A snipet of nerdiness

Es dürfte den meisten irgendwann aufgefallen sein, dass ich den Begriff Nerd gerne häufiger benutze. Sicherlich hat auch jeder dazu ein paar irgendwie geartete Bilder im Kopf, die zumeist etwas mit Computerkenntnissen, Begeisterung für spezielle Teile der Populärkultur wie etwa Superheldencomics, Wissenschaftskenntnissen, mangelnder Sozialkompetenz, eventuell auch Fantasyrollenspiel und mangelnden körperlichen Fähigkeiten zu tun haben. Die Fernsehserie “Big Bang Theory”, deren großen Erfolg ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachte, tut ein Übriges dazu, den Begriff Nerd in eine Richtung zu drängen, in die er nicht gehört.

Manche Leute, die sich selbst mit Nachdruck als Nerds sehen möchten und das nur zu gerne in die Welt tragen, übersehen dabei allerdings, dass Übergewicht, Kathodenstrahlbräune, komplexes Wissen in für viele Andere bizarr anmutenden Wissensfeldern und eine gewisse Menschenferne einen NICHT automatisch zum Nerd machen, sondern allenfalls zu einem, mehr oder minder, funktionalen Soziopathen; sonst erst mal nix. Daran ändern auch Nerd-Tests im Netz nichts; selbst wenn ich in einem mal als “uber-cool nerd-king” abgeschnitten habe. Hooray.

Nein, wirklich nerdig ist man erst, wenn man abseits der, von Mainstream schon vollkommen ausgelatschten, Pfade des Geistes wandeln, für sich selbst denken und entscheiden, sich für abseitige Dinge nicht der Coolness wegen interessieren und Toleranz gegenüber Andersartigkeit gleich welcher Art walten lassen kann. Ich mag Nassim Nicholas Talebs Art zu denken, weil er sagt, dass wir nichts auf Grund statistischer Modelle vorhersagen können, aber ich teile entschieden NICHT seinen Blick auf Nerds; der beschränkt sich nämlich darauf, dass sie seiner Meinung nach zwar wissenschaftlich extrem adept sind, aber zu konventionell denken würden, um seine Modelle, oder besser deren Nichtvorhandensein zu verstehen. Da hat er mich noch nicht kennen gelernt. Ich kann konventionell sein, wenn die Umstände es unbedingt erfordern, ich habe auch gelernt, mit komplexen sozialen Situationen umzugehen, aber meine Denke gehört mir, sie ist alles andere als “normal” – aber was ist schon Normalität, ich hatte ja schon darauf hingewiesen, dass es “DIE Normalität” nicht gibt – und sie erlaubt mir, die Dinge aus anderen Blickwinkeln zu betrachten, als jene, welche die klassische Logik oder wissenschaftliches Arbeiten erfordern.

Ich kann mich den Normen der Wissenschaft anpassen, in ihnen leben und arbeiten, weil das nun mal notwendiger Teil des Studierens ist; wer aber darob den Blick über den verbachelorten Tellerrand vergisst oder verlernt, wer sich zu sehr von Konventionen, Regeln und dem “Bestandsschutz” des schon einmal Gedachten leiten lässt und die Originalität einpfercht, wie Schafe auf der Weide, der wird selbst zu einem der Viecher im Pferch. Da bin ich persönlich lieber der echte Nerd, suche mir ein Loch im Zaun und mache mich – zumindest gedanklich – davon, um nach meinen eigenen Wahrheiten und Gewissheiten zu suchen. Außerdem habe ich dann auch mal Zeit zum Computerbasteln, Comics lesen und Rollenspielen. Arrividerci…

Davon gekommen.

Es ist echt eine Krux mit den Nachrichten. Man bekommt, mehr oder weniger, überall das gleiche Potpourri an von “Spezialisten” präselektierter, mainstreamig glatt geföhnter, von den missliebigen Kanten des Zweifels und der kritischen Betrachtung befreiter und dabei in einem Zuge auch gleich jeglichen echten Informationsgehaltes beraubter Bilder und Texte, welche den Eindruck zu vermitteln heischen, NICHT von den Lobbyisten jener diktiert worden zu sein, die in unserem Land wirklich die Macht in Händen halten; nämlich den so genannten Wirtschaftseliten.

Man mag diese und ähnliche von mir verlautbarte Äußerungen mit einem lässigen Schulterzucken als das verschwörungstheoretische Gefasel eines verträumten Sozialisten abtun – was im Übrigen nicht der Fall ist – sich des Umstandes versichern, dass man ja als Verfechter neoliberalen Gedankengutes doch irgendwie auf der Gewinnerseite des Lebens stehen muss, da es in dieser Agenda vollkommen egal ist, wo Wohlstand entsteht, Hauptsache man hat selbst genug davon – was eine ziemlich egoistische Ideologie darstellt – oder sich auf den Standpunkt zurück ziehen, dass man, selbst wenn man die Auswüchse des “Turbokapitalismus” nicht gut findet, ja doch nichts daran zu ändern vermag – was als rein fatalistischer Gedanke großer Unsinn ist!

Das Problem an den Nachrichten, oder besser dem, was man als solche bezeichnet ist nicht etwa, dass sie Elitenmeinungskonform formuliert, auf seriös getrimmt dargereicht und wenig hinterfragt konsumiert werden. Denn es liegt zunächst keine verbrecherische Boshaftigkeit darin, Geld verdienen, bzw. es behalten und vermehren zu wollen; auch dann nicht, wenn es um verdammt viel Geld geht. Wenn allerdings alle Regeln so konstruiert werden, dass fast NUR jene, die schon ziemlich viel Geld haben, in ihren Unternehmungen unterstützt werden und das überdies auf Kosten der allgemeinen Wohlfahrt geschieht, haben wir ein Ungleichgewicht, dass durch gezielte Minder- oder gar Desinformation der breiten Masse der Menschen zumindest unterstützt wird. In diesem Moment verlieren “Die Nachrichten” ihren Wert als informatives Medium und mutieren zur Propagandamaschine der Lobbyisten.

