Beannachtaí na hÉireann N°9 – Back again…

Das Länderkennzeichen für Irland auf Nummernschildern lautet IRL. Kann man auch mit “In Real Life” übersetzen. Was es mit diesem Gedankensprung (für mich) auf sich hat, möchte ich in Kürze erläutern, doch zuvorderst sei Folgendes ausgesprochen: JA, ich gebe es gerne zu das ich den Sommer in Mittelitalien LIEBE! Aber das hier (ein nicht zu kleines Cottage direkt an der N70, auch “Ring of Kerry” geheißen, mit unverbautem Blick auf Kenmare Bay) ist mal eine Hausnummer, die sich sehen lassen kann; denn zu sehen gibt es hier so einiges. Bereits die letzten paar Dutzend Kilometer Anfahrt haben in mir spontan die Erinnerung an unseren letzten Aufenthalt in Irland geweckt. Die Landschaft, die enge Straße, der letzte, höchst bunte kleine Ort vor unserem völlig frei steheden Refugium – Seele auf Suche nach Frieden, was willst du mehr? All in (also mit dem 2-Tages-Schlenker über Brügge und der Fährfahrt Cherbourg -> Dublin) waren wir in den letzten 4 Tagen aber auch insgesamt über 2200 KM unterwegs. Und hier wird es auch die eine oder andere Tour zu fahren geben. Denn es gibt viel zu knipsen 😉 Unsere neuerliche Reise nach Éire lässt mich also, vom Start weg, keinesfalls unbeeindruckt zurück.

Urlaub soll ja eine Auszeit von der allzu durchgetakteten Normalität des Alltags sein. Denn oft genug kommt man sich in seinem sonstigen Leben nur noch wie ein NPC (also ein Non-Player-Character) vor; wer jetzt nicht weiß, was das ist, liest es bitte hier nach. In aller Kürze beschrieben bedeutet dieses Gefühl, subjektiv nicht die Kontrolle über bestimmte Rahmenbedingungen der eigenen Existenz zu haben, seine Entscheidungen nicht einfach frei treffen zu können, weil irgendwelche Algorithmen diese Freiheit begrenzen (z. B. die Notwendigkeit den eigenen Lebensunterhalt in abhängiger Lohnarbeit bestreiten zu müssen), schlicht seine Bedürfnisse hintenan stellen zu müssen; sich insgesamt also fremdgesteuert zu fühlen. Vollkommen unabhängig davon, wie sehr man tatsächlich fremdgesteuert wird (oder auch nicht), führt diese Empfindung natürlich dazu, sich aus dem engen Geschirr des Alltags herauswinden und mal etwas Anderes machen zu wollen. Und weil wir Menschen diesbezüglich alle zumindest ähnlich gestrickt sind – und Arbeitgeber überdies heutzutage keine Peitsche mehr benutzen dürfen, um Compliance mit IHREN Bedürfnissen herzustellen – ist Urlaub eine der Maßnahmen, die der Wiederherstellung der Fähigkeit zur Erduldung des NPC-Daseins dienen sollen. Obacht – mir ist bewusst, dass diese Darstellung polemisch überzogen wirken mag; jedoch komme ich nicht umhin, auch für mich feststellen zu müssen, dass mich das Leben im Dienste Anderer in letzter Zeit in einem Maße angekotzt hat, dass der Gedanke, sich frei zu machen (oder selbstständig) immer charmanter in meinen Ohren klang. Aber ich kann natürlich immer nur für mich selbst sprechen. Überdies waren (und sind) da natürlich Verpflichtungen, die man nicht einfach so hinschmeißt, was aber das NPC-Gefühl verstärkt, weshalb die Verpflichtungen… wie man es auch dreht und wendet: es bleibt ein Teufelskreis, wenn man erst mal ein gewisses Level an Frustration erreicht hat.

Nun ist jedoch – ganz nach den perfiden Plänen der Kapitalisten, in deren Fängen so viele von uns unser unfreies Dasein fristen – der Urlaubseffekt eingetreten und ich habe einmal mehr am WAHREN LEBEN geleckt. Bin also subjektiv wieder Im Realen Leben angelangt. Oder besser in einem realen Leben, welches mir echte Freude bereitet, mich wieder auf vollkommen andere Arten fordert und mir die Chance gibt, neue Perspektiven zu gewinnen. Weil hier meine Bedürfnisse wieder so viel Geltung haben, dass sie in Einklang mit meinen Ideen, Plänen und Handlungen stehen können. Soweit ist dieser verdammte Kapitalistenplan aufgegangen… Schade nur, dass ich euch durchschaue, haha…! Spaß beiseite. Erstmal wird hier keine Rebellion stattfinden. Weil ich Verantwortung trage und in vielen Momenten meines Lebens alles andere als ein NPC bin; nein vielmehr selbst ein Player sein muss, weil sonst so manches nicht funktioniert. Aber die eben gesponnenen Gedanken bleiben im Hinterkopf, in der Ablage A wie Archiv, um bei Bedarf weiter gedacht werden zu können. Bin ich also wirklich ein NPC? Sagen wir mal so: in den dunkleren Stunden meines Daseins fühlt es sich manchmal so an, als sei ich nur eine Figur aus “Brave New World” oder “1984” – gemacht, um dem System zu dienen. Der Umstand, dass ich all diese Dinge (öffentlich) reflektieren kann, verrät mir jedoch, dass ich weder in einer solchen Dystopie lebe, noch dauernd fremdgesteuert werde. Ich kann den Grad der Manipulation, die auf mich ausgeübt wird anscheinend ganz gut regulieren. Was bedeutet, dass ich mindestens ein Player-Character sein muss – wahrscheinlicher aber selbst ein Player. Man muss sich dessen nur immer wieder erinnern. Und die Rückkehr nach Irland scheint dazu ein guter Anlass zu sein. Feels good, to be back again, Éire. Wir hören uns die Tage, folks…

In Transit…

Ich habe keine Seemannsbeine. Aber wenn man vom europäischen Festland auf die Insel Irland reisen möchte, bleiben – so man nicht auf Umwege steht – ungefähr zwei Möglichkeiten: Fähre oder Fliegen. Es ist nicht so, dass ich Fliegen per se nicht mag, aber a) isses halt schon arg wenig umweltfreundlich und b) schwierig, den ganzen Schamott ins Handgepäck zu schmuggeln, den meine Mischpoke und ich so im Urlaub mitzuschleifen pflegen. Ohne näher darauf eingehen zu wollen, aber… oft geht die Gepäckraum-Abdeckung nicht mehr zu. Dennoch ist der eigene Wagen für uns die geeignete Lösung. Also saß ich, während ich diese Zeilen schrieb auf dem Oberdeck der “W. B. Yeats” in Diensten von Irish Ferries und blinzelte in die, immer noch kraftvolle Augustsonne – und unsere Karre stand vier Decks tiefer. Die anderen Teile der Familie stromerten irgendwo an Bord umher – wahrscheinlich im Restaurant – und ließen es sich auf individuelle Weise gut gehen, während in der Ferne die Kanalinseln sichtbar wurden. Ich jedoch lümmelte hier unterdessen auf dem Boden rum, wie so ein Bettelstudent, sinnierte über dies und das und schaute Menschen beim Menschsein zu.

Es ist faszinierend, wie der Mikrokosmos Passagierschiff ein bedingungsloses Dazwischen schafft. Denn während wir mit guten 17,5 Knoten eher gemächlich durch den Ärmelkanal pflügten, entfaltete sich überall ein unvermeidliches Panorama des ungefiltert sozialen. Kleine und große Dramen, Liebe, völlige Entkopplung wie auch Hektik können nirgendwo hin; denn über Bord gehen wäre eine sehr krasse und vermutlich endgültige Option. Also lebten alle (zwangsweise) im hier und jetzt. Die mangelhafte Qualität des Bord-WLans trug das ihre dazu bei. Sind Menschen auf sich selbst zurückgeworfen, geschehen mitunter… interessante Dinge. Ich werde jetzt keine Geschichten aus dem Bordrestaurant erzählen. Manche könnten es zwar wert sein, mich interssiert hieran aber vor allem die Metabetrachtung. Denn es warf in mir die Frage auf, wie ich mich gerade fühlte. Vorgestern bin ich noch mit einem Boot durch die Kanäle Brügges gefahren – nun, einen Tag später trug mich ein Schiff durch die See nach Eire. Und wenn ich ehrlich sein soll – es fühlte sich VERDAMMT gut an. Ich möchte behaupten, zum ersten Mal seit Monaten wahrhaftig bei mir selbst gewesen zu sein. Ich zu sein ist nicht immer schön, wie hier bereits sattsam beschrieben wurde. Die Schatten sind noch nicht weg. Aber sie schmerzen weniger. Ein Fortschritt.

