Eine kleine Anleitung zum kritisch-sein…

Irgendwie habe ich in den letzten Tagen häufiger beobachtet, dass Menschen, mit denen ich durch diese große, blöde Webseite mit dem Fratzennamen verbunden bin unreflektiert Blödsinn teilen…mal wieder. Dabei ist es so verdammt einfach, die Seriosität eines Artikels, oder auch einer ganzen Webseite zu überprüfen. Und weil ich den Eindruck habe, das manche Menschen hierbei vielleicht doch etwas Nachhilfe brauchen könnten, habe ich eine ganz einfach Anleitung zusammengestellt:

[ACHTUNG – WICHTIG] Wer natürlich meint, auch weiterhin unreflektiert Nazi-Scheiße in meine Timeline spülen zu müssen, den kicke ich ohne weitere Vorwarnung. Ich habe von diesem ganzen “Das-wird-man-doch-noch-sagen-dürfen”-Gesülze nämlich so dermaßen die Schnauze voll, dass ich sonst leider nicht jedermanns körperliche Unversehrtheit garantieren kann. [ENDE]

  1. Quelle überprüfen: Woher stammt der geteilte Artikel? Oft ist die Herkunfts-Webseite leicht ermittelbar. Wenn es einfach nur ein Meme von einer anderen Facebook-Seite ist, wird es schon schwierig mit der Glaubwürdigkeit.
  2. Impressum der Quelle überprüfen: Ist eines vorhanden, gehen wir direkt zum dritten Punkt. Ist keines vorhanden – Artikel sperren, weil er nicht als seriös eingestuft werden kann. Keine halbwegs seriöse Institution hat kein Impressum. (Ist übrigens in Deutschland überdies ein Rechtsverstoß gegen §5 TMG und §55 RStV).
  3. Glaubwürdigkeit des Impressums überprüfen: Nun glauben die ersten, ich sei paranoid, aber hierzu ein kleines Beispiel von heute: jemand verlinkt einen Artikel von der sogenannten “Bundesdeutschen Zeitung”. Deren Impressum findet sich hier: Eine Online-Redaktion in Schweden, eine Adresse unter den Linden, unter der sich laut Google ein Restaurant befindet und eine Telefonnummer, die zwar nach Berlin gehört, jedoch nicht zur Adresse passt…? Schlussendlich die Webseite, die sich den Anstrich einer seriösen Zeitung gibt, etwa nach den bekannten Vorbildern SZ, FAZ, NZZ. Den Untertitel “Qualitätsjournalismus durch Wissensvorsprung” finde ich angesichts meiner Recherche-Ergebnisse wenig überzeugend.
  4. Autoren recherchieren: zu Journalisten (seriösen ebenso wie tendenziösen) gibt es eine Vita, die in aller Regel Aufschluss über Gesinnung etc. zulässt. Ich habe keine Probleme mit liberalen und echten konservativen Positionen. Nur mit Populismus, Chauvinismus, Rassismus möchte ich nicht behelligt werden.

Oh mein Gott, so viel Aufwand, wenn ich etwas teilen möchte? Aber die haben doch Recht, wir können doch nicht…..! Nein, meistens haben die nicht Recht, sondern nur Angst und Hass im Herzen, die sie überall zu verbreiten suchen. Die von mir oben beschriebene Vorgehensweise dauert ca. 3-4 Minuten und verhindert hoffentlich, dass wir ein 4. Reich bekommen. Das ist es mir immer wert. Denkt mal drüber nach, bevor ihr wieder unreflektiert irgendeinen Dreck verlinkt. Schönen Tag noch.

Auch zum Hören…

Me, Self and I #04 – allzu optimiert?

Der Homo Oeconomicus. Das Schreckgespenst meines Lebens. Eine künstliche Figur aus der Wirtschaftswissenschaft, die ihr gesamtes Leben der Nutzenmaximierung unterwirft. Das betrifft in der Theorie alle Bereiche des Lebens und ist, zu Ende gedacht, natürlich ein Albtraum für jedes halbwegs empathische Wesen. Ich will nicht in Abrede stellen, dass man idealisierte Denk-Figuren für analytische Zwecke braucht; insbesondere in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Dennoch feiert die daraus abgeleitete Denke immer wieder Urständ in den Medien.

Ich habe immer mal wieder Einlassungen zu den Themen Selbst-Optimierung und Work-Life-Balance veröffentlicht. Letztlich bin ich heute an dem Punkt angelangt, dass ich dieses ganze Geschwafel für Augenwischerei halte, die nur das Ziel hat, uns noch etwas mehr Arbeitsleistung abzupressen, damit andere noch mehr Geld für eine Pulle Schampus bezahlen können. Sorry, wenn ich jetzt klinge wie ein Sozialist mit Fackel in der Hand, aber gehen wir’s doch mal kurz durch, wer alles von Selbst-Optimierung spricht:

  • Krankenkassen mit Bonus- und Erziehungsprogrammen für einen gesünderen Lebensstil. Warum machen die das? Weil sie an ihren Kunden Geld sparen wollen, denn Krankenkassen sind nicht mehr einfach Sachwalter der fiskalischen Abwicklung von Gesundheitsdienstleistungen sondern profitorientierte Konzerne. Wie gut das der individuellen Gesundheit tut, darf sich jeder gerne selbst ausrechnen. So lange Krankenkassen-Vertreter Boni bekommen, wenn sie die Budgets z.B. für den Rettungsdienst besonders schmal verhandeln, habe ich kein Vertrauen in diese Läden.
  • Ratgeber-Autoren, die mit dem Trend Kasse machen wollen. Es ist schon irritierend, wie oft z.B. der “Stern” in den letzten Jahren anstatt investigativem Journalismus riesige Leitartikel zur Verbesserung des Lebensstils gebracht hat und dabei auch ein ums andere Mal Autoren gepuscht wurden. Ein Schelm, wer was Böses dabei denkt.
  • Arbeitgeber, die mit cooperative Workspaces und flexiblen Arbeitszeitmodellen locken, die – sozialpsychologisch erwiesen – nicht selten in Selbstausbeutung bis hin zum Burnout münden.