Wir alle hören gerne Geschichten und üblicherweise bevorzugen die Allermeisten solche mit Happy End. Auf dem tiefsten Grund unserer Seele liegt ein, oft allerdings nicht hör- oder sichtbar expliziertes, Bedürfnis nach Harmonie, Sicherheit, Kontinuität und Regeln, die helfen alles Vorgenannte zu bewahren. Wenn uns also vorgeblich wahre Geschichten erzählt werden, die das überaus komplexe Miteinander in unserer kontemporären Gesellschaft für uns alle schreibt, egal ob wir das wollen oder nicht, dann verlassen wir uns bei aus unserer – leider beschränkten – Sicht als hinreichend seriös einstufbaren Quellen auf die Wahrheit der Geschichten, weil wir der Wahrhaftigkeit der Erzähler und ihrer Quellen glauben. Nur dass die Quellen für uns kaum erforschbar sind, was deren Wahrhaftigkeit heftig in Zweifel geraten ließe, würden wir uns mal ein wenig öfter Gedanken darüber machen, wie beschränkt unsere großartige Informiertheit in Wirklichkeit ist!
Doch stattdessen schauen wir matt auf die Scheibe, oder lassen uns vom Gefasel der printmedialen Journaille einlullen, um uns oft genug ganz und gar unbemerkt einen Bären nach dem anderen aufbinden zu lassen. Ist das nun einfach nur traurig oder nicht doch eher schon eine Schande, dass wir unsere Medienvertreter als – nicht selten selbst unwissende – Marionetten der Lobbyisten so oft mit irgendetwas zwischem grobem Unfug und einem echten Verbrechen davon kommen lassen?

Natürlich, natürlich, ich weiß sehr wohl, dass die Medienschaffenden nicht alleine Schuld an diesem Dilemma der Verflechtung von Politik, Wirtschaft und eben den Medien sind und darüber hinaus nicht wenige Mitglieder dieser Profession sehr wohl versuchen, den Dingen auf den allzu oft für irgend jemanden schmerzhaften Grund zu gehen. Das entbindet uns als Konsumenten allerdings keinesfalls von der Verpflichtung, nicht einfach nur zu schlucken, sondern auch zumindest zu versuchen zu wissen, was wir da schlucken sollen. Machen wir im Supermarkt doch auch; wenigstens ab und zu. Sonst lassen wir nicht nur die Falschen mit ihren Untaten am Gemeinwohl davon kommen, sondern machen uns selbst einmal mehr zu Opfern, obwohl es nicht nötig wäre. Mehr echte Informiertheit lässt mehr Pluralismus zu, mehr Pluralismus bedeutet mehr Opposition gegen das anscheinend nicht Veränderbare und daraus entsteht mehr Demokratie. Denn die größte Illusion, welche “Die Nachrichten” heute verbreiten ist jene, dass wir schon genug Demokratie hätten. Mit dem aktuellen Grad an Demokratie werden wir aber nicht davon kommen, wenn wieder mal irgendwelche so genannten Volksvertreter die Kosten des Neoliberalismus denen aufbürden wollen, die dieser eh schon ausbeutet – nämlich uns. Schönen Tag noch…

Ein Schnipsel vom Glück…?

Tja, so kommt das, wenn man rausfindet, dass für das, oberflächlich betrachtet, einfache Wort Glück in der anderen Sprache – in diesem Fall dem Englischen – mehrere Synonyme existieren, die freilich nicht alle unbedingt das Gleiche bedeuten. Man könnte zumindest sinngemäß unterscheiden zwischen dem Glück im Sinne eines glücklichen Zufalls – luck – dem sich bezahlt machenden Glück des Tüchtigen – fortune – dem Glücklichsein – happiness; und wenn man es recht betrachtet, sind das ja allesamt Aspekte dessen, was wir im Deutschen unter dem einen Wort Glück subsummieren. Oder anders formuliert, uns Deutschen langt ein Begriff vom Glück völlig. Weil wir mit mehr Glück vollkommen überfordert wären … oder?

Das die Überschrift dieses Schnipsels in Deutsch daher kommt, wäre also schon mal geklärt, bleibt noch der Tatsache Rechnung zu tragen, dass es wohl genauso wenig EIN Glück geben kann, wie es EINE Normalität geben kann. Allein die Idee ist schon beknackt, weil die zunehmende Pluralisierung unserer Gesellschaft der Individualisierung der in ihr lebenden Menschen Vorschub geleistet hat (einmal mehr meinen Dank an Ulrich Beck). Also, noch mal zum Mitschreiben: Normalität ist das, was man selbst als solche definiert. Und es darf einem dabei ziemlich schnuppe sein, ob diese Definition Anderen in den Kram passt, so lange deren grundlegenden Rechte durch das Ausleben dieser Definition nicht tangiert werden. Siehe kategorischer Imperativ. Daraus folgere ich für mich höchst selbst, dass es bei Existenz meiner Normalität auch mein Glück geben kann; oder besser geben muss! Ähnlichkeiten mit dem, was andere Menschen als Glück empfinden würden, sind gewiss nicht ausgeschlossen, aber weder bewusst beabsichtigt, noch notwendig. Womit wir auch diesmal alle One-Size-Fits-All-Ratgeber mit Wonne in die Tonne treten können.