Ich hatte erst sehr kürzlich davon gesprochen, dass mein Geld mir (und meinen Lieben) heutzutage vor allem Erlebnisse kauft. Das hier ist so ein Erlebnis. Neue Dinge zu sehen (oder evtl. schon bekannte Dinge neu zu sehen) macht mir mein Leben lebenswert. Ich stelle immer mehr fest, dass ich mich nach mehr Zeit für meine eigenen Ideen, Projekte – mein eigenes Leben – sehne. Vor diesem Hintergrund ist etwas wie das hier eigentlich unbezahlbar; auch, wenn es sicher nicht billig ist. Doch es lässt mich auch – einmal mehr – an der gefährlichen Systemfrage lecken: bin ich wirklich da, wo ich hin will? Mache ich wirklich dass, was ich will? Darauf kann es allerdings keine abschließende Antwort geben, denn… Sind wir nicht dauernd “in transit”? Unterwegs von dem, was eben noch war, hin zu dem, was noch nicht festgeschrieben ist, noch nicht festgeschrieben sein kann, weil es uns stets hinter der Mauer der nächsten Sekunde verborgen liegt? “Panta Rhei” (alles fließt) mag einer der Glückskekse der Philosophie sei ; aber dort und zu der Zeit stimmte er. Für mich. Für alle anderen an Bord der “W. B. Yeats”. Die Fahrt endete, wie geplant und erwartet gegen 10.45 am Montagmorgen in Dublin. Und auch, wenn die eben beschriebenen Prozesse der Veränderung subtiler Natur sein mögen – ICH war nicht mehr der Gleiche, der in Cherbourg abgefahren ist. Denn “in transit” flossen meine Gedanken frei und formten dabei Sein neu… Wir hören uns.

Hartelijk welkom in Brugge…

Es ist nur eine Stipvisite, aber… Ach, beginnen wir die Geschichte doch einfach ein paar Tage früher. Zum Beispiel in dem Augenblick, wo ich merkte, dass mein Kopf gerade nicht so kann, wie er eigentlich müsste. Weshalb ich zwei Wochen draußen war. Also draußen aus diesem Prozess, den man Arbeitsleben nennt. Ich meine, ich war ja trotzdem häufig drinnen – also zu Hause in den eigenen vier Wänden. Außer, wenn ich draußen war, also weil ich ging, um den Kopf freizukriegen. Jedenfalls war zu dem Zeitpunkt unser Urlaub schon lange geplant, gebucht und bezahlt. Und weil die zwei Wochen Arbeitspause kombiniert mit den richtigen Gesprächen (vor allem mit den richtigen Leuten, auch Fachleuten) mich zwar wieder geerdet, aber nicht wirklich erholt hatten, hielten wir an dem Plan fest, jetzt wegzufahren. Nun haben wir dieses Jahr so etwas wie eine Rundreise geplant. Und die erste Station ist Brügge in Flandern. Wir kamen gestern Nachmittag hier an und haben seitdem eine Menge Eindrücke gesammelt, bevor es morgen früh weitergeht nach Cherbourg. Die Stadt ist… entspannt. Ja, natürlich ist an den Touri-Hotspots in Brügge auch an einem bedeckten Mittag mit gelegentlich leichtem Nieselregen die Hölle los. Wir haben immerhin (noch) Hauptsaison. Aber es ist immer noch nicht so wuchtig, wie an anderen Orten, die ich schon besucht habe. Und irgendwie ist alles überschaubar weit voneinander weg, was es hier irgendwie arg nett macht…

Es ist komisch, wie – aus großer Ferne betrachtet – all der Ungemach um all die kleinen Ränke und Spielchen, all das gelegentliche Tamtam (oft um nichts als eigene Eitelkeiten), all die überzogenen Forderungen plötzlich zusammfällt wie ein Soufflé, wenn man die Ofentür zu früh aufmacht. Die Probleme sind irgendwann im Rückspiegel so klein geworden, dass ich sie jetzt kaum noch auf einer Landkarte zu finden vermochte. Ja… wenn ich mich darauf konzentrierte, käme bestimmt wieder alles hoch. Aber wisst ihr was: f***t euch, einen Teufel werde ich tun! Morgen warten auf mich (und natürlich meine Lieben) wieder einige Hundert Kilometer Strecke und das Einschiffen nach Dublin. DAS ist es, worauf ich mich im Moment konzentriere. Und vielleicht darauf, diesen Text fertig zu schreiben 😉 aber auch das wird schon. Wenn man durch die Gassen geht, vorbei an all den alten Häuschen (wir wohnen in so einem), vorbei an den Kontoren, Kirchen, Plätzen und Waffelläden (ja wir sind in Belgien, was soll ich halt sagen), dann bleibt das Auge noch viel öfter hängen als die Zunge, dann wird der Auslöser meiner Kamera so oft benutzt, dass es irgendwann beinahe schmerzt… nein Scherz, so schlimm KANN es für mich nicht kommen. Aber die Summe der Eindrücke ist eindrücklich erdrückend. Man ist ganz plötzlich in einer ganz anderen Welt und nach einem witzigen (und höchst leckeren) Abendessen gestern war die Entkopplung vom Alltag schon beinahe komplett. Dem hat der heutige Tag bislang wirklich noch einiges hinzugefügt. An dieser Stelle ein Tipp: ja, die Bootsfahrten auf den Reien von Brügge (so nennt man hier die Kanäle, welche die Stadt durchziehen) ist zwar so ein Touri-DIng – aber total schön und für mich das Geld in jedem Fall wert.

Apropos Geld… ich stehe unterdessen auf dem Standpunkt, dass a) das letzte Hemd keine Taschen hat (ich habe schon viele Sterben sehen und bin durch diese Erfahrungen davon überzeugt, dass der Volksmund hier verdammt Recht hat), b) mein Leben daher also JETZT stattfindet, nicht jedoch erst, wenn ich in Rente gehe (denn es könnte auch schon vorher vorbei sein) und c) regelmäßig neue (sinnliche) Erfahrungen zu machen so ziemlich das einzige ist, wofür sich ein Kapitaleinsatz lohnt; zumindest wenn zuvor die existenziellen Bedürfnisse gestillt sind – UND NEIN! EIN VERSCHISSENES NEUES IPHONE IST KEIN EXISTENZIELLES BEDÜRFNISS! Man kann ein Leben nur leben, nicht kaufen… Jedenfalls bedeutet dies zusammengenommen, dass ich bei der Zusammenstellung der Reise im Rahmen unserer Möglichkeiten keinesfalls zur billigsten Variante gegriffen habe. Was auch für die Lustbarkeiten vor Ort gilt, denen hinzugeben wir uns noch aufmachen werden. Mir ist im Übrigen bewusst, dass diese Position privilegiert ist, da sich ca. 20% der Deutschen offensichtlich nicht mal eine Woche Urlaub leisten können. Aber ich werde ganz gewiss nicht die alte “Leistungsträgerleier” vom “mehr anstrengen”, “sparsam sein und Kapital aufbauen” oder derlei Quatsch herbeten. Vor 60, 70 Jahren konnte man mit eigener Hände Arbeit noch ein Vermögen aufbauen, weil die gesellschaftliche und soziale Situation eine andere war. Aber manche Menschen konnten auch damals schon NICHT auf einen grünen Zweig kommen, weil sie systemisch benachteiligt wurden und werden (im Grunde alle jene, die nicht den heteronormativen Familienvorstellungen der Konservativen entsprechen, welche bedauerlicherweise bis heute in erheblichem Umfang unser Land strukturieren). Eingedenk all dieses Wissens habe ich trotzdem keinen Schmerz, so zu urlauben, wie wir es tun. Denn der bescheidene Überfluss, welcher uns zur Verfügung steht, entsteht im wesentlichen in abhängiger Erwerbsarbeit. Und dafür, halt zur rechten Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen und sich bis in die Erschöpfungsdepression geschuftet zu haben werde ich mich nicht entschuldigen, sondern den Umstand genießen, dass die Früchte dieses Tuns mir nun die Gelegenheit geben, mich von einer neuerlichen Depression zu erholen. Wir hören uns daher die Tage… nur dann schon wieder von woanders…

