Der Storyschreiner N°4 – Willkommen in Vulgarien!

Das meine Dämonen manchmal mit mir durchgehen, ist auch nach vielen vielen Jahren, in denen ich theoretisch gelernt haben könnte, mich im Zaum zu halten, immer noch so – ich halte es da mit Bruce Banner, wenn er im ersten Avengers-Fim sinngemäß sagt “Ich verrate Ihnen ein Geheimnis Cap. Ich bin immer wütend!” Das bin ich. Nur in dick und nicht grün! Anfechtungen seien dazu da, stoisch überwunden zu werden, haben irgendwelche, vermutlich recht gelassenen und klugen Leute mal gesagt. Wahrscheinlich waren die da auch schon so steinalt, dass ihr Sympathiko-Tonus kaum noch messbar war. Woanders habe ich neulich gehört, dass ein ruhiger und souveräner Umgang mit Streit, selbst wenn man seine Affekte aufwallen fühlt, einen erst wahrhaft zum Mann macht; ganz ehrlich “Critical Drinker”, ich halte das für eine schöne idealtypische Anforderung, die im wahren Leben schneller den Bach runtergeht, als dein Whiskey. In den allermeisten Lebenslagen mag es ja stimmen, denn wer schreit, hat meist Unrecht. Und doch machen erst unsere Emotionen, vor allem aber die Fähigkeit, diese auch in anderen Wesen erkennen zu können, uns wahrhaft zu Menschen. Altruismus wäre ohne diese, eigentlich recht simple Fähigkeit nicht möglich; allerdings kann Empathie auch als Waffe eingesetzt werden, wenn ich mir diese zu Nutze mache, indem ich das Gegenüber auf die Palme zu bringen versuche. Fest jede*r von uns (außer vielleicht Autisten) weiß halbwegs intuitiv, wie das geht; womit ebenfalls fast jede’r von uns weiß, dass man Dinge so und so verstehen kann – WENN MAN MÖCHTE! Auch das wird gerne als Waffe eingesetzt – “Missverstehen Sie mich richtig!” ist daher ein Titel, den ich richtig gut finde. Ich persönlich kann Emotional-Opportunismus allerdings nicht besonders leiden. Ich mag Menschen, die mir auf die Nasenspitze zusagen, wenn ich Scheiße gebaut habe (natürlich darf man auch mal was Nettes sagen…); und die es im Gegenzug vertragen, wenn ich ihnen gegenüber genau das Gleiche tue. Daran erlebe ich allerdings letzthin in meinem Arbeitsumfeld einen Mangel, weshalb ich dazu nur sagen kann – ZUM TEUFEL MIT DER GELASSENHEIT!

Die Spiegelung im Kabinenfenster fand ich gut – da habe ich das so gelassen…

Es wäre möglicherweise justiziabel, mich hier in aller Breite über DAS auzulassen, was ich in letzter Zeit erlebt habe. Angemerkt sei daher lediglich Folgendes: wenn man in seinem weiteren Umfeld einen eklatanten Mangel an Haltung, Prinzipientreue, Integrität, mithin also Charakterstärke erleben muss, hat man irgendwann keine Lust mehr. Keine Lust mehr auf Spielchen, keine Lust mehr, immerzu die Klappe zu halten, keine Lust mehr einfach zu schlucken, weil es Menschen gibt, die sich in der Position wähnen, Macht über einen auszuüben. Kleiner Hinweis: Macht kann man nur über jene ausüben, welche dieses Tun auch durch konkludentes Verhalten legitimieren. Mein Verhalten mag – um des lieben Friedens Willen – konkludent AUSSEHEN. Es IST jedoch nicht konkludent, da ich die Machtausübung durch Menschen, denen es aus meiner Sicht an den eben benannten Eigenschaften mangelt, schlicht nicht anerkenne! Insgesamt kann ich Menschen, die Macchiavelismus zu betreiben versuchen nicht besonders leiden. Vielleicht auch, weil so viele sich dabei wie Stümper anstellen. Ich bin in meinem Leben mittlerweile so oft das Opfer von teils seltsamen Manipulationsversuchen geworden, dass meine Allergie dagegen ein erhebliches Ausmaß angenommen hat. Schwamm drüber…

Ich war heute, um ein wenig runterzukommen (funktioniert für einen Höhnenängstlichen in einer Hochseilbahn auch total gut… 😉 ) mit meiner Familie auf der BUGA. Immerhin neigt sich das Spektakel dem Ende. Und daher war’s – ganz entgegen meinen Vermutungen – so dermaßen brechend voll, dass ich am liebsten schon am Eingang wieder umgedreht hätte. Hab mich dann doch überwunden, meine Runden gedreht und die geplante Seilbahn-Rückfahrt zu Gunsten der Bus-/Strab-Umrundung abgesagt. Tatsächlich habe ich, dem Trubel sei Dank, mal eine Weile nicht an die Scheiße gedacht, die mich morgen früh wieder erwartet. Im Moment ist, falls das trotz meiner bisherigen Ausführungen noch irgendjemanden wundert, meine Motivation zum Roboten eher eingeschränkt. Aber man hat ja sowas wie Pflichtgefühl. Ich spüre immer stärker diesen Drang, etwas Anderes auszuprobieren; und sei es nur, um MIR zu beweisen, dass mein Marktwert immer noch gut ist. Nein… eigentlich liegt es eher daran, dass die beste Ehefrau von allen mir am Freitag Abend auf die Nasenspitze zugesagt hat, dass mein Job mir im Moment nicht gut tut. Was hatte ich vorhin über direkte Ansprache gesagt? Deshalb liebe ich sie so sehr! Und sie hat verdammt Recht. Ich mag meine Aufgabe – aber die Rahmenbedingungen sind in den letzten Jahren zumindest subjektiv fortwährend schlechter geworden. Und ICH muss es fühlen, sonst kann ich es nicht. Was ich nicht kann? JA und AMEN sagen, wenn ich das Gegenüber eigentlich schütteln möchte, damit ihm seine eigene Beschränktheit wie Schuppen aus den Haaren vor die Augen fällt. Auf robuste Ansprache verzichten müssen, weil da Snowflakes sein KÖNNTEN, die damit nicht klar kommen, wenn man deutlich kommuniziert; oder es falsch verstehen WOLLEN. Und schließlich immer nur Mangel verwalten und um Assets kämpfen zu müssen, selbst dann, wenn dieser Mangel schon die Substanz der Einrichtung bedroht. Ist das irgendwo anders? Dann schreibt mich an!

Ehrlich – ich hätte letzthin gerne ein paar deftige Ausflüge nach Vulgarien unternommen, konnte meine Dämonen aber, weil ich Spielchen erkenne, wenn ich sie sehe, im Zaum halten und Schauspielern. Aber wer weiß. Vielleicht hätte eine “handfeste” fristlose Kündigung MIR besser getan. Eigentlich hatte ich einen noch deutlich expliziteren Post geschrieben, aber ich habe keinen Bock auf juristischen Müll; Karma ist sowieso ein Bumerang, der in jedem Fall trifft. Und man sieht sich IMMER zwei Mal im Leben. Ich muss Entscheidungen treffen. in jedem Fall werden es interessante Tage, die da kommen. In diesem Sinne, steht aufrecht, auch wenn der Wind scharf bläst, wahrt eure Integrität, steht zu euren Prinzipien – und geht, wenn das nicht möglich ist. Schöne, stürmische Woche.

Auch als Podcast…

Mach dein Ding!