Ich persönlich finde Glück, abhängig von der Situation in den unterschiedlichsten Dingen. Manchmal in etwas Tangiblem, manchmal einfach nur in einem – für meine Augen – perfekten Anblick oder einem – für meine Empfindung – perfekten Augenblick. Was auch Glück als nichts statisches, sondern als prozessual, als im Fluss, als immer wieder neues und immer wieder andersgestaltiges Phänomen erscheinen lässt. Sich also stets wieder darauf einlassen zu müssen, sein eigenes Glück neu zu suchen – und hoffentlich auch zu finden – ist zweifellos anstrengend, jedoch notwendig. Denn einer, oder auch viele Andere können mir nur in begrenztem Maße helfen, herauszufinden, was für mich richtig und wichtig ist. Sie können für mich richtig und mir wichtig sein, aber das kann ich nur selbst entscheiden; eben immer wieder auf’s Neue. Das macht Glück aber auch spannend. So spannend, wie ein Leben halt ist. Glückliche Zeit noch…

Einfach mal so…

Sich treiben lassen, nicht genau planen, wohin die Reise gehen soll, ganz gleich ob es sich um eine lange Fahrt oder nur einen kurzen Spaziergang dreht, die Dinge auf sich zukommen lassen, ohne Hast, ohne Eile, vor allem ohne das seltsam omnipräsente Gefühl des “Etwas-Verpassens”, das offensichtlich unsere Leben smart durchdringt. “Smart” – was ist das überhaupt für ein Wort, z.B. für Dinge, welche doch allerhöchstens so smart sein können, wie der- bzw. diejenige, die sie bedienen, oder?

Malcolm Gladwell, der bekannte Journalist und Autor schrieb in seinem Buch “What the Dog Saw” über Ron Popeil, den US-amerikanischen “König der Direktvermarkter”. In dem Artikel, den er irgendwann eigentlich mal für “The New Yorker” geschrieben hatte, kommt er zu dem Schluss, dass wenn jemand wie Popeil, der – so banal das jetzt auch klingen mag – Küchengeräte direkt verkauft, die er selbst entwickelt hat, Dinge des alltäglichen Gebrauchs designen würde, diese so aussähen und funktionierten, dass ein Marktschreier wie er sie durch bloßes Demonstrieren mit seinen Händen und seiner Stimme jedem erklären könnte. Gladwells Beipiel ist der Videorekorder, aber denken wir mal einen Moment darüber nach, wie viele Funktionen unserer Smartphones wir tatsächlich regelmäßig und vor allem effektiv nutzen? Erschreckender Gedanke, dass ich einen Hunderte Euro teuren Haufen Elektronik nicht selten mehr oder weniger nutzlos mit mir rumschleppe…

Und die Beschäftigung mit E-Junk unterschiedlichster Natur ist nur ein Beispiel, wie wir uns unserer eigenen Lebenszeit berauben, obschon es soviel zu sehen und zu erleben gäbe. Dies soll jetzt bei Leibe kein Aufruf zum absoluten Müßiggang sein, denn so ziemlich jedem dürfte klar sein, dass es ohne ein Mindestmaß an Arbeit um des Broterwerbes Willen halt nicht geht. Zumindest nicht in einer Gesellschaft, die so funktioniert, wie die Unsere. Die Frage, ob diese Art des Funktionierens gut oder schlecht ist, muss an dieser Stelle von meiner Seite unbeantwortet bleiben. Aber denken sie ruhig selbst darüber nach.

Was jedoch nun das sich “einfach mal so” treiben lassen angeht, habe ich selbst dieser Tage die Feststellung gemacht, dass das Schicksal, gleich ob man diesem nun die Funktion einer höheren Macht zuschreibt, oder aber es eher ganz profan als Manifestation des Prinzips Zufall ansieht, einen manchmal zielsicher an den richtigen Ort bugsiert. Ich ging des Morgens in einer halbwegs fremden Stadt umher, sah mal hierhin, mal dorthin, entdeckte einen zauberhaften antiquarischen Buchladen, trieb dennoch weiter und landete, eine ganze Weile später wieder vor diesem Feilbieter bedruckten Papiers, woraufhin ich eintrat und nach nicht allzu langem Stöbern tatsächlich fand, wonach ich nicht einmal bewusst gesucht hatte: eben jenes Buch von Malcolm Gladwell und etwas anderes, dass mir bei einer just jetzt anstehenden Entscheidung hinsichtlich meines Studiums hilfreich sein wird.

Es fasziniert mich, übrigens auch jetzt noch, dass ich mir einfach mal die Zeit nehmen konnte, mich gleich hernach in ein Café zu setzen und bei einem Kaffee mit Schischi – meine ganz persönliche Bezeichnung für Latte macchiato – in den gerade erworbenen Büchern schmökern zu dürfen, um dabei auch noch zum Schreiben inspiriert zu werden. Gleichwohl ich gerade jetzt eigentlich an einer Hausarbeit für’s Studium zu arbeiten hätte, machen derlei Erfahrungen auf ungeheuerliche Weise meinen Kopf frei und geben mir neue Energie; Energie, ohne welche die anderen Aufgaben im Moment nicht zu schaffen wären. Und genau das muss man sich manchmal zugestehen: für sich selbst einzusehen, dass es im Moment SO nicht weitergeht und man für den Reboot neue Perspektiven, neue Kraft und neue Muße braucht. Alle diese Dinge benötigen wiederum nach meiner Erfahrung ein wenig unverplante Zeit und Gelegenheit zum Müßiggang. Faul sein macht zwar nicht notwendiger Weise kreativ, aber es kann sehr hilfreich sein. Mal sehen, was noch so passiert…

Verantwortlich!