Der verwirrte Spielleiter N°66 – Gaming with myself

Ich habe, teils weil ich mich, bedingt durch eine depressive Episode auf nichts besseres konzentrieren konnte, teils weil ich seit Monaten dauerunterspielt bin (eine Runde pro Monat mag anderen genügen, für mich ist das knapp unter meinem spielerischen Existenzminimum), noch mal darauf eingelassen, mit ChatGPT als DM zu spielen. Und weil es dafür halt das meiste Referenzmaterial online gibt, entschied ich mich für DnD 5e als Basis. Die physischen Bücher stehen seit Jahren im Schrank und werden nur höchst selten genutzt, weil wir zumeist mit anderen Regelwerken arbeiten (derzeit Dragon Age, Starfinder und mein eigenes). Lag also nahe, es nochmal auf diese Art zu probieren, nachdem der letzte Versuch eher durchwachsen gelaufen war. Ich gehe an sowas zumeist mit eher geringen Erwartungen und vor allem forensischem Interesse ran, weil ich, obschon halbwegs geübt im Umgang mit LLMs (dem, was der Volksmund halt so als KI bezeichnet), wie gesagt beim ersten Mal nach kurzer Zeit eher ernüchtert von dem Vorhaben abließ. Dieses Mal etablierte ich relativ früh einige Anforderungen und ließ mich ansonsten überraschen. Eine kurze Vorbemerkung noch – ich habe die komplette Konversation auf Englisch geführt. Warum erkläre ich später. And so, without much further adoe, here is, what happened:

  • Setting: ChatGPT entschied sich dafür, ein Kampagnensetting zu designen, welches stark auf meine Charakterklasse zugeschnitten ist. Es orientiert sich bislang oft an “Generic Fantasyland”, was aber aus meiner Sicht für eine “shared vision” der Spielumgebung kein Nachteil ist. Das mit dem Zuschnitt auf meine Klasse ist natürlich schon schön, wurde mit der Zeit jedoch etwas redundant, so dass ich die Maschine daran erinnern musste, dass diese Welt auch noch andere Dinge enthält, als Barden (ja, ich kanns nicht lassen. Aber keine Sorge, mein Char ist nicht stereotypisch promisk und nymphoman). Insgesamt war es bisher aber durchaus stimmig und auch stimmungsvoll. Allerdings schwurbelt dieser spezielle DM bei seinen Beschreibungen gelegentlich schon arg umher…
  • Crunch: ohweiohwei… ich hatte echt noch keinen DM, der so oft irgendwas bullshittet, meine Agency missachtet, weil er jetzt einfach durcherzählen will, es meinem Char im gleichen Atemzug trotzdem (zu) einfach macht, Regeln vergisst oder welche erfindet, wenn er Bock drauf hat. Zumindest anfangs… allerdings reagiert die Maschine auf meine Richtigstellungen umgehend und angemessen. Auch verliert die Maschine bei Kämpfen mit mehreren Kombatanten schnell den Überblick über Initiativereihenfolge und Positionen. Aber auch hier – ein kurzer Hinweis und es fuppt wieder! Regeln werden dann sauber befolgt. Es war aber schon ein Stück Arbeit, verschiedene Regelaspekte immer wieder klarzustellen und deren Einhaltung einzufordern… aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass es unterdessen geschmeidiger klappt. Und… lebendige DMs in der realen Welt machen auch jede Menge Fehler; ask me… 😉
  • Story: Natürlich gibt es Anleihen aus verschiedenen verfügbaren Medien und es tauchen bekannte narrative Figuren auf (gleich als erstes mal eine Damsel in Distress als Falle für mich). Dennoch macht ChatGPT hier vieles richtig: Hot Start (AUS einer Taverne), Tone of Voice (NPC-charaktergerecht), Story Mood (düster, mysteriös, bedrohlich), alles wird sofort mit Namen benannt, und es gibt (zumeist sinnvolle) Antworten auf alle Fragen. Wir wollen des Lobes hier nicht zu voll werden, denn natürlich ist vieles Hausmannskost (schon mehr als einmal dagewesen) und manche Erzählfiguren wiederholen sich, insbesondere bei NPC-Interaktionen. Und… ChatGPT hat manchmal digitale Amnesie, wodurch Inkonsistenzen im Erzählkontinuum entstehen können, wenn man nicht gleich interveniert. Aufmerksames Lesen ist also King! Dennoch hat man den Eindruck, einen DM vor sich zu haben, der gerne erzählt. Und einiges habe ich (mit menschlichen DMs) auch schon schlechter erlebt.
  • Technik: nach einer Weile wird der Thread langsam, weil sich ChatGPT anscheinend zumindest kursorisch gegenliest (wir reden allerdings von 200+ Seiten Din-A4. Und die kommen ratzfatz zusammen). Ich bin dazu übergegangen, dann einen Textdump zu ziehen, mir eine Campaign-Bible erstellen zu lassen, alles in einen neuen Thread zu laden (PDF) – und die Maschine nochmal ein bisschen zu erziehen; denn bestimmte “Verhaltensweisen” ergeben sich bei längeren Threads aus der bisherigen Konversation. Da muss man beim Umstellen auf einen neuen Thread nicht nur die Story rekapitulieren. Ich konnte hier zwischen GPT 4o und 5 bislang übrigens keine erheblichen Unterschiede hinsichtlich des Handlings und der Textqualität feststellen.

Wenn ich die Erfahrung mit einem Wort zusammenfassen müsste, so lautete dieses: befriedigend. Nicht mal im Sinne einer Schulnote, aber hinsichtlich der Möglichkeit eine Stelle zu kratzen, die schon eine Weile juckt – nämlich selbst wieder mehr spielen zu wollen. Und ich tat das in Englisch – also der Muttersprache von ChatGPT – weil mein Kalkül war, dass es dort lyrisch wertvollere Beiträge zum Spiel liefern würde. Und die Maschine hat mich diesbezüglich nicht ettäuscht. Natürlich ist das nur Rollenspielmethadon, denn nichts kann die interpersonale Dynamik am Spieltisch ersetzen. Aber als Snack für zwischendurch werde ich das beibehalten. Vielleicht kann ich ein paar Ideen ja sogar selbst als SL verwerten. Wenn ihr Fragen habt – nur Mut. Und ansonsten – always game on.

Auch als Podcast…

Workplace culture?