Ich lese, auch wenn das eventuell manchmal dumm ist, immer noch jeden Tag die Zeitung. Also, präzise gesprochen lese ich verschiedene Postillen, darunter, wie man weiß, auch die Zeit. Zumeist über die App, bzw. den Browser, weil man da so schön von unterwegs böse kommentieren kann. Oh ja, ich lese Kommentarspalten nicht nur, sondern bin gelegentlich auch Teil des Problems. Wie, Kommentarspalten sind ein Problem? Sagen wir mal so – wenn man im Internet überall nur kommentieren dürfte, wenn man ein minimales Sachverständnis, basale Sozialfähigkeiten und ein Mindestmaß an Intelligenz bewiesen hätte, gäbe es social media als gesamtgesellschaftliches Phänomen NICHT; denn die antisozialen Medien leben davon, dass wirklich jeder frappierend kognitionsallergische, arrogante, sozial inkompetente, chauvinistische, rassistische und schlicht grunddumme Dully seinen televerbalen Müll absondern darf, wo immer them es beliebt… Wie viele der eben benannten Adjektive auf mich zutreffen, müssen Andere bewerten. Fakt ist jedoch, dass auch ich mich zu manchen Themen einfach äußern möchte. Aber dann trifft man halt auf die Anderen, und der Konstruktivismus tut das Seine, damit auch schön die Emotionen hochkochen. Also, zumindest bei manchen. Vor dem Bildschirm bin ich beinahe immer ziemlich gefasst, was im realen Leben möglicherweise nicht ganz so oft der Fall ist. Aber damit müsst ihr halt leben, nicht wahr…

Blumen sind nicht kontrovers, oder…?

Heute Morgen ging es in einem Artikel auf ZON um das typische Sommerlochthema “zu lotterig oder zu sexy bekleidete Schülys!” (merkt man eigentlich, dass auch mich als Bildungswissenschaftler die Gendern-Debatte mittlerweile bis ins Mark nervt?). Nun ja, jedes Jahr wieder der gleiche Mist – Hosen/Röcke/Tops zu kurz, zu zerrissen, zu eng, zu wasweißichdennschon… wir brauchen Schuluniformen, Bekleidungsordnungen, und überhaupt DIS-ZI-PLIN. Ja Himmiherrgottsaggramentnocheins – habt ihr ewiggestrigen, möchtegernkonservativen, stockimarschtragenden Reichsbedenkenträger-Spießer jedweden biologischen Alters sonst noch irgendwelche Probleme? Kehrt vor eurer eigenen Tür, da liegt in aller Regel genug braunblaue Scheiße, die höchst dringend entsorgt gehört! Ob ich denke, dass derartiges Gefasel einen gefährlich nationalkonservativ-reaktionären Grundton hat? Aber hallo, und wie! Ich persönlich denke, lasst sie sich doch ausprobieren. Ich stehe regelmäßig im Unterricht vor jungen Erwachsenen, von denen KEINE*R im hochgeschlossenen Anzug / Kostüm vor mir sitzt, sondern so, wie sie halt morgens aus der Wohnung gepurzelt sind. Im Übrigen zielt solcherlei Gejammer ja vor allem auf die Bekleidung von Mädchen und jungen Frauen; und da offenbart sich für mich eine gewisse Nähe zu den Taliban, die alles Weibliche verhüllt sehen wollen, weil sie sich vor ihrem eigenen Male Gaze so sehr fürchten, dass sie ihn verhindern möchten. Tja – ‘n Arschloch bleibt halt ‘n Arschloch, egal woran es glaubt und wo es herkommt (Danke, Volker Pispers).

“Ja aber, das signalisiert doch sexuelle Verfügbarkeit!” höre ich das selbstmitleidige Geheule aus dem Off. Wie wär’s, ihr schaut euch mal um und analysiert die gesamte Medienlandschaft, und insbesondere alles, was mit Produkt-Marketing zu tun hat. All überall nur telegene Menschen, die zumindest in nicht wenigen werblich inszenierten Situationen auch sexuell verfügbar erscheinen. Musikkünstler*innen auf der Bühne, anybody? Der ganze Rotz, den die Streamingdienste ausspeihen? Sex sells anytime anywhere! Unsere Kinder werden von frühesten Tagen an mit diesen Bilder sexueller Verfügbarkeit BOMBARDIERT, und irgendjemand denkt ernsthaft, das hätte keine Auswirkungen, oder man könne solche Auswirkungen mit schlichten Verbotsorgien eindämmen? Habt ihr Schwachmaten aus der Prohibition (gescheitert), dem War on Drugs (ein rassistisches Programm zur Schwächung der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe der nichtweißen US-Bevölkerung, und sonst nichts) oder eurer eigenen Pubertät NICHTS gelernt? Traurig, wirklich sehr traurig. Letztenendes sind solche medienwirksam platzierten Forderungen nicht mehr als chauvinistischer Scheiß, der dazu geeigent ist, weiterhin das Patriarchat zu schützen – “WIR bestimmen, was ihr wann tragt!”. Lächerlich. Solange die sexuelle Verfügbarkeit woanders ausgelebt wird, ist mir das alles ziemlich gleich. Und wenn sich junge Männer von jungen Frauen oder Männern und junge Frauen von jungen Männern oder Frauen im Unterricht ablenken lassen, bemerken sie alsbald, dass das nur Probleme in Form von schlechten Noten und mehr Arbeit mit sich bringt. Die sind wesentlich reflektierter, als man ihnen das unterstellt. Und die Lehrer*innen? Sollten die Größe haben, über solchen Anfechtungen zu stehen, andernfalls haben sie die Bezeichnung “Pädagoge” NICHT verdient – it’s that simple! Ich würde mich ja auch auf den Shitstorm freuen, aber es kommentiert hier ja eh wieder keiner, daher – und tschüss…

Auch als Podcast…

Them Vampir Ella

Eigentlich wollte ich heute anfangen, einen Roman über einen genderfluiden Vegan-Pir zu schreiben, der leider ein Allergieproblem mit Rote-Beete hat: them Vampir Ella! Aber was soll ich sagen – stattdessen habe ich mich dann doch in zähnekrirschend Zähigkeit mit hermeneutischer Gesprächsanalyse auseinandergesetzt, damit das verfluchte Master-Dingens fertig wird. Yeehaa Baby, da soll mal einer meckern. Ich bin übrigens ein bisschen hyper, weil gestern das Drama um meine Schwiegermutter seinen vorläufigen Abschluss fand – in Form der Beisetzung. (Weiter)Leben ist immer vorläufig, ich weiß, ich weiß, nichtsdestotrotz hatte ich vor dieser Veranstaltung FURCHTBARE Angst, weil es HASSE – nicht nur ein bisschen ungenehm finde, NEIN ICH HASSE ES – wenn auch nur die entfernteste Möglichkeit besteht, dass ich in der Öffentlichkeit die Fassung verlieren könnte. Denn die Fassung ist das Einzige, was meine Birne im Moment zusammenhält; und zwar in jedem gottverdammten übertragenen oder auch nicht übertragenen Sinne. Und daher muss Ella warten.

Was sie wohl denkt, wenn der Depp mit der kamera vor ihr steht…?