Das ist natürlich nur eine Seite der Medaille. Es gibt mittlerweile auch genug Medien, in denen derlei ein differenzierteres, ja sogar kritisches Echo hervorruft; mündiges Googeln soll ja tatsächlich manchmal helfen. Denn bei all den Anforderungen, die an uns herangetragen werden, liegt es letzten Endes an jedem selbst, was er oder sie daraus macht. Und so ganz individuell optimiere ich am liebsten meine Denke…

Will heißen ich versuche informiert zu sein / zu bleiben, um mündige Entscheidungen für mich selbst treffen zu können. Ich bin dabei keinesfalls immer vernünftig (insbesondere beim Umgang mit meiner Physis) weil ich mir die Freiheit herausnehme, selbst entscheiden zu wollen, was schlecht für mich ist. Frei nach James Bond esse ich zu viel rotes Fleisch und zu viel Weißbrot; die trockenen Martinis habe ich allerdings durch Single Malt ersetzt. Klingt das clever? Nö! Aber bei allem, was ich tagein, tagaus auf unterschiedlichsten Ebenen für andere tue, gestatte ich mir sehenden Auges Torheiten, weil es meiner Psyche gut tut. Mindestens genauso gut, als mir hier dann und wann meine Rage vom Leib zu schreiben.

Aber mit Selbstoptimierung bleibt mir bitte vom Hals. dazu fällt mir nur dieses Lied von “Großstadtgeflüster” ein! Schönen Tag noch…

Ach ja: die nächste Folge ist “…allzu Kreativ?”

Auch zum Hören…

Kinder kriegen ist nicht schwer…

Kinder haben dagegen sehr. Daran ist wohl absolut nix neues und wer sich dafür entschieden hat, zunächst recht kleine Menschen in sein Leben lassen zu wollen, wird sich dafür im Normalfall zumindest ab und an mal ohrfeigen wollen. Das ist nicht böse gemeint; unser Kleinen geben uns ja soviel zurück. Neben Liebe und Freude unter anderem Kosten, Stress, Arbeit und Nervenzusammenbrüche. Ich liebe meine Kinder wirklich, aber manchmal könnte ich sie auf den Mond schießen, wenn’s nur nicht so verdammt teuer wäre.

Und nun kommt Frau Verena Brunschweiger daher mit ihrem Buch gegen das Kinderkriegen. Sapperlott, die traut sich aber was…oder…? Die Diskussion um das Buch offenbart, das Kinder in dem Werk u. A. als ökologisches Problem argumentiert werden. Überdies seien Eltern egoistisch, weil sie Kinder in die Welt setzen und dann die Kinderlosen dazu auffordern würden, sich finanziell an der Aufzucht der Brut zu beteiligen. Außerdem bedeuteten Kinder für die Eltern einen Verlust an Selbst… Um die Logikfehler aufzuzeigen, deklinieren wir diese Argumente doch einfach mal bis zum bitteren Ende durch.

So sehr ich in den dunkleren Stunden des Elterndaseins den letzten Punkt bejahen möchte und mir wünschte mehr persönliche Freiheit zu haben, desto mehr könnte ich bei den beiden anderen Punkten so ausgiebig kotzen, dass ich danach direkt wieder Heißhunger hätte. Man könnte viele Gründe dafür finden, keine Kinder in diese Welt zu setzen, wenn man danach sucht. Aber das ökologische Argument ist haarsträubender Unsinn, weil es zeigt, dass Frau Brunschweiger Zeit als rein lineares Konstrukt erlebt und die Lernfähigkeit des Menschen insgesamt in Abrede stellt – und das als Gymnasial-Lehrerin.

Es mag sein, dass Kinder in den ersten Jahren ihres Lebens Abraum erzeugen und einen schlechten CO2-Footprint haben. Dieses Argument lässt jedoch die Entwicklung der Kinder, die Wege die sie nehmen und es wahrscheinlich besser als wir machen werden vollkommen außer acht. Kinder in diese Welt zu setzen bedeutet aus meiner Sicht die Hoffnung darauf, dass sie zusammen mit meiner Generation in der Lage sein werden, einiges zu reparieren. Diese Hoffnung nicht anzuerkennen bedeutet, der Spezies Mensch das Recht auf die Weiterexistenz abzuerkennen. Und so sehr ich manchmal mit unserer, mit meiner Spezies auch hadere – abgeschrieben habe ich sie noch lange nicht.

Kommen wir zum fiskalischen Bereich: Diese Kinder werden in naher Zukunft Frau Brunschweigers Gehalt, mein Gehalt, meine Rente, Frau Brunschweigers Rente und noch viele andere Dinge finanzieren. Wenn Kinderlose also der Meinung sind, sie würden hier sinnlos Geld verpulvern für diejenigen, die so blöd waren, sich ein oder mehrere Blagen ans Bein zu nageln, dann irren sie; sie investieren lediglich indirekt in diejenigen, die ihre Zukunft erträglich machen werden, selbst wenn sie so egoistisch waren, nicht ihren Teil zum Erhalt der Sozialsysteme beizutragen. Dafür schulde ich – als Bezieher, sowohl von direkten Transferleistungen wie Kindergeld, als auch indirekten, wie etwa Kinderfreibeträgen, etc. – niemandem auch nur einen feuchten Händedruck. Deutschland ist eine Solidargemeinschaft. Und die selbsternannten “Leistungsträger”, die das immer noch nicht kapiert haben, sind die wahren Problemfälle.