Es ist schon irgendwie komisch; sehr oft wenn Menschoide über die Arbeit anderer Menschoiden sprechen, dann neigen sie entweder dazu, diese schlecht zu machen. Oder aber, sie versuchen, sich deren Erfolge an die eigene Brust heften. Okay das ist jetzt möglicherweise ein kleines bisschen übertrieben, aber es ist ein wiederkehrendes Motiv, welches ich immer und immer wieder wahrnehme. In Kommentarspalten, in persönlichen Gesprächen, ja sogar in Zeitungsartikeln und Videos muss ich immer wieder sehen und hören, wie niederträchtig über die vermeintliche Nicht- oder Schlechtleistung der jeweils anderen Beschäftigtengruppen, bzw. deren Beitrag zur Gesamtleistung in der eigenen Organisation gesprochen wird. Nicht selten fällt dabei der Begriff “Sesselfurzer”; ein höchst despektierliches Wort für jene Menschen, die anstatt körperlicher Wissensarbeit leisten. Und nur um das an dieser Stelle in aller Form und endgültig klarzustellen: Wissensarbeit ist genauso Arbeit, wie Hausbau, Güterproduktion oder Transport! Wir mögen dann und wann über den realen Gehalt dieser oder jener Tätigkeit streiten können (Stichwort hier: Bullshitjobs) – aber am Ende des Tages bleibt Wissensarbeit eine Arbeit wie jede andere auch. Wertschöpfung bemisst sich nicht nur an der Menge der verarbeiteten Materialien, sondern auch an der Qualität der Ergebnisse; und DIE hängt in wesentlichem Maße von der Zuarbeit der “Sesselfurzer” ab: Workflows organisieren, Arbeitsmittel und Ressourcen heran schaffen, Aus- Fort- und Weiterbildung für alle Beteiligten bereitstellen, Werbung machen, die laufende Mittelverwendung optimieren, das Geld eintreiben und verteilen, und, und, und… Wenn das keine Arbeit ist, könnt ihr’s ja mal Blaumann-only versuchen. Da wird euch nach kurzer Zeit die Puste ausgehen, wenn niemand den “Papierkram” für euch erledigt, ihr Superhirne. Zumal diese ganze Schattenfechterei zwischen einzelnen Parteien vom eigentlichen Problem ablenkt.

Seit Corona flammen immer wieder die gleichen – im übrigen unnötigen – Diskussionen über die Frage auf, ob mobiles Arbeiten oder Home-Office (oder wie auch immer das Kind nun genannt oder organisiert sein soll) nun produktiver oder unproduktiver seien, als die typische Präsenz-Tätigkeit im Büro. Da haben wir schon die erste künstliche Dichotomie: denn man – lies: Arbeitgeberverbände und deren Lobbystiftungen – grenzt jene, die einen Arbeitsplatz haben, der auch von zu Hause stattfinden kann ab gegen jene, denen das nicht möglich ist; und facht in dieser Zone immer schön ein Feuer des Streits an, um vom eigentlichen Thema abzulenken, zu welchem wir alsbald kommen werden. Butter bei die Fisch: ich habe 26 Jahre im Einsatzdienst und auf Rettungsleitstellen gearbeitet. Und es wäre mir im Leben nicht in den Sinn gekommen, zu beklagen, dass andere es besser hätten, weil sie in einem Büro, oder eben nicht in einem Büro sitzen. Denn am Anfang stand halt die verfluchte Berufswahl. Und wenn DICH dein Job jetzt so ankäst, dass DU es nicht ertragen kannst, dass dieser Verwaltungsheini, Lehrer, oder sonstwer einen oder zwei Tage die Woche von daheim arbeiten darf – dann such DIR verdammt noch mal was anderes. DEIN Problem ist nicht der Job der anderen Person, sondern DEIN eigener, GODDAMIT! Aber… das Framing durch Lobbyismus und regelmäßig wieder lancierte Studien, die dieses oder jenes behaupten, hält den Kampf an dieser Front am Laufen. Auf die Art und Weise generiert man ein Feindbild: den “Sesselfurzer”. Es ist a) Blödsinn, zu glauben, dass alle Menschen, die in Büros wohnen nichts arbeiten würden und b) aus verschiedenen Gründen eine verdammt gute Sache für alle Beteiligten, wenn man denen unter bestimmten Umständen mobiles Arbeiten ermöglicht. Lässt sich auch recht gut begründen:

  • Umweltvertäglichkeit: weniger Pendeln = weniger Emissionen = Umweltschutz. Könnte eigentlich jeder verstehen können, der noch sechs bis acht funktionierende Hirnzellen hat. Aber das mit der Umwelt geht offensichtlich ja nicht wirklich in viele Schädel rein…
  • Sozialverträglichkeit: verschiedene Aspekte des Privatlebens und der Arbeit lassen sich so wesentlich besser unter einen Hut bringen. Und ja, das bedeutet bisweilen auch, dass die Arbeitszeit zergliedert sein mag. Solange jedoch die abgelieferte Leistung im richtigen Verhältnis zum gezahlten Gehalt steht, ist mir – auch als Vorgesetztem – am Ende herzlich egal, wann genau diese Leistung erbracht wurde, FALLS das Gegenüber die Vorzüge dieses Arrangements ebenso zu schätzen weiß. Überdies sind manche Menschen Introvertierte – und die BRAUCHEN ihre Zeit zum Nachladen der sozialen Batterien.
  • Produktivität: meine persönliche anekdotische Evidenz sagt mir, dass bestimmte Arbeiten in einem ruhigen, abgeschotteten Umfeld besser von der Hand gehen. Bei mir wäre das vor allem klassische Unterrichtsvorbereitung oder das Erstellen von Instruktionsdesigns. Es steht außer Frage, dass sich das Team trotzdem regelmäßig in Person sehen muss, denn Home-Office ist aus meiner Sicht immer nur ein Teil der Lösung. Für die Unken: die ernstzunehmenden Studien kommen allesamt zu dem Ergebnis, dass die gemessene Arbeitsproduktivität bei einer Hybridlösung (Home-Office vs. Präsenz 35 – 65) ideal ausfällt.
  • Teamwork: lässt sich nur teilweise über die Distanz aufrecht erhalten. Aber es ist eine Legende, dass das gar nicht ginge. Mein Team und ich haben das mehrfach bewiesen. Die richtige Mischung aus Nähe und Distanz ist allerdings in jeder Beziehung entscheidend für den langfristigen Erfolg – auch am Arbeitsplatz.

Worum geht es also: es geht NICHT um die Frage, ob Menschen generell im Home-Office fauler sind. Funfact: manche sind das auch am Präsenzarbeitsplatz, denn Penner die sich mit minimalem Aufwand durchs Leben stinken, gibt’s leider überall. Die muss man einfach markieren, observieren und ggfs. eliminieren – egal ob im Home-Office oder im Büro! NEIN, es geht darum, die Gräben innerhalb der erwerbstätigen Masse der Menschen im Lande schön tief zu halten, damit wir working people ja nicht auf die Idee kommen, mit einer Stimme zu sprechen. Wo kämen wir denn da hin? Da kommt ja am Ende noch “TAX THE RICH” raus. Das geht ja mal gar nicht. Kleines Rechenbeispiel: Jemand hat 100 Millionen auf der Bank. Darauf bekommt die Person, wenn sie gut verhandelt hat derzeit ca 2,5% Zinsen (wahrscheinlich mehr, denn man braucht viel Kapital, um neues FIAT-Geld erzeugen zu können). Das sind 2.500.000,00 €. per Anno. Darauf werden in Deutschland 25% Kapitalertragssteuer also 625.000,00€ fällig. Und noch mal der Solidarzuschlag in Höhe von 5,5% des Kapitalertragssteuersatzes. In diesem Fall sind das 34.375,00€. Bleiben also 1.840.625,00€ per anno übrig. Würde das als normales Erwerbseinkommen versteuert, würde deutlich mehr fällig. Der Einfachheit halber nehmen wir den Höchststeuersatz von 45% (stimmt nicht ganz, lässt sich hier aber leichter darstellen). Das wären dann 1.125.000,00€ mit einem verbleibenden Einkommen von 1.375.000,00€ – oder 465.625,00€, die der Staat NICHT einnimmt, weil er erwerbsloses Kapitaleinkommen gegenüber Erwerbseinkommen aus eigener Tätigkeit bevorteilt. Und das kommt NUR UND AUSSCHLIESSLICH einer Gruppe in Deutschland zu Gute: dem oberen Prozent. Und da wird wesentlich mehr Kapital bewegt als lumpige 100 Millionen, das waren doch schon 1994 mur Peanuts, nicht wahr, Herr Kopper?

