Möchtegern-Intellektuelle nerven!

Eines voraus: Ich dachte, ich käme schneller zum Schreiben, aber „Depression is still in town!“. Doch zur Sache. Es ist mir mittlerweile manchmal beinahe mit körperlichen Schmerzen verbunden, die Nachrichten zu konsumieren. Nicht etwa, weil dort von so vielen Orten rings um den Globus und gelegentlich auch vor unserer Haustür berichtet wird, an denen auf die eine oder andere Art Schlimmes geschieht, sondern weil man noch nicht einmal selbst die sozialen Medien bereisen muss, um dennoch recht genau zu wissen, was kurz darauf dort passiert – Meinungsaustausch! Wenn man das denn so nennen mag…

Es wäre glatt gelogen zu behaupten, dass ich nicht irgendwann gelernt hätte, mich an meinem eigenen diesbezüglichen Entsetzen zu weiden; wir haben alle irgendwo tief im Innern eine masochistische Ader, wofür der Umstand ein guter Indikator sein mag, dass wir das Negative immer deutlicher, prägnanter, trennschärfer wahrnehmen, als das Positive. Dieser Bauplanfehler unserer Psyche war vor Urzeiten vermutlich nützlich, um uns vor Gefahren zu warnen, doch heute ist er ein lästiges, limbisches Überbleibsel, welches uns nur zu oft daran hindert, einfach mal etwas zu genießen. Dieser eingebaute Spielverderbermodus fährt immer dann den Kontrast hoch, wenn etwas Schlimmes, Bedrohliches, Widerwärtiges geschieht, damit die Erinnerung daran uns mahnt, solche Situationen zukünftig zu meiden. Die Nachrichten zu meiden ist allerdings die schlechtere Option, wenn man seine Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe wenigstens so rudimentär gewahrt sehen möchte, wie sie eben heute gerade noch sind.

Ist man dort, landet man aber ebenso unvermeidlich, wie einen die Bilder von Krieg, Tod, Not, Elend anziehen bei den Kommentarseiten. Und was findet man dort? Nun ja, Krieg, Tod, Not, Elend… nur eben als Auswüchse dessen, was nicht Wenige als ihre eigene Meinung missverstehen. Nur dass diese durch die Wahrnehmung schon lange von Anderen präformiert wurde. Unsere Linsen und Mikrofone werden von Jugend an geeicht; und zwar auf bestimmte Kanäle. Das ist Teil dessen, was man als Sozialisation bezeichnet. Um an dieser Stelle wirklich ehrlich zu sein: ein ziemlich uncharmanter Teil davon, denn die televerbalen Absonderungen so Manchen zum Kommentar Berufenen sind ein offenes Eingeständnis des eigenen Mangels an Bildung, Sachkenntnis und Sozialkompetenz. Wer darauf auch noch stolz ist, sollte eigentlich den ganzen Tag mit seiner eigenen Scheisse beworfen werden. Ob man das metaphorisch oder wörtlich nehmen möchte, bleibt jedem selbst überlassen.

Abseits derer, die sich schnell und offensichtlich des Trolltums entlarven, bleiben allerdings noch jene Mitmenschoiden, die tatsächlich über eine halbwegs polierte Sprache, wenigstens etwas Sachkenntnis und Argumentationsfähigkeit verfügen – und das auch gleich jeden wissen lassen. Intellektuelle Poser, oder besser gesagt Möchtegern-Intellektuelle haben einen besonderen Platz in meinem Herzen. Das ganze andere Foren- und Kommentatorengeschmeiss, das ca. 75% aller Posts produziert, amüsiert mich gelegentlich, meistens ist mir deren Geseiere aber einerlei. Aber der Comment-Narziss, der selbsternannte Thread-Meister, der Oberbesserwisser und Andereverbessernmüsser als identifizierbarer Archetyp – der hat sich meinen ehrlichen Hass erarbeitet! Menschen, die nichts Besseres zu tun haben, als sich zum Aufpolieren des Egos durch ihre – selbstgefühlt brillanten – Ergüsse mit aller Macht im mageren Licht der virtuellen Sonne erstrahlen lassen zu müssen, sind einfach nur armselig. Sie nerven, rauben Webspace und polarisieren jede Diskussion zu Tode; selbst, oder gerade dann, wenn sie vielleicht gut geworden wäre. Hierzu sage ich – wenn ihr schon unbedingt im Internet Ego-Gewichse anzetteln müsst, dann informiert euch wenigstens vorher richtig und liefert eine fundierte Show ab. So kann ich euch nicht ernst nehmen. Am schlimmsten sind diesbezüglich übrigens Meinungs-Dogmatiker. Und von denen sind die meisten linke Möchtegernintellektuelle, die glauben, sie hätten die politisch-moralische Deutungshoheit gepachtet. Diesen Pennern widme ich meinen nächsten Post, bis dahin … macht was ihr wollt, aber bitte wenigstens richtig!

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