Ja, ja, es sind immer die Lebensumstände, die schwere Kindheit, der Kampf gegen sich selbst und die ach so ungerechte Umwelt, die Notwendigkeit, seine Vergangenheit zu bewältigen, sich selbst zu überwinden und vorwärts zu gehen, zu obsiegen und immer obenauf zu reiten, auch wenn der Wind mal von vorne weht. Da wo so Einer ist, da ist VORNE; ja, das sind schon ganz besondere Qualitäten, die so einen Mann ausmachen, der wirklich alles im Leben aus eigener Kraft erreichen konnte – und dabei Alles und Jeden um sich herum für seine Zwecke instrumentalisiert, bis auf’s Mark beschissen und belogen hat! Von wem ich rede? Nun, vermutlich von jenem bajuwarischen Juwel, diesem Rundlederverliebten Arroganzling, dem der Stern vollkommen unnötiger Weise einen ellenlangen Artikel gewidmet hat, der irgendwie ein bisschen wie eine Rechtfertigung aussieht…

Eine gottverdammte Rechtfertigung? Für jemanden, der sich immer gerne als ordentlichen Kerl hingestellt und im gleichen Moment die Solidargemeinschaft und damit jeden Einzelnen von uns betrogen hat? So jemand verdient den Spielmannsfluch – totgeschwiegen und still entsorgt, dass ist die einzige Art, mit solcher Realitäts- und Volkesferne umzugehen. Verdienste? Ja sicher, der Mann hat sehr geschickt aus einem kleinen Fußball-Klüblein eine weltweit beachtete Gelddruckmaschine gemacht, die Einigen wenigen ein hübsches Sümmchen einbringt. Mir nicht, und es ist im Übrigen nur Fußball. Es geht um Männer (und Gott sei dank mittlerweile auch Frauen) die einem Ball hinterher laufen. Tja. Ich finde es schön, wenn Jenen, die sich für derlei interessieren, sich dafür begeistern können, sportlich was geboten wird, schließlich geht es um Unterhaltung, um Eskapismus und die wohltuende Illusion, mit dem sportlichen Erfolg SEINER Mannschaft verbunden zu sein; ja vielleicht sogar ein ganz kleines bisschen dazu beigetragen zu haben. Wenn nicht gerade rivalisierende Fanblöcke anfangen, sich gegenseitig die Schädel einschlagen, eine wirklich nette und vergleichsweise harmlose Art, sich den Nachmittag / Abend zu vertreiben. Ich muss gestehen, ich habe nie verstanden, wie man dafür soviel Kohle ausgeben kann, aber hey, ich habe auch Hobbys, die Andere wahrscheinlich Banane finden.

Aber dieser Typ, der managed halt so eine Mannschaft, die ihre Bälle recht erfolgreich über’s Grün schiebt. Er hat Anteil daran, dass dieser Erfolg zustande kommt, aber es ist ja nicht so, dass er ein Hilfsprojekt für von Armut bedrohte Kinder leitet. Und in allererster Linie geht es hier um Kohle. Denn solange die Mannschaft so erfolgreich bleibt, fließt das Spice – euer Spice, ihr Narren! Für Karten, für Pay-TV, für Franchise-Artikel. Wie gesagt, jedem das Seine, Fußballfanatiker zu sein hat ja auch Tradition in unseren Breiten. Aber dieser Mann verdient keinen Respekt dafür, dass er betrogen hat, sondern eine ordentliche Tracht Prügel und eine saftige Nachzahlung leisten zu müssen! Sonst nix! Tatsächlich aber wird er immer noch als eventuell läuterungsfähiges Rest-Idol stilisiert, als wenn es niemanden gäbe, der nach seinem Abgang die Lücke füllen könnte. Dabei stehen die nächsten Abzocker schon parat…

Lieber Himmel, wenn wir Vorbilder brauchen, sollten wir sie mitnichten in den Chefetagen irgendwelcher privatwirtschaftlich geführter Unternehmen oder Vereine suchen, denn da finden wir höchstwahrscheinlich Vereinsmeier mit mehr oder weniger gut gezügelter krimineller Energie. Ich weiß auch nicht so recht, wo man gute Vorbilder findet, aber ICH gebe mir wenigstens Mühe und suche nach welchen, die ein bisschen nachhaltiger funktionieren als dieser unnötige Kicker – wie hieß der doch gleich noch…

Märchenonkel reloaded – Rollenspiel für Dummies #3

Ich erzähle gerne Geschichten. Ich meine jetzt damit nicht das Seemansgarn, welches manche meiner Kollegen im Beruf gerne zu Besten – manchmal leider allerdings auch zu Schlechtesten – geben; also buntest ausgeschmückte Blaulichtgeschichten, die mit jedem Jahr, das vergeht noch ein bisschen bunter, ausgeflippter, irrer und/oder heldenhafter werden. Sondern vielmehr jene Sorte, die man eher dem Großgebiet der Fantastik zuordnen würde. Nennt es Science-Fiction, Fantasy, Cyberpunk, Splatter, Crossover, Superheros & Supervillains, oder was auch immer, Hauptsache bleibt dabei, dass es nicht zu nahe an meiner persönlichen Lebensrealität dran ist und mir, sowie auch meinen Zuhörern Spaß macht. Ich hatte es schon gelegentlich erwähnt, ich bin Pen&Paper-Rollenspieler und bei diesem Hobby geht es eben genau darum, nämlich gemeinsam Geschichten zu erzählen.

Über die technische Handhabung des Spiels hatte ich schon referiert, also den Umstand, dass man Regeln braucht, damit alle auf der gleichen Basis agieren können, dass man kritische Situationen – man erinnere sich, NICHT der allmorgendliche Weg zur Arbeit, wohl aber die Verfolgungsjagd – auf verschiedene Art handhaben kann, sehr oft aber Würfel hierbei eine Rolle spielen und das der Spielleiter zwar die Eckpunkte der Geschichte erzählt, allerdings die Spieler mit ihren Aktionen die Story verändern, voran- oder aber auch quer-treiben können und somit aktiven Einfluss auf die Umwelt ihrer Charaktere, also der virtuellen Spielfiguren haben. Allerdings ist der mögliche Grad der Einflussnahme ein durchaus nicht wenig konfliktträchtiger Part der Spielgestaltung, da hier Prämissen, Wünsche und Ideologien aufeinander treffen, die gelegentlich nur schwer kompatibel zu bekommen sind.