Die ganzen Neiddebatten, das scheinbar nutzlose Wiederaufkochen alter Diskussionen, das Veröffentlichen dieser oder jener Studie, das dauernde Trara irgendwelcher Arbeitgeberverbände, wir würden alle zu wenig arbeiten – all das dient nur dem Zweck, dass wir NIEMALS wirklich darüber nachdenken, das Geld, welches uns fehlt, um den Schwächsten der Gesellschaft ein würdiges Leben zu ermöglichen, sofern sie dazu nicht selbst in der Lage sind, dort holen, wo es eh schon zuviel von allem hat. Und nur mal so am Rande – viele Staaten in der EU haben Höchststeuersätze weit jenseits der 50%-Marke. Wie wir übrigens auch bis ca. zum Jahr 2000. Man möchte es kaum glauben, aber ausgerechnet während der, ansonsten eher neoliberal ausgerichteten Ära Kohl (1982- 1998) waren deutlich mehr Steuern fällig als heute… Wenn also jemand für mich den Begriff “Sesselfurzer” benutzt, weil ich (leider zu viel) sitzender Tätigkeit nachgehe, dann kann ich nur mit Schulter zuckend sagen: “DU hast GAR NICHTS verstanden, DUMMY!” Eine gute Workplace Culture wäre folglich, zu akzeptieren, dass a) nicht alle Tätigkeiten gleich und b) nicht alle Tätigkeiten GLEICHWERTIG sind; und überdies c) nicht alle Tätigkeiten auf die gleich Art und am gleichen Ort erbracht werden müssen. Kommt drüber hinweg ihr hart arbeitenden Wertschöpfer da draußen. Schönen Tag noch.

Auch als Podcast…

…unfinished business!

Ich gab zuvor schon einige Hinweise auf meine momentane Situation. Nun ist es so, dass ich – vollkommen unabhängig von meinem derzeitigen Zustand – sowieso immer jede Menge Zeug rumliegen habe, mit dem ich nicht so recht vorankomme. Aufgaben die unerledigt bleiben. Projekte, die ich nicht vorantreibe, entweder weil sie zu anstrengend, zu kompliziert oder zu langwierig sind; und ich mir das überdies vorher einfacher vorgestellt hatte. Alltagskram, der einfach nicht von der Hand gehen will. Jeder von uns hat vermutlich diesen kleinen Friedhof von Lebenslast, der einfach nicht weggehen will. Aber wie soll er das auch, wenn man sich nicht dazu aufraffen kann, etwas gegen diesen mentalen Gottesacker zu unternehmen. Manchmal ist es bloßes Prokrastinieren. Manchmal ist es Ablenkung. Und manchmal ist es Zeitnot. Doch egal welche Ausrede ich mir auch einfallen lasse, vom ignorierend Abwarten wird es nicht besser. Zähle ich jetzt noch meinen derzeitigen mentalen Zustand hinzu, wird daraus plötzlich eine explosive Mischung aus Verweigerung, Indolenz und Überforderung, welche meine Probleme verschärft. Einfache Missgeschicke, die zumeist mit einer charmanten Entschuldigung aus der Welt geschafft werden können, gären dann unter Umständen so lange, bis der üble Geruch der enttäuschten Erwartungen Anderer anfängt, meine komplette Umwelt zu verpesten. Und ich kann den anderen noch nicht einmal böse dafür sein.

Das unerledigte Problem – so als eigene Kategorie – ist für mich EIN Stigma meines Daseins. Und es ist ja nicht so, dass ich nicht eh schon genug Stigmata hätte: zum Beispiel einen an der Klatsche, um es mal etwas unpoetisch auszudrücken. Oder mein manchmal viel zu loses und lautes Mundwerk. Nun ja, jeder legt sich seine Bäreneisen selber aus, in die er dann hinterher hineintritt. Ich hatte vor kurzem schon einmal darauf hingewiesen, dass ich die letzten Tage als einen irritierend angespannten Zustand bitteren Nichtstuns empfinden musste. In meinem Geist flogen zwar diverse Gedanken und Ideenfetzen durcheinander, doch nichts davon konnte soweit reifen, dass es einen – produktiven – Kreativprozess ausgelöst hätte. Ich hänge immer noch in diesem Dazwischen fest und habe keine Ahnung wie lange das noch so weitergehen soll. Ich meine, es heißt doch immer, man soll die Zeit der Rekonvaleszenz für die Dinge nutzen, welche dem aktuellen Leiden, etwas entgegensetzen können; also im besten Falle eine, wie auch immer geartete, Heilung unterstützen. Auf mich bezogen wäre es ein Schaffensprozess, der meinem Geist guttäte, denn ich liebe es, kreativ sein zu können. Nur klappt das leider im Moment nicht…

Ich gehe derzeit so gut wie jeden Tag allein am Fluss entlang. Hauptsächlich, um meine verzwickten Gedanken zu ordnen; und tatsächlich funktioniert das auch. Und zwar genauso lange, wie ich in Bewegung bleibe. Sobald ich jedoch wieder zu Hause bin und versuche, zu greifen, was mir gerade eben noch durch den Kopf ging, ist diese Ordnung, sind diese Ideen oftmals schon wieder verflogen. Zumindest die allermeisten. Ich habe unterdessen den Eindruck gewonnen, dass meine kreativen Muskeln derzeit ohne Erlaubnis eine längere Pause machen. Und zwar irgendwo anders, nur nicht hier mit mir. Daraus folgt jedoch zwangsweise, dass die Bibliothek mit meinem unfinished Business wächst, anstatt kleiner zu werden. Denn so manche Sache wartet dort schon eine ganze Weile auf eine Lösung, einen Kniff, einen Workaround – oder letztlich die Erledigung. Bei meiner Arbeit bin ich (oder besser, war ich) meist in der Lage, Herr der Dinge zu bleiben. Aber möglicherweise habe ich dabei in den letzten Monaten soviel Kraft aufgebraucht, dass die Maschine sich überhitzt hat. Und in der Folge fühle ich mich selbst derzeit wie unfinished business – unfertig, unbeachtet, ungewohnt untätig… oder mit einem Wort UNERFÜLLT.

Nun könnte man mir erwidern “…aber du schreibst doch gerade!”. Und das ist auch wahr. Es stellt den – in meinem eigenen Empfinden allerdings sehr bemühten, ja nachgerade verzweifelten – Versuch dar, mich wieder in den Griff zu bekommen. Wohin der führt, wird sich noch weisen müssen. Ursprünglich hatte ich das Gefühl, Menschen im Stich zu lassen, wenn ich mich in eine ärztlich angeordnete Rekonvaleszenzphase (besser bekannt als AU-Bescheinigung) begebe. Ich bin ja immer noch selbst so dumm, dem sozialen Stigma der psychischen Erkrankungen aufzusitzen, getreu dem Motto “stell dich doch nicht so an, ist doch nur ‘ne Phase” – FICK DICH “nur ne Phase”; nur weil man’s nicht sehen kann ist es deswegen nicht weniger schmerzhaft, Dummy! Mittlerweile bin ich mir nämlich ziemlich sicher, dass ich gut daran getan habe, manche Menschen nicht weiter mit meiner, mutmaßlich letzthin gelegentlich belastenden Anwesenheit zu nerven. Es ist, wie es ist – es ist, was es ist. Manchmal stehst du im Ruderhaus und kannst einfach nur zuschauen, wie der Eisberg näherkommt. Dieses Mal habe ich – hoffentlich – das Ruder früh genug herumgerissen. Wir hören uns – das hier ist für mich nämlich Therapie. Kommt darauf mal klar, liebe Mitmenschen.

Auch als Podcast…

New Short #01 – …and more?