Ich weiß gar nicht, warum mich die Frau so aufregt. Vielleicht ist es ihre selbstgefällige Fletsche, vielleicht auch einfach nur der unerträgliche Egoismus ihrer Schreibe? Ich wünsche dem Büchner-Verlag trotzdem ein gutes Geschäft. Sozialwissenschaftliche Fachverlage haben’s nicht einfach und wir brauchen die; auch wenn diese Publikation aus meiner bescheidenen Sicht schlicht Scheiße ist. Schönen Tag noch.

Auch zum Hören…

Me, Self and I #03 – allzu privates.

Arbeit ohne Ende. Ohne in’s Detail gehen zu wollen, aber die letzten 10 Tage hatten es in sich. Drum hat es auch länger gedauert. Gedanken zum Thema habe ich mir schon lange gemacht. Oder besser – ich tue das andauernd. Denn es gibt wenige Themen, die so kontrovers diskutiert, aber auch gelebt werden, wie “Privatspäre”. Womit wir auch schon am ersten Problem angelangt wären: was ist denn das, diese sogenannte “Privatsphäre”?

Näher wir uns der Sache juristisch, finden wir den Artikel 2 des Grundgesetzes, sowie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Hier ist festgelegt, dass es bestimmte Bereiche unseres Lebens gibt, auf die weder andere Menschen (auch Konzerne) noch Ermittlungsbehörden einfach so zugreifen dürfen. Dass es mit dem tatsächlichen Schutz nicht immer soweit her ist, wie einen das bloße Lesen der Gesetzestexte vielleicht suggeriert zeigen die Debatten um z.B das Polizeiaufgabengesetz in Baden-Württemberg und Bayern. Man mag die Bedenken der Beschwerdeführer teilen, oder auch einfach glauben, dass die Polizei ihre Befugnisse schon verantwortungsbewusst einsetzen wird – einfach ist der Themenkomplex nicht. Denn von den vielen wird ein Eingriff in die Privatsphäre als Angriff auf ihre Bürgerrechte verstanden.

Dies berührt die Frage, wie viel Einschränkungen die Bürgerrechte verkraften, bevor die freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres Staates bedroht ist. Doch dieser Frage werde ich mich demnächst in einem anderen Post widmen. Heute soll es eher um die feine Trennlinie zwischen privat und öffentlich gehen. Denn beides agiert auf vielfältigere Art miteinander, als ich dies in einem einzelnen Blogpost darstellen könnte.

Das Gefühl dafür, wie viel Privatspäre ich brauche, scheint bei Menschen höchst unterschiedlich ausgeprägt zu sein. Ein einfacher Blick in die sozialen Netzwerke offenbart dabei eine beinahe erschütternde Bandbreite an Sorglosigkeiten. Fast scheint es, als wenn die Annehmlichkeiten, welche die Preisgabe von Daten zum Beispiel bei Konsumtätigkeiten mit sich bringt (schnelle, unkomplizierte, beinahe Berührungsfreie Abwicklung, Lieferung frei Haus, am besten gleich, etc.) die virtuelle Nacktheit rechtfertigt, die dabei zwangsweise entsteht. Die Einfallstore für den Missbrauch dieser Daten (bis hin zum Identitätsdiebstahl mit den Folgekosten) werden dabei vollkommen ignoriert. Selbst der Umstand, dass Personaler (übrigens auch ich) potentielle Job-, oder Ausbildungsplatz-Kanditaten googeln oder facebooken, scheint vielen vollkommen egal. Oder ihnen ist schlicht nicht bewusst, wie leicht man online gefunden werden kann; selbst mit verdrehtem Facebook-Namen…

Ein weiterer Punkt ist die politische oder ethische Gesinnung. In der vermeintlichen Anonymität des Netzes (oder in der Ignoranz der eigenen Außenwirkung) werden Aus- und Ansagen getroffen, die man wahrscheinlich sonst nicht unbedingt tätigen würde. Die Mitgliederzahl der “das-wird-man-ja-wohl-noch-sagen-dürfen!”-Fraktion scheint in meinem Bekanntenkreis auf gleichbleibend niedrigem Niveau zu stagnieren. Was aber nur daran liegt, dass ich offenkundige Nazis gleich aussortiere. Und mit Nazi meine ich Menschen, die unsere Gesetze verbal missachten, sich Ausländer- oder Minderheiten-feindlich äußern, oder eindeutige Zeichen auf ihren sozialen Seiten haben. Da gibt’s auch kein “Na ja, war vielleicht ein Ausrutscher…” Wer Sticker und Memes in den Farben der Reichskriegsflagge und mit eindeutig fremdenfeindlichen Texten auf seiner Seite hat, ist kein Patriot, sondern entweder extrem naiv und dumm, oder ein Nazi. Ende der Diskussion!