Leute, die sich schwerpunktmäßig mit Spieltheorie und weniger mit dem Spielen an sich befassen – nach meiner Erfahrung bekommen jene, welche X Spielstile und Y Regelwerke beurteilen zu können glauben nur selten das bessere Rollenspiel hin, was auch immer das in deren Agenda sein mag – benutzen hier gerne das Wort “Erzählrecht”. Dogmatisch verstanden könnte man sagen, dass eben die Aufteilung dieses Erzählrechts zu Beginn des Spiels ausgehandelt und dann stringent eingehalten werden muss, damit sich niemand ungerecht behandelt fühlt. Und da kommen auch schon die ersten Nazgul angaloppiert und versauen einem echt den Tag! Was ist eine gerechte Aufteilung? Der Referee erzählt und nur innerhalb der jeweiligen Spielsituation dürfen die Spieler bzw. ihre Charaktere tun, was sie wollen, sofern es mit dem Verlauf der Geschichte halbwegs konform geht? Oder der Spielleiter gibt nur ein paar Handlungspunkte vor und die Spieler suchen sich dann ihren Weg und handeln ihre “Stimmrechte” jedes Mal neu aus? Muss man solche Stimmrechte überhaupt von Anfang an vergeben, oder bleiben sie einfach beim SL und er teilt diese Situationsabhängig zu? Will überhaupt jeder ein solches Erzählrecht, oder lassen sich nicht manche einfach lieber vom Referee und/oder ihren Mitspielern “berieseln” und stellen stets meine Lieblingsfrage: “Kann ich nicht einfach würfeln?”? Klar könnt ihr einfach würfeln, dann muss ich mir aber viel mehr aufschreiben und wieder anfangen, meine Abenteuer/Kampagnen durchzuplanen, worauf ich keinen Bock habe, weil andere Teile der Spielergruppe dann nämlich alsbald das große Murren anfangen, weil IHNEN das aber alles viel zu eng gefasst ist. So ist das mit Prämissen und Wünschen. Von Ideologien will ich noch gar nicht sofort zu reden anfangen.

Ich persönlich schätze es als Spieler, wie auch als Spielleiter, wenn für die Charaktere die Chance besteht, aktiv etwas an ihrer Spielumgebung zu ändern; unter Umständen auch Parameter des Metaplots, ansonsten verlieren nämlich insbesondere diese als episch angelegte Spielszenarien – also die vom Typus “Welche Welt müssen wir denn heute retten?” – irgendwann ihren Witz, oder sogar gleich ihre Daseinsberechtigung. Niemand will das leckere Essen nur gezeigt bekommen, um dann zusehen zu müssen, wie ein anderer ihm/ihr was vorkaut! Das gilt übrigens nicht nur für die Möglichkeit zur echten Einflussnahme, sondern auch für solche Dinge, wie etwa vom SL ewig lange über wichtige Details des einen selbst betreffenden Teils des Metaplots im Unklaren gelassen zu werden. Eine gewisse Bedrohlichkeit ist in bestimmten Settings einfach ein Muss, man kann es aber auch übertreiben! Ebenso, wie ich es HASSE, wenn die Charaktere bezüglich ihrer verfügbaren Ressourcen die ganze Zeit an der ultrakurzen Leine gehalten werden, aber einen harten Brocken nach dem Anderen zu knacken bekommen; oder aber man ihnen mit den Klunkern vor der Nase rumwedelt, nur um sie dann von einem Anderen abkarren zu lassen. Ein oder zwei Mal ist das ganz OK, danach wird es einfach nur albern, weil sich irgendwann Motivation ins Gegenteil verkehrt, getreu dem Motto: “Kriegen wir ja eh wieder nix von…”

Doch zurück zum Erzählrecht. Wenn ein Spieler etwas in den Plot/das Setting einflechtet, das irgendwie passt, dass stimmig erzählt wird und das die Sache voran bringt, warum sollte ich dann auf mein Recht als SL pochen und es unterbinden? Wichtig ist, das sich dabei niemand benachteiligt fühlt, alle ihren Spaß haben und die Geschichte auch weiterhin funktioniert bzw. sich entwickeln kann. Sind diese Faktoren erfüllt, hat bei mir jeder das Recht zu erzählen. Allerdings würde ich mir das gleiche Recht auch als Spieler wünschen. Aus zwei Gründen: Keine Geschichte ist in Stein gemeisselt! Keine Regel ist in Stein gemeisselt! Was im gedanklichen Kontext des jeweiligen Spielszenarios eine berechtigte Chance auf Erfolg haben könnte, muss auch probiert werden können dürfen! Basta!

Mancher Spielleiter – und vermutlich auch mancher Mitspieler – hasst mich, weil ich a) immer eine Spotlighthure war und bin und b) Sachen versuche, die in keinem Regelbuch VERBOTEN sind. Das mit der Rampensau ist so ‘ne Charaktersache, da kann ich einfach nicht anders. Und was das flexible Dehnen von Regeln angeht, bzw. die so nirgends beschriebene Kombination verschiedener Fertigkeiten – ja mein Gott, wenn der Spieldesigner nicht dran gedacht hat, ist er selber schuld! Ob ich damit die Spielbalance schädige, oder nur meinen Charakter, liegt im Ermessen des Spielleiters, aber ehrlich gesagt stehe ich drauf, wenn ich auch mal echt verrückte Sachen probieren darf. Darum zocke ich schon seit fast 25 Jahren: Hier darf ich verrückt sein und Verrücktes tun, ohne dass es irgendjemandem weh tut! Darum – always game on!

