„Statikultur“ – oder warum dumme Menschen glauben, dass Veränderung gefährlich ist!

Jo mei, der Söder, dieser alte Populistenbazi. Man sieht schon daran, dass man nur einen Buchstaben ändern müsste, um genau erkennen zu können, wo dieser Mann politisch wirklich steht. Jetzt hat er gesagt, dass der „Zustrom an Asylsuchenden die Statik unserer Kultur nachhaltig beeinflussen würde“; gemeint war natürlich, „diese Fremden machen mir mein Land kaputt, weil sie unsere Kultur nicht respektieren und sich nicht einfach assimilieren lassen“. Das Kultur an sich nichts Statisches, also Feststehendes, Unveränderliches ist und somit ihrer Natur nach auch keine inhärente Statik haben kann, ignoriert er dabei geflissentlich. Vielleicht hat er dies auch bis heute nicht kapiert, würde mich bei seiner Vita nicht wundern, ist Markus Söder doch vor allem an Markus Söder interessiert. Aber da ist er ja nur einer von vielen (Politikern)…

Nun ist es aus meiner Sicht so, dass wir einfach viel zu viele Leute von den beiden gesellschaftlichen Extremrändern haben, welche die Debatte um Sinn und Ziel von Zuwanderung in Zeiten wie diesen an sich gerissen haben und mit ihrem dogmatischen Geschrei jede Position in der Mitte niederbrüllen. Dabei werden oft möglicherweise richtige Dinge aus den falschen Motivationen heraus geäußert. Für die Unternehmer ist eine größere Konkurrenz um beschissen bezahlte Jobs – die zu noch beschissener Bezahlung führen wird, auch wenn’s keiner zugeben will – natürlich sehr willkommen. Gewiss gibt es unter den Migranten viele gut ausgebildete Menschen ; das Gegenteil ist aber mindestens genauso oft der Fall, da in den Herkunftsländern eine geordnete Berufsbildung wie in der BRD nur selten stattfindet, woraus folgt, dass viele nicht über eine fundierte Ausbildung im hier üblichen Sinne verfügen, oder aber keine Zertifikate über ihre Fähigkeiten vorweisen können. Und die landen alle in prekären Beschäftigungsverhältnissen, welche es nur deshalb gibt, weil Wirtschaft und Politik so verdammt gut vernetzt sind => lest endlich mal was Vernünftiges, zum Beispiel Colin Couch.

Aber es gibt auch andere Positionen. Die einen zelebrieren Willkommenskultur aus dem bislang unbefriedigten Bedürfnis heraus, gute Menschen zu sein – und es auch zeigen zu können. Die anderen wissen instinktiv, dass die Konkurrenz um ihre beschissen bezahlten Jobs oder auch staatliche Transferleistungen härter werden wird und fackeln dann Asylbewerberunterkünfte ab. Ja, der Spruch ist plakativ und nicht jeder mentale Nazi wird wirklich so radikal. Die meisten sondern nur verbalen Ausfluss ab, der mit „aber…“ endet. Auch das ist allerdings wenig hilfreich. Irgendwo in diesem Spannungsfeld zwischen Abstiegsangst, blindem Hass auf alles Fremde, opportunistischen Ausbeutungsinteressen, Gutmenschenreflexen und weitgehend planlosen, von ihren unreflektierten Doktrinen getriebenen Verantwortlichen liegen ein paar Wahrheiten, die für beide Parteien schwer verdaulich sein dürften.

Ja, es gibt Probleme: die Leute die hier ankommen sind nicht alle nett und devot und friedlich und können nicht von alleine unsere Sprache, geschweigen denn das sie alle Regeln kennen können, die hier gelten. Sie können oft auch nicht mit den anderen Asylbewerbern, weil sie aus den unterschiedlichsten Kulturen kommen, teilweise traumatisiert sind und dann hier auf engstem Raum eingepfercht werden müssen, weil sich niemand frühzeitig besonnen hat, dass die Grenzen aufzutun eine Sogwirkung haben könnte, die nicht mehr kanalisierbar ist. Logistisch war keiner auf solch einen Ansturm vorbereitet, weil das Bundesinnenministerium monatelang den Kopf in den Sand gesteckt hat, nach dem Motto „wenn ich es nicht sehe, ist es auch nicht wahr!“. Überdies hat man uns alle mit zu kleinen Zahlen bewusst belogen. Vor allem die Bundespolitik hat versagt, mit Ansage und auf ganzer Linie!

