Erwachsen bilden N°28 – Erfahrung ist schlecht?

Um es kurz vorweg zu nehmen: Erfahrungslernen im Beruf und im Privaten haben etwas miteinander zu tun; auch wenn die Zusammenhänge nicht immer gleich offenkundig sind. Nun bin ich gestern über diesen Beitrag “Erfahrung macht ärmer” von dieser Autorin gestolpert und muss sagen, dass man ein – noch dazu hoch unfundiert daher kommendes -Meinungsstück auch ruhig mal als Solches kennzeichnen könnte. Qualitätsjournalismus geht anders. Wie dem auch sein: die Kernaussage des Artikel ist, das Erfahrung das Individuum des Glaubens an große Veränderungen, tiefe Gefühle und “echte Entscheidungen” berauben würde. Und dem kann ich nur entgegnen: WAS FÜR EIN BULLSHIT!

Es ist schon merkwürdig, dass mich, der ich doch so gerne von mir behaupte, nur dem ausgewiesenen Alter im Personalausweis nach erwachsen zu sein, ein Artikel über das Älter-Werden triggert. Solcherlei Schreibe gibt’s wie Sand am Meer und das Meiste davon ist – mit Verlaub – nicht die Tastaturabnutzung wert, die bei der Erstellung entstand. Denn zumeist arbeitet man sich wahlweise entweder an der “guten alten Zeit”, an individuellen Verfallserscheinungen oder unverstandenen Kulturphänomenen ab. Hier jedoch ist das anders, denn die Autorin spricht in ihren Äußerungen jedem Menschen oberhalb des Teen, oder gar Twen-Alters die Fähigkeit zu tiefen Emotionen ab. Sicherlich verändern sich sowohl die Wahrnehmung der eigenen Emotionen, als auch die Hormonlage, welche diese beeinflusst. Damit ist das, zumindest teilweise, ein obligater physiologischer Prozess. Es ist in manchen Berufszweigen sogar Teil der Ausbildung, die eigenen Emotionen schon früh besser kontrollieren zu lernen (z. B. bei NotSans, wie ich sie ausbilde). Mitnichten beraubt jedoch diese Ausbildungs-Erfahrung oder die eigene Lebenserfahrung diese Menschen Ihrer Wahrnehmungstiefe. Was sich ändert, sind die Reaktionen auf verschiedene Stimuli.

Hätte sich die Autorin mal mit Daniel Kahnemans Klassiker “Schnelles Denken, langsames Denken” befasst, wüsste Sie, dass die Ausbildung emotionaler Kompetenzen notwendiger Bestandteil individuell-persönlichen Wachstums ist und würde nicht dogmatisch darauf beharren, dass Teenies und Twens eine bessere Welt erschaffen würden. Denn ihre anderen These, dass mit Erfahrung automatisch der Glaube an die Möglichkeit großer Veränderungen verloren ginge lässt sich – nach einem kurzen Blick auf die Geschichte der Menschheit – kaum aufrecht erhalten. Viele nachhaltige Umwälzungen wurden von Menschen meines Alters bewerkstelligt. Denn zusammen mit der Erfahrung wächst bei gesundem Framing auch die Stress-Resilienz. Individuelle psychopathologische Divergenzen müssen hier, weil es sonst zu unübersichtlich würde, außen vor bleiben. Was nun bleibt, ist durchaus spannende die Frage, was die denn mit “echten Entscheidungen” meint? Ich würde vermuten, dass sie dabei an das bewusste Hören auf das Bauchgefühl (u. A. als “Schnelles Denken” bei Kahneman beschrieben) gedacht hat. Nennen wir es doch der Einfachheit halber “Intuition”!

Ich weiß nicht, wie ich das jetzt sagen soll: würden wir alle Entscheidungen aus dem Bauch heraus treffen, lebten wir in einer noch chaotischeren, noch ungerechteren, noch grausameren Welt, als dies eh schon der Fall ist. Denn erst Erfahrung bringt die Reife mit sich, erkennen zu können, auf welchen Wegen sich dringend notwendige große Veränderungen – wie etwa Mobilitäts- und Energiewende – auch gegen den Willen Vieler durchsetzen lassen. Und man muss einer Tatsache ins Auge sehen, welche die Autorin in ihren Ausführungen konsequent übersehen hat: dass echte, tiefe, reichhaltige Emotionen nicht nur Altruismus und Liebe beinhalten, sondern auch ungebändigten, gierigen Egoismus! Seit Thomas Hobbes Widmung “Homo homini lupus” für sein Opus “De Cive” 1642 hat sich daran wenig geändert. Erst die Erfahrung als Teil unserer Sozialisation – privat wie beruflich – gibt uns überhaupt die Fähigkeit, den anderen Menschen keine Wölfe zu sein. Was also von dem Artikel bleibt, ist wohlfeiles “Boomer”-Bashing durch die Hintertür. Keinen Dank dafür; zudem war es nicht elegant genug, um nicht leicht durchschaubar daher zu kommen!

Warum ich diese Kritik in die Reihe “Erwachsen bilden” integriert habe? Weil ich es für eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Lernen halte, niemals dogmatisch an irgendwas heran zu gehen! Nur indem ich mir einen offenen Geist erhalte, indem ich die Dinge ohne vorgreifende Wertung oder Vorurteil betrachte und analysiere, kann ich wertvolle Erkenntnisse selbst erfahren. Das ist die wahre Natur der Erfahrung; und ob eine wertvolle Erfahrung im ersten Augenblick positiver oder negativer Natur ist, macht keinen Unterschied. Auch im Scheitern kann man wachsen! Das hat die Autorin des von mir kritisierten Artikels offensichtlich noch nicht gelernt. Das die oben von mir geforderte Geisteshaltung bisweilen eine große, beinahe unmögliche Herausforderung darstellt, ist mir schmerzlich bewusst. Aber wenn man es nicht wenigstens versucht, kann man sich auch mit der Autorin gemein machen und braucht von sich nichts Großes mehr zu erwarten, weil man über 20 (oder gar 30) ist. Ich will mehr! Ich weiß allerdings auch, dass man nicht immer auf dem graden, schnellen Weg ans Ziel kommt…

Wahrscheinlich hat sie es gar nicht so böse gemeint, wie ich es gelesen habe, aber wenn man Watzlawick kennt, weiß man, dass sein zweites und drittes Axiom übersetzt bedeuten “Der Empfänger macht die Botschaft!”. In diesem Sinne wünsche ich ein schönes ersten Wochenende 2021.