Was ich in meinem Kämmerlein über Manches denken mag und was ich öffentlich äußere… die Gedanken seien frei, hieß es einmal. Und sicher darf man denken. was man will, sofern daraus kein Unrecht an anderen erwächst. Auch mir entfleucht manchmal in den heimatlichen vier Wänden mal eine Äußerung, die eventuell sogar justiziabel sein könnte (allerdings eher linker Natur). Ich käme jedoch nie auf die Idee, meine politische Meinung und meine Arbeit miteinander zu verquicken. Von daher empfinde ich eine rote Linie zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen als notwendig. Doch sie wird von immer mehr Menschen ignoriert, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Denn je mehr ich den Begriff Privatsphäre durch mein eigenes Tun oder Lassen (Stichwort: Selbstverdatung) entwerte, desto mehr wecke ich die Begehrlichkeit des Staates nach der endgültigen Schöpfung eines gläsernen Bürgers.

Doch dieser Gedanke gruselt mich. So sehr ich meine mediale Präsenz schätze und pflege – es gibt Aspekte meines Selbst, die andere, insbesondere Fremde und den Staat nichts angehen. Denn sollten wir jemals wieder einer Autokratie entgegen gehen, muss ich in den Untergrund, da ich den Nazis zur Not auch mit der Waffe in der Hand entgegen trete, bevor ich ein viertes Reich zulasse! Bereits mit dieser Äußerung habe ich zuviel gesagt. Aber ich möchte jeden dazu anregen, sich selbst darüber klar zu werden, wie viel von sich er, oder sie, oder es da draußen bekannt geben möchte. Privatsphäre bedeutet ein Stück Macht gegenüber jenen, die Macht über uns alle erlangen wollen. In diesem Zusammenhang sei jedem noch mal dieses Stück von Reinhard Mey empfohlen. Ich wünsche eine schöne Woche.

Ach ja, als nächstes kommt in dieser Reihe “allzu optimiert…?”

Auch zum Hören…

Me, Self and I #02 – allzu ökologisches…?

Dieselskandal, Gammelfleisch, Bienensterben, Klimeerwärmung, Veganismus. Punkte, über die man sich Gedanken machen kann, gibt es im Themenkreis “Ökologie” wirklich mehr als genug. Doch während der Planet immer noch ungebremst mit Wucht auf das Dicke Ende zusteuert, jammern fast alle, dass die Politik entweder nichts (Tierschutz, Bio-Siegel, etc.) oder zuviel (Dieselfahrverbote) tut. Während irgendwelche unnötigen Politikoiden wie Andreas Scheuer munter den populistischen Fähnchendreher geben, um ja ihr persönliches Schäfchen (Anschlußvertrag als Industrielobbyist) ins Trockene zu bekommen. Böcke und Gärtner und so…

Ökologisches Handeln beginnt bei mir selbst. Bei Müllvermeidung. Dabei, NICHT im Winter eingetütete Beerenfrüchte aus Südamerika zu kaufen (im Übrigen auch kein Quinoa, denn die Haupterzeugerländer sind heutzutage Peru, Bolivien und Ecuador => vielen Dank für die durch den Transport versaute C02-Bilanz. Graupen tun es auch.) Bei der Reduktion des Fleisch- und Wurstkonsums und einer bewussteren Auswahl dessen, was auf den Tisch kommt. Zum Beispiel durch regionalen, saisonalen Einkauf. Bei der Frage, wofür ich ein Auto tatsächlich brauche und wo ich zu Fuß (mit dem Fahrrad, mit ÖPNV) nicht genauso gut hinkomme. Wie und wohin ich reise. Also bei vielen Dingen, auf die jeder einzelne von uns sehr leicht Einfluss nehmen kann.

Es ist bequem – und natürlich dieser typisch deutschen Besitzstandswahrer-Mentalität geschuldet – darauf bestehen zu wollen, dass alles einfach immer genauso weiter gehen muss, wie es schon immer war. Was ist denn immer? So ca. die letzten 40-50 Jahre, da sich der Wohlstand hierorts ausgebreitet hatte. Nur so als kleiner Tipp: der Wohlstand der ersten Welt beruht zu großen Teilen auf der Ausbeutung der dritten Welt. Da spielt das koloniale Erbe Europas genauso eine Rolle, wie die paternalistische Hilfspolitik seit dem Ende der Kolonialherrschaft.

Und natürlich werden jetzt wieder irgendwelche “Abers” aus der Ecke jener kommen, die sagen, dass sich doch gar nicht alle ein ökologisch sinnvolles Leben leisten können, weil das alles so teuer sei. Zum einen ist das eine überholte Vorstellung, weil nachhaltig eben NICHT bedeutet, jedem hippen Scheiß hinterher rennen zu müssen (Hipster nerven eh nur), sondern bei seinen Konsumentscheidungen bewusst vorzugehen. Das erfordert Anstrengungen und Nachdenken, aber es lohnt sich, denn die Alternative ist, dass wir alsbald alles kaputtkonsumiert haben und auf unsere Müllkippen leben und dort Recycling ganz neu erlernen müssen…

Der nächste Einwand ist, dass nachhaltiges Wirtschaften und Investitionen in neue, nachhaltigere Technologien den Standort Deutschland schwächen, unüberschaubare gesellschaftliche Kosten verursachen, die individuelle Mobilität einschränken…! Was ist denn die Alternative? Immer weiter mit Verbrennern die Städte zudrecken und zuparken, Menschen krank machen, das Klima killen und kostbare Ressourcen einfach in Rauch aufgehen lassen? Wenn es nach der Industrie und ihren Lobbyisten [=> Andreas (be)Scheuer(t)] geht, lassen wir alles beim Alten, denn noch fließt das Mana (=> Geld) ja noch in Strömen; in die falschen Taschen!

