Heimat…MINISTER?

Man kann gewiss trefflich darüber streiten, was nun für einen selbst Heimat ausmacht. Ich meine, heute, wo es durchaus wieder salonfähig ist, zu Zeiten sportlicher Großereignisse etwa beflaggt durch die Städte zu cruisen und einen gewissen Stolz auf die Nation offen zu zeigen. Schon bei solch doch eher harmlosen Dingen wird ja schon bitter gestritten, ob das rechtens oder rechts ist. Ich muss sagen, dass ich nichts dabei finde, wenn die Leute gerne etwas Patriotismus verspüren möchten. Stolz als Gefühl mag manchen als Hochmut, der vor dem Fall kommt und damit als eine der Sieben Todsünden verhasst sein. Dennoch lässt sich sagen, dass das Verlangen nach Anerkennung, welche Stolz entstehen lässt als großer Motivator für Leistung gesehen werden muss – und behaupten wir Deutschen nicht immer, hier eine echte Leistungsgesellschaft zu haben?

Ganz banal auf etwas Stolz zu sein muss also nicht unbedingt als verwerflich betrachtet werden. Doch ist man am Erfolg, am Status der Nation so sehr beteiligt, dass man darauf dann auch stolz sein darf? Das ist sicher individuell unterschiedlich zu beantworten. Sicher ist jedoch, dass wir in einem Land leben, dessen fortschrittliche, demokratisch-rechtsstaatliche Grundordnung, dessen Sozialsysteme und dessen Lebensqualität für viele Bürger Anlass zu positiven Gefühlen geben. Das nicht alles Gold ist, was glänzt ist, muss mir niemand noch mal erzählen, das tue ich selbst oft genug. Dennoch darf man, sofern man den Status Quo als hinreichenden Grund sieht, noch besser, noch gerechter, noch nachhaltiger werden zu wollen durchaus Stolz auf die Heimat empfinden.

Da ist es nun, dieses Wort, dass mir so viel Ungemach bereitet. Oh ja, Heimat ist ganz gewiss auch ein Ort; in meinem Fall Mannheim, wo ich geboren und aufgewachsen bin, wo ich meine Frau kennen und lieben gelernt habe. Wo meine Kinder geboren wurden und nun aufwachsen. Wo ich viele Freunde habe, einen Job, der mich erfüllt und ein Heim, in dem Wärme und Willkommen keine hohlen Worte sind. Auch wenn nicht immer alles eitel Sonnenschein ist.

Heimat ist nämlich auch ein Gefühl; für mich z. B. bedeutet es die Gewissheit, wohin meine Seele gehört. Und das Bewusstsein von Verantwortung für jene, die dieses Zuhause mit mir teilen. Sowohl für jene, die immer da sind (meine drei Mädchen), als auch jene, die nur ab und an da sind, aber einen Platz in meinem Herzen haben. Heimat ist also mitnichten nur eine Worthülse, die man nach Belieben mit populistischen Phrasen fühlen kann, um seine jeweilige politische Agenda zu befördern.

Und da kommt Horst Seehofer. Oh ja, sein Pläne klingen auf dem Papier gut: die Regionen entlasten, Disparitäten auf dem Arbeitsmarkt ausgleichen, das Entstehen gleichwertiger Lebensverhältnisse vorantreiben… oder ist es vielleicht doch noch gar nicht so klar, wo er mit dem neuen Spielzeug hin will. Denn in Bayern gibt es eines seit 2013 und man hat dort angeblich eine gute Bilanz vorzuweisen. Oder auch nicht, so genau weiß das keiner. Was der gute Horst aber ganz sicher will, kann jedem klar sein, der seine populistischen Irrfahrten der letzten Jahre verfolgt hat: er will seine – leider vollkommen anachronistische – Idee von Leitkultur auf Bundesebene verwirklicht sehen. Ein blau-weißes Denkmal für einen fremdenfeindlichen Überwachungsstaat, der alsbald noch viele nietnagelneue Wohltaten für die “Sicherheit der Bürger” absondern wird. Na, vielen Dank auch…

Haltet schön eure Lauscher offen, was der gute alte Horst in Zukunft aus Berlin sendet. Ihr werdet euch noch umschauen…

GroKo – ich war NICHT dafür!