Erwachsen bilden N°27 – Learning meets Gaming…

Ich habe angefangen eine Serie auf Netflix zu schauen, die sich mit der Entwicklung der Konsolen- und Computerspiele befasst: “High Score” weckte an einigen Stellen beinahe wehmütige Erinnerungen an vergangene Spielerfahrungen. Aber speziell die dritte Folge, welche sich mit Rollenspielen (hier speziell den Computer-Vertretern dieser Gattung) befasst, hat in mir ein paar Denkprozesse in Bewegung gebracht, die sich um die Frage drehen, warum wir eigentlich zocken und was das mit Lernen zu tun hat? Ich werde den Fragen in diesem Text zumindest ein wenig nachspüren…

“Sense of wonder”. Aus meiner Sicht ist es sehr schwer, diesen Begriff aus dem englischen treffsicher und vor allem sinnerhaltend zu übersetzen. Neulich fand ich auf Zeit-Online eine Umfrage zum Thema gefühltes und tatsächliches Alter. Ich nahm daran teil und meine Antworten zeichneten das Bild eines Kindskopfes. Zumindest ist das meines Wissens die umgangssprachliche Bezeichnung für jemanden, der seinen Spieltrieb niemals verloren hat und sich sogar redlich bemüht, dies nie eintreten zu lassen. Diese Mischung aus Neugier und gemeinsam überraschen-lassen-wollen (zumindest bei manchen Dingen), gemischt mit einem, gelegentlich an Fatalismus grenzenden Schulterzucken, wenn’s mal wieder nicht nach Plan gelaufen ist, korrelieren im Kontext des Big-Five-Model mit stark ausgeprägter Offenheit für Erfahrungen und Extraversion, sowie zumindest moderat ausgeprägter Verträglichkeit. Wahrscheinlich ist es das, was Menschen dazu bringt, sich nicht so alt zu fühlen, wie der Personalausweis es sagt…

Nun ist es so, dass, wenn man Hattie etwas Glauben schenken möchte, die Persönlichkeit des Lehrers ein wichtiger Faktor für den Erfolg pädagogischer Interventionen ist. Natürlich sind die Daten, auf denen seine Metastudie beruht, nicht mehr taufrisch, was dazu führt, dass der eine oder andere gerne darauf hinweist, dass wir uns die Themen E-Learning und Blended Learning noch mal anschauen müssen. Einverstanden. Allerdings sind die meisten Werke zum Thema Mediendidaktik, auf die man sich heute bezieht für das tatsächliche Design solcher Kursumgebungen nur begrenzt hilfreich. Erkenntnisse aus dem Arbeiten mit Printmedien in der Fernlehre wurden allzu oft beinahe ungeprüft auf New Media und Social Media transponiert. Und die wirklichen Aufgaben der Lehrperson bleiben im Dunkel. Content-Manager? Lernbegleiter? Trainer? Moderator? Beobachter?

Hier kommt nun der Gamer in mir ins Spiel. Meiner Erfahrung nach (das ist jetzt allerdings, wenn überhaupt, höchstens Ego-Empirie) funktionieren lebensnahe Erzählungen am Besten. Das Problem dabei ist Folgendes: in der Erwachsenenbildung setzt sich seit ca 20 Jahren nach und nach das Lernfeldzentrierte Unterrichten durch; ohne das je irgendwer ein echtes Theorie-Gebäude dafür entworfen, untersucht und validiert hätte, oder dass man den Unterrichtenden gute Handreichungen zur Umsetzung mitgegeben hätte. Wir wurschteln uns da trotzdem durch, weil die Erfahrungen uns ja Recht geben. Die Schüler sind jedoch aus dem allgemeinbildenden Schulwesen Fachsystematik gewohnt und fragen am Anfang verzweifelt nach dem roten Faden – und lassen sich in der Folge oft nur sehr schwer besänftigen.

Die Parallelen zum Rollenspiel sind interessant. Auch eine Gruppe von Spielern, deren Charaktere anfangen, ein neues Gebiet zu Erkunden, einem Geheimnis nachzuspüren, einen Gegner zu jagen, müssen zunächst herausfinden, welche Fragen man eigentlich stellen muss. Ich bin, wie hier schon öfter anklingen durfte, ein großer Freund der Mäeutik. Insofern macht es für mich wenig Unterschied, ob ich meinen Schülern im Unterrichtssaal eine Geschichte präsentiere, oder meinen Spieler am heimatlichen Wohnzimmertisch (etwas, dass ich dank Corona sehr vermisse…). Beide Situationen bauen auf einem Narrativ auf, in beiden Fällen muss ich die Teilnehmer dahin führen, die richtigen Fragen zu stellen und in beiden Fällen ist der Ausgang des Tages für mich vorher unklar, denn auch im Unterrichtssaal tauchen manchmal Fragestellungen und Wendungen auf, die ich nicht vorhergesehen habe.

Allerdings muss man auch die Unterschiede klar herausstellen: die intrinsische Motivation meiner Spieler ist auf einem ganz anderen Level, als die meiner Schüler, den Berufsschule ist halt doch eine Pflichtveranstaltung. Die Prämisse des Unterrichtes ist, den Schülern einen Zuwachs an Kenntnissen und Fertigkeiten zu vermöglichen, der in ihnen schließlich die nötigen Kompetenzen reifen lassen soll, gute NotSans zu werden. Am Spieltisch wollen wir einfach nur Spaß haben und zusammen eine Geschichte erzählen. Am Besten eine, an die man sich gerne erinnert. Vor allem die Motivationsdifferenz stellt für den Lehrer UND den Erzähler in mir ein Problem dar. Denn allen Unterschieden zum Trotz funktioniert in beiden Fällen das Narrativ nur, wenn alle (oder wenigstens fast alle) mitmachen, sich auf meine Erzählung einlassen, versuchen die richtigen Fragen zu finden – und diese irgendwann natürlich auch zu beantworten lernen.

Hier kollidieren “preußische Tugenden” wie Fleiß, Ordnungssinn, Gehorsam, etc. mit den modernen Erkenntnissen zum Lernen. Zweifelsfrei sind repititives Imitieren und Üben notwendig, um mechanistische Skills beherrschen zu lernen. Das Verständnis um die wahre Komplexität von Entscheidungsbäumen, die doppelte Handlungslogik, Ethik, Moral und die Notwendigkeit kommunikativen Könnens entsteht jedoch nicht durch bloßes Abschauen und stures Auswendiglernen / Nachmachen, sondern nur durch persönliche Erfahrung, soziale Erfahrung und Reflexion derselben. Vor allem die Fähigkeit, dabei auch die Standpunkte Anderer einnehmen zu können (also auch mal andere Rollen spielen zu können) ist dabei besonders wichtig. Und wenn ich mir nun die Entwicklung der Spiele seit den späten 70ern des letzten Jahrhunderts anschaue (siehe erster Absatz), stellt sich mir die Frage, wie wir unsere Narrative und unsere szenischen Inszenierungen derselben besser gestalten können?

Um es an dieser Stelle deutlich zu sagen: es geht NICHT um Kuschelpädagogik! Es geht darum, in meinen Schülern den gleichen “Sense of wonder”, die gleiche Neugier zu wecken, wie ich sie erlebe. Denn nur, wenn ich sie richtig motivieren kann, funktionieren meine Geschichten – genau wie am Spieltisch. Und das erfordert manchmal eine spielerische Herangehensweise, die dem Entwerfen eines Rollenspielszenarios durchaus ähnelt. Übrigens ähnelt auch das Wachstum der Schüler dem von Charakteren; nur dass ich im Lehrsaal am Ende eines Tages keine Erfahrungspunkte vergebe. Die Leveln dort auf anderer Weise. Ich stelle am Ende dieses Posts fest, dass ich noch ein wenig tiefer in diese Materie eintauchen muss. Darum gibt’s die Tage noch einen weiteren Teil. In diesem Sinne: always game and teach on!

Erwachsen bilden N°26 – Langeweile?