Ich hatte neulich so einen Moment, wo ich im Büro stand, und nebenbei auf Basis einer dahin geworfenen Bemerkung einer lieben Kollegin anfing, eine Geschichte zu erzählen. Free Style, vollkommen absurd und kein bisschen politisch korrekt. DAS ist es, was ich im Moment gerne täte, anstatt in aller Theoremik über das Geschichtenerzählen zu schreiben. Doch wohin mich der Weg im Moment auch tragen mag – physisch, wie psychisch – meine Gedanken landen am Ende des Tages sicher wieder bei den Teilen der Analyse, die noch zu erledigen sind, den Seiten, die noch zu schreiben sind und dem Theorie-Modell, dass noch auszuformulieren ist. “Goddamit Daddy – you know I love you, but you’ve gottahellofalot to learn about ROCK’N’ROLL!” (Danke Meat Loaf!). Ich behaupte ja immer, dass Männer kein Multitasking können. Das ist so aber nicht ganz richtig, wir sind sehr wohl in der Lage, einen sauberen Zeitmultiplex am Laufen zu halten. nur sind die verwendeten Timeslots nicht so kurz, wie oft bei Frauen, so dass es einfach langsamer aussieht. Weniger effektiv ist es nur vielleicht. Was damit gesagt sein soll? Dass ich zwar nicht verstehe warum, aber immer noch ziemlich effektiv bin, obwohl ich eigentlich vorletzte Woche zusammengebrochen sein sollte. Und es tut nicht mal besonders weh. Bin gespannt, wie lang das noch geht…

Eigentlich ist es in den dunkleren Stunden immer die kreative Ader, die uns rettet. Die uns mit großer Inbrunst Unfug verzapfen, über die witzigeren Widersinnigkeiten des Lebens reflektieren, Fünfe zumindest mit runden Ecken versehen, und dem Schicksal mit großer Geste und dreckigem Lachen den Stinkefinger zeigen lässt. Wenn man halt nicht für’s Aufgeben gemacht ist, wird vieles leichter. Ich kenne aber auch Menschen, denen das nicht so leicht fällt; die statt Unfug zu machen dann über Ernsthaftes nachdenken, die bei einer graden Fünf die Nachkommastellen suchen und sich den Mittelfinger in der Drehtür zur Lobby des Lebens einklemmen. Ich bin etwas abgefuckter: Selbst wenn ich verzweifelt bin, gibt’s immer irgendeinen Scheiß, der mich noch zum Lachen bringt, mich ablenkt und mich nicht vollkommen durchdrehen lässt. Und wenn es nur ist, hier einen Blogpost zu schreiben, den vielleicht ein paar Dutzend Menschen lesen… wenn überhaupt. Daher erheb ich den 25.08 hiermit zu meinem persönlichen Scheißegal-Tag. Ich rappele mich jetzt auf, richte mein Krönchen und gehe zum Narrenball; Drinks inclusive. Ich wünsche euch ‘n schönes Wochende!

Auch als Podcast…

Und ob ich schon schwamm im sonnigen See…

…würde ich das Malle-Ibiza-Baggersee-gegerbte Antikleder-Monster doch nicht fürchten. Auch, wenn nicht wenige Exemplare dieser Spezies ganz ohne Make-Up-Artist hätten in “Die Mumie” mitspielen können; und sicher nicht als Protagonist*in. Ganz schön schräger Schrott begenet einem, wenn man dieser Tage seine Runden im Weiher dreht. Weil ich nachmittags brav an meinem Schreibtisch sitzen und Content für die Masterthesis erzeugen muss, gehe ich halt vormittags eine große Runde schwimmen, damit ich nicht vollkommen an meinem Bürostuhl festklebe, so nach dem Motto: “Wir sind der Stuhl, Wiederstand ist zwecklos. Du wirst assimiliert!” Und dabei ist man halt in der Öffentlichkeit unterwegs, verdammtnocheins. Nicht nur, dass man selbst unter Beachtung der üblichen Hygieneregeln schon 17 Mikrosekunden nach dem Duschen nicht mehr olfaktorisch unbedenklich ist; nee, da sind auch noch die ganzen Anderen, die (Ich minus 25 – 30 KG) mindestens genau solche optisch-olfaktorischen Debakel sind. Macht im Moment alles echt keinen Spaß…

Und dann muss ich auch noch ein Buch lesen, welches mir geliehen wurde. Und bis zu einem bestimmten Satz war es auch soweit okay. “Die Kunst des klugen Streitgesprächs” von Reto Schneider liest sich gefällig bis amüsant, wenngleich die Inhalte jetzt nicht gerade das Neueste vom Neuen darstellen. Das kennt man alles, wenn man sich schon länger mit Kommunikation, Interaktion und Beratung auseinandersetzt. Seine Ratschläge sind mit zumeist gut gewählten Analogien und diversen Fakten garniert, die das Buch für den weniger bedarften Leser evtl. zu einem ganz netten Ratgeber machen. Aber dann kommt Seite 91 und da steht “[…] Er suchte nach einer Möglichkeit, Pseudowissenschaften wie die Psychoanalyse oder den Marxismus von Wissenschaft abzugrenzen. […]” Ad 1 hat Karl Popper den Marxismus kritisiert, weil ER Marx’ Theorien für demokratiefeindlich hielt (worüber man sicher trefflich diskutieren kann) und weil ER Tendenzen zum Dogmatismus sah. Ad 2 ist Karl Popper einer von vielen, die sich an Marx” Werk abgearbeitet haben; es bleibt nichtsdestotrotz, mit den Arbeiten Webers und Durkheims, die Basis für die moderne Soziologie – und ist damit alles andere als Pseudowissenschaft. Von Freud, dem Vater der Psychoanalyse wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst anfangen. Man kann über Freuds Arbeiten und den Umstand, dass sich viele seiner Theorien überlebt haben halten, was man möchte – ihm die Wissenschaftlichkeit absprechen kann ein Karl Popper nicht. Und ein Reto Schneider auch nicht.

Ich will ehrlich sein – ich war im ersten Moment echt angepisst. Unter anderem, weil ich den Fehler machte, meine – gemäß meiner Bildung und meiner Interessen als fachlich fundiert eingeschätzte – Meinung für das Maß der Dinge zu halten, was sie natürlich nicht ist. Man muss Herrn Schneider hier aber einen Löffel seiner eigenen Medizin geben und feststellen, was er hier tut. Und das ist schlicht Folgendes: er liest irgendwo über Poppers Buch “Logik der Forschung” ein bisschen was und schustert sich dann eine Aussage zusammen, die einerseits sein verkürztes Verständnis der kritisch-rationalen Theorie Poppers offenbart (der mit induktivem wissenschaftlichem Arbeiten nichts anfangen konnte) – und andererseits seine Meinung über Marx und Freud! Super Wissenschaftsjournalismus. Es wäre übrigens noch nerviger, wenn er das Buch gelesen hätte. ABER – Schwamm drüber. Der Rest liest sich wie gesagt ganz gefällig und den Rat, sich selbst und vor allem seine eigenen Meinungen nicht so wichtig zu nehmen, kann man eigentlich nicht oft genug hören. Und die Antikleder-Monster? Nun ja, ich habe da so meine Meinung dazu; aber ich sag’s den Leuten nicht, sondern nehme grinsend zur Kenntnis, dass die Zeit und die Statistik für MICH arbeiten. Viel Spaß mit malignen Melanomen kann ich da nur sagen. Ich wünsche euch einen schönen Abend. Immer sauber bleiben, nicht verdampfen und Meinungsstärke bitte nur gegenüber Nazis. Ihr wisst bescheid…

Auch als Podcast…

Kurzer Zwischenruf aus dem Kaninchenbau…

Tach. Lebe noch! Läuft!

Ja also… eigentlich hatte ich wirklich vor, mich kurz zu fassen, aber markige Einzeiler sind nur beim Pen’n’Paper-Zocken mein Ding. Und dann auch nur, wenn’s zum Charakter passt. Ansonsten bin ich auch im echten Leben oft eher der redselige Typ. Aber keine Sorge ich heule euch NICHT die Ohren voll. Tatsächlich sind viele Dinge im Moment “unnormal” und trotzdem vertraut genug, kein Problem darzustellen. Zuerst Fakten: ich habe Urlaub, aber weil meine Schwiegermutter leider nach kurzer, unerwarteter Krankheit von uns gegangen ist (bitte von Beileidsbekundungen absehen, danke!) und ich gleichzeitig mit Hochdruck an meiner Masterthesis arbeiten muss, laufe ich im Moment außer Konkurrenz. Ich habe durch beides einige Dinge über mich gelernt; manche waren einfach in Vergessenheit geraten, andere waren mir nie bewusst gewesen. So ist das mit dem Johari-Fenster – manchmal findest du dich Unversehens in den Untiefen wieder, obwohl du dachtest, du wahrst noch die Fassade. (Für diejenigen, die nicht damit vertraut sind – Wikipedia zum Einstieg).