Allzu politisches und allzu ökologisches haben ja doch etwas miteinander zu tun! Wir hätten in den letzten 30 Jahren schon wesentlich mehr tun können und tun müssen, um den Entwicklungen entgegen zu stehen. Doch Anstatt mit Mut voran zu gehen, hat man stets nur Besitzstände gewahrt und verwaltet und sich auf die Globalisierung als größte Gefahr zurückgezogen. Die einzige Gefahr, die von der Globalisierung ausgeht ist die höhere Mobilität des Kapitals. Diese gilt es einzudämmen! Finanztransaktions-Steuern! Mindestlohn-Erhöhung! Noch schärfere Umweltschutzgesetze! Zwingt man die Besitzenden nicht zur Investition in unser aller Zukunft, werden sie diese weiter kaputt machen, um noch reicher zu werden.Das ist der Hebel, an dem Politik schon lange ansetzen könnte – wenn sie denn nicht teilweise gekauft, teilweise irregeleitet und teilweise desillusioniert wäre.

Bleibt die Frage, wohin mich meine Gedanken zum allzu privaten bringen werden…

Auch zum Hören…,

Me, Self and I #01 – allzu politisches…

Es ist schwer geworden, sich in diesen Zeiten zu einer politischen Einstellung zu bekennen; jammern sowohl die Linken, als auch die Rechten. Aber was ist das überhaupt? Links? Rechts? Ist man links, wenn man Verteilungsgerechtigkeit nicht für eine Floskel radikal-sozialistischer Wahlkampf-Rhetorik hält, sondern für eine schlichte Notwendigkeit des sozialen Zusammenhalts? Ist man rechts, wenn man Zuwanderung zwar für unvermeidbar hält, im Ergebnis aber gerne besser gesteuert sähe? Ist man links, wenn man auch Menschen aus anderen Kulturen für integrationsfähig hält? Ist man rechts, wenn man im Zuge dieser Integration ein Mindestmaß an Respekt für die eigene Kultur und die hiesigen Gesetze einfordert?

Ich mag dieses Ideologie- und Dogmen-verseuchte Links-Rechts-Sprech nicht. Denn alle Positionen, die oben mit einem Fragezeichen versehen sind, habe ich mir im Laufe der Zeit zu eigen gemacht. Unsere Politik tut zu viel für die Wirtschaft, in dem Irrglauben an den so genannten Trickle-Down-Effekt; also, dass, wenn die Fetten fett genug sind, schon genug vom Fett nach unten tropft. Tatsächlich ist es aber so, dass die Reallohnentwicklung in den letzten Jahren hinter der Entwicklung der Kapital-Einkommen (also aus Anlagevermögen, wie etwa Anleihen, Immobilien, Aktien) zurückgeblieben ist. D.h. Einkommen aus normaler Erwerbsarbeit (der die meisten von uns nachgehen) hat sich schlechter entwickelt, als Einkommen aus bereits vorhandenem Besitz => die Reichen werden reicher, den mittleren und unteren Schichten bleibt insgesamt weniger => Die Einkommenschere ist weiter gespreizt.

Nach höherer Verteilungsgerechtigkeit zu rufen bedeutet aber aus meiner Sicht explizit NICHT, noch mehr nutzlose Umverteilungs-Maßnahmen einzuführen, die nur Verwaltungsressourcen binden, sondern auskömmliche Lohniveaus festzuschreiben (vulgo den Mindestlohn nachzubessern, und zwar jetzt) und diese auch an künftigen Veränderungen des Einkommensgefüges teilnehmen zu lassen; und zwar automatisch. Eine handwerklich sinnvolle Ausgestaltung auf ordnungspolitischer Ebene würde manches Problem binnen weniger Jahre beenden.

Alle konzentrieren sich seit drei Jahren auf Zuwanderung. Ja, wir brauchen ein gewisses Maß an Zuwanderung, auch aus wirtschaftlicher Sicht; aber wir dürfen bei deren Regulation weder ideologisch noch xenophob sein, sondern müssen Verhältnisse in Herkunftsländern etc. genau beurteilen. Konkurrieren auf dem aktuell erschreckend großen Billiglohnsektor alle um auskömmliche Einkommen (siehe oben), werden sich auch die Stimmen, welche da rufen “die Ausländer nehmen uns alles weg!” alsbald verstummen. Gleiche Chancen bedeutet ja nicht, dass auch alle gleich gut wegkommen. Das ist eine Illusion. Momentan ist das Problem virulent, weil jene Wirtschaftsvertreter, die nach Zuwanderung rufen natürlich auf noch schärfere Konkurrenz im prekären Arbeitsmarkt schielen, um Löhne noch mehr drücken zu können. Diesen Sumpf trocken zu legen, ist die größte Sozial- und Wirtschafts-politische Aufgabe unserer Zeit.

Was nun Integration angeht: der Staat hat es 2015 verabsäumt, verbindliche Ziele und Aufgaben zu definieren, wie Integration von Statten zu gehen hätte und stattdessen engagierte Ehrenamtliche und Wohlfahrtsorganisationen einfach mal wurschteln lassen. Mit teilweise verheerenden Folgen. Noch immer hocken Menschen in Ghettos, die vielleicht eine Chance gehabt hätten. Und natürlich sind mit legitimen Flüchtlingen auch illegitime eingereist, die nun mühsam ausfindig zu machen und rückzuführen eine fast unmögliche Aufgabe darstellt.