Zunächst muss ich feststellen, dass ich in den letzten Tagen zu wenig Zeit und Muse hatte, hier einen Text einzupflegen. Meine neue Position hat mich wohl doch mehr gefordert, als gedacht. Heute Abend hatte ich immerhin mal wieder Gelegenheit, einem Fachgespräch mit den Kolleginnen und Kollegen von der GzFWR beizuwohnen. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle die gesamte Diskussion darstellen zu wollen. Eine Sache ist mir jedoch auch in diesem Moment noch sehr präsent: nämlich die Frage, was die Menschen wieder aus unserem Berufsfeld, bzw. der tatsächlichen Tätigkeit als Notfallsanitäter/in hinaus treibt?

Unsere Gesellschaft hat gerade eine Studie zum Thema Berufstreue veröffentlicht, auf die ich bei dieser Gelegenheit hinweisen möchte. Doch unsere Diskussion kam auf etwas anderes, als den in der Studie beleuchteten Punkt “Rechtsunsicherheit”; wir waren irgendwann bei “Langeweile” und konnten uns am Schluss darauf einigen, dass die passendere Bezeichnung “subjektive Unterforderung” sei, unabhängig davon, ob diese Betrachtung objektiv zu halten wäre. Denn schließlich gibt es ja gelegentlich durchaus Differenzen zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung der eigenen Person.

Das Gehirn ist ein wundersames Ding. Ich nehme die Art, wie meines mit mir kommuniziert immer als asynchron und asymetrisch wahr. Ideen werden rezipiert, fallen in irgendein Loch und werden, manchmal mit erheblicher Zeitverzögerung wieder ausgespien. Manchmal zerfleddert, gelegentlich aber auch angereichert mit Neuem. Die Diskussion heute Abend hat mich direkt geflasht. Irgendwas in mir wurde munter und wollte raus zum Spielen. Ich meine jetzt auch zu wissen, was das ist: Ungeduld! Ungeduld mit mir selbst und meinen Fähigkeiten. Ungeduld mit der Entwicklung meines Berufsfeldes. Ungeduld mit den strukturellen und politischen Prozessen, die dabei eine Rolle spielen. Und schließlich: Ungeduld mit einigen Protagonisten, weil sie sich gerne selbst reden hören, dabei aber allzu oft nur heiße Luft produzieren und die Berufslandschaft eher zersplittern, anstatt sie zu einen. Egal…

Ich fing an, meine eigene Berufstreue zu überdenken, die ja nun schon über 25 Jahre anhält. Und egal, wie kritisch ich auch mit meinen Motiven bin: ich brenne immer noch für diesen Job! Für das Arbeiten mit Menschen, an Menschen, für Menschen! Doch warum ist das so…? Wenn ich an meine Jugend zurück denke, dachte ich immer, Maschinen wären mein Ding. und ich verspüre bis heute eine gewisse Faszination für Technik, insbesondere für IT. Doch meine andere große Leidenschaft, nämlich das Geschichtenerzählen hat mich schon früh gelehrt, dass ich mit Menschen auch sehr gut klarkomme. Denn eben das Geschichten erzählen lehrte mich einerseits, in unterschiedlichsten Rollen denken, sie analytisch durchdenken zu können; andererseits förderte es meine Kreativität. Und so war es für mich die Mischung aus analytischer Distanz und wohldosierter empathischer Zuwendung, mit der ich meinen Patienten helfen konnte (und immer noch kann).

Als Verfechter einer konstruktivistischen Weltsicht fällt es mir einerseits nicht schwer, “subjektive Unterforderung” als Grund zum Ausscheiden aus dem Rettungsdienst zu verstehen. Wer seinen Job als immer wiederkehrende, irgendwann öde Routine erfährt, dem fordert dieser nicht mehr so, als dass er dabei bleiben wollen würde. Ich möchte gerne herausfinden, was solche Seelen bei der Stange halten könnte. Denn vielleicht würde beim einen oder anderen ein Reframing der eigenen Situation vollkommen ausreichen. Überdies möchte ich mich gern daran beteiligen, Perspektiven für einen Verbleib im Job aufzuzeigen, denn eines ist sicher: wir müssen dem manifesten Fachkräftemangel begegnen. Das wir auch endlich neue Wege in der Präklinik beschreiten, den Rettungsdienst als Gatekeeper für die weiteren Strukturen des Gesundheitswesens etablieren und dabei auch weitere Jobperspektiven etablieren müssen, steht außer Frage. Doch für solche Vorhaben braucht es Mitstreiter. Hat jemand Interesse…?

Erwachsen bilden N°25 – Covidiantentum…

Es sind komische Zeiten. Ja, in den USA stellt sich ein Psychopath zur Wiederwahl und das Beste, was die andere Partei aufzustellen vermochte, ist ein greiser, illiberaler Parteibonze. Na ja, wird schon schiefgehen. Das ist jedoch nicht, worum es mir gehen soll. Denn mein Augenmerk richtet sich einerseits an jedem vergehenden Tag im Moment auf die Gesundheit der Schüler und des Lehrkörpers (ja, auch meine). Covid19 ist gegenwärtig eine permanente Bedrohung für regelgemäßen Präsenz-Unterricht. Das betrifft ja nun nicht nur Berufsfachschulen, sondern vor allem auch das allgemeinbildende Schulwesen. Aber aus meiner persönlichen Sicht kann ich am Besten was dazu sagen.

Gleich vorweg – ich kriege einen Hals, wenn man Lehrern, die darauf hinweisen, dass E-Learning in vielerlei Hinsicht nicht gut – teilweise auch gar nicht – funktioniert wahlweise Inkompetenz, Faulheit oder mangelndes Engagement vorwirft. Viele Kolleginnen und Kollegen haben im ersten Lockdown non-existenter Infrastruktur, fehlender Ausbildung in E-Medien-Didaktik und mangelnder Unterstützung durch die zuständigen Behörden zum Trotze gezaubert. Und bekommen als Dankeschön dafür Gejammer und Gedisse. Schämen sollten sich diese Leute was. Insbesondere wieder jene, die keine Ahnung, dafür aber mal wieder verdammt viel Meinung haben.

Ich bin übrigens von einem dieser Kollegen aus dem allgemeinbildenden Schulwesen gerügt worden, weil ich Anfangs aus seiner Sicht nicht umfassend auf Hygienekonzepte hingewiesen habe. Ich kann an dieser Stelle sagen – danke für die Kritik, jedoch macht der Ton halt die Musik. Schwamm drüber, ich habe was dazugelernt. Insbesondere über Menschen. Mittlerweile sind die Konzepte ausgereift, gut beübt und dennoch, trotz aller Konformität mit behördlichen Vorgaben, vermutlich immer noch unzureichend. Wir werden sehen, wohin uns der November bringt. Ich vermute ja, dass wir noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt sind. Was bedeutet, dass ich von meinen Kollegen und insbesondere meinen Schülern stringente Einhaltung der Vorgaben verlangen muss. Das ist sozial nicht immer einfach.