Als ich dieser Tage so durch meine Hood ging, mit der Beute meines mittäglichen Ausfluges zum asiatischen Spezialitäten-Restaurants in der Tasche, kam ich – nicht zum ersten Mal in diesem Leben – an jenem Schild vorbei, welches da stolz verkündet “Feinkost and more”. Und manchmal setzen solche Kleinigkeiten unerwartete Denkkaskaden in Gang, denn… WAS ZUM HENKER IST DIESES “MORE”? Ich meine, wenn ich in Frankreich durch einen Ort gehe, dann steht auf einem Schild möglicherweise “Gaspard et Fils – Boucher”. Und das ist dann ‘ne Metzgerei, aber sicher nicht “more”; von was denn auch? Jagdbedarf? “More”, wortwörtlich übersetzt mit “mehr” verweist üblicherweise auf einen Überschuss, etwas anderes, etwas zusätzliches, dass nicht auf den ersten Blick sichtbar wird – und damit auf das Versprechen, dass man HIER an DIESEM Ort mehr bekommt, als das, was vordergründig in der Auslage umhersintert. Nun ist es aber eher unwahrscheinlich, dass sich hinter jedem “more” ein Speakeasy, eine Schattenbank, ein Bordell, ein Spielcasino oder eine Vermittlungsagentur für Auftragskiller verbirgt. Zumindest in meiner Hood fände ich das seltsam. Ist hier einfach nicht das Klientel dafür. Da kenn ich andere Gegenden… Was also soll dieses verf****e “and more” auf diesem Schild? Bieten die Heimservice an? Kann man hinten im Laden neben Feinkost auch noch einen recht einfachen Haarschnitt erwerben, wenn man das Passwort “Prinz Eisenherz”sagt? Sägen die einem Holz zu, oder verchecken die “vom Laster gefallene” Ikea-Ersatzteile?

Aus meiner Sicht ist diese – nutzlose – Floskel das Deppen-Postscriptum der eigenen Geschäftsbeschreibung. Also in etwa analog zum Deppen-Apostroph in “Andrea’s Haarstudio”, welcher nicht etwa auf einen Friseurladen hinweist, der von einer Andrea betrieben wird, sondern zuvorderst auf mangelhafte Kenntnis der Muttersprache. Der von ihr betriebene Laden müsste “Andreas Haarstudio” heißen, wohingegen “Andreas’ Haarstudio” korrekterweise auf einen männlich gelesenen Betreiber hinweisen würde. Please, learn the difference! Dieses “…and more” ist einfach nur billigstes Möchtegern-Marketing-Sprech aus dem legendären Handbuch “Bullshit-Gelaber für Dummies”. Es weckt durch seine Offenheit unnötige – und zumeist dann auch noch unerfüllbare – Erwartungen an ein “besonderes Shopping-Erlebnis”, ohne die so entstehende Ambivalenz mit Gehalt füllen zu können. So, wie man nie hungrig einkaufen gehen sollte, darf man ein “…and more” einfach NIEMALS für bare Münze nehmen. In 95% aller Fälle hat der Schreiber nicht nachgedacht, in 4,9% aller Fälle hat er versucht nachzudenken und kam leider dennoch zum falschen Ergebnis… und in 0,1% der Fälle kann ich hier vielleicht tatsächlich doch Geld waschen oder einen Killer für Erbtante Frieda anheuern. Ich würd aber nicht drauf wetten, dass das Angebot was taugt, wenn der Anbieter so eine gequirlte Bullen-Scheiße auf sein Ladenschild schreibt.

Machen wir’s kurz: lasst dieses selten dämliche “…and more” einfach weg und besinnt euch auf die Kernkompetenzen eures Geschäftes. ICH mag kleine Läden mit überschaubarem, aber dafür qualitativ ansprechendem Angebot. Ich wünsch euch einen schönen Tag… und mehr…!

Auch als Podcast…

…und der Abgrund schaut zurück!

Wenn einen das Schicksal – oder besser die eigene (Un)Gesundheit – zu einer Auszeit zwingt, dann kann man bemerken, was der Geist momentan noch zu leisten vermag, wenn er NICHT zu irgendetwas gezwungen wird. In meinem Fall lautet die aktuelle Antwort: ZERO! Ich bin an das Funktionieren unter widrigen Umständen unterdessen gewöhnt. Auch daran, weiterzumachen, wenn ich eigentlich lange aufgehört haben sollte. Jemand hat Muhammad Ali mal gefragt, wie viele Wiederholungen er während seines Trainings bei Sit-Ups, etc machen würde. Er antwortete sinngemäß, dass er das nicht wisse, weil er erst zu zählen begänne, wenn der Schmerz käme… Ich kann über physisches Training nicht allzu viel sagen. Aber wenn es um Stressresilienz, kognitive Leistungsfähigkeit, Problemlösen geht, mache ich in aller Regel weiter, auch wenn es schon sehr weh tut. Und dann eben auch länger, als dies sinnvoll wäre, denn jede*r von uns ist irgendwann durch mit “dem Leisten”. Man kann das als Gabe betrachten – oder als Fluch. Das Ergebnis hängt vermutlich vom gewählten Zeitpunkt ab. Das Problem ist, wie bei allen systemischen Kipppunkten, dass man sie erst aus der Nähe zu erkennen beginnt und auch eine Vollbremsung einen erst DAHINTER endgültig zum Stehen bringt. Scheiße daran ist, dass man das eigentlich weiß; und trotzdem jedes einzelne Mal wieder in diese Falle tappt. Nur ein bisschen noch…

Ich hatte die schöne Idee im Kopf, einfach bis zum Urlaub durchzuhalten und dann, in der Ruhe und Abgeschiedenheit den Schalter umzulegen und auch mal ein paar (hundert) Zeilen für meinen eigenen Projekte zu schreiben. Weil ich meine Kreativität ja nicht zu Hause lasse, nur weil ich auf Reisen gehe. Was ich jetzt in den letzten Tagen an mir selbst erlebt habe, lässt mich allerdings sehr zweifeln, dass das auch nur im Ansatz funktioniert haben könnte. Denn meine kreativen Batterien (und im Übrigen auch meine sozialen) sind so lotterleer, dass ich erst mal 48h zum Smombie degeneriert bin. Ich lies mich durch antisocial media und allen möglichen anderen Online-Quatsch treiben und schwamm in meinem Cortisolsee regelmäßig solange hin und her, bis der Akku leer war. Antriebslos. Ideenlos. Von allem überfordert. Erst jetzt, nach ein paar Tagen, da ich echte Maßnahmen gegen meinen Zustand ergriffen und zwischendurch sogar einige wenige, wohldosierte soziale Kontakte gepflegt habe, bemerke ich überhaupt, WIE LEER ich tatsächlich war… und immer noch bin. Als ein gutes Zeichen in diesem Zuammenhang möchte ich allerdings werten, dass es mir wieder möglich ist, mich hier schriftsprachlich so auszudrücken. Die letzten drei Tage war ich nicht mal fähig, kohärente Gedanken zu fassen, die signifikant über das existenziell notwendige hinausgingen. Yeehaa!

Meine Vermutung dazu lautet folgendermaßen: mentaler Detox bedarf des verschärften Müßigganges. Allerdings nicht Urlaubsstyle. Denn Urlaubsstyle würde u. U. bedeuten, dass man irgendwohin reisen muss und für den Aufenthalt dort womöglich ein Programm, oder zumindest einige Highlights eingeplant hat, die man unbedingt gesehen haben muss, weil man ja NIEMALS wieder dahin kommt. Dieser Gedanke ist für mich übrigens noch so ein Grund, lieber in bekannte Gefilde zu reisen… Nichts von dem ziellosen Mäandern, welches die letzten Tage mein Tun und Lassen beherrscht hat, passte jedoch in dieses Muster. Ich bemerkte an mir den Drang nach Zweckfreiheit, wie ich diesen auch im Urlaub habe; allerdings mit dem Unterschied, dass düstere Gedanken mich im Griff hielten und alles Denken, Fühlen, Schaffen zu einem Stopp auf freier Strecke kamen. Rien ne va plus. Das fühlte sich für mich zunächst bedrohlich an, bin ich doch sonst so gut wie nie derart ziellos untätig. Hatte ich nicht erst kürzlich davon gesprochen, dass es mir ein intrinsisches Bedürfnis ist, kreativ tätig sein zu können, ohne dessen Befriedigung ich in ein Loch voll subjektiver Nutzlosigkeit falle? Quod erat demonstrandum. Die Bedrohlichkeit weicht eben der Erkenntnis, dass man nur kreativ sein kann, wenn noch ein Fünkchen Energie in einem verblieben ist. Offenkundig war da allerdings nichts mehr. Womit das, oben erwähnte, gute Zeichen in zweierlei Hinsicht Zuversicht in mir schafft: die düsteren Gedanken lassen sich relativieren, indem man über diese spricht und die Wiederaufladung meiner Batterien ist möglich.

