Heute mal linke Polemik

Ich habe jetzt angefangen, auf Fratzenbuch deutliche Kommentare bei jenen zu hinterlassen, die rechte Scheiße teilen und liken. Es nutzt nur nichts und ich weiß nicht, ob ich schon so weit bin, diese Leute einfach abzuschreiben. Grundsätzlich geht es mir heftig gegen den Strich, eventuell die Idee aufgeben zu müssen, dass Menschen allgemein der Vernunft zugänglich sind UND das faschistisches Geseire nicht vernünftig sein kann, weil es grundlegende Menschenrechte in Abrede stellt. Man könnte jetzt einwenden, dass die Menschenrechte, von denen ich rede eine „Erfindung“ der Neuzeit sind und dass man früher seine Grenzen auch mit Waffengewalt verteidigt hat. Das Internet ist allerdings auch eine Erfindung der Neuzeit und DAS wird von den dämlichen Faschos ja nun wirklich gerne genutzt.

An anderer Stelle habe ich darauf hingewiesen, dass die Flüchtlingskrise keine einfachen Antworten zulässt, weil sie aus vielschichtigen Sachverhalten resultiert, an welchen die Führer der freien Welt im Übrigen durchaus eine Mitschuld tragen. Selbstverständlich sind Politiker zuallererst den Interessen ihres Wahlvolkes verpflichtet und damit automatisch den innenpolitischen Erfordernissen ihres Heimatlandes, seien diese nun sozialer, wirtschaftlicher oder die Sicherheit betreffender Natur. Allerdings dabei die Interessen der anderen Nationen und ihrer Bewohner vollkommen unter den Tisch fallen zu lassen, bzw. diese bewusst zu missachten, ist nicht nur aus der Sicht Kant’scher Moralphilosophie fragwürdig. Leider ist jedoch genau solches Verhalten – zumindest verkürzend beschrieben -Hauptursache für die meisten Übel unserer Zeit, so auch für die Misere in Syrien, welche die Menschen nun in Scharen quer durch Europa und schließlich vor unsere Haustüren treibt.

Natürlich werden jetzt die „Das Boot ist voll“-Rhetoriker wieder geifern, dass wir uns nicht um die Probleme gänzlich Fremder scheren dürfen, so lange wir selbst genug davon haben. Geht man diesen Problemen aber auf den Grund, haben sie alle die gleichen Ursachen; nämlich die ungezügelte, unregulierte, unaufhaltbare und unglaublich unmoralische Habgier der besitzenden Klasse – oder vereinfacht gesagt, die entfesselte Gewalt des Neoliberalismus. Klingt das jetzt irgendjemandem zu radikal links? Dem entgegne ich folgende Fragen: warum investiert man Geld in Propaganda die behauptet, dass wachsende soziale Ungleichheit nicht schlimm ist, weil die einen einfach mehr verdienen, als die anderen? Ist die Arbeit des Unternehmenslenkenden Wirtschaftswissenschaftlers wirklich mehr als 300mal so viel wert, wie die des einfachen Produktionsarbeiters, der noch dazu als Leasingkraft angestellt ist und deshalb trotz 40 Wochenstunden Stütze beziehen muss? Diesen Lohn, den das Unternehmen spart, zahlen die normalen Werktätigen, denn durch die vielen legalen Schlupflöcher zahlen Unternehmen viel zu geringe Abgaben auf ihre erwirtschafteten Gewinne. Ach ja, ich weiß, das sind ja alles unbewiesene Behauptungen und nur unreguliertes Unternehmertum erzeugt Wertschöpfung. Nur komisch, dass Herr Grupp von Trigema das auch anders hinkriegt…

Mir ist schmerzlich bewusst, dass auch die besten Argumente und Beweise für den Arsch sind, wenn das Gegenüber sich eine Meinung gebildet hat, die in sein Weltbild passt. Aber auch mir hat manches nicht ins Weltbild gepasst; zum Beispiel, dass mit aufgenommenen Flüchtlingen nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Das manche Menschen, die hierher kommen seltsame Vorstellungen davon haben, was jemandem wohl zusteht, der zu der Solidargemeinschaft, in welche er zunächst erst integriert werden muss noch gar nichts selbst beigetragen hat. Und das bei so vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen Reibungsverluste vorprogrammiert sind. Das manche Menschen, die da von weit herkommen, Vorstellungen in Kopf und Herz mit sich herumtragen, die nur schwer, manchmal auch gar nicht mit unserer Demokratie vereinbar sind. Überdies sind offenkundig auch manche Zuwanderer schlimme Rassisten, die zu erziehen schwierig werden könnte, eventuell sogar unmöglich. Was machen wir mit denen?

Weiß man noch nicht, aber es gemeinsam herauszufinden ist vermutlich die schwierigste Aufgabe, denn Häuser zu bauen und passende Jobs zu finden ist ein eher mechanistisches Unterfangen. Seelen und Herzen für unsere Art zu leben einzunehmen, dürfte da weitaus fordernder sein. Und dennoch ist es die größte Chance, die wir bekommen, um die rapide überalternde Gesellschaft zu verjüngen, ihr eine Zukunftsperspektive zu geben. Denn welchen Wert hätte unsere Art zu leben, egal wie gut oder schlecht sie gegenwärtig auch sein mag, wenn wir keine Möglichkeiten mehr hätten, sie weiterzugeben. Sie mag sich dabei verändern, so wie sie es schon immer getan hat. Ich bin jedenfalls gespannt, wohin uns der Weg führt. Gehen wir ihn doch mal zusammen, anstatt einander zu hassen – auch wenn’s bedeutet, mal links abbiegen zu müssen…

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