wirken können. Auch ich denke mir gelegentlich „Man, man, man, ist es wirklich so schwer unsere Sitten zu erlernen, sie einfach zu akzeptieren und sich erstmal friedlich in sein Schicksal zu fügen, bis wir Ordnung in das Chaos kriegen?“ Warum muss ich dauernd Rettungswagen in Flüchtlingsunterkünfte schicken, nur um da Sozialfeuerwehr zu spielen, weil das System mit diesem Ansturm einfach nicht zu Rande kommt? Warum sind diese Typen auch noch gewalttätig gegeneinander, obwohl doch so viele von ihnen vor Gewalt geflohen sind? Warum haben die teilweise so ein Anspruchsdenken? Auch ich werde von Stereotypen, Vorurteilen, einem diffusen Angstgefühl und Anflügen von Xenophobie heimgesucht, da macht euch mal keine Gedanken. Wer beruflich damit zu tun hat, findet es schon nach kurzer Zeit gar nicht mehr so toll, dieses euphorisch eingerautete „Wir schaffen das!“ Klar schaffen wir das, aber zu welchem Preis für mich, für meine Kinder, für jeden von uns? JA, ich habe auch Zweifel und Sorgen, aber nur an seinen Zweifeln und Sorgen wächst der Mensch wahrhaftig! Nehmt dies als Kalenderblattspruch und rahmt es euch ein!

Ich will, dass all jene, die in diesen Tagen solche Angst haben vor dem Flüchtlingsansturm sich daran erinnern, warum unser Land für uns eine so gute Heimat ist, warum diese anderen Menschen auch davon träumen, sich hier eine Zukunft aufbauen zu können – und was es tatsächlich bedeutet ein Deutscher zu sein. Denn gerade eine Rückbesinnung auf die Tugenden, die unser Land nach dem Krieg und Terror durch die Nazi-Herrschaft wieder groß gemacht haben könnte helfen zu verstehen, dass Angst das Letzte ist, was uns jetzt hilft! Sie treibt uns zu den Rattenfängern, Heilsversprechern und Unheilspropheten, die nur eines im Sinn haben: sich selbst groß zu machen auf Kosten der Schwachen, die keine Liga, keine Lobby und auch keine Macht haben. Denn all diese besorgten Bürger, die so eifrig unsere Kultur, unsere Heimat, unseren Wohlstand gegen „die Invasoren“ verteidigen wollen, übersehen dabei geflissentlich, dass ihr Tun die Basis unseres Zusammenlebens ad absurdum führt. Doch eins nach dem anderen! In den nächsten Tagen erscheint eine Serie von Artikeln, die sich mit den Dingen befasst, die uns vermeintlich als Nation einen und die es angeblich so vehement zu verteidigen gilt. Es ist mir, nachdem ich in letzter Zeit immer mehr Bullshit lesen musste ein Bedürfnis, noch einmal ausführlich darzulegen, wie ich denke und was das konkret bedeutet. Und weil das zu viel Content für einen Artikel ist, gibt’s eben mehrere. Also in diesem Sinne bis morgen.

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