Und trotzdem sollte man sich vor pauschalierenden Aussagen wie “Das sind alles Verbrecher, die müssen alle weg” sehr in acht nehmen. Die absoluten Zahlen (auch wenn die Populisten das jetzt nicht gerne hören) sagen etwas anderes. Und ich vertraue Zahlen immer noch mehr, als einem dumpfen Bauchgefühl. Denn mein dumpfes Bauchgefühl hat mich im Leben schon öfter in die Scheiße geritten, als nackte Zahlen. In dem Zusammenhang wird immer von Lügen- und System-Presse schwadroniert. Die allermeisten wissen ja gar nicht, was das bedeutet, oder wie es funktioniert. Drei Jahre Putin-Russland oder Erdogan-Türkei und die allermeisten kämen schön kleinlaut zurück.

Ich bin Sozialdemokrat! Ich glaube an Solidarität miteinander und Verantwortung füreinander und ich werde von dieser Position nicht abrücken. Sozial- und Migrations-Politik sind untrennbar miteinander verbunden und ich weiß, dass wir an den richtigen Stellschrauben noch lange nicht gedreht haben – dafür will ich eintreten.

Die Tage reden wir dann über allzu ökologisches. bis dahin: eine gute Zeit!

Auch zum Hören…

Randnotizen eines Erschöpften #07 – Wer bin ich?

OH – MEIN – GOTT! Was für eine Frage. Ich bin doch dieser Typ, der sich halt einfach irgendwie durchwurschtelt und dabei seinen Weg findet (sucht). Der Konventionen oft als lästig, manchmal als ungerecht und allzu oft als schlicht unnötig empfindet. So wie Kleiderordnungen für Bankangestellte. Womit zwar gesagt wäre, was ich NICHT bin – nämlich ein spießiger Prinzipienreiter; nicht jedoch was ich bin. Also, was den Kern, die Essenz meiner Person ausmacht?

Bekanntermaßen ist das schwer zu fassen. Schauen wir uns die Sozialpsychologie an, entdecken wir Persönlichkeitsmodelle, welche diese oder jene Aspekte in jedem Individuum ausmachen wollen. Zum Beispiel das Big Five Model, welches, wie der Name schon sagt, Persönlichkeit anhand einer Ausprägungs-Mischung von fünf grundlegenden Dimensionen zu fassen versucht. Spannend. Gut beschrieben und durchaus in manchen Bereichen aussagekräftig. Ist aber für meine Zwecke gerade jetzt zu wissenschaftlich.

Ich will eigentlich nur herausfinden, ob ich mit meinen sozialen, politischen und ökonomischen Ideen tatsächlich soweit neben dem “Mainstream” ticke, wie man das manchmal meinen könnte? Oder ob ich einfach nur zu viel in Filterblasen-verseuchten Facebook-Gewässern und Zeitungs-Kommentar-Spalten herum dümpele und dort auf zu viele Kanaillen treffe, die mein Bild von der Welt langsam aber sicher vollkommen versauen? Ich will mir eigentlich mein positives Menschenbild erhalten, denn im Grunde bereitet es mir Freude, mit Menschen zu tun zu haben; ihnen helfen, sie anleiten zu können. Auch, wenn das nicht immer irgendwohin führt.

Wahrscheinlich bin ich ein Narr, aber um das herausfinden zu können, muss ich mich wohl selbst exponieren. Denn seien wir ehrlich: wirklich etwas über die Menschen herausfinden kann man nur, wenn man sich selbst auf sie einlässt. Das werde ich versuchen, also mache ich eine neue Reihe auf:

Me, Self and I – Menschsein in Zeiten der Unmenschlichkeit

In der ersten Folge will ich mich mit der Frage beschäftigen, wo ich eigentlich politisch stehe. Gar nicht so einfach, denn drei Buchstaben reichen schon lange nicht mehr aus, um meine Gesinnung präzise zu beschreiben. Mal schauen, wohin mich das führt. Wir lesen/hören uns.

Auch zum Hören…

Was vom Tage übrig blieb…

…hab ich selten wirklich lieb. Ich sammle – wie wir alle das vermutlich tun – stets große Stapel unerledigter Dinge, die ich vor mir her schiebe, wie ein Eisbrecher die Schollen. Sie bleiben eine Weile am Rumpf kleben, um dann langsam, aber unaufhaltsam fort getrieben zu werden und alsbald außer Sicht zu geraten. Denn der Eisbrecher bewegt sich ja immer weiter, immer vorwärts. Wohin auch immer.

Diese unerledigten Dinge sind meistens von solcher Insignifikanz, dass es keinen Unterschied macht, ob man sich ihrer erinnert, oder nicht. Ich müsste mal wieder: den Keller aufräumen, dieses oder jenes Buch fertig lesen (und es gibt wirklich so manches, dass diese Mühe nicht wert ist), mich mal wieder bei xyz melden (man hat ja Angst, was zu verpassen, oder seinem sozialen Umfeld beim Schrumpfen zusehen zu müssen); und schließlich mal wieder was schreiben.

Zum Beispiel zur “sozialen Kehrtwende” der SPD. Haben andere allerdings schon erledigt und wenn das einzig amüsante, wie substantielle an einem Sachverhalt die Kommentarspalten unter der Berichterstattung dazu sind, brauche ich meinen Senf nicht auch noch dazu zu geben. Verschwendete Lebenszeit. Oder die Frage nach der Relevanz der Geisteswissenschaften in aktuellen Diskursen. Ich könnte eine Buch dazu füllen, aber a) haben das schon andere getan (und vermutlich besser, als ich es je könnte) und b) ließt überhaupt irgendwer meine Kommentare? Zu so einem “schweren” Thema? Ich glaube nicht, denn die leichte Kost wird doch bevorzugt.