Ich hatte mich selbst in den letzten Wochen einmal mehr – immer mehr – grundlegend fehl am Platze empfunden, meine Wurzeln aus dem Sinn verloren, meine Fähigkeit irgendwie durch den Sturm namens Leben zu navigieren eingebüsst, also verlernt, mich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen. Ja, ja ich weiß, auch mit dem Schwank hatte der Baron von Münchhausen natürlich eine Lügengeschichte erzählt. Aber die Idee, aus eigener Kraft aus einem derben Schlamassel rauskommen zu können, ist trotzdem charmant. Noch sehe ich das für mich selbst allerdings nicht. Aber vielleicht muss ich das mit der richtigen Hilfe ja auch gar nicht? Es würde eh nur wieder diese gefährliche Illusion nähren, dass wir Meister unseres eigenen Schicksals wären, wenn wir doch nicht einmal ein klitzekleines bisschen hinter die Mauer der nächsten Sekunde sehen und uns somit auch nicht gegen die Macht des Zufalls imprägnieren können. Ich werde hier nicht dem Fatalismus das Wort reden, da ich weiß, dass der durch gute Pläne Vorbereitete dem Schicksal wenigstens dann und wann ein Schnippchen schlagen kann. Aber wie wäre es stattdessen mit etwas mehr DEMUT? Insbesondere vor der eigenen Fehlbarkeit und Verletzbarkeit; aber auch vor der Fehlbarkeit und Verletzbarkeit der Anderen. In diesen Abgrund der Erkenntnis starre ich seit ein paar Tagen. Eben hat er zurückgeblinzelt. Mal schauen, was als nächstes kommt…

Auch als Podcast…

Gewitter im Kopf

Das heutige Wetter reflektiert in frappierender Weise mein Innenleben. Einerseits wirke ich äußerlich vermutlich so ruhig und soziabel, wie sonst zumeist auch. Andererseits ist mein ICH gerade in Aufruhr. So sehr, dass ich gegenüber der besten Ehefrau von allen dieser Tage bemerken musste, dass ich zwei Mal die Distanz Erde – Mond von meinem wahren Ich entfernt sei. Während ich diese ersten Zeilen schreibe, geht gerade ein recht ergiebiger Gewitter-Schauer auf die Stadt hernieder. Und ich muss sagen, dass ich es genieße, dem Wasser, welches der Wind vor meinem Fenster vorbeitreibt zuzuschauen. Das Innen und das Außen sind bei verschiedenen literarischen Genres jeweils Spiegel des Gegenüber. Insofern passt dieses Szenario, ist mein Geist doch derzeit verfinstert von Erschöpfung, Irritation, Zweifeln, und anderen negativen Wahrnehmungen, die ich trotz meines umfangreichen Vokabulars nicht so recht zu beschreiben weiß. Manche Dinge fühlt man einfach nur und versteht trotzdem nicht, was da gerade passiert. Und während ich darüber nachsinne, spielt sich draußen ein apokalyptisch anmutendes Wetterchen ab – zumindest, wenn man den Schreien der Passanten lauscht. Here we go again – die Depression ist zurück. Ich will gar nicht so viel darüber sprechen, warum das jetzt gerade so ist, und was ich dagegen nun zu tun gedenke, sondern eher über meine Historie mit dem Sujet.

Ist ja nicht so, dass ich erst seit gestern dieses Päckchen mit mir herum trage. Wenn ich so darüber nachdenke, wie mein Leben bislang verlaufen ist und zu welchen Zeiten mich welche Sorgen und Gedanken mehr oder weniger stark gequält haben, dann liegt der Ursprung vermutlich in meinen mittleren Zwanzigern, eventuell aber noch früher. Die Veranlagung hat mir wohl meine Frau Mutter vererbt, auch wenn sie es für sich selbst niemals zugeben wollte. Und ich konnte damals den Finger nicht drauf legen, weil ich noch nicht den Weitblick und das Vokabular meines mittlerweile 51-jährigen Ichs hatte; wie denn auch? Ich spürte jedoch, dass mit mir irgendwas nicht so war, wie mit den meisten Anderen. Und trotzdem empfand ich früher oft eher geringe Empathie mit den psychisch erkrankten Patienten, welche das Schicksal mir in den Rettungswagen zu spülen beliebte. Vermutlich, war das eine Projektion meiner eigenen Schwächen und Probleme, die ich nicht wahrhaben wollte. Psychische Erkrankungen tragen bis heute ein erhebliches soziales Stigma in sich; damals noch viel mehr. Also konnte nicht sein, was nicht sein durfte. Ich war doch der Kerl, der zur Hilfe kam, nicht aber der, der Hilfe brauchte! Ich musste erst einen wahrhaft traumatischen Einsatz erleben und 40 Jahre alt werden, um zu verstehen, dass keiner von uns aus Eisen ist. Dann bekam ich meine Erkenntnisse allerdings auch mit der groben Kelle ausgeteilt: 2014 war ich dann insgesamt 18 Wochen krank incl. Wiedereingliederung, bekam Psychotherapie, schluckte Pillen – und stand mühsam wieder auf.

Es hatte auch sein Gutes. Ich bin seit jener Zeit – meistens – deutlich aufmerksamer für meine Bedürfnisse, die tiefen, dunklen Löcher, denen ich besser ausweichen sollte und die Notwendigkeit, Ruhepausen einzulegen. Aber ich musste mir ja unterdessen unbedingt noch einen akdemischen Grad und einen Leitungsjob zulegen. Meine unbändige Neugier, meine Kreativität, meine Skills im Troubleshooting und in der Kommunikation, sowie meine Lust an der Lehre ließen mich da irgendwie rein rutschen und jetzt werde ich nicht behaupten, dass ich diese Arbeit nicht mag. Überdies bezahlt sie einen guten Teil unsere Familienlebens. ABER… eigentlich ist der Stress manchmal zu viel. Und wenn man dann – sozusagen als Sahnehäubchen auf der Schwarzwälder – auch noch herausfinden muss, dass manche Dinge (und manche Menschen) nicht so sind, wie es nach außen den Anschein hatte, kommt man sich halt hart gegaslighted vor. Und so eine Erfahrung macht mit Depressionserkrankten wie mir keine schönen Dinge! Es war in den letzten jahren nie auch nur für ein paar Monate wirklich leicht, den Laden am Laufen zu halten. Und ich bin nicht der Typ, der dann jemand anders ruft. Ich habe mich – stets beinahe ausschließlich von meinem, nur sehr langsam wachsenden, Team unterstützt – immer weiter durch gewurschtelt. Und zuletzt begann einmal mehr alles ganz gut auszusehen. Bis ich – mal wieder – zwei Tiefschläge kassieren musste. Und die kann ich derzeit, beim besten Willen, nicht mehr kompensieren. Meine Energie ist aufgebraucht, incl. dem, was ich noch vor fünf Wochen in Italien nachzutanken die Gelegenheit hatte. Ich kann nicht mehr und ich will auch nicht mehr. Interessant war dabei für mich, einmal mehr erleben zu müssen, dass ich immer noch hochfunktional performe, wenn innen schon alles nach Dresden ’45 aussieht. Das lässt manche Menschen an meiner Aussage zweifeln, dass ich depressiv sei. Denen sage ich: FICKT EUCH! Was kann ich denn dafür, dass ich krank immer noch besser performe, als so mancher vollkommen gesund…?