A snipet of awareness

Ich habe ein neues Lieblingshasswort: Achtsamkeit! Oh, wie ich mich freue, wenn die Medien, in diesem Fall namentlich der Stern, einen neuen Trend ausgemacht haben und dann voll auf der Welle surfen, um sich möglichst hipp und lebensnah positionieren zu können. Ist aber doch auch so, dass die Menschen ja wirklich viel zu wenig Acht auf sich geben. Sie essen zu viel, sie essen das Falsche, treiben zu wenig Sport, haben zu viel Stress, zu große Karrieresorgen, werden zu oft krank, blablablablabla…

Ja, die Menschen haben Sorgen; zum Beispiel, dass unsere Politiker immer weiter unsere Zukunft verbrennen, um jetzt auf Pump Jenen, die sowieso schon vollauf saturiert sein müssten, noch ein paar schöne Schaufeln obendrauf legen zu können. Oder dass man sich anschickt, die Bürgerbevormundung noch ein bisschen auszubauen, anstatt sich mal dazu zu äußern, was für Konzepte denn nun tatsächlich zu nachhaltigerem Wirtschaften führen könnten. Dass sich niemand traut, der nach wie vor Amok laufenden Finanzwirtschaft sinnvolle Beschränkungen aufzuerlegen, da sie doch eh nichts anderes tut, als Scheinwerte zu generieren, denen keine effektive Wertschöpfung gegenüber steht. Dass Lobbyismus einen höheren Stellenwert genießt, als das Gemeinwohl. Und so weiter und so fort.

Ich lebe selbst nicht so gesund, wie es gut für mich wäre, was allerdings nicht dem Umstand zu verdanken ist, dass ich dafür kein Problembewusstsein hätte, sondern dass auch mich der Stress zu manchen Zeiten aufzufressen droht, dass ich an manchen Tagen vor Sorgen kaum ein noch aus weiß und beim besten Willen keine Energie aufbringen kann, jetzt ins Fitnessstudio zu rennen, denn auf meinem Schreibtisch wartet Lektüre für’s Studium, weil lebenslanges Lernen das Modell ist, mit dem die EU zu einem wettbewerbsfähigeren Wirtschaftsraum werden will; woraus folgt, dass ich auch wettbewerbsfähiger werden muss, sonst ist es irgendwann Essig mit dem Lebensunterhalt. Ich habe keine Karrieresorgen, ich habe Existenzsorgen – und deswegen habe ich Stress, werde krank und esse das Falsche und davon auch noch zuviel. UND ich bin mir dessen bewusst.

Ich habe kein Problem mit der Achtsamkeit, ich habe ein Problem damit, dass jeder meint mir sagen zu müssen, worauf ich jetzt gerade Acht zu haben hätte, ohne jedoch zu wissen, was jetzt für mich gerade Priorität hat. Wenn diese ganzen Konsumverblendeten Lifestylebesserwisser endlich mal die Schnauze halten und sich echten Themen widmen würden, fänden vielleicht mehr sinnvolle Dinge ihren Weg zwischen Deckblatt und letzte Seite. Zweifellos kommt den Medien auch eine gewisse Bildungsfunktion zu, aber so lange die Entfremdung von der Lebensrealität des weitaus größten Teils der hiesigen Bevölkerung immer noch auf gleich bleibend hohem Niveau stagniert, stünde es manchen Printmedien besser zu Gesicht, auf den erhobenen Zeigefinger zu verzichten. Überdies – und das ist wirklich ein wichtiger Aspekt von Achtsamkeit – kommt man viel zu selten zu dem Schluss, dass wir vor allem Achtsamer MITEINANDER umgehen sollten. Denn das Soziale ist der einzige Ort, wo nachhaltig wirksame Achtsamkeit entsteht – auf einander, auf meine Umwelt und schließlich auch, gleichsam als Reflexion, auf mich selbst! Au Revoir!

Ist Jammern modisch, oder was?

Es ist en vogue, quasi sowas von krass modern, sich jetzt als vom Arbeitsdruck gestresster, von den mannigfaltigen zivilisatorischen Anforderungen ausgelaugter, vom medialen Dauerfeuer genervter, vollkommen erschöpfter Kämpfer gegen die Verwirrungen des 21. Jahrhunderts zu gerieren; also Flagge zu zeigen gegen zu viel An- und Aufforderungen, gegen Druck und Drama. Ja, sowas von IN ist das! Komisch nur, dass eben dieses Gezuchtel darum, dass man mit dem Kommunikationsmultiplexen und Multitasken nicht mehr mitkommt eben dort stattfindet, wo dieser Druck erst entsteht … nämlich online und ein bisschen auch im Fernsehen bzw. Printmedium.

Da gibt es so schlaue Plakate, auf denen durchaus bewegende Fragen visuell deklamiert werden, wie etwa: “Wie kann ich mir Zeit für mich nehmen?”. Nun ganz einfach du Depp: indem du genau das einfach mal machst: nämlich dein Superduperobercooles Smartphone in die Schublade legst, deine Emails nicht im Stundentakt abrufst, nicht jedem via Gesichtsbüchlein ein Bild von deinem Essen – oder irgendwelchen anderen Belanglosigkeiten – zeigst, dir einfach mal NICHT irgendwelches Cybergeschwätz aufdrängen lässt und stattdessen einfach mal etwas tust, ohne darüber zu chatten, oder zu posten, es zu liken, oder zu sharen oder zu wasweissichsonstnochen.

Kurzer Exkurs: Jemand den ich kenne, schrieb neulich, dass man die Bilder von seinem Essen, die er gelegentlich auf Facebook postet ja nicht ankucken muss, wenn man es denn komischer Weise Banane findet, dass jemand Visualisierungen eines gefüllten Tellers – und manchmal auch das geleerte Danach – online stellt. Dazu folgende Kommunikationspsychologische Anmerkung: Wenn ich jetzt sage, dass die werten Leser bzw. Zuhörer bitte explizit NICHT an lila-blassblau karierte Flugelefanten denken sollen, was passiert dann? Richtig, im Geiste hat man ein mehr oder weniger hübsches Bild von einem lila-blassblau karierten Flugelefanten und gewisse Ähnlichkeiten dieses mentalen Konstruktes zu Dumbo werden sich bei den Meisten von uns vermutlich nur schwer leugnen lassen… Ein Bild, dass irgendwo zu sehen ist, hat einen ähnlichen Effekt, es regt unser Gehirn zum Assoziieren an. Wenn ich einen leckeren Teller Pasta auf meinem Monitor sehe, fragt sich mein Hirn ohne bewusstes Zutun, wie das wohl riecht und ob es genauso gut schmeckt, wie das, was ich selbst zu fabrizieren im Stande bin – und ruckzuck habe ich erstens Appetit und zweitens Zeit verschwendet, obwohl ich mich doch eigentlich gar nicht dafür zu interessieren bräuchte; und zwar weil visuelle Zeichen – und genau das ist eine Fotografie – IMMER eine Signalwirkung ausüben. Ich werde hier jetzt nicht mit Semiotik anfangen, nur so viel: selbst diese Bilder bewusst ignorieren zu wollen, kostet mich in der Gesamtbetrachtung immer noch deutlich mehr Zeit, als wenn diese Menschen ihre Speisenschau einfach bleiben lassen würden. Über den ganzen anderen Mist, der in sozialen Netzwerken geteilt wird, will ich jetzt gar nicht zu reden anfangen.

