Urlaub, aber richtig!

Mehr als 1.000 Kilometer einfache Strecke. Immer wieder die Suche nach einem bezahlbaren und dennoch schönen Domizil, incl. der Abwägung, was in der Beschreibung alles beschönigend sein könnte und wieviel Wahrheit die Bilder wohl tatsächlich erzählen; weiß ich doch selbst gut genug, wie man mit Bildausschnitt, Belichtung etc. kreativ schummeln kann. Manchmal die bange Frage, ob auf der Anreise alles glatt geht, ob man auch an alles Wichtige gedacht hat, ob die Kinder (und manchmal auch die Partnerin) einen einfach in Ruhe fahren lassen, usw. Und das alles für gerade mal zwei bis drei Wochen Abstand von zu Hause, dessen erholsame Wirkung überdies allzu oft bei der ersten Berührung mit dem Feind, ähm ich meine der Arbeit in wenigen Sekunden verdampft. Wenn man nur die statistischen Fakten betrachtet, vulgo die Kosten-Nutzen-Rechnung, dann spricht nicht allzu viel dafür, im Urlaub wegzufahren. Könnte man zumindest meinen – aber da scheiß ich drauf!

Ich werde hier jetzt nicht dem bürgerlichen Ideal von der Bildungsreise das Wort reden, noch werde ich darauf eingehen, dass auch (Pauschal)Strandurlaub mit Party und (über)mäßigem Alkoholgenuss was für sich haben kann. Oder alles was irgendwie dazwischen liegt, pichelt doch der Bildungsbürger anstatt Shots und Bier oft genug Rotwein und zwar nicht wenig davon und der gern geschmähte Pauschaltouri nimmt auf dem Weg gelegentlich sogar etwas Kultur zu sich … Abseits all dieser wohlfeilen Klischees versuche ich jedoch mittlerweile, das Komplettpaket als den Weg zu sehen, der mir zugleich das Ziel sein sollte. Klar, ich empfinde Behinderungen und erzwungene Umwege auch heute noch als nervig, ärgerlich, ermattend, aber mit zunehmendem Alter wird man tatsächlich gelassener und der Fokus wandert mit dem Wanderer. Da wo ich hin reise, soll es NICHT genauso sein wie zu Hause. Warum auch, dann müsste ich ja nicht reisen. Komfort hat für mich auf Reisen eine andere Definition, wenn ich manche Dinge nicht auf die gewohnte Art, oder auch mal gar nicht bekomme; immerhin habe ich dafür Zugriff auf Anderes – zum Beispiel eine Hängematte und genug Zeit, darin herumlümmelnd ein interessantes Buch zu lesen. Was ein interessantes Buch ist, definiert jeder für sich, aber allein der Luxus, nicht um ..… in ..… sein zu müssen, weil man es versprochen hat, oder schlicht schnödes Geld dafür bekommt, lässt mich lächeln.

Es wird immerzu davon gesprochen, dass wir uns Auszeiten nehmen müssen, damit wir den Rest des Jahres auch perfekt pausenlos roboten können, am besten möglichst viel für möglichst wenig und ohne zu murren. EFFIZIENZ – ich kann dieses verfluchte Wort nicht mehr hören und so wie es uns in der Arbeitswelt verfolgt, einem ungerechten, rachsüchtigen Gott gleich, schleicht es sich in unsere Freizeit und auch unseren Urlaub. Mag sein, dass ich meine Arbeit ordentlich und zur Zufriedenheit der Feststellungsberechtigten erfülle, aber selbst dann verweigere ich mich bewusst Aufforderungen, einfach durch jeden Reifen zu springen, den mein Boss mir hinhält, es sei denn ich respektiere seine Meinung und halte es gerade für sinnvoll. Denn Kunststücke um des Kunststückes willen sollten nur Künstler und Artisten aufführen. Und im Urlaub? Nun da ist es effizient genug, irgendwann nachher Essen zu machen, nachdem man einfach mal durch den Laden mäandert ist, um sich inspirieren zu lassen (was ich allerdings daheim auch oft genug tue). Der Tag hat keine Struktur und er braucht sie auch nicht, denn das, was getan werden möchte, passiert dann, wenn es passiert; also genau zum richtigen Zeitpunkt, wann auch immer der sein mag. Ich bin schließlich auf Reisen und nicht auf der Flucht… 😉

Familienurlaube sind nie perfekt. Immerzu passiert irgendwas, das nicht auf der Agenda stand, selbst wenn es eigentlich keine Agenda gibt. Manchmal möchte man eigentlich allein sein, was aber gerade nicht möglich ist und das Wetter ist ja auch nie so, wie man es sich erhofft hatte und, und, und. Ja und was? Ja nix, weil man das Leben nicht zu schwer nehmen darf. Nicht im Urlaub. Dazu ist er nämlich zu kurz. Man sollte sich nur nicht der Illusion hingeben, dass man irgendwie Erholung nach Hause mitnehmen könnte, man muss sie dann genießen wenn sie stattfindet. Dann werden Ort und Stilpräferenzen vollkommen nebensächlich. In diesem Sinne – schöne Ferien!

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