Aber eine Einstellung des Präsenz-Unterrichtes wäre zu diesem Zeitpunkt mindesten genauso ungünstig, wie sie das Mitte März war, als ich mich hoppladihopp dazu genötigt sah, Inhalte des RS-Grundlehrganges auf Fernlehre umzustellen. Rettungsdienst ist nun mal ein Gewerk, dass sehr viel handlungspraktisch relevanten Unterricht verlangt und dies ist im E-Learning nur mühselig, wenn es jedoch um handwerkliche Skills geht gar nicht zu bewerkstelligen. Durch Nachlässigkeiten im Umgang mit den Hygienerichtlinien würden sich die Schüler also direkt ins eigenen Fleisch schneiden. Ich habe das schon bei einigen Gelegenheiten verdeutlicht; und doch…

Ich beobachte an mir eine gewisse Tendenz zur Ermüdung. So wie ich an meinen Schülern auch eine gewisse Tendenz zur Ermüdung sehen kann. Nun bin ich am Thema Risikogruppe ca. zwei Jahrzehnte näher dran als sie. Vielleicht ist es diese Abstraktheit der Bedrohung, die Menschen so große Probleme bereitet. Wenn ich mir einen Horrorfilm anschaue, dann kommt die Schreck-induzierte sympatho-adrenerge Reaktion so sicher wie das Amen in der Kirche, spätestens, wenn die Gruppe sich getrennt hat. Bei Covid19 ist das anders: da gibt es eine akute Stressreaktion erst, wenn man die Todesnachricht von Verwandten oder Freunden bekommt. Vorher ist es mehr so wie Bullshit-Bingo. Kann man spielen, es hat ja eh keine echten Konsequenzen.

Das klingt vielleicht resigniert und böse, doch so ist es nicht gemeint. Auch mir fällt das alles schwer. 7-8h am Tag mit Maske im Unterricht stehen, immer wieder ermahnen und beten das alles weiterlaufen kann, raubt einem ganz schön viel Kraft. Aber die Alternativen sind jenen, die sich mit der Materie auskennen weidlich bekannt. Also heißt die Parole: immer vorwärts, immer weiter, und nach außen immer heiter… Denn wenn entweder einer meiner Schüler, meiner Kollegen, oder ich des Covidiantentums verdächtig werden, ist der Ofen für den momentan so wichtigen Präsenzunterricht ganz schnell aus. Und wie geht’s euch anderen da draußen so? Ich wünsche eine gesunde und erfolgreiche Woche.

Erwachsen bilden #24 – Notiz an mich…

Es ist soweit. Die erste NotSan-Klasse in meiner Institution ist gestartet. Man könnte sagen, ein Meilenstein sei erreicht. Und objektiv betrachtet war es bis hierher bereits ein verdammt langer und streckenweise steiniger Weg. Ich bin ihn zumeist gerne gegangen. Doch eigentlich war der offizielle Start ein Rite de Passage. Für die erträumte Schule, weil sie nun Wirklichkeit geworden ist. Für die Schülerinnen und Schüler, weil sie eben in einen neuen, verdammt anstrengenden, sicherlich gelegentlich frustrierenden aber gewiss auch spannenden und am Ende hoffentlich lohnenden Lebensabschnitt eingetreten sind. Und für all die anderen Menschen, die das Projekt durch ihre Arbeit getragen haben, weil sie die Früchte ihrer Arbeit nun tatsächlich sehen können. Und für mich…?

Nach dem Start ist vor dem Start ist nach dem Start. Ich steh’ erstmal selber wieder in der Bütt und gebe mein Bestes, bis mein Mitarbeiter-Stab denn tatsächlich voll arbeitsfähig ist. Kann noch ein paar holprige Wochen dauern, bis endlich alle Teile wie geplant zusammenfallen und ein halbwegs stimmiges Bild ergeben. Es hat sich also im Vergleich zu letzter Woche nichts geändert. Der Planungshorizont ist auch der gleiche geblieben: immer bis zur nächsten, kleineren oder größeren Katastrophe, die mal wieder Impro-Theater notwendig macht. Ich bin’s gewöhnt und mittlerweile auch recht geübt in Desaster-Management und Trouble-Shooting, auch wenn ich meinen Master ja in Erwachsenenbildung mache.

Erschöpft? Ja, ein bisschen schon. Resigniert? Nur, ab und an, und nur bezüglich mancher Marotten mancher Kollegoiden. Enttäuscht? Nicht die Bohne, denn – sehr zu meiner Verwunderung – läuft bisher fast alles wie am Schnürchen. Aufgeregt? Na klar, wie könnte ich auch nicht, es bleibt ja spannend. Überfordert? Vielleicht ein wenig durch den noch nicht so 100% einsatzbereiten Stab meiner Institution, was mir die eine oder andere Extrameile abverlangen wird. Herr der Lage? Tja, “Leben in der Lage” ist so ein Motto, dass man in meinen Kreisen häufiger hört. Und ich persönlich verstehe das so: Mal habe ich die Zügel in der Hand, mal bin ich der Rodeo-Clown, aber der Zirkus muss weitergehen. Also gehe ich jeden Tag da raus und versuche mein Bestes.

Ich bin, auf Grund meiner Ausbildung und meiner Erfahrung davon überzeugt, dass es eine gute Dosis Konstruktivismus in dieser Berufsausbildung braucht, dass nur möglichst reichhaltige und realitätsnahe Selbst-Erfahrungen den Schülern wirklich weiterhelfen. Das kann manchmal ein wenig beliebig wirken, doch wenn es adäquat gerahmt und begleitet wird – nämlich in dem man sie dazu bringt, selbst die richtigen Fragen zu stellen und auch eine Antwort auf diese suchen zu wollen – wird daraus ein nachhaltiges Lernerlebnis. Und Spaß machen kann es auch. Nur die Vorbereitung ist viel Arbeit, denn den eben genannten Rahmen richtig aufzubauen und wirksam werden zu lassen braucht Geduld; und manchmal auch den Mut zu Fehlschlägen. Denn eines ist sicher – wir Berufspädagogen wissen noch nicht genau, ob wir Ihnen all das Handwerkszeug mitgeben können, dass sie in der Zukunft brauchen werden.

Die Anforderungen an unseren Beruf verändern sich momentan schnell und das erhoffte Profil der fürderhin benötigten Kompetenzen ist noch nicht erarbeitet. Wir bilden im Moment auf Basis dessen aus, was früher funktioniert hat. Doch die Realität lehrt uns unterdessen, dass wir hier noch einiges zum Nachjustieren haben werden. So ist denn eine der wichtigsten Funktionen unserer Ausbildung, den Schülerinnen und Schülern einen möglichst kompletten vorläufigen Stand der Dinge mitzugeben UND ihnen ein Verständnis für eben diese Vorläufigkeit zu geben; und die unmittelbare Konsequenz, dass sie ihr ganzes Berufsleben lang werden weiterlernen müssen. Und mir ist bewusst, dass diese Flexibilität und das Interesse am Neuen mitnichten in jedem Menschen in gleichem Maße vorhanden sind. Was die Kultivierung natürlich erschwert.

Wir werden sehen, was unterwegs noch angepasst werden muss. Für’s erste bin ich jedoch froh sagen zu können, dass ich die Ehre und das Vergnügen habe, mit einem tollen Haufen junger Leute arbeiten zu dürfen. Wenn ich es schaffe, in ihnen jenes Feuer zu kultivieren, das auch in mir immer noch brennt, darf ich mich glücklich schätzen. Der Weg ist lang, aber ich bin schon wieder unterwegs. Denn nach dem Ziel ist vor dem Ziel ist nach dem Ziel…

New Work N°3 – Flight of the Evaluator!