Zurück bei unseren Stressopfern und der echt saublöden Frage, wie man sich denn nun endlich wieder etwas mehr Zeit für sich selbst nehmen kann, finden wir uns sodann natürlich gleich in der Ratgeberschiene wieder, denn nichts ist heutzutage einfacher, als sich Coach zu nennen und Menschen zum Licht zu führen – einen fetten Obulus für den Führer inbegriffen. “Zum Licht” sagt allerdings selten etwas darüber aus, ob man sich davor, oder vielleicht doch eher dahinter wieder findet. Da der Begriff Coach nicht geschützt ist und es auch keine geregelte Ausbildung gibt, welche diesem Abziehbildchen von Beruf ein quantifizierbares Qualitätsmerkmal oder eine Legitimation geben könnte, hält sich mein Vertrauen in derlei “Hilfe” deutlich in Grenzen.

Auch Ratgeber-Bücher oder Artikel in Zeitschriften sind in aller Regel mit Vorsicht zu geniessen, da sich jene Autoren, welche sich zum Schreiben von sowas berufen fühlen nur allzu oft im Methodendogmatismus verlieren – das (O)ne-(S)ize-(F)its-(A)ll Phänomen lässt sich aber nicht nur hier beobachten – oder so wolkigen Blödsinn absondern, dass man auch gleich zum Astro-TV wechseln kann… Moment, ich muss gerade mal meine aufgerollten Zehennägel zurückbügeln! OSFA meint in diesem Kontext übrigens, dass in solchen Publikationen häufig Simplifizierungen benutzt werden, welche die Illusion erzeugen sollen, dass es sowas wie Patentlösungen gibt, die auf jedes noch so individuelle Problem passen. Großes Kino – Riesenunfug!

Was das nun mit der Frage nach dem modisch sein zu tun hat? Nun, ganz nüchtern betrachtet sind sowohl der Hype um ein neues Medium, als auch die üblicherweise mit Ekel einher gehende Übersättigung ein zyklischer Verlauf, den man immer und immer wieder beobachten kann. Beim Internet und seinem bislang größten Auswuchs, den social media platforms ist die Zeitdauer bis zum “Verfall” des Novelty-Factors lediglich geringer, weil – Achtung Allgemeinblatz, aber trotzdem gültig! – die Zeiten schnelllebiger geworden sind, aber auch Medien sind offenbar Moden bzw. Trends unterworfen.

Im Moment ist es also gerade Mode, sich damit zu brüsten, nicht mehr dauernd erreichbar sein zu müssen, obwohl man es könnte. Das Kokettieren mit medialer Präsenz, der Flirt mit der gefühlten Omnipräsenz, die zuvor doch maximal ER für sich beanspruchen konnte, verleiht einem ein Gefühl von Macht; woraus folgt, dass man sich im diskonnektierten Zustand unwohl, ja sogar ohnmächtig fühlen müsste. Ich kann nicht sagen, ob das beim Gros der Netzwanderer da draußen tatsächlich der Fall ist, was allerdings mich persönlich betrifft, so kann ich freimütig zugeben, dass der Verzicht auf den ganzen Scheiß manchmal schon schwer fällt. Außer im Urlaub – da genieße ich es. In jedem Fall wäre es aber gesünder, unmodisch zu sein und auf Konnektivität zu pfeifen. Mir passiert es gelegentlich, dass ich einmal am Tag mein Smartphone aus dem Telefonschränkchen nehme, darauf einige SMS und Chat-Nachrichten finde und feststelle, dass irgendjemand ganz dringend was von mir wollte. Aber anrufen auf dem Festnetz ist anscheinend nicht mehr IN. MICH kann man da aber, solange ich zu Hause bin am Besten erreichen. Ich schleppe doch nicht den ganzen Tag meinen Kommunikationsdiener mit mir rum, habt ihr sie noch alle? Ist doch total unmodisch, sich mit so einem Riesenteil die Hose auszubeulen! Wer macht den sowas…?

Panikoalition – eine neue Polemik…

Unsere Gesellschaft sollte man als das verstehen, was sie tatsächlich ist, nicht als das, was wir uns gerne darunter vorstellen; sie ist kein Ort, an dem jeder die gleichen Rechte hat und genau so wenig findet hier jeder die gleichen Chancen vor. Soziale Erwägungen werden nicht aus sozialen Gründen getroffen, sondern aus pekuniären, so wie sich heutzutage fast jeder Aspekt unseres Lebens einer wirtschaftlichen Bewertung unterziehen lassen muss. Allem und Jedem wird ein inhärentes Kosten-Nutzen-Verhältnis unterstellt, egal ob es objektive Kennzahlen gibt, oder man diese erst erfinden muss. Wenn man Interessen hat, sollte man möglichst einer Gruppe angehören, die sich über die richtigen informellen Kanäle Gehör verschaffen kann, dann wird das schon. Und bei weitem nicht jeder hat Verständnis und Toleranz für Andersdenkende, Anderssprechende, Andersbetende oder überhaupt Andere. Oder kurz und knapp, der hingeworfene Quilt, den man meiner bescheidenen Meinung nach ganz gut als Sinnbild für unser Gemeinwesen nutzen kann, sieht nicht nur chaotisch aus, er ist überdies noch nicht mal besonders gut genäht. Perfekt geht anders!