Im Großen und Ganzen geht es darum zu erkennen, wer was an wem wahrnimmt. Gehe ich nun von mir selbst aus, gibt’s Dinge über mich, die mir bewusst sind. An manchen davon lasse ich andere teilhaben (Arena), an anderen lieber nicht (Fassade). Wir haben alle unsere kleinen, schmutzigen Geheimnisse. Andernfalls wären Erpressung und Mobbing schon lange aus der Mode gekommen! Und dann gibt die Dinge, die mir nicht bekannt sind. Das was andere davon an mir sehen können, ich aber eben nicht, nennt man den “Blinden Fleck”; kleine Nickligkeiten, Maniriertheiten Ticks, Gewohnheiten. Die müssen nicht mal uncharmant sein (können es aber!) – ich sehe das einfach nicht! Und dann gibt’s den Marianengraben! Die “Untiefen”, über die niemand bescheid weiß, bis sie einfach mal passieren… In jedem von uns schlummern Dinge, die man vielleicht in seinen kühnsten Träumen ahnt. Und auch hier gilt, dass das nicht unbedingt schlimme Dinge sein müssen. Aufgabe der Pädagogen ist es nun, diese Dinge zu kennen und den Lernenden zu helfen, sie auch zu (er)kennen. Insbesondere das Verkleinern des Blinden Flecks (und gelegentlich sogar der Untiefen, obwohl da eher die Psychologen ran müssen) ist eine vornehme Aufgabe und fällt in den Bereich den wir Persönlichkeitsbildung (oder manchmal auch ERZIEHUNG) nennen. Wird vielleicht gerade ein bisschen klarer, warum ich gerne auch von einem Erziehungsauftrag der Berufsfachschule rede…?

Ich kam darauf, weil ich mich (natürlich wegen meiner Masterthesis) noch mal mit didaktischer Strukturierung auseinandergesetzt habe und zu erklären versuche, warum Auszubildende / Lernende manchmal einfach nicht schnallen, dass der Lerngegenstand verdammt nochmal notwendig und wichtig ist! Und dass NotSan zu sein – wenn man es ernst meint – nicht nur aus Blaulicht, Action und coolen Sprüchen besteht! Aber hey – das ist ein EWIGES THEMA! Wenn ich jemals mit Didaktik fertig bin, dann nicht, weil’s nix mehr rauszufinden, zu lernen, auszuprobieren gäbe, sondern weil ich von dem ganzen Scheiß die Schnauze voll habe, und doch lieber Fremdenführer auf den Osterinseln, Foodtruck-Betreiber oder Reise-Schriftsteller werden möchte. Oder es ist halt Zeit für die Rente. Mal sehen, was zuerst passiert. Im Moment macht es allerdings noch Spaß. Meine Kreativität ist gerade gefordert. Ja, ihr habt richtig gehört – wissenschaftliches Arbeiten erfordert Kreativität. Es geht ja nicht nur darum, tausend Quellen zu zitieren und keine eigene Meinung zu haben, sondern vielmehr darum, seine Ideen an dem zu erproben, was es schon an Erkenntnissen gab / gibt und so neue Wege und Ideen aufzuzeigen. Das ist eine der möglichen Definition von Kreativität: Probleme auf neue Art lösen lernen.

Läuft nicht immer…

Es ist Samstag, es ist schwül, es ist heiß und für heute ist meine Kreativität weitestgehend aufgebraucht. Daher denke ich mir die Tage etwas Gehaltvolleres für euch aus. Verdampft bis dahin bitte nicht im zurückgekehrten Hochsommer, und habt ein schönes Wochenende. Wir hören uns.

Auch als Podcast…

Der Storyschreiner N°2 – Grenzbereiche

“Hat Sie diese Geschichte gefesselt?”. “Was denken Sie, war diese Erzählungen wirklich wahr?”. “Wollen Sie mehr wissen?”. Eine Erzählung, die uns so richtig abholt, spielt sich immer in dem zumeist recht schmalen Grenzbereich ab, der sich zwischen unserer erlebten Realität und dem was wir uns vorstellen können befindet. Geschichten sind dann für uns INTERESSANT, wenn diese für uns RELEVANT sind. Dieser Effekt tritt allerdings am ehesten dann ein, wenn wir die Geschichte auf uns selbst beziehen können, weil wir uns in bestimmten Rollen wiedererkennen. Der Effekt verstärkt sich, wenn wir uns durch dieses Wieder-Erkennen in bestimmten Bereichen als selbstwirksam erleben. Intrinsische Motivation, also das Bestreben aus uns selbst heraus etwas tun zu wollen, hat mehrere Energiequellen: 1) Kompetenz: wir wollen das Gefühl haben, UNSEREN SHIT SELBST gerockt zu bekommen! 2) Soziale Eingebundenheit: wir wollen DAZUGEHÖREN, uns als Teil von sozialen Gruppen erleben dürfen! 3) Autonomie: wir wollen SELBST ENTSCHEIDEN können, zu welchen Gruppen wir gehören und WIE wir unseren Shit rocken! Und diese Punkte berühren natürlich auch unsere Wahrnehmung von Geschichten, die man uns serviert. Habe ich eine Identifikationsfigur in einer Geschichte gefunden und dieses Figur handelt auf nicht nachvollziehbare Weise gegen ihre ureigensten Interessen, gegen ihre Überzeugungen, wider besseres Wissen, etc., dann irritiert uns das; und führt in der Folge dazu, dass wir uns von dieser Geschichte abwenden.

Finde die Schnittpunkte…

Das bedeutet jedoch mitnichten, dass eine Geschichte, deren Pro- und Antagonisten zunächst auf kontraintuitive Weise vorgehen, oder deren Setting uns unwahrscheinlich oder weit hergeholt vorkommt, von uns immer automatisch abgelehnt wird. Es gibt Grauzonen, in welchen unsere Wahrnehmung von Realität, die Realität der Geschichte (sei diese nun vollkommen fiktional, oder in wahren Begebenheiten verwurzelt) und objektive Lebensumgebung einander recht nahe kommen, ohne sich zu berühren. Dieses Driften in solche “Zonen partieller Konvergenz” nennen wir “Aus der Komfortzone geholt werden!”. Und dies ist der Ort (wenn auch nur ein metaphorischer, kein physisch greifbarer Raum), an dem die Auseinandersetzung mit dem stattfindet, was wir noch nicht kennen. Für den letzten Teilsatz gibt es übrigens ein griffigeres Wort: LERNEN. Und bevor sich jetzt irgendjemand erschreckt, weil der Pädagoge LERNEN gesagt hat: wir Menschen lernen notwendigerweise unser ganzes Leben lang. Und wenn’s nur die Bedienung des neuen Staubsaugeroboters oder die PIN für die neue Kreditkarte ist. Wir tun dies meistens en passant, oder wie der Spezialist sagt INFORMELL; also nicht im Rahmen organisierter Unterrichtsveranstaltungen, sondern nebenher. Weil uns irgendetwas interessiert, wir mit Neuerungen konfrontiert werden, sich irgendetwas, dass wir schon länger kennen verändert, wir an andere Orte kommen, etcpp. Leben ist Veränderung – und die meisten von uns nehmen das einfach zur Kenntnis, passen sich an und machen weiter. Und genau das ist Lernen! Wir Pädagogen machen uns diesen ganz normalen Verhaltensmodus einfach nur zunutze, indem wir Lernsituationen so zu gestalten versuchen, dass diese Beiläufigkeit auch geplant entstehen kann. Und Geschichten, gleich in welchem Kontext, zu welchem Zweck oder in welchem Medium sie erzählt werden, tun dies auch…