Um’s an dieser Stelle klar zu sagen: meine Arbeit ist nicht neu. Feldschern gibt’s schon seit langer Zeit; und Lehrer sowieso. Was sich allerdings neuerdings immer schneller ändert ist die Art, wie wir unterrichten. Zum einen technisch: Web-Streams und Online-Unterricht sind nicht erst seit Corona der neue heiße Scheiß in meinem Zweit-Gewerk. Wobei nicht wenige, die sich an Online-Lehre versuchen Methode und Medium verwechseln. Was dabei teilweise qualitativ rum kommt, gruselt mich schon ein bisschen. Zum anderen ist aber auch immer ein gewisser Wandel in den pädagogischen Theorien bemerkbar. Was auch nicht mehr ganz new ist, jedoch auf Grund der Frage nach der Wahrheit in irgendwelchen vollmundigen Qualitäts-Versprechen immer mehr in den Blick kommt, ist das Evaluieren.

Einer Sache einen Wert beimessen, bzw. herausfinden, wie viel etwas wert ist. Ich beschäftige mich momentan auch des Studiums wegen mit solchen Fragen und stoße immer wieder auf den schmalen Grat zwischen deskriptiver Forschung, die nach Erkenntnissen sucht und Evaluation, die fragt, ob der Preis für eine Veranstaltung gerechtfertigt ist – OK, das war nicht nett, aber in der Realität spricht nun mal das Geld und auch Bildung ist heutzutage (zumindest für Kostenstellenverantwortliche) erstmal eine Dienstleistung, die einbringen muss, was sie in der Herstellung kostet…

Nun ist jedem halbwegs akzeptablen Lehrer klar, dass diese Dienstleistung nicht so produziert wird, wie etwa die Arbeit eines KFZ-Mechatronikers. Denn das Auto nimmt üblicherweise nicht als aktiver Mitgestalter am Prozess der Reparatur teil. Der Schüler / Teilnehmer tut dies aber sehr wohl in nicht unerheblichem Maße, so dass man beim Lehrer nicht vom Dienstleister, sondern vom (Dienst)Leistungs-Ermöglicher sprechen sollte. Was das Thema Evaluation dort sehr schwierig macht. Das Auto funktioniert nach der Reparatur wieder, wie es soll (manchmal auch nicht); die Parameter zur Beurteilung des Wertes dieser Dienstleistung sind hingegen leicht zu ermitteln: Funktioniert es wieder wie üblich? Wie lange hat es gedauert? Wie effizient war der Ressourcen-Einsatz? Und schließlich: wie nachhaltig ist der Reparaturerfolg? Auf Grund der beschränkten Komplexität des Systems “Automobil” kann ich das alles relativ leicht feststellen.

Habe ich nun Schüler / Teilnehmer mit stark variierendem Lernerfolg, muss ich versuchen, zu differenzieren, ob der didaktische Ansatz situationsadäquat gewählt war, ob Faktoren in der Unterrichtsumgebung eine Rolle gespielt haben, ob irgendwelche Stör- oder Begünstigungs-Faktoren auf einzelne Teilnehmer, den Lehrer oder die Veranstaltung gewirkt haben, ob das Vorwissen (oder dessen Mangel) korrekt berücksichtigt wurde, ob der Zeitansatz richtig gewählt war, ob die Kommunikation angemessen war, etcpp. Und das ist bei weitem keine erschöpfende Auflistung. Dennoch muss ich mich mit der Frage nach der Qualität der Lehre befassen. Einerseits als Dozent, andererseits als Leiter einer Bildungseinrichtung und schließlich aus Forschungsinteresse.

Denn, ob wir tatsächlich das unterrichten, was zukünftige NotSans brauchen, und falls ja, ob wir es auf sinnvolle Art unterrichten, ist im Moment ehrlicherweise Gegenstand hoch spekulativen Theoretisierens. Wir haben Gedankengebäude, an denen wir uns orientieren. Aber um wieder auf Poppers Vorläufigkeit aller Erkenntnis zu sprechen zu kommen: wir wissen nicht, wie gut oder schlecht diese Theorien tatsächlich sind. Ohne die Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen (oder meine eigene) schlecht reden zu wollen – es mangelt uns einfach an empirisch belastbaren Fakten, an denen wir die Berufsbildung ausrichten können. Ein Punkt, dem wir gerne Abhilfe schaffen wollen. Mal schauen, ob das klappt.

Um aber auf das Evaluieren zurück zu kommen: dessen Apologeten meinen tatsächlich, mit trivialen Methoden (qualitative und quantitative Sozialforschung) Zustandsänderungen in nicht-trivialen Systemen – nämlich Menschen – halbwegs sicher messen zu können; um dann hinterher zu sagen “Maßnahme X ist mit einer Wahrscheinlichkeit von x wirksam.” (Ich weiß, dass dieser Satz da so nirgends steht, es ist eine leicht polemische Überspitzung auf den oft höchst irrationalen Glauben in die Macht der Statistik) Ich staune immer wieder, wie man bei manchen Gelegenheiten auf solche Aussagen kommt, aber ich lasse mich natürlich gerne argumentativ überzeugen.

Ich denke, dass – speziell auf meinen Fachbereich bezogen – gegenwärtig das Evaluieren der Lehrmaßnahmen keinerlei Sinn macht, weil die professionswissenschaftliche Basis fehlt, an Hand derer sich festlegen ließe, was tatsächlich ein Lehrerfolg wäre. Aber wie schon gesagt, es gibt Menschen, die dran sind. Zum Abschluss möchte ich übrigens noch eindringlich davor warnen, echte Evaluation und Qualitätsmanagement in einen Topf zu werfen. Das erstere ist angewandte Wissenschaft, das letztere eine Management-Funktion, die allzu oft einer echten Qualitätsorientierung entbehrt. Denn in der EN ISO 9001 kann ich einen Haufen Scheiße als meine Qualität definieren; wenn man Blattgold draufklebt, stinkt es halt trotzdem noch. In diesem Sinne – Gute Nacht.

Erwachsen bilden #23 – …oder vielleicht doch nicht?

Im früheren Verlauf diese Abends entspann sich online eine Diskussion, die mich mehr geflasht hat, als viele Andere in der letzten Zeit. Es ging darum, ob man sich in einer Institution zuerst um die Lehre, oder doch zuerst um die Forschung kümmern soll; und vielleicht auch darum, wie beides zusammenpasst. Nun mag man sich die Frage stellen, was es denn am Rettungsdienst als solchem zu forschen geben könnte. Denn natürlich geht es bei so einer Diskussion um meinen beruflichen Background. Und der wird immer und ewig im Blaulichtgewerbe verhaftet bleiben…

Nun ist es so, dass der Rettungsdienst als professionelles Berufsfeld ja immer noch sehr neu ist und das Berufsbild Notfallsanitäter gerade mal gute 6,5 Jahre auf dem Buckel hat. Zu forschen gibt es genug, insbesondere, wenn man irgendwann erreichen möchte, dass sich der Beruf “Notfallsanitäter/in” vom bloßen Handlanger zu dem entwickeln kann, was der Gesetzgeber von Anfang an intendiert hat: eine Fachkraft für die präklinische Triage und Versorgung. NotSans waren für den aufmerksamen Leser nämlich von der ersten Sekunde an als eine Mischung aus Berufsrettern und Gatekeepern für die nachgeordneten Funktionen des Gesundheitswesens gedacht. Das nordische Modellprojekt Gemeinde-Notfallsanitäter dekliniert diesen Gedanken lediglich ein Stück weiter, aber noch nicht konsequent zu Ende.

