Ein Epilog?

Tick…

Der Blick schweift durch den Raum und bleibt hängen an dem alten Regulator in der Ecke, und wie sein Pendel langsam, geradezu bedächtig hin- und her schwingt, im hypnotisierenden Rhythmus des einzigen, universalen Herzschlags – das letzte, das einzige Limit, das wir Menschen noch nicht überschritten haben, aber nur weil selbst unsere kühnsten wissenschaftlichen Wagnisse uns dies Geheimnis noch nicht enthüllen konnten.

Tack…

Wie dicke Regentropfen, die an einem kalten, nebeligen Herbsttag auf einen kleinen Teich hernieder prasseln, so passieren die ankommenden Eindrücke meine Augen, um in den See meiner Erinnerungen hineinzufallen. Und so wie die Tropfen schlägt jeder Moment, jeder Gedanke, jede Emotion Wellen – Wellen, welche die Oberfläche verwirbeln, und es unmöglich machen tiefer in den See hinein zu schauen, zu sehen was er wohl enthalten mag.

Tick…

Die Augen seien das Tor zur Seele des Menschen, doch was ist eine Seele. Ist sie einfach nur die Summe alles Erinnerten und Gedachten, eine Art sich selbst programmierende Handlungsmatrix? Sind es die Emotionen, die zweifellos all unser Tun leiten, ganz gleich wie logisch zu Handeln wir auch glauben? Oder ist sie vielleicht doch eine abstrakte Form von Energie, gegeben von einer namenlosen Schöpferkreatur, gedacht uns auch die Kraft zur Schöpfung zu geben? Ganz gleich was sie auch sein mochte, einen Blick durch dieses Portal könnten wir nur tun, wenn das Individuum sich vor all diesen störenden Einblicken abschotten könnte, doch selbst unsere Beobachtung wäre Stimulus genug, dies Vorhaben zum Scheitern zu verdammen.

Tack…

Wieder kommen die alten Fragen hoch, die Zweifel, die Ängste, sie zerreißen mich, zerreißen das sorgfältig gewobene Gespinst welches ich meine Existenz nennen möchte, doch nicht länger kann. Immerzu wollte ich Antworten, doch gleich wie viel ich in Erfahrung brachte, wie viel mehr ich auch lernte, gab es keine Befriedigung und auch keinen Frieden. Meine Vendetta gegen dieses Sein, sie war verloren, einmal mehr und doch … doch konnte ich keinen Groll verspüren, keinen Hass. Wie sollte man auch etwas hassen, das keinen Körper, keine definierte Form, keine … Wahrhaftigkeit besaß?

Tick…

Meine Seele ist verloren. Ich bin mir nicht einmal sicher, dass ich je eine besessen habe. Eigentlich ist es auch gleichgültig, denn ich hätte eh nicht begriffen, was ich verloren hätte, bevor die letzte Chance, es zu ändern vorüber gegangen war. Immerhin hatte ich diesbezüglich Konsequenz gezeigt. Nun wie dem auch sei, dieser letzte Moment, bevor es soweit ist, bevor das Unausweichliche beginnt, er fühlt sich an wie eine verdammte Ewigkeit. Ich fühle nicht, ich atme nicht, ich denke nur. Und in der Zeit, die sie gebraucht haben, die unwesentlichen, nichtsdestotrotz mit beinahe unendlicher Geschwindigkeit produzierten Projektionen meiner cerebralen Tätigkeit zu konsumieren, ist der letzte Schritt getan, und nichts, rein gar nichts wird … nein kann je wieder so sein, wie es war. Ganz so, als ob der Rhythmus des universalen Herzschlags ins Stolpern gekommen wäre…

Ta…

 

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