Introspektion reloaded…

Ich bin eine Rampensau! Man könnte dieses Fakt freundlich umschreiben und zum Beispiel sagen, dass ich mich manchmal ganz gerne ein wenig vordrängle; oder das es mir vielleicht dann und wann echt schwer fällt, nicht einfach mit Anlauf ins Rampenlicht zu springen. Aber ganz gleich, wie viel Euphemismus man auch einsetzen mag, ich bin jemand, der von sich gerne denkt, dass da wo er ist, vorne sein muss. Das kann durchaus charmante Züge annehmen. Es fällt mir selten schwer, die Leute mit einem markigen Spruch oder ein bisschen Stand-up-Comedy abzuholen, um sie zu unterhalten; vielleicht manchmal auch, um ihnen meine Denke nahe zu bringen. Das Problem ist, dass ich genau deswegen oft nicht Fünfe gerade sein und mal Andere machen lassen kann. Was einerseits die Gefahr der Redundanz in sich birgt, andererseits Jenen, die nicht so vehement vorwärts preschen, wie ich das zu tun pflege, den Raum zu agieren nimmt. Und das bedauere ich zutiefst!

Ich mache das ja nicht, weil ich böse bin und denke, dass diese Anderen es nicht drauf hätten. Im Gegenteil gehe ich bei (fast) jedem Menschen zunächst davon aus, dass er beziehungsweise sie genau wie ich einfach nur ein Mensch ist, der seine Sache – gleich welche Sache – ganz ordentlich macht und sich den üblichen Regeln des Zusammenlebens entsprechend zu benehmen weiß; ruhig aber nicht vollkommen passiv, höflich aber nicht devot, beflissen aber nicht servil, aufmerksam aber nicht speichelleckerisch, und so weiter… na sie wissen schon. Dieses Vorschussvertrauen wird üblicherweise bis zum Beweis des Gegenteils der ersten Annahme aufrechterhalten. Personen, die nicht in den Genuss dieser Behandlung kommen, haben das Pech, dass ich, genau wie jeder andere Mensch auch leider bezüglich bestimmter Sachverhalte und Personen Vorurteile habe. Man kann in mancherlei Hinsicht einfach nicht aus seiner Haut, auch wenn das vielleicht angebracht wäre…

Was jedoch mich betrifft, so brennt in mir ein Feuer. Das klingt jetzt sicher pathetisch und wenn man mich so anschaut, würde man vermutlich eher an ein Häufchen Grillkohle anstatt eines beachtlichen Osterfeuers denken. Doch tatsächlich bin ich ein eher unruhiger Geist und sehr häufig auf der Suche nach Stimuli. Da ich irgendwann beschlossen habe, dass bewusstseinserweiternde Substanzen abseits von alkoholhaltigen Getränken für mich nix sind, extreme Sportarten wie Downhillbiking, Fallschirmspringen und Ähnliches mich nicht reizen und ich dafür überdies NULL Begabung habe, blieb neben kognitiven Herausforderungen noch das soziale Feld… darauf kann ich gut spielen und tue es auch sehr gerne, was aber dazu führt, dass ich – deutlich öfter, als mir lieb ist – Menschen mit meiner Präsenz an die Wand fahre.

Nur, um dies als Teil meiner Entschuldigung in Positur zu bringen: ich plane sowas nur höchst selten, das passiert einfach. Menschen sagen irgendwas und vor meinem geistigen Auge klappt, wie bei Windowsprogrammen so ein Dropdown-Menü runter, mit zwischen drei und sieben wahlweise gaghaltigen, bösartigen, lustigen oder ironischen Kontern. Manchmal mischen sich auch mehrere der vorgenannten Optionen und mein launiges Konversationsstammhirn feuert munter drauf los, oft ohne vorher mögliche Folgen abzuwägen. Oh doch, ich kann durchaus diplomatisch sein, mich vorsichtig erklären, auf Menschen zugehen und sie auch gewähren lassen. Es gibt aber zwei Typen von Situationen, in denen dieses Feature meiner Persönlichkeit unwillkürlich zuschlägt: wenn ich mich wohl fühle und merke, dass jemand mitzieht, brenne ich gerne mal ein Feuerwerk an Albernheiten ab. Falls mein Gegenüber aber eher passiv ist, kann es passieren, dass ich die Person durch meine Worte und Handlungen dominiere, ihm oder ihr meine Deutung der aktuellen Situation aufnötige und entsprechend meiner jeweils gezogenen Schlüsse ohne ein weiteres Wort handle; auch wenn das bedeutet, dass ich mich später einer Diskussion stellen muss, wenn der derart überfahrene nämlich festgestellt hat, was ich gerade abzuziehen die Stirne besessen hatte.

Man muss keine Intelligenzbestie sein, um erahnen zu können, dass mich das gelegentlich in Schwierigkeiten bringt. Menschen, die sich von mir in irgendeiner Weise unangemessen behandelt oder benachteiligt fühlen, sind was Unschönes, egal ob sie ihren Frust verbalisieren oder nicht. Denn ich merke oft sehr wohl, dass ich über das Ziel hinaus geschossen bin. Aber zum sich entschuldigen können gehört eine Größe, an der es mir manchmal ebenso mangelt, wie an der Bedachtsamkeit, welche die Notwendigkeit einer Entschuldigung verhindern könnte. Daher sei es auf diesem Wege als digitaler Dispens erbeten: wenn ich in letzter Zeit jemanden zu sehr überfahren haben sollte, tut es mir ehrlich und aufrichtig leid! Ich versuche mich zu bessern. Nur das spontane Reißen bösartig-ironischer Witzchen, das werde ich wohl nie ablegen können. Ironymus ist halt mein zweiter Vorname…

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