Es gibt so viele Themen, bei denen wir noch nicht annähernd so viel wissen, wie wir eigentlich müssten: Schnittstellenproblematiken mit anderen Akteuren der BOS und den restlichen Gesundheits- und Sozialdiensten im Berufsalltag. Die Fundierung unseres pädagogischen Handelns in der Aus- und Fortbildung. Die Bildung eines beruflichen Selbstverständnisses. Die Passung der Möchtegern-Azubis zum Beruf. Die Sinnhaftigkeit von Struktur und Inhalten der gegenwärtigen Ausbildung. Und so weiter und so fort. Um es noch mal mit Sokrates zu sagen: Wir wissen, wie wenig wir bislang verstehen. Da könnte man doch meinen, dass eine Diskussion um die Frage Lehre oder Forschung unnötig sei…

In der Lehre bin ich als Praktiker tätig. Und ich muss mit jedem weiteren Tag, der vergeht feststellen, dass wir in vielerlei Hinsicht im Nebel stochern und oft auf der Basis von Theoriegebäuden agieren, die man bestenfalls als unvollständig beschreiben kann. Doch wir haben derzeit nichts besseres. Sehr zum Schmerz mancher Kollegen. Dennoch muss es vorwärts gehen, denn wir können es uns nicht leisten, die Ausbildung ruhen zu lassen, bis wir “die Formel der Formeln” für die Ausbildung gefunden haben. Dazu drängen die Zwänge des realen Alltagsgeschäftes viel zu sehr. Wir sind uns der Defizite unseres Tuns also durchaus schmerzhaft bewusst.

Gerade deshalb muss Beides Hand in Hand gehen, ohne einander zu behindern. Und das ist, so komisch das dem Uneingeweihten auch klingen mag, ein wahres Kunststück. Denn auf der einen Seite steht das Bestreben, junge Menschen gut auszubilden, damit sie auf der Straße einen sauberen, einen hilfreichen Job machen können; aber gleichzeitig auch der Wunsch, wissenschaftliches Arbeiten für mehr Menschen (im Rettungsdienst) verständlich und damit vielleicht auch schmackhaft zu machen. Weil man in der Zukunft nämlich Mitstreiter braucht, welche die ganzen oben genannten Forschungsfragen (und noch viele mehr) beantworten helfen können. Diese ganzen Probleme und Fragen warten nämlich auf der anderen Seite. Und wenn ich an dieser Stelle noch Karl Popper mit ins Boot nehmen und mich des Falsifikationismus bedienen darf, um mich noch einmal der Vorläufigkeit jeder wissenschaftlichen Erkenntnis zu versichern, wird mir bewusst, dass die Erschaffung einer eigenständigen Professions-Wissenschaft der Schaffung von Wissen um die Profession bedarf – und des Bewusstseins für die inhärente Dynamik dieses Wissens!

Es ginge viel zu weit, hier weitere Details der Diskussion darlegen zu wollen; und es wäre den anderen Teilnehmern gegenüber auch unfair. Was ich jedoch darlegen möchte, ist der umstand, warum mich die Diskussion so geflasht hat: nämlich die, anscheinend für manche Teilnehmer gefühlte Unvereinbarkeit der beiden beschriebenen Pole. Aus meiner Sicht ist es ebenso richtig und wichtig, erst einmal Wissen schaffen zu müssen, wie dennoch gleichzeitig die Ausbildung (auch, oder besser vor allem die wissenschaftstheoretische) voran zu bringen. Ob Forscher und Praktiker mit fruchtbaren Ergebnissen zusammen kommen können? Ich bin mir da nicht mal für meine eigene Brust sicher, in der beide Herzen schlagen. Aber ich will es versuchen. Und ich hoffe sehr, dass ich mit diesem Wunsch nicht allein stehe. Denn eines ist sicher: der Rettungsdienst BRAUCHT eine eigene Professions-Wissenschaft ebenso dringend, wie er eine noch wesentlich besser am Schüler orientierte Aus- und Fortbildung braucht. Gute Nacht.

Erwachsen bilden #22 – Gehirngerechtes Lernen?

Die Diskussion um die richtige Art, Schülern etwas “beizubringen” ist vermutlich so alt, wie die Schule und das Lehren selbst. Nun hat schon der olle Comenius in seiner Didactica Magna eine Lanze für das “Selberlernen” gebrochen. Er nimmt in seiner Schrift eine der zentralen Ideen heutiger Lehrtätigkeit vorweg; nämlich dass der Schüler selbst tätig werden muss, sich die Inhalte (zumindest teilweise) selbst erarbeiten muss, damit sie für ihn einen Sinn ergeben können. Und der vom Kognitivismus geprägte Teil des Pädagogen und Didaktikers in mir sagt: “Jawoll. Ich biete den Schülern ein Lernbuffet an, von dem sie sich aber selbst bedienen (wollen) müssen.”

Die anderen sozial- und geisteswissenschaftlichen Teile sagen: “Ja, aber…!”. Nun habe ich ein Buch gelesen, welches auf den ersten Blick diese zweite Position unterstützt. Denn Gerhard Roth lässt in seinen Ausführungen wenig Gutes am Kognitivismus, indem er zum Beispiel einem anderen Autor (Kersten Reich) mangelnde Stringenz in der Begründung seiner didaktischen Darlegungen unterstellt und seine eigenen und von ihm sorgsam kuratierte Ergebnisse anderer Forscher als zwingend für (s)eine Sichtweise auf didaktisches Handeln formuliert; um sich dann – was er den anderen auch vorwirft – in Allgemeinplätzen wie der Forderung nach mehr Methodenpluralismus zu ergehen.

Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden: das Buch ist hochinteressant, insofern es mein physiologisches Verständnis von Lernprozessen zu schärfen weiß. Die daraus vom Autor abgeleiteten Folgerungen für die didaktische und pädagogische Handlungspraxis kann ich jedoch nicht vollumfänglich unterstützen, einfach weil sie alter Wein in neuen Schläuchen sind. In zwei relevanten Punkten hat er allerdings recht: die psychologische, die Lehr-Lern- und die Neurobiologie-Forschung müssen sich zusammentun, um zu einem besseren Verständnis und damit zu einer besseren Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen kommen zu können. Und die hochschulische Lehrerausbildung ist hinsichtlich der Vorbereitung auf die praktische Tätigkeit im Lehrsaal bestenfalls mangelhaft. Zumindest für meinen Bereich in der Erwachsenenbildung kann ich das absolut unterschreiben.