Ein erstes, einfaches Modell…

Meine Arbeit dreht sich um die Frage, wie man Geschichten in diesem Kontext- also einem Lernen, welches den natürlichen Modus operandi menschlicher Aneignung von Neuem möglichst gut abbildet – besser einsetzen kann, ohne dabei allzu künstlich zu wirken und Menschen so die Freude an Geschichten (und am Lernen) zu nehmen; sondern vielmehr die Lust auf’s Neue eher fördert, indem man Menschen mit auf imaginäre Reisen nimmt. Denn in meiner Wahrnehmung als Storyteller im Pen’n’Paper-Bereich sind gut erzählte Geschichten genau das – ein kollaborativer Akt des Reisens im Geiste. Und das würde ich gerne aus dem Hobbybereich ins Reich der Didaktik holen. Übrigens – und das gebe ich gerne zu – auch aus Eigennutz: denn Storytelling macht mir Spaß. Und wenn ich etwas, dass mir wirklich viel Spaß macht, auch noch in meinem Job nutzbringend für Andere einsetzen könnte – umso besser! Aber vor diesen erwünschten Erfolg haben die Götter noch einigen Schweiß gesetzt. in diesem Sinne wünsche ich uns noch ein bisschen Sommer und Freude an Geschichten. Und wenn ihr auch noch was dabei lernt… Win-Win 😉

Auch als Podcast…

Gut gemeint…

Alles in allem geht man so seinem Tagwerk namens “Leben” nach und versucht, die Dinge im Fluss und den Kopf über Wasser zu halten. Manchmal gelingt das besser, manchmal weniger gut; was kein Problem darstellt, solange man dabei nicht bewusst nennenswerten Schaden anrichtet. Im Großen und Ganzen ist das der Gang der Dinge. Außer, man trägt für irgendetwas Verantwortung – dann passiert der Schaden in dem Moment, da man die Verantwortung übernimmt. Meine beste Ehefrau von allen sagte die Tage zu mir, dass sie das hat kommen sehen, seit ich für etwas Verantwortung übernommen habe: nämlich dass ich, solange ich nicht mein echter eigener Boss wäre, immer unglücklich bliebe, weil ich zwangsläufig von anderen, weiter oben in der Hierarchie ins Handwerk gepfuscht bekäme. Und wisst ihr was – sie hat verdammt recht. Man muss dazu allerdings etwas differenzieren. Ich habe kein Problem damit, mir von meinen Teammitgliedern etwas sagen zu lassen, solange es dem Gesamtergebnis dient. Unser angestrebtes Gesamtergebnis ist übrigens, qualitativ hochwertige Aus- und Fortbildung anzubieten, uns als Pädagogen und Menschen weiter zu entwickeln und dabei wirtschaftlich verantwortungsvoll zu handeln. Der zweite Passus bedeutet allerdings nicht “Gewinnerzielungsabsicht”, sondern “Kostendeckung”. Und damit kommen wir zu dem Punkt, an dem ich fuchsig werden muss. “Man muss doch auf dem Markt mit dieser Dienstleistung richtig Geld verdienen können! Mindestens soundsoviel Prozent Bruttoumsatzrendite müssen es schon sein…!” NÖ, MUSS MAN NICHT! Man MUSS endlich verstehen, dass der Homo Oeconomicus eine Schimäre ist, und dass eine Organisationskultur, die den Namen auch verdient, auf Transparenz, Vertrauen, Wertschätzung und gegenseitigem Respekt aufbaut – IN BEIDE RICHTUNGEN.

Barrieren…

Ich meine es meistens gut mit den Menschen, auch wenn ich die meisten von ihnen zu hassen behaupte. An schlechten Tagen ist die Behauptung wahr, an guten… nicht so ganz. Einer meiner Chefs meint manchmal sogar, ich meine es zu gut mit den Menschen. Ich sei vielleicht gelegentlich zu weich. Kann sein. Doch in einer Welt, in der es offenkundig Usus geworden ist, Menschen vor allem nach ihrer geschäftlichen Nützlichkeit, ihrer Produktivität und ihrer Anpassbarkeit an betriebliche Notwendigkeiten zu beurteilen, verweigere ich mich dieser kapitalistischen Verzweckung des Menschen. Auch, wenn immer wieder gerne behauptet wird, dass Unternehmenshandeln sich am Besten der Angestellten und Kunden orientieren würde, kommt mir der Mensch mit seinen Interessen, Bedürfnissen, Begrenzungen und Sorgen zu kurz. Als Pädagoge ist ein nicht unerheblicher Teil meiner Zeit darauf verwandt, an Einstellungen zu arbeiten. Mindsets wachsen zu lassen, indem man die Menschen dazu bringt, ihre eigenen Überzeugungen zu hinterfragen – die bewussten und die unbewussten. Und die ganze Zeit über beschäftigt man sich dabei notwendigerweise mit seiner eigenen Begrenztheit. Ich habe in den letzten Tagen erfahren müssen, dass ich an meinen Grenzen angekommen, evtl. sogar darüber hinaus gegangen bin. Und stehe dennoch hier und kann nicht anders, als weiterzumachen. Weil ich es gut meine. Gut mit den anderen Menschen, ihren Interessen, Bedürfnissen, Begrenzungen und Sorgen. Nur meine eigenen, die habe ich wohl aus dem Blick verloren…

Ich bin im Job auf Probleme gestoßen, die zum Teil meinem Gutmeinen geschuldet sind. Diese Kritik nehme ich an; weil mir bewusst geworden ist, dass ich da zu lax gehandelt, zu sehr auf den Respekt und die Verlässlichkeit Anderer vertraut habe. DEN Fehler mache ich nicht noch einmal. Zu einem anderen Teil sind diese Probleme aber auch den tauben Ohren jener Anderen geschuldet, welche sich die Welt nun machen Widdewiddewie sie ihnen gefällt. Und DIE nehmen ihre Kritik NICHT an. Und das schaue ich mir höchstens noch ein paar Monate an. Wenn sich bis dahin kein Verstehen und kein Respekt für meine Posoitionen abzeichnet, bin ich weg! Denn die haben geschafft, dass mir mein Commitment und meine Arbeit der letzten Jahre nutzlos vorkommen! Dass ich kein Land mehr sehe! Dass ich an mir und meiner Qualität zweifle! Danke für nichts! Dafür wird immer schön eine Schippe Arbeit nach der anderen nachgelegt. Mehr Verantwortung gefordert. Mehr Leistung. Mehr Umsatz. Doch entschädigt das Schmerzensgeld, welches ich derzeit beziehe, wirklich für all das? Dafür, dehumanisiert und funktionalisiert zu werden? Nicht mehr als der Mensch wahrgenommen zu werden, der man eigentlich ist – nicht mal von sich selbst…? Ich mochte meinen Job – bis nur auf Zahlen fixierte Narren ihn mir wegnehmen und durch einen riesigen Haufen Kapitalistenscheiße ersetzen wollten. Aber noch bin ich nicht fertig. Mal sehen, wie’s ausgeht. Ab jetzt muss ich es mit mir selbst gut meinen. Mein einziges Ziel dabei ist, auch in Zukunft erhobenen Hauptes in den Spiegel sehen und sagen zu können: “Meine Ideale kann NIEMAND kaufen! No pasarán!”

Aidoru – Vorbilder gefällig?

