Lustig oder was?

Schreiben um des Schreibens Willen? Tue ich das wirklich, oder habe ich vielleicht doch eher ein gewisses Sendungsbewusstsein, wünsche ich mir nicht im tiefsten Grunde meines Herzens, dass meine Artikel etwas mehr Beachtung finden? Ja, natürlich, verdammtnocheins! Ich wäre ein unredlicher Mistkerl, ein echter Hoeness, wenn ich das nicht zugeben könnte. Ich blogge vor allem aus einem Grund – nämlich der ehrlichen Hoffnung, wenigstens ab und zu den Einen oder Anderen etwas zum Nachdenken anzuregen. Leser oder Zuhörer, so denn mal nennenswerte Zahlen zu Stande kämen, von meinen Standpunkten zu überzeugen, wäre schon viel zu viel verlangt, will ich mir doch nicht anmaßen, so etwas wie intellektuelle Autorität zu besitzen.

Aber hier und da vielleicht ein wenig mehr Meinungspluralismus, ein bisschen Kritik an den Zuständen, ein Quäntchen Engagement, also alles in allem eine Prise mehr Demokratie in Herz und Geist zu säen…; das wäre mir einiges wert. Und dass ich das so sehe, sagt einiges über meine Sicht auf unseren Staat und seine gegenwärtige Politikkultur aus – sofern man bei diesem dilletantisch gefügten Quilt aus neokorporatistischer Einflussnahme, eklatanter Missachtung des Gemeinwohls und wenig durchdachtem Populismus überhaupt von so etwas sprechen kann.

Ich habe letzthin festgestellt, dass das Kabarett in unserem Land entweder in’s wenig gehaltvolle Lamentieren über die, mehr oder weniger lustigen, bzw. leicht ausschlachtbaren Petitessen des Alltags abdriftet, oder aber die Protagonisten, die der Politik als verbalem Kampfgebiet treu geblieben sind, mit jedem Mal ein wenig bitterer zu werden scheinen – ganz so, als wenn Resignation Einzug halten würde, ob der nicht unerheblichen geistigen Unbeweglichkeit vieler Mitmenschoiden. Übrigens auch solcher in den heiß geliebten Entscheiderpositionen.

Ist es wirklich so, dass da lauter Masochisten im Publikum sitzen, die aus Angst vor Veränderung immer wieder das Gleiche wählen und dann bei wem auch immer in den Rängen sitzen, um – gequält? – darüber zu lachen, dass sie nun als die Idioten beschimpft werden, welche den Kraft Wahl zu Entscheidungen befugten Idioten ins Amt geholfen haben? Wenn das wirklich so wäre, käme es dann sogar schon auf kurze Sicht nicht insgesamt billiger, das höchstwahrscheinlich sowieso von gewaltigen logischen Inkongruenzen geprägte Sammelsurium der eigenen Standpunkte mal zu überdenken? Denn die meisten Leute bedienen sich ja anscheinend in den Medien meistens an den vorgefertigten Meinungen, als wäre Grabbeltischdonnerstag für Kinderklamotten bei Aldi. Vollkommen unabhängig vom Sachverhalt oder etwaig doch vorhandenen politischen Überzeugungen.

Man kann mit einem lachenden Auge darüber trauern, dass alles den Bach runter geht. Ist einfach, ungefähr so teuer wie eine Karte für’s Kabarett; oder wahlweise vielleicht eher der Strom für den Fernseher, spart einem das selber Denken und lässt das wohlige Gefühl zurück, nicht im Mainstream zu schwimmen, weil man dem klugen Mann da auf der Bühne ja eigentlich aus vollem Herzen beipflichtet. Schade nur, dass man dies ohne jegliche Konsequenz tut! Und dabei auch noch übersieht, dass es zumeist ein Mainstream-Medium ist, welches diese Sendung transportiert. Man darf sich dann damit trösten, dass dies bei den Öffentlich-Rechtlichen am expliziten Auftrag der Beförderung der Demokratie durch kulturellen und informativen Pluralismus liegt. Wenigstens diesbezüglich ist die GEZ zu irgendwas Nutze.

Vielleicht hilft es dem Zuhörer, auf jeden Fall aber mir, wenn man meine Wortbeiträge als eine etwas andere Form von politischem Kabarett betrachtet. Auch ich werde mit der Zeit bitterer, aber das liegt einfach an mit dem Lebensalter wachsender Erfahrung. Wenn ich also dann und wann so richtig böse werde, jammert mich nicht voll, sondern schaut in den Spiegel. Das liegt nämlich daran, dass immer noch zu wenig von euch da draußen denken, bevor sie handeln oder reden. Zu wenig konsequent sind, wenn sie es mal schaffen, sich von der Couch zu erheben und zu oft dumm nachplappern, was Andere ihnen vorgekaut haben. Ja ich rede von euch! Nehmt’s euch doch endlich mal zu Herzen! Bis die Tage wieder…

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