Auch mit einem weiteren Punkt gehe ich weitgehend konform. Aus den Ergebnissen der heiß diskutierten Meta-Studie von John Hattie et al. schließt er, dass die Lehrperson sehr wohl einen großen Einfluss auf den Lernerfolg der Schüler habe. Das wirft jedoch die Frage auf, inwieweit ich bestimmte konstruktivistische Positionen noch einmal überdenken muss. Denn radikal und teilweise auch in sich widersprüchlich sind vor allem einige Punkte, die von Glaserfeld selbst in die Diskussion eingebracht hat. Eine im sozialen Zusammenhang umgedeutete Viabilität hingegen gilt es weiterhin zu bedenken. Denn tatsächlich scheint die Annahme einer objektiven, intersubjektiven Realität für alle auch aus der Sicht des Neurobiologen Roth auf Basis der Funktion unserer Wahrnehmung unwahrscheinlich. Womit für jeden Schüler das Für-wahr-werden im Sinne einer individuell-subjektiven Konstruktion von Verständnis, die jedoch durch die anderen Schüler und die Lehrperson sozial beeinflussbar bleibt, für mich den gangbaren Weg darstellt, den Prozess zu beschreiben, der mein Tun leiten muss.

Was bedeutet das nun für mein tatsächliches didaktisches Handeln? Es gilt, eine noch besser an die Funktion des Arbeitsgedächtnisses adaptierte Aufbereitung des Stoffes zu erreichen. Ich habe die möglichen Aufmerksamkeits-Spannen nämlich bislang falsch (eher zu lang) eingeschätzt. Ich muss die Anschlussfähigkeit der Vorträge und Materialien weiter steigern, wozu eine eingehendere Analyse des Vorwissens notwendig ist. Der von mir bislang verwendete Methoden-Mix lässt sich sicherlich noch verbessern. Und bei Simulations- und Szenariotrainings muss die Frage tiefer erörtert werden, in wie weit der Hyper-Realismus, wie er von einigen Anbietern geeigneten Equipments mittlerweile offensiv propagiert wird, tatsächlich zum Lernerfolg beiträgt? “Train as you fight” ist ein schönes Motto und Studien weisen darauf hin, dass Simulationstrainings in der Ausbildung von EMS-Personal positiv auf die Skills der Auszubildenden wirken. Doch Abseits der Korrelationskoeffizienten wissen wir immer noch zu wenig über die tatsächliche Effizienz und Nachhaltigkeit solcher Maßnahmen; oder besser – wie realistisch es denn nun sein muss? Denn der Einrichtungsleiter in mir sagt: Ressourceneinsatz und Lernerfolg müssen in irgendeinem Verhältnis zueinander stehen.

Wie man es auch dreht und wendet: wir wissen über das Lernen und die Gehirnfunktionen, die dabei Einfluss auf den Lerner nehmen einfach noch zu wenig. Was bedeutet, dass zur evidence-based medicine einstweilen das evidence-based teaching hinzutreten muss. Ich werde mein Bestes geben und gerne hier weiterhin über meine Erfahrungen und Gedanken berichten. Bis zum nächsten Mal wünsche ich eine gute Zeit,

Erwachsen bilden #21 – Feel the Flow!

Manchmal wird man beim Studieren auf etwas aufmerksam, dass man schon mal gesehen, gehört, durchdacht hatte, ohne zum damaligen Zeitpunkt recht auf einen grünen Zweig gekommen zu sein. Das ist nicht ungewöhnlich, denn Wachstum braucht gelegentlich nicht nur den richtigen Anstoß, sondern auch den richtigen Flow. Doch was ist das überhaupt – dieser Flow? Sportler sprechen davon, aber sonst… haben wahrscheinlich nicht so viele Menschen eine klare Vorstellung davon. Ich kannte den Begriff zwar, habe damit aber früher eher den richtigen Groove verwechselt; und auch, wenn Musik manchmal als Tor für Stimmungen und Inspirationen dienen kann, so nutze ich sie doch meist gezielt, um diesen Prozess zu katalysieren, bewusst hervorzurufen und darin zu schwelgen. Und erreiche damit tatsächlich auch einen Flow-Zustand.

Mihály Csíkszentmihályi, Psychologe und Urheber der Flow-Theorie beschreibt Flow als das Erleben eines Moments der optimalen Erfahrung. Flow beschränkt sich dabei nicht auf körperliche Tätigkeiten, bedarf des absichtsvollen Tuns, einer definierten Schwierigkeit, die nicht unter- aber auch nicht zu sehr überfordert und dem Wunsch, die Sache um ihrer selbst Willen zu tun. Damit kann auch der Dilettant – hier im besten Wortsinne gemeint – in den Zustand des Flows kommen. Auf den Passus “um ihrer selbst Willen” kommen wir später noch einmal zurück, doch wenn man sich den Rest der Definition anschauen, ist hier die Rede von pädagogischem Handeln im besten konstruktivistischen Sinne.

Absichtsvolles Tun, ausgelöst durch eine pädagogische Intervention, die einen Mittelweg zwischen Unter- und Überforderung in der Beschäftigung mit einem Lerngegenstand weist; für mich klingt das so, als wenn wir als Berufspädagogen dazu aufgerufen wären, Flow in unseren Schülern zu erzeugen, weil wir dadurch deren Freude am Lernen durch positive Selbstwirksamkeits-Erfahrungen stärken könnten. Zwar ist das Buch zum Thema keine How-To-Anleitung und bedarf an einigen Stellen einer behutsamen Transponierung ins Erwachsenenpädagogische; dennoch lohnt sich die Beschäftigung, wie ich finde sehr. (übrigens nicht nur für die Lehrer, sondern auch für Schüler, wenn diese denn bereit sind, sich der Lektüre aufmerksam zu widmen. Das ist nichts für Blinkist©; ich finde diese App im übrigen schlecht…).

Was nun das Tun um der Sache selbst Willen angeht: Csíkszentmihályi geht im Buch davon aus, dass eine Beschäftigung mit einer bestimmten Sache nur dann einen Flow-Zustand auslösen kann, wenn diese autotelisch motiviert ist; wenn ich mich also ohne externen Druck auf ein Ding konzentriere, einfach, weil es für mich einen Sinn ergibt. Mache ich mich dabei jedoch von Erfolg/Misserfolg-Mustern abhängig, gibt’s keinen Flow. Exotelische (oder extrinsische) Motivation, die sich aus (beruflichen) Notwendigkeiten oder dem Wunsch, glänzen zu können (narzisstisch) speist, würde nach seiner Forschung also keinen Flow-Zustand herbeiführen können – oder zumindest nur sehr selten.

Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich so stimmt, denn ich habe auch in beruflichen Kontexten, in denen ich externem Druck unterworfen war, bereits solche Zustände erlebt. Aber zugegebenermaßen war dies weitaus häufiger bei Tätigkeiten der Fall , die ICH tun wollte, einfach, weil ICH sie tun wollte. Vermutlich hängt es im pädagogischen Kontext also nicht nur mit der hoffentlich anregenden Gestaltung einer Lernsituation zusammen, sondern auch mit der Art, wie wir das Zusammenwachsen einer Klasse fördern können; und vor allem, ob wir in der Lage sind, dass allzu frühe Entstehen einer Rangfolge (und Hackordnung) innerhalb derselben zu verhindern, um allen eine Chance auf Flow-Erlebnisse geben zu können. Denn eine weitere wichtige Botschaft ist: Flow bedeutet nicht nur Freude, sondern auch persönliches Wachstum durch Erfahrung, die gerne gewonnen wird. Was in der Folge allerdings auch bedeutet, dass die Umstände, unter denen der Flow-Zustand entstehen kann mit fortschreitender individueller Entwicklung immer wieder neu austariert/erweitert werden müssen.