Warum, ist in wenigen Sätzen gesagt. Die Granden der beiden großen alten Parteien haben sich gegenseitig einen Freibrief für 3 1/2-Jähriges weiter so ausgestellt. Will heißen, sie haben ausgekungelt, wie wenig sie miteinander anzugehen bereit sind, ein winziges bisschen am Personaltableau gedreht und verkaufen Angst vor dem Wandel als Beständigkeit in schwierigen Zeiten. Ich weiß echt nicht, wie ich auf der Basis zukünftig was zur Bundespolitik sagen soll, ohne mich über die Tastatur zu erbrechen…

Ach was soll’s, wird schon werden. Im Moment glaube ich nicht, dass die bis zum Ende durchhalten und ebenso wenig kann ich mir vorstellen, dass die wirklich Antworten auf drängende Fragen wie die notwendige Umgestaltung der Sozialversicherung im Angesicht des demographischen Wandels und die Suche nach einem gemeinsamen, tragfähigen gesellschaftlichen Miteinander geben können. Dazu müssten sie erst mal miteinander kommunizieren, anstatt sich zu rühmen, was sie der Gegenseite alles versagen konnten. Allüberall nur hohle Phrasen. Und wenn ich mir das Personal der CSU ansehe, habe ich Angst! Angst um die Zukunft der Bürgerrechte unter Überwachungsminister Seehofer, Angst um die Zukunft ökologisch sinnvoller Mobilität unter der dämlichen Rechts-Propaganda-Luftpumpe Scheuer. Und dann noch diese Staatsministerin für Digitalisierung mit Politologie-Studium und besten Lobby-Verbindungen.

Lauter Arschfratzen und Armleuchter. Und über die SPD möchte ich jetzt nichts sagen, außer Folgendem: hoffentlich, oh hoffentlich sind sie, nach vier langen Jahren außerhalb des Parlaments 2025 wieder so weit bei Verstand, Leute nicht nach Proporz und Gusto, sondern wieder nach Fähigkeiten auf Posten zu bringen. Ich bin dann wahrscheinlich immer noch Soze, aber sicherlich überproportional gealtert. Und Tschüss…

Wohin, wohin…?

Es ist nicht leicht, dieser Tage Sozialdemokrat zu bleiben. Man möchte, nein man müsste eigentlich verzweifeln. Man möchte davon laufen, sie anschreien, vielleicht sogar ein bisschen verprügeln. Vor allem aber möchte man all die Großkopferten in der Partei fragen, ob sie den Knall gehört haben. Ich meine den Knall, als die Glaubwürdigkeit des Vorstandes und des Präsidiums endgültig ex-, oder besser implodiert ist.

Andreas Nahles? Echt jetzt? Ja bitte, ich möchte gerne eine Frau an der Spitze der SPD sehen, aber bitte keine, die sich verbraucht hat im Klein-Klein der abgelaufenen GroKo, die weder bei den politischen Kontrahenten, noch in der eigenen Mannschaft besonders wohl gelitten ist.  Diese Frau Nahles darf gern alles mögliche werden; Gardrobiere im Friedrichstadt-Palast wäre zum Beispiel durchaus angemessen. Aber nicht Vorsitzende der SPD. Es sei denn wir wollen im August 2019 das endgültige Begräbnis der alten Dame der europäischen Sozialdemokratie feiern.  Wenn es denn überhaupt so lange dauern würde.

Man möchte mich bitte nicht falsch verstehen: wenn die SPD nicht zu retten ist, dann soll sie untergehen. Ich persönlich glaube ja durchaus, dass eine Gesundung möglich ist, allerdings weder mit der momentanen Visions-Armut noch mit dem aktuellen Führungspersonal. Und da ich es leider für höchst  unwahrscheinlich halte, dass die Schuldigen von alleine von der süßen Frucht der Macht lassen können, müssen es halt erst mal 8,7% im Bund werden, bevor die Gesundung beginnen kann. Denn nur durch den Totalabsturz werden wir die ganzen Unfähigen Möchtegern-Führer los, die die wahre Bedeutung der Sozialdemokratie vergessen haben. Darauf trinke ich. Gute Nacht…