Abgesehen davon passiert es mir immer wieder, dass ich beim Lesen meiner üblichen Postillen, oder beim Recherchieren im Netz BRILLANTE Ideen habe, was ich als nächstes Sujet in einem Blogpost beackern könnte. Nur bin ich keiner von diesem Typen mit einem Diktiergerät oder einem Notizblock in der Brusttasche (mein üblicher Habit hat keine Brusttasche); also vergesse ich meine Epiphanien oft genug wieder, ohne, dass ich den Kairos packen und das Eisen schnell schmieden könnte. Was für ein entsetzlicher Verlust für die Menschheit… nicht wahr? Blödsinn. Wenn ich’s vergessen habe, wird’s so gut schon nicht gewesen sein.

Trotzdem bleibt oft so ein schaler Geschmack zurück, ein Gefühl der Kapitulation: vor dem Alltag, vor meinen eigenen Faulheit und Unorganisiertheit und letztlich oft auch vor meiner Zeitnot. Selbst jetzt, wo ich ein paar Tage durch eine fiese Grippe ans Haus gebunden war, bringe ich kaum was sinnvolles zustande; OK, zugegeben, die ersten sechs Tage meiner Krankheit habe ich gar nichts zustande gebracht außer rumliegen und einen auf Männerschnupfen machen. Aber auch heute Abend scheint es nicht so, als sei ich inspiriert. Oder?

Ich muss zugeben, dass ich mittlerweile tatsächlich den boshaften Biss bei den Tagesthemen vermissen lasse. Zum einen wird man mit dem zunehmenden Alter angeblich duldsamer (hierzu eine Einlassung: DULDSAMKEIT? SEHE ICH AUS, ALS HÄTTE ICH ZEIT FÜR DEN SCHEISS?); ok, daran liegt’s wohl nicht. Dann vielleicht doch eher am gewachsenen Interesse an anderen Themen? Zum Beispiel meiner anderen Schreiberei? Das wird es wohl sein. Wie dem auch sei; die anderen Themen haben mich anscheinend nicht ausreichend fasziniert, sonst hätte ich wohl was dazu sagen können. Ich bin nicht traurig drum, vielleicht rege ich mich ja die Tage über etwas anderes auf. Dann bekommt ihr lieben Leser das bestimmt mit.

So ein Kinderkram!

Ich schreibe keine Rezensionen – ja, es heißt Rezension, nicht Rezession, die hat was mit Wirtschaftswissenschaft zu tun – weil ich die meisten Kritiker und große Teile des Feuilletons mittlerweile zu verachten gelernt habe. Man kann, nein soll, eine eigene Meinung zu den Dingen haben. Bis heute hat sich mir nicht erschlossen, welchen Wert es für meine, oder irgendjemand anderes Entwicklung haben sollte, wenn ich nur Dinge schaue, lese, zocke, konsumiere, von denen irgendwelche geschwätzigen, möchtegern-intellektuellen Dogmatiker behauptet haben, sie seien “wertvoll”. Ich verstehe das Konzept nicht! Die Idee des Kritikers entspringt vermutlich der, noch vor 100 Jahren allgegenwärtigen Zensur. Und genauso benehmen sich die meisten Rezensierenden dann auch…

Hätte ich nicht meinen eigenen Kopf, wäre ich nicht der Mensch, der ich bin und das gilt natürlich auch uneingeschränkt für meinen kulturellen Konsum. Wobei ich gerne zugeben möchte, dass manche Dinge, die sich in meinen Regalen finden bei den Apologeten der Hochkultur wahrscheinlich bestenfalls Stirnrunzeln auslösen würden. Im Übrigen empfinde ich diese kanonische Unterscheidung in Hoch- und Populär-Kultur sowieso als Egogewichse. Den wahren Wert eines Kulturproduktes kann man erst mit einem gewissen Abstand ex post überhaupt zu ermessen beginnen. Und vieles, was heute als Teil von Hochkultur betrachtet wird, war zu seiner Zeit Pop – wenn sie das Wort denn gekannt hätten.

Heute stolperte ich wieder über so eine Perle der Kulturkritik; natürlich auf Zeit Online, da wo der Feingeist Urständ feiert… Es geht in dem Artikel um den aktuellen Blockbuster “Alita: Battle Angel” basierend auf einem Manga gleichen Namens. Der Autor offenbart im Text, dass er weder versteht, warum die Suche eines Cyborgs (eines Zwitterwesens aus Mensch und Maschine) nach seiner Identität eine Metapher auf die Suche nach Zugehörigkeit und nach Sinn in uns allen darstellt; noch versucht er, zu akzeptieren, dass “Der Gott des Gemetzels” – so genial dieses Kammerspiel auch sein mag – NICHT die einzige Möglichkeit ist, menschliche Emotionen heraus zu arbeiten. Man darf sich ruhig auf CGI einlassen und trotzdem das Menschliche suchen und finden. Und dass die hauptsächlich thematisierten riesigen Augen nun mal ein Bestandteil des Manga und das Anime sind, womit man Rodriguez und Cameron zumindest etwas Werktreue vorwerfen kann.

Comic- oder Mangavorlagen sind immer schwierig. In “Sin City” hat Frank Miller seinen eigenen Comic Panel für Panel kopiert und ich hasse den Film bis heute; obwohl er, rein visuell betrachtet großartig ist. “Alita: Battle Angel” krankt an den gleichen Problemen, denn das, was in den Panels einer Graphic novel, eines Comics, eines Mangas zwischen den Bildern und Textzeilen passiert, folgt ganz anderen erzählerischen Gesetzen. Wer sich mal mit dem Thema auseinandersetzen möchte, dem sei “Understanding Comics” von Scott McCloud empfohlen. Es erklärt gut, warum nicht alles Buddenbrookesk toterklärt und totbeschrieben werden muss (Entschuldigung, Thomas Mann) und warum Abweichungen vom normal aussehenden menschlichen Darsteller manchmal notwendig sind. Unter dem Aspekt könnte man das Geschwafel von den Augen im verlinkten Artikel auch für Kultur-Xenophobie halten.