Insgesamt ein spannendes Thema, das nicht nur aus meiner pädagogisch-fachlichen Sicht, sondern auch aus der Perspektive persönlicher Entwicklung einen Blick wert ist. In diesem Sinne wünsche ich eine schöne Woche.

New Work N°0 – Erwachsen bilden meets New Work

“New Work”. Viele betrachten den Terminus als Hirnwichserei irgendwelcher White-Collar-Worker, die keine Ahnung von “echter Arbeit” haben. Was im Geiste dieser Menschen mit “echter Arbeit” gemeint ist, wird denn auch ganz schnell klar, nämlich Maloche; oder anders ausgedrückt, körperliche Arbeit. Um es gleich vorweg zu nehmen: die Art von körperlicher Arbeit, welche den meisten dabei in den Sinn kommt, wird immer weniger. Und dieser Trend wird sich auf Grund der fortschreitenden Automation weiter Bereiche unserer Industrien fortsetzen. Es wird zumindest in den nächsten Jahrzehnten noch einen Restbestand an körperlicher Arbeit geben, den Maschinen noch nicht erledigen können. Aber dieser schrumpft. Und damit entsteht automatisch mehr andere Arbeit, die mit Wissen und Kenntnissen zu tun hat und – tadaaa – im Büro stattfindet.

Es gibt allerdings zwei Bereiche, die davon zumindest teilweise ausgenommen sind – nämlich Education und Care Work. Weil sich die (wichtigen) sozialen Komponenten beider Arbeitsgebiete kaum maschinell abbilden lassen. Selbst wenn es es möglich wäre, zum Beispiel Krankenhauspatienten das Essen von einem Roboter servieren zu lassen, fehlt hier doch die menschliche Zuwendung, welche einen Genesungsprozess befördert. Gleiches gilt für den Unterricht in der Allgemein – und Berufsbildung. Auch hier ist ohne die sozialen, emotionalen und motivationalen Komponenten nichts zu erreichen. Und die gehen nur mit der Interaktion mit echten anderen Menschen einher. Was nichts daran ändert, dass genau diese beiden Bereiche unterbesetzt, unterfinanziert und organisationell-strukturell höchst reformbedürftig sind. Aber das soll hier und heute nicht das Thema sein.

Gehen wir nun also davon aus, dass der Anteil der Wissensarbeit am Gesamtvolumen der wirtschaftlichen Leistung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch zunehmen wird, stellt sich relativ schnell die Frage, wie wir diese besser organisieren können. Lasse Rheingans, Geschäftsführer der “Digital Enablers” aus Bielefeld gibt dazu eine interessante Antwort: seit 2017 arbeiten seine Mitarbeiter nur 5h/Tag; und erreichen anscheinend trotzdem eine annähernd gleichbleibende Arbeitsproduktivität! Natürlich fragt man sich wie das geht? Doch wenn man einen typischen individuellen Arbeitstag im Büro einmal danach befragt, was denn tatsächlich erreicht wurde, fällt die Bilanz manchmal recht ernüchternd aus.

Zeit wird – und da nehme ich mich gewiss nicht aus – vor allem vertändelt mit vollkommen unnötiger Dauererreichbarkeit und /oder Dauerverfügbarkeit. Oder mit Meetings und Gesprächen, die sich immer wieder um die gleichen Fragen drehen, ohne jemals den Prozess (oder die Person!) zur Disposition zur stellen, der (die) eigentlich das Problem verursacht. Durch Unterbrechungen, die einen hernach dazu nötigen, sich mühevoll wieder in einen komplexen Sachverhalt hineindenken zu müssen. Und schließlich: mit informellem Tratsch, der zwar hier und da als sozialer Kitt dienen mag, aber letztlich NICHTS mit der Arbeit zu tun hat. Dazu zählt zum Beispiel auch das übliche Geplänkel am Wasserloch (Kaffeemaschine / Wasserkocher / Trinkwasserspender).

Nun kann man das Soziale kaum ausklammern. Aber, wenn man zumindest unnötige Unterbrechungen minimiert kommt man viel leichter in einen echten Flow, bei dem man auch wirklich was wegarbeiten kann. Und zwar wesentlich mehr, als man unter den genannten Vorzeichen in der selben Zeitspanne geschafft hätte. Dazu ist allerdings die Erfüllung mehrerer Grundvoraussetzungen notwendig:

  • Telekommunikation nur zu bestimmten, vordefinierten Zeiten (nicht dauernd auf E-Mail, Threema, Telegram. Whatsapp, Slack und was weiß ich nicht noch alles achten)!
  • Tür zu! Dieser Punkt wird in Büros, in denen sonst open-door-policy geherrscht hat, anfangs zu Irritationen führen, ist aber essentiell. Ich habe es irgendwann schon mal beschrieben, dass irgendwelche Menschen einfach durch die Tür gelatscht kommen und ansatzlos anfangen, mich mit ihrem Scheiß zuzutexten, obwohl ich noch keinerlei Gesprächsbereitschaft signalisiert habe. Sowas ist schlicht unhöflich und distanzlos; mal davon abgesehen, dass ich vielleicht gerade in eine hoch komplexe Materie vertieft bin, die – wirklich – meine ganze Aufmerksamkeit fordert. Also macht die Tür zu, wenn ihr konzentriert arbeiten wollt; oder nutzt irgendein Tool / Device, dass euch störungsfreies Arbeiten ermöglicht.
  • Meetings nur, wenn es auch wirklich etwas zu besprechen gibt. Ansonsten sind sie verschwendete Arbeits- und auch Lebenszeit. Vieles lässt sich heutzutage exzellent digital darstellen und ein GANTT-Chart o. Ä. lesen zu können, würde ich von einem Projekt-Verantwortlichen jetzt einfach mal erwarten wollen.
  • Schränkt das Gelaber am Wasserloch ein – oder verschiebt es auf die Arbeitsfreie Zeit. Klingt hart, bringt aber viel.

Bevor jetzt irgendjemand denkt, ich wäre so ein knallharter Manager-Typ: NÖ BIN ICH NICHT! Ich will aber auch nicht unnötig viel Zeit auf Arbeit verbringen. Irgendwann werde ich meinen Chefs noch beibringen, dass Präsentismus im Büro Käse ist und das selbst organisiertes Arbeiten alle Beteiligten in vielerlei Hinsicht weiter bringt; z.B. durch erhöhte Arbeitseffizienz und -produktivität. Aber vor allem durch höhere Zufriedenheit und in der Folge eine höhere Arbeitnehmerbindung. Oha, klingt das jetzt vielleicht interessant?

Zu guter Letzt eine ketzerische Frage zum Thema Work-Life-Balance und Entgrenzung der Arbeit, die ich selbst so vorher noch nie betrachtet habe: wenn ich daheim ein Buch lese, dass mich einfach interessiert hat und nun feststelle, dass es doch durchaus einen Bezug zu meinem Job hat – ist dass dann Arbeit oder doch Freizeit? Zur Info: ich selbst meditiere auch noch über eine abschließende Antwort, bin aber im Moment geneigt, die Antwort “Es kommt darauf an…” zu favorisieren. In diesem Sinne wünsche ich euch eine schicke neue Woche in Absurdistan…