Eine Weile später ist es da draußen wieder heiter bis wolkig. Das Gewitter in meinem Kopf, das bleibt jedoch. Natürlich ist dieser Zustand das Ergebnis einer komplexen Melange aus Biochemie im Kopf, extrinsischen Einfüssen aus meinem Arbeitsumfeld, Sorgen über das, was daheim rings um das Zusammenleben mit meinen Lieben so alles passiert und – natürlich – gelegentlich nicht allzu günstigen Coping-Strategien. Scheiße gelaufen, Digger! Aber so isses jetzt halt. Und weil es so nicht bleiben kann… werden wir sehen, was die nächsten Wochen so bringen. Immerhin – denken kann ich noch klar. Und ihr so…?

Auch als Podcast…

Kreativ begrenzt…?

Etwas machen! Etwas NEUES machen! Der Wunsch, schöpferisch tätig zu sein wohnt – zumindest in meiner Wahrnehmung – nicht jedem Menschen inne. Muss er aber auch nicht, solange es nur genug von uns gibt, deren intrinsische Motivation über das bloße Besorgen des Notwendigen zur reinen Subsistenz hinausweist. Roboten, damit Essen auf dem Tisch steht, man ein Obdach und Kleidung hat, die vor dem Unbill der Umwelt schützen und etwas Unterhaltung, um sich vom gelegentlichen Elend durch das Roboten ablenken zu können, ist dennoch für niemanden von uns vom Tisch. Aber der Kreislauf des Kapitalismus verlangt von den allermeisten keine, oder nur sehr wenig Kreativität, keine Innovation, sondern lediglich Problemlösen im Rahmen definierter Parameter. Oft sind die darum entwickelten Arbeits-Vermeidungs-Strategien die höchste Form von Leistung, die man realistischerweise erwarten darf. Aber das Roboten in einem eng begrenzten Rahmen, das kriegen die Allermeisten allermeistens auch irgendwie hin. Das “irgendwie” im letzten Satz mag hierbei auf die Qualität des Hinkriegens hinweisen… MIR genügt es jedoch nicht, im Rahmen definierter Parameter zu “funktionieren”. Sprach ich nicht erst neulich von Leidenschaft? Von meiner ersten und größten Leidenschaft, dem Geschichtenerzählen? Vermutlich ein Tun, dass zumindest dann und wann ein wenig Kreativität fordern könnte. Allerdings sprach ich auch von Scheitern; und damit gleichsam von den Hindernissen, mit denen Kreativität zu kämpfen hat…. oder? Oder könnte es nicht vielleicht doch so sein, dass Hindernisse und Beschränkungen uns erst dazu anregen, etwas wirklich interessantes entstehen zu lassen?

Letzthin habe ich mich neu mit der Frage nach der Quelle meiner Inspiration auseinandergesetzt und bin dabei unter Anderem über ein Youtube-Video gestolpert, welches sich mit eben der Frage befasste: was machen Begrenzungen und Hindernisse mit unserer Kreativität? Spannend fand ich die hier gewonnene Erkenntnis, dass solche Herausforderungen diese eher steigern; undzwar durch die ihnen innewohnende Notwendigkeit, originelle Lösungen für ungeahnte Probleme finden zu müssen. Konfrontiert mit dem Mangel an Ressourcen wie Raum, Zeit oder Geld, eingeschränkt durch die verfügbare Technik (oder den Ausfall derselben) wird einfaches Problemlösen plötzlich oft genug zu einer eigenen Kunstform. Würde man immerzu aus den Vollen schöpfen können, jedes Problem sofort mit einer Reay-Made-Solution bombardieren können, wäre ein kreativer Prozess in etwa so, wie der durchschnittliche Schulweg irgend so eines behelikopterten Bonzen-Kindes in Hamburg: planiert von Mamas überteuertem SUV! Keine Anstrengung, keine Herausforderung, keine Notwendigkeit zur Kooperation – und damit absolut nix gelernt. Denn der Fond von so einem Möchtegern-Leistungsträger-Panzer ist das Sinnbild der Komfortzonen-Couch. Du wirst einfach über alle möglichen Hindernisse hinweg getragen. Doch erst, wenn du auf etwas stößt, dass dich bremst, dass dich irritiert, dass dich dazu zwingt, zur Seite zu gehen oder mit dem Klettern anzufangen, setzt du dich wirklich mit deiner Umwelt auseinander. Wenn man kreativ sein bzw. werden möchte, darf man niemals damit anfangen, immerzu die gleiche alte Antwort auf neue Fragen geben zu wollen. Man muss jede Herausforderung zu ihren jeweiligen Bedingungen annehmen und analysieren, um sie begreifen und bearbeiten zu können. Kreativität ist Lernen ist Kreativität. Und das strengt an! Das muss man wollen!

Welcher Art meine Beschränkung der Mittel in irgendeinem kreativen Prozess auch sein mag; ich sollte diese nicht von vornherein als Zeichen begreifen, es sein zu lassen, sondern so oft es geht als Ansporn sehen, neue Wege zu suchen; denn das Sprichwort “Not macht erfinderisch!” gilt nicht nur für Autowerkstätten im Südsudan. Nach meiner persönlichen Erfahrung ist es leicht, sich von auftauchenden Hindernissen entnerven, entmutigen, gar ganz vom Vorhaben abringen zu lassen. Das, was einen dann noch vorwärts treiben kann, ist intrinsische Motivation, kreativ sein zu wollen, etwas schaffen zu wollen und darum bereit zu sein, mit dem zu arbeiten was man hat – und das, was man nicht hat positiv auf den Prozess wirken zu lassen. Diese Motivation ist, wie bereits oben gesagt, keine Ressource, die jedem Menschen in gleichem Maße zur Verfügung steht. Und das ist auch okay so, denn kreativ sein zu MÜSSEN, weil es einem halt wichtig ist, kann gelegentlich durchaus mit Schmerzen verbunden sein. Dieser Drang entsteht meist aus einer inneren Ideenfülle, die manche von uns in sich tragen und die sich einen Weg nach draußen suchen MUSS, damit man nicht bald das Gefühl bekommt, wertlos zu sein, weil man keine dieser Ideen in die Tat umsetzt. Und dann rennt man halt oft in die vielen Fallen auf dem Weg; wobei es für die meisten einen Walk-Around gibt. Ich habe kein Geld für teure Software oder die “richtigen” Geräte? Für viele Projekte genügen frei verfügbare Programme und ein Mittelklasse-Smartphone / Tablet. Das Wichtigste ist, damit zu üben und sich mit den technischen Möglichkeiten und Grenzen auch wirklich vertraut machen. Ich habe nicht die passenden Hintergründe / Sets für meine Ideen zur Verfügung? Dann geht man raus, sucht nach den passenden Sets und probiert so lange, bis es passt. Ich bin mit meiner Schreibe nicht zufrieden? Meine Texte wirken nicht so, wie ich mir das wünsche? Da hilft nur eines: schreiben, schreiben, schreiben… dann lesen und noch mal schreiben! Kreativität ist ein Muskel, den man regelmäßig trainieren muss, um besser werden zu können. Und dann braucht man immer noch die richtigen Sparringspartner. Menschen, die einem sagen, wenn ein Projekt oder Produkt der eigenen kreativen Bestrebungen schlicht Scheiße ist.

Kreative Grenzen entstehen meist nur dort, wo ich sie entstehen lasse. Die einzige, wahre kreative Begrenzung, die sich dauerhaft meinen Fähigkeiten zur Problemlösung entzieht, ist ein extrinsisch erzeugter Mangel an Zeit, sich mit den verfolgten Ideen und Projekten zu den eigenen Bedingungen auseinandersetzen zu können. Denn an der Notwendigkeit, das existenziell Notwendige zu beschaffen, kommt keiner von uns vorbei. Wie dem auch sei – jene, die ihre Ideen in die Welt gesetzt sehen wollen, weil sie davon überzeugt sind, dass diese Ideen es wert sind, von anderen wahrgenommen und diskutiert zu werden, finden immer irgendeinen Weg. Denn sie MÜSSEN einen Weg finden, um nicht irgendwann an sich selbst zu verzweifeln. Also sitze ich hier und schreibe weiter… schönes Wochenende.

Auch als Podcast…