Die Folgen sehen wir nun in unseren Kommunen, vor unseren Haustüren: Unterkünfte, die aus allen Nähten platzen, was regelmäßig zu Auseinandersetzungen mit Polizei und Rettungseinsätzen führt. Wen’s wundert, sind die LEAs und BEAs sozial und medizinisch doch wie Schnellkochtöpfe auf zu heißen Platten. Diese Symptome schlechten Managements, schlechter sozialer und medizinischer Betreuung durch mangelhaft ausgebildetes und überfordertes Personal – abgestellt von privatwirtschaftlichen Unternehmen, die sich hier einfach nur goldene Nasen verdienen wollen – und daraus sichtbar resultierenden Konflikten sind natürlich Wasser auf den Mühlen der „Ich bin ja kein Nazi, aber…“-Fraktion. Dabei wären all diese Folgen vermeidbar gewesen, wenn man a) von Anfang an ehrlich zu sich, uns und vor allem den potentiellen Zuwanderern gewesen wäre, b) viel früher, umfassender und entschlossener in Syrien bzw. gegen den IS interveniert hätte und c) Schäuble, diesen größten aller Demokraten endlich in die Rente geschickt hätte. Dann hätte er nicht so viel Porzellan zerschlagen und so viele Menschen kaputt gespart, diese dumme, alte Schwabe!

Abseits all dieser Probleme könnte man nun das ehrenamtliche Engagement loben, dass vielerorts die letzte Barriere vor einem endgültigen Kollaps der Situation darstellt. Und tatsächlich haben die Helfer für ein warmes Dankeschön Großartiges geleistet. Doch mittlerweile laugt dieses fast selbstverständliche Abrufen von Leistungen, die eigentlich für Katastrophenfälle gedacht waren alle Beteiligten aus und schmälert unsere Kapazitäten für die Bewältigung stets möglicher, anderer Krisen fast bis auf Null. Die Flüchtlingskatastrophe wird zur Normalität gestylt, die Zeche soll wieder die Zivilgesellschaft zahlen und damit jeder von uns, egal, ob er aktiv hilft oder nur sekundär darin verwickelt wird. Und der Finanzminister will in anderen Ressorts sparen. Wahrscheinlich bei der Bildung und im öffentlichen Dienst, die können sich ja am schlechtesten wehren, weil diese Bereiche schon lange keine Lobby mehr haben.
Hätte Frau Dr. Merkel einen Arsch in der Hose, flöge sie nach Damaskus, um Assad die Leviten zu lesen. Kanonen-Uschi würde schon mal einen Syrien-Einsatz planen. Der alte Schwabe würde die Kohle auftreiben, ohne jene zu gängeln, die eh schon zu wenig haben. TTIP-Siggi würde zusammen mit Lobby-Andrea ein Konzept erarbeiten, wie man schnell und effektiv von staatlicher Seite Beschäftigung fördert, indem man Sozialarbeiter, medizinische Fachangestellte und Kommunale Angestellte zur Bewältigung des Flüchtlingsstromes anstellt und staatliche Bauprojekte für LEAs und BEAs mit menschenwürdiger Ausstattung und Platzangebot ankurbelt. Damit könnte man auch gleich Arbeitsplätze für Neubürger schaffen, die sich dann gleich um ihre Nachfolger verdient machen könnten, während der näselnde Saarländer ein vernünftiges Zuwanderungsgesetz entwerfen lässt. Für Altbürger, die wirklich arbeitswillig sind fände sich da gewiss auch jede Menge Beschäftigung.

Und was passiert stattdessen? Jeder ist krampfhaft bemüht, sich in eine gute Position für den nächsten Wahlkampf zu bringen, es bewegt sich nichts, die Stimmung wird immer schlechter und die Situation immer bedrohlicher. Keinen Arsch in der Hose, keine nachhaltige Vision – sorry Steinbück, aber deine dummen Äußerungen holen dich bei mir immer wieder ein – alles nur Reaktion und die stets zu klein, zu langsam, zu wenig, zu zaghaft, zu politisch. Es fehlt nicht viel, dass radikale Kräfte endgültig die Deutungshoheit übernehmen und Mutti rautet immer noch von sich selbst berauscht von Gipfel zu Gipfel, ohne wirklich was zu reißen. Jetzt wisst ihr, warum ich in letzter Zeit nichts geschrieben habe: ich hatte vor lauter Arbeit und Kotzen keine Zeit zum Schreiben…

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