Jedenfalls nervt es mich, dass Journalisten ohne Kenntnis der Kunstformen und tieferes Verständnis für visuelles Erzählen ihre irrelevante Meinung absondern dürfen. Dem durchschnittlichen Feuilletonisten muss man wohl ein eher konservatives, ab und an sogar reaktionäres Denken unterstellen. Aber Filme, in denen CGI vorkommt sind ja auch fast immer nur Kinderkram. Interessant in dem Zusammenhang ist der fast lobende Hinweis auf die Neuauflage von “Planet der Affen”, präzise auf die Qualität des Affen “Cesar”. Da wird Entwicklung gesehen. Aber der Stoff ist ja auch schon älter und stammt aus unserem Kulturkreis… also doch Xenophobie. Sollte man mal drüber nachdenken, denn auch Kulturseiten beeinflussen unsere Denke. Schönen Tag noch.

Das Auto in Nachbars Auffahrt…

Bundesarbeitsminster Heil hat ein Konzept zur Grundrente vorgelegt. Diese Aufgabe war im Koalitionsvertrag vereinbart worden, weil allzu augenfällig geworden ist, dass die Altersarmut in Deutschland zunimmt. Nun hat dieses Konzept, wie es in der Politik Usus ist, eine Kontroverse ausgelöst; und wie man in den Kommentarspalten zu diesem Artikel ganz gut ablesen kann, eine heftige! Man mag mit der Meinung des Autors (Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung) d’accord gehen, oder auch nicht; interessant ist aus meiner Sicht weniger das Konzept, oder was es vielleicht (hoffentlich) für Renten aus kleinen Einkommen bedeutet, als vielmehr die Vehemenz, mit der darob eine Neiddebatte ausgefochten wird.

Nicht wenige Mitmenschoiden vertreten (natürlich geschützt von der subjektiven Anonymität des Internets) hier, oft nur unzureichend mit dem Etikett “Lowperformer” versehene, sozialdarwinistische Thesen, die in mir das kalte Kotzen aufsteigen lassen. Offensichtlich wähnen sich diese Kommentatoren als “Highperformer” und halten von der Idee sozialer Solidarität, die eigentlich eine Grundeigenschaft von Gesellschaften sein sollte genau NICHTS. Wer im Hier und Jetzt viel verdient, hat auch im Später viel mehr verdient als die anderen, die ein geringeres Salär hatten und folglich weniger in die Renten- und Sozialkassen einbezahlen konnten. “Dann sollen sie halt mehr verdienen!”. Auf welchem Planet lebt so ein Mensch…?

Mal ganz davon ab, dass das Gehalt zumeist in keinster Weise die soziale Nützlichkeit einer beruflichen Tätigkeit abbildet (denn dann müsste eine Krankenschwester mehr bekommen, als ein Hedgefond-Manager), wird auch die Idee humanitärer Grundwerte (wonach jeder Mensch gleichviel “wert” ist) einfach mal in die rhetorische Mülltonne geworfen… BRAVO! Überdies wirft es einmal mehr die Frage auf, was sogenannte “Highperformer” überhaupt ausmacht? Und ob es überhaupt nötig ist, sich dieses Etikett zu verdienen, um als Mensch respektiert werden zu können? Ich persönliche verneine das, denn jemand der tagein, tagaus klaglos und ohne großen Bohei seinen Job macht, ist mir eigentlich viel lieber, als so eine Möchtegern-Turbodüse, die neben ihrer Arbeitsleistung auch noch unendlich viel heiße Luft produziert. Wäre die nutzbar, könnten wir den Individualverkehr auf Montgolfieren umstellen.

Aber anstatt an der Sache zu diskutieren, wird sofort über Leistungsgerechtigkeit schwadroniert. Als ob diese selbsternannten Helden der Arbeit tatsächlich so viel mehr leisten würden, als der prekär auf Zeitarbeit beschäftigte Kommissionierer, der nach 40 Wochenstunden noch aufstocken muss; und folglich irgendwann, sofern Herr Heil seine Pläne umsetzen darf dann in den “Genuss” der Grundrenten-Leistungen kommen wird: 977€ für 40 Jahre Vollzeit bei Niedriglohn empfinde ich persönlich jetzt nicht gerade als spätrömische Dekadenz. Ich hoffe doch mal, dass die ganzen “Highperformer” mehr als 30,5 Entgeltpunkte zusammenbekommen…oder?

Wie dem auch sei: diese Diskussion entlarvt Deutschland mal wieder gnadenlos als Heimat der “dem-Anderen-die-Butter-auf-dem Brot-Missgönner”, als Hochburg der Arroganz und der Asozialität. Ich SCHÄME mich für solche Mitmenschoiden in Grund und Boden. Eigentlich müssten sie alle mal auf Grundsicherung angewiesen sein, damit sie am eigenen Leib erfahren, wie das ist. Ich jedenfalls finde – allen handwerklichen Mängeln am Konzept zum Trotz – den Grundgedanken gut und richtig. Wir sitzen nämlich alle im selben Boot – ob es euch passt oder nicht. Guten Abend.