Aus dieser Gemengelage, die sich zuvorderst durch Engstirnigkeit im Umgang mit den jeweils Anderen – egal ob die andere Partei, die andere Kirche, der andere Club, das andere Dorf – auszeichnet und in der man als würzende Beilagen Propaganda, Des- bzw. Uninformiertheit, zweifelhafte gedankliche Konzepte von diesem oder jenem, zumeist aber insbesondere von Politik, sowie eine gesunde Portion ungesunder Überzeugungen finden kann, entsteht schlussendlich ein Bild, das vage an eine Deutschlandkarte vor dem Reichsdeputationshauptschluss erinnert. Für all jene die von Geschichte keine Ahnung haben: selber googeln! Jedenfalls kann man sagen, dass von EINEM deutschen Staat und EINER deutschen Geschichte bis zur Ausrufung des wilhelminischen Kaiserreiches kaum eine Spur zu finden wäre. Vielmehr war es ein Flickenteppich – eben ein Quilt. Und mental ist es auch heute noch ein Flickenteppich. Wenn man sich dieses Umstandes gewärtig ist, kann man aber den ganzen nationalistischen Quatsch sein lassen und alle Menschen einfach als das betrachten, was sie sind: Menschen. Sie essen wie ich, sie kacken wie ich und vermutlich sieht das Kopulieren auch ähnlich aus.

Diesen Gedankengang im Geiste nähern wir uns nun der aktuellen politischen Lage und stellen fest, das die Schwarzen und die Roten um die Machtverteilung und Inhaltssetzung in einem Gebilde ringen, welches demnächst vermutlich als dritte Große Koalition in die Annalen der bunten Republik eingehen wird. Und vor der haben viele meiner Mit-Sozen brutal Angst, weil sie befürchten, das die SPD ein zweites Mal nach 2005 Merkelisiert wird und dann alle Chancen auf ein triumphalen Sieg in 2017 endgültig perdu sind. Sind sie sowieso, denn wenn man auf Personen und Bilder setzt, um Inhalte nachschieben zu können, muss man Personen und Bilder bemühen, die auch ziehen. Davon ab haben sich die Mehrheiten in unserem Land schon lange verschoben – immer weiter nach rechts.

Achtung jetzt wird es mal kurz Stammtischig, aber ich muss heute mal wieder polemisieren, darum ein paar Zitate: “Man wird ja wohl noch sagen dürfen…”; “Ich bin echt nicht Ausländerfeindlich, aber…!”; “Das Boot ist voll!”; “Was wollen DIE alle hier?”; “DIE nehmen uns unsere Arbeit weg!”. Eine kurze Replik: Man kann alles sagen, wenn man sich hinterher für den Mist entschuldigt. Wir alle haben gelegentlich xenophobe Tendenzen, das ist menschlich, ABER man sollte sie nicht ausleben, sondern überdenken, wenn sie aufkommen. Ja, die Boote auf dem Mittelmeer sind voll. ZU voll, daher sollte man sich einen besseren Weg ausdenken, wie diese Menschen sicher übersiedeln können. Oder endlich von den wirkungslosen paternalistischen Formen der Entwicklungshilfe zu echter Förderung der jeweiligen Stärken der Herkunftsländer so vieler Flüchtlinge kommen. Dazu gehört zum Beispiel auch, autokratischen Regimes den Hahn zuzudrehen. Und zwar richtig! Die Übersiedler nehmen uns übrigens keine Arbeit weg, weil man sie in Übergangswohnheime steckt und ihnen weder eine Aufenthalts- noch eine Arbeitsgenehmigung gibt und sie so zum Nichtstun zwingt, was nach einer Weile zur sozialen Verelendung führt. Im Übrigen bringen viele Asylbewerber Know-How mit, das hierorts gut nutzbar wäre. Die Arbeit wird weggenommen von den Lobbymächtigen Unternehmern, deren einziges Interesse der Shareholdervalue ist – vulgo schneller Profit! Nachhaltigkeit kennt KEINE Aktien! Und was diese Menschen hier wollen? Nun, einem sehr viel bittereren Elend entfliehen, als wir Bürger eines der reichsten Länder der Erde uns überhaupt vorstellen können oder wollen.

Auch wenn es auf die Stammtischparolen also offensichtlich sinnvolle Antworten gibt, verhallen sie meist ungehört, weil…; nun weil unser Land ist, wie unser Land ist. Ich habe es ja vor wenigen Augenblicken beschrieben. Ein Flickenteppich von Emotionen, Vorurteilen, Interessen und vielem anderem mehr. Darauf weiß aber unsere Politik klassischen parlamentardemokratischen Zuschnitts gegenwärtig keine Antworten, weil sie selbst so sehr in ihr Ringen um Proporz, Konsens und (Partei)eigene Identität verstrickt ist, das echte inhaltliche Fragen meist zu kurz kommen. Wir brauchen aber gestalterische Perspektiven mit Visionen, auch wenn Herr Steinbrück meint, die findet man nur in Kristallkugeln. Wir haben sie nie seit dem zweiten Weltkrieg bitterer nötig gehabt als jetzt!

Mensch Sozen, ergreift diese Chance – vier Jahre Mitregieren ohne die bevormundungswilden Dosenpfandidioten und die Soziostalgiker. Es muss nur noch irgendjemand den teildementen Riesenpfosten aus München entsorgen und alles wird gut. Vier Jahre Zeit, über alte Fehler nachzudenken und neue Ideen zu entwickeln. Vier Jahre, den Menschen wieder nahe zu kommen, die nicht mehr verstehen können, was Politik tatsächlich für sie leistet, weil es ihnen niemand richtig erklärt hat. Vier Jahre Koalition statt Panik. Es ist an der Zeit für einen echten Neustart. Und ICH will