Ich hatte dieser Tage ein Gespräch mit meiner älteren Tochter. Eine Person aus ihrem weiteren schulischen Dunstkreis ist derzeit auf dem besten Wege in die ernsthafte Jugend-Delinquenz, und wir kamen in dem Zusammenhang natürlich auf die Frage, was dazu geführt haben könnte; und ob ihr das auch passieren könnte? Einer der Erklärungs-Ansätze bezog sich auf falsche Vorbilder. Lustigerweise wurden wir, während das Gespräch in unserer von mir chauffierten Familien-Droschke stattfand, von zwei Posern mit einer portablen Schwanzverlängerung überholt, welche einen Straßentunnel hier in der Stadt nutzten, um den Ferrari mal ordentlich röhren zu lassen. Auf die Frage, was Tochter Eins denn in diesem Kontext als falsche Vorbilder betrachten würde, kam wie aus der Pistole geschossen “Gangster-Rapper!” Braves Kind. Wenn Sie in dem Alter schon in der Lage ist, hinter die Bling-Bling-Bumm-Bumm-Ficki-Ficki-Fassade eines nicht unerheblichen Teils dieser sogenannten Musiker zu schauen, muss ich mir zumindest über den Musikgeschmack keine Sorgen machen. Und für alle, die diese Art von Musik mögen: bei halbwegs intelligenten Texten, welche auf chauvinistische Erniedrigung von Frauen, das Dreschen von “Isch-bin-der-Babbo-du-Opfa”-Clichés und anderen machismoiden Quatsch verzichten, hör ich sogar mal rein. Versprochen.

Blick in die Weite – keine Vorbilder zu sehen…

Die zwei Typen in dem Ferrari entsprachen im Übrigen jedem denkbaren Cliché über Poser: jung, südländisch, auf diese spezielle Art gestyled, stets um Coolness bemüht. What was it, that seperated the boys from the men…? Ich denke, ich machte eine abfällige Bemerkung darüber, dass ich es für ziemlich unwahrscheinlich hielte, dass dieser Ferrari, so er sich denn überhaupt im Besitz des Fahrers befände, mit ehrlich erworbenem Geld bezahlt sein könnte. Das ist natürlich ein bösartiges Stereotyp. Vielleicht hat er im Lotto gewonnen, geerbt, arbeitet im spekulativen Finanzwesen, oder ist doch ein Tech-Startup-Genie; die Wahrscheinlichkeiten sind allerdings auf ganzer Linie gegen ihn. Wir bogen dann ab, während die Penisprothese – wie sich das in der Welt des Fahrers anscheinend gehört – unter lautem Getöse in die untergehende Abendsonne entschwand. Und ich fragte meine Tochter die Frage des Abends: “Hast DU denn Vorbilder…?” Es dauerte einen Moment, und vielleicht lag es daran, dass wir schon fast zu Hause angekommen waren, dass sie mir entgegnete, dass ihr keine einfielen! Ich fragte dann noch, ob es denn Leute geben könnte, welche die Funktion eines Vorbildes einnehmen oder sie zumindest inspirieren könnten? Das wurde allerdings bejaht.

Wir waren auf Vorbilder gekommen, weil die anfangs erwähnte Person über sich selbst gesagt hatte, dass es dem Vater wohl egal wäre, in welchem Ärger sie gerade stecken würde. Und ich tat meine Analyse kund, dass dies ein Teil des Problems sein könnte, wenn es denn wahr wäre. Denn sich für DAS zu interessieren, was das eigene Kind tut oder lässt und Grenzen zu setzen, wenn man dies für angemessen und gerechtfertigt hält (auch, wenn das eigene Kind meistens anderer Meinung sein dürfte) vermittelt dem Kind ein Gefühl für die Konsequenzen des eigenen Tuns – und damit eine Selbstwirksamkeits-erfahrung. Beliebigkeit hingegen führt dazu, dass sich die Bemühungen, Aufmerksamkeit zu erlangen eventuell in eine pathologische Richtung entwickeln => et voilá: Delinquenz. Diese Analyse ist natürlich auf grund mangelhaften Detailswissens über die weiteren Umstände verkürzend und unvollständig. Aber Kurt Lewin, einer der Väter der modernen Sozialpsychologie – und bekannt für eines der ersten Modelle zu Führungsstilen – sagte ja bereits, dass Laissez-Faire die Abwesenheit von Führung sei; und nicht, wie oft fälschlicherweise dargestellt, ein Führungsstil, der den Geführten größtmögliche Freiheiten lässt. Abseits einer objektiv existenten Hierarchie, die ein Machtgefälle beschreibt (und so KANN man eine Eltern-kind-Beziehung auch charakterisieren) stellt sich immer die Frage, worin sich Führung konstituiert. Und da komme ich wieder zu Vorbildern…

Ein Vorbild ist – im positiven Sinne gedacht – ein Role-Model, an dessen Tun und Lassen sich Kinder und Jugendliche, aber auch Auszubildende oder Studenten orientieren können. Imitations-Lernen findet selbstverständlich auch (oder sogar vor allem) im Kontext von Sozialisation statt. Das Problem für eine pubertierende Jugendliche ist, in unserer von (anti)social media durchwirkten Welt herauzufinden, wer oder was tatsächlich als ein solches Role-Model taugt. Würde ich allerdings versuchen, ihr vorzuschreiben, an wem sie sich zu orientieren hätte, würde ich unter Garantie etwas völlig Anderes erreichen. Nur was, das lässt sich eher schwer vorhersagen. Wir Erwachsenen meiner Generation haben diesen Prozess ja alle selbst mal durchlaufen, leider aber offenkundig vergessen, wie schwer das alles ist! Und heute ist das noch viel schwerer als vor 35 Jahren, als es vielleicht 5 oder 6 Fernsehprogramme, kein Internet, keine social media und ansonsten vor allem die eigene Peergroup gab. Verdammte Axt…

Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine große Tochter, wenn sie eine Weile darüber nachgedacht hat, auf die Frage nach Vorbildern doch eine Antwort geben könnte. Vielleicht möchte sie diese Frage aber auch gar nicht beantworten, weil sie vielleicht befürchtet, dass ich ihre Vorbilder nicht gut finden könnte? Oder weil sie manches erst noch für sich selbst rausfinden muss/will? Und vielleicht wechseln diese Vorbilder auch noch dann und wann? Ich konnte meiner Frau die Frage, was in dem Alter meine Vorbilder gewesen wären, auch nicht wirklich beantworten. Vielleicht, weil es eine – in meiner Erinnerung – emotional sehr fluide Zeit war. Mein Fazit aus der Erfahrung ist, dass wir als Eltern vermutlich selbst als Vorbilder nur bedingt taugen und auch keine Ratschläge dazu geben sollten, wer als Vorbild taugen könnte. Vielmehr besteht unserer Aufgabe darin, unseren “Lieben Kleinen” als Grenze, Brandmauer, sicherer Hafen, aber manchmal auch böser Papa so lange zur Seite zu stehen, bis sie selbst ein informiertes Urteil darüber treffen können, wer denn geeignet sein könnte. Ich sehe Tochter Eins da allerdings auf einem guten Weg. Ich muss mir allerdings mal dringend wieder Gedanken machen, wer meine Vorbilder waren und sind, falls sie mal zurückfragt. Ein Aidoru (Idol) ist sicherlich William Gibson; denn ich wäre auch gerne ein so lesenswerter und erfolgreicher Autor. In diesem Sinne – verdampft nicht. Hoch die Hände – Hitzewende.

Auch als Podcast…

Der Storyschreiner N°1 – Neues aus Kannitvastan

Geschichtenerzählen ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst; bei deren Alter sind wir uns zwar auch noch nicht so recht sicher, man kann aber sagen, das über viele Jahrtausende die einzige Möglichkeit, Geschichten für die Nachkommen zu konservieren darin bestand, sie von Generation zu Generation, von Barde zu Barde, Herold zu Herold weiterzuerzählen. Eine notwendige Gedächtnisleistung, die dazu führt, dass einem Manches an den überlieferten Liedern, Epen, Gedichten, Märchen, Fabeln, Dramen, Tragödien, Komödien, etc. heute formelhaft vorkommen mag. Weil diese großen Mengen an Content ja memoriert und aus dem Gedächtnis rezitiert werden mussten, war eine der wichtigsten Techniken, sich dabei vieler standardisierter Redewendungen zu bedienen, die zudem in das übliche Versmaß passen mussten. Die griechischen Tragödien zum Beispiel haben diese besondere Form, in welcher sie – über die jahrzehnte sehr zur Pein so manches Schölers – heute in den Reclamheftchen stehen, weil die Übersetzer versuchten, jene Versform ins Deutsche zu transponieren, in welcher sie zu ihrer Zeit in Altgriechisch dargeboten wurden. Die Verschriftlichung vieler Dichtungen fand ja erst lange nach dem Tod des jeweiligen Dichters statt.

Die Darbietung der derart memorierten Geschichten, also orales Storytelling war ein kollaborativer Akt, da zu jener Zeit durch die äußere Form der großen Geschichten das Denken sowohl der Erzähler, wie auch der Zuhörer strukturiert wurde. Wenn ich Gedanken nicht schriftlich niederlegen kann, sondern alles im Gedächtnis behalten muss und die Äußerung stets nur als flüchtige Momentaufnahme erfolgen kann (es gibt ja ohne Schrift auch keine Tonaufzeichnung), dann folgt jede Argumentationsstruktur notwendigerweise der inneren Logik der großen Erzählungen und bekommt so u. U. eine für unsere heutigen Begriffe eine eher rigide, teils redundante und/oder schablonenhafte Darreichungsform. Für jene, welche diese Geschichten in ihrer ursprünglichen Form erlebt haben, waren diese u. U. die Basis für ihr Verständnis der eigenen Kultur. Der Ausspruch, dass das Sein das Bewußtsein bestimme, bekommt in diesem Kontext eine ganz neue Bedeutung. Daraus folgt, dass eine neue Argumentation sich des vorhandenen Erzählungs-Kanons bedienen musste. Denn schließlich wurden nicht nur Geschichten erzählt, sondern auch kodifiziertes Gesetz, Erbfolgen, politische Entscheidungen; einfach alles, wofür wir heute mal eben eine Notiz machen, oder ein Dokument auf einem Computer erstellen, musste im Gedächtnis getragen und per Mund zu Ohr von Mensch zu Mensch übertragen (und hoffentlich auch verstanden) werden! [Wer sich mit dieser Betrachtung etwas näher vertraut machen möchte, dem empfehle ich Walter Ongs “Oralität und Literalität”, siehe unten]

Mir geht es vor allem um folgende Überlegung: ich betrieb Storytelling über Jahrzehnte nur im Hobbykontext als kollaboratives Medium, bei welchem ich die Story-Primer erzählte und verschiedene Plotpoints, Locations, Antagonisten, Sidekicks, etc. entwickelte, um diese nach und nach mit in die entstehende Geschichte einzuführen. Jedoch wurde erst durch die Teilnahme ALLER Beteiligten EINER der aus diesen Ingredenzien ermöglichten Verläufe der Geschichte im Prozess der Interaktion festgeschrieben – Pen’n’Paper-Rollenspiel in a nutshell. Heute jedoch interessiert mich auch noch eine andere Möglichkeit der Verwendung, nämlich als Einzel- oder Komplementär-Methode in verschiedenen Bildungsformaten und -kontexten. Ich habe allerdings mittlerweile auf Grund eines erweiterten Quellenstudiums und eigener Beobachtungen den Eindruck gewonnen, dass die Macht des gesprochenen Wortes, bzw. die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit eines Lehrsaalpublikums mittels einer Erzählung auf bestimmte Punkte und Inhalte zu lenken, einerseits hoch abhängig von der Übung des Anwenders im Geschichtenerzählen ist, und andererseits einer möglichst ablenkungsarm gestalteten Umgebung bedarf. Da wir jedoch nicht mehr bei Sonnen- und Fackelschein ohne Medieneinsatz unterrichten, kommt man da recht schnell an seine Grenzen.

Ich hatte ja bereits neulich erzählt, dass man beim Umherspazieren im Lehrsaal bei den SuS durchaus auf Tätigkeiten stößt, die mit dem aktuellen Unterrichtsgeschehen oder der gestellten Aufgabe eher wenig zu tun haben. Und wenngleich ich das zugegebenermaßen als Respektlosigkeit empfinde, ist mir bewusst, dass sich die Modalitäten der Medien-Nutzung in den letzten Jahrzehnten nochmals erheblich geändert haben. Was zu meiner Schulzeit üblich war, existiert heute heute oft genug höchstens noch als Legende. Die Ausgangslage für eine möglichst ablenkungsarme Umgebung muss damit als deutlich erschwert betrachtet werden. Bleibt also noch die Erzählkunst des Lehrers – der hier gegen Medien anerzählen muss, deren bunte Bildchen die jungen Erwachsenen im Lehrsaaal mit traumwandlerischer Leichtigkeit in andere Welten zu entführen vermögen. Man könnte sich jetzt darauf zurückziehen, dass Storytelling als Methode bei unseren übermediatisierten Generation-Z-Kindern nicht funktionieren könne. Wenn da nicht der Umstand wäre, dass ich mich neulich mit einer wirklichen Kennerin des Fachs austauschen durfte und ihre Erfahrungen eine andere Sprache sprechen! Es sei durchaus möglich, auch ein jüngeres Publikum mit einer mündlichen Erzählung abzuholen. Es käme auf die lebensweltliche Relevanz der Themen und die Zugänglichkeit der Sprache an – was mitnichten auf die Verwendung von Jugend-Sprech verweist, sondern die tradierten Topoi, welcher sich das mündliche Erzählen bedient; und welche die jungen Leute immer noch in der Schule kennenlernen. Die Klassiker können uns als Vorbild dienen. Danke, Reclam.

Ich befinde mich noch auf einer Reise durch Kannitvastan, da ich bestimmte Aspekte an oral storytelling, oder mündlichem Erzählen noch nicht soweit durchdrungen habe, dass ich mein Ziel einer Theoriebildung zur Verwendung als pädagogische Methode verfolgen könnte. Aber ich bin mir fast sicher, es immer besser zu durchdringen. Tatsächlich bekam ich von einem anderen ausgewiesenen Fachmann im Thema des Geschichtenerzählens den Ratschlag, mich auch ausdrücklich an meinen Erfahrungen im Pen’n’Paper-Rollenspiel zu bedienen. Ist vermutlich das erste Mal in meinem Leben, dass jemand von außerhalb meiner Rollenspiel-Bubble meinem diesbezüglichen Wissenschatz irgendwelchen Wert zuerkannt hat. Eine interessante Erfahrung. Wer übrigens Kannitvastan noch nicht auf der Karte gefunden haben mag: es ist jener magische Ort der Neugierde und Enttäuschung, der jenseits unseres Horizonts des bereits Gekannten liegt; manche nennen ihn auch “Kann nicht verstehen…”. Ich wünsche einen guten Start in die neue Woche.

Auch als Podcast…
  • Ong, W. J. (2016): Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes. 2. Auflage mit einem Vorwort von Leif Kramp und Andreas Hepp. Wiebaden: Springer Fachmedien GmbH
  • Ryan, M.-L. (Hrsg. 2004): Narrative across media. The Languages of Storytelling. Lincoln and London: University of Nebraska Press.

Das große Staunen N°4 – stur lächeln und winken!

Als wenn ich’s nicht gewusst hätte! Die letzten zwei Wochen sind an mir vorbei galoppiert wie’n Eichhörnchen auf Koks. Natürlich sagt man sich immer, dass man nach dem Urlaub erst mal langsam reinmäandern möchte, aber das ist eigentlich nicht mein Ding. Ich hasse es abgrundtief, wenn Dinge zu lange unerledigt rumliegen; und das ist nach zwei Wochen Absenz halt automatisch der Fall. Und musste mich dennoch dieser Tage schelten lassen, weil etwas so lange liegen geblieben ist, dass dies gewisse Probleme verursacht hat. Aufmerksamkeit ist schon eine merkwürdige Angelegenheit. Einerseits sind wir mit etwas Übung in der Lage, unfassbare viele kleine Dinge im Nahbereich beinahe gleichzeitig zu registrieren. Aber das große Ganze, oder auch ein Prozess, der nicht direkt vor unserer Nase liegt? Pfffft… aus den Augen, aus dem Sinn! Das ist wohl einer der Gründe, warum so viele Menschen nicht verstehen, dass auch ihr – zugegeben oft sehr kleiner – Beitrag zum Klimaschutz einen Wert hätte, wenn sie denn bereit wären, diesen zu leisten. Oder das Wählen gehen nicht nur ein demokratisches Recht ist, sondern gleichsam auch eine Pflicht, die Demokratie durch Legitimation zu stärken. Auch, wenn man nicht immer der gleichen Meinung sein mag, wie der schlussendliche Gewinner.

Gorges de Galamus

Ich versuche derzeit, meine Aufmerksamkeit so nah wie möglich bei den Dingen zu lassen, die MIR persönlich wichtig sind, weil sie mein Leben berühren; gleich, ob das jetzt primär meine Familie, meine Freunde, meine Studien oder meine Arbeit betrifft. Vorhin versuchte ich, etwas zu lesen, dass mir wichtig ist und für meine Studien hilfreich sein wird. Allerdings war ich so blöd, diesen Versuch auf meinem Handtuch, im Schatten eines Baumes an den Gestaden unseres bevorzugten Badesees zu unternehmen. An einem Samstagmittag im Frühsommer ist es da ja auch menschenler und total beschaulich, nicht wahr…? Kurz gesagt, nach fünf Minuten habe ich das Buch entnervt wieder weggelegt, weil die immer wieder zwischen Englisch und Deutsch wechselnde Konversation mehrerer Hardcore-Gamer in der Nähe mich brutal abgelenkt hat; wofür die natürlich nichts konnten, sie suchten ja auch nur Erfrischung im Grünen. Ich stelle einmal mehr fest, dass ich für bestimmte Tätigkeiten meine Solitude brauche. Das fickt mich auch immer wieder während der Arbeit. Ich sitze in meinem Büro und versuche mich gerade tief in einen Kaninchenbau hineinzudenken, auf der Suche nach einer Alice der Erwachsenenbildung – und alle verdammten fünf Minuten gibt’s irgendeine Ablenkung. So sehr ich die meisten meiner Kollegen:innen auch schätze und mag – ICH kann so NICHT arbeiten! Zumindest nicht an Projekten, die nach Hirnschmalz verlangen.

Der Input, den ich in meinem Job als Schulleiter abarbeiten muss, erfordert ein schnelles Hin- und Herfokussieren incl. Scharfstellen nach Auffinden der richtigen Brennweite, analog zum Gebrauch eines guten Reisezooms (in meinem Fall: M. Zuiko Digital ED 12-100mm F4 IS Pro). Das Problem ist, dass ich dabei – im Gegensatz zu meinen Knips-Sessions – nicht immer selbst darüber bestimme, wie viel Zeit ich mir für ein bestimmtes Motiv nehmen kann, weil es viele Stakeholder gibt, deren interessen ich im Blick behalten muss. Ist ein bisschen wie Jonglieren mit Fackeln, worin ich definitiv viel weniger geübt bin, als im Fotografieren. Daraus folgt, dass mein Job eine gewisse Fehleranfälligkeit bekommt, je mehr Prozesse unterschiedlicher Natur und Geschwindigkeit gleichzeitig am Laufen sind. Manche Menschen akzeptieren das als Entschuldigung, wenn mal was verrutscht ist, andere nicht, weil in der Geschäftswelt am Ende eines Quartals / Jahres nur das Ergebnis unter dem Strich zählt. Und ich verstehe das selbstverständlich, nehme ich meine Gesamt-Verantwortung doch durchaus ernst. Ich werde jetzt nicht behaupten, dass mich das nicht belasten würde; tatsächlich ist für mich persönlich meine erste und wichtigste Mission, sach- und fachadäquate pädagogische Qualität an die SuS / TN zu bekommen! Und ich höre in letzter Zeit immer wieder, dass es so, wie wir das täten zu teuer würde. Die ursprünglich ausgelobte Mission war jedoch eine andere. Die Parameter haben sich mittlerweile aber geändert, weil ambitionierte Projekte entwickelt werden. Geld wächst aber nicht auf Bäumen und Preise kann man genauso wenig beliebig erhöhen, wie SuS / TN-Zahlen. Das will man aber an gewissen Stellen nicht hören.

Ich will wieder dahin!

Wir bleiben nach wie vor, auch wenn das auf den ersten Blick anders wirken mag, beim Thema Aufmerksamkeit: wenn ich irgendwas anschaue, dann gibt es immer bestimmte Qualitäten eines betrachteten Objektes, die verschiedenen Betrachtern unterschiedlich stark augenfällig werden: meine beste Ehefrau von allen ist Goldschmiedin. Sie macht Dinge von erlesener Kunstfertigkeit, die nicht unbedingt zum Alltagsbedarf gehören. Nähere ich mich einem solchen Objekt, kann ich entweder die handwerkliche Arbeit und Expertise bewundern, die hineingeflossen sind, mich fragen, ob dieses Stück zu mir passen würde – oder ich hänge mich am Preisschild auf und fange an rumzunölen, dass das ja viel zu teuer sei. Das Material würde doch nur soundsoviel kosten. Die Gegenfrage ist dann immer, ob man, wenn man ein Auto bräuchte auch nur bereit wäre, die Materialien zu bezahlen, nicht jedoch das ganze Handwerk, welches sich in einem so komplizierten technischen Gerät realisiert. Viele Leute verstehen die Frage nicht, weil es ihnen vielleicht nicht an finanzieller Expertise gebricht – wohl aber an dem angemessenem Respekt für die Komplexität und das Know-How, welche es für die fragliche Leistung braucht. Wer Analogien zu meiner Tätigkeit findet, darf gerne darüber nachdenken.

Ganz ehrlich – ich hatte heute mit einem alten Freund eine kurze Konversation via Chat, die sich um die Frage drehte, ob ich nicht kürzer treten könnte. Mein Antwort war, dass das genau JETZT nicht der Fall sei, weil ich eben für bestimmte Dinge eine Verpflichtung habe, die ich erfüllen will, das Licht am Ende des Tunnels jedoch vom Jahresende aus schon langsam sichtbar wird. Und ich empfinde die eben erwähnte Verpflichtung – dies sei in aller Deutlichkeit gesagt – zuvorderst für meine Kollegen:innen und die uns anvertrauten SuS; nicht jedoch zwingend für meinen Arbeitgeber. DER muss sich langsam aber sicher genau überlegen, ob der eingeschlagene Kurs wirklich so gesund ist, wie man sich das derzeit einredet! Meine Antwort darauf ist mittlerweile leider ein klares “NEIN”! Und ich bin mittlerweile müde, dies durch die Blume zu sagen, um dabei, wie die Pinguine aus Madagaskar, stur zu lächeln und zu winken. Skipper kann mir mal den Buckel runter rutschen. Ich wünsche euch dennoch ein schönes Wochenende und viel Spaß bei dem guten Wetter. Genießen wir es, so lange es noch geht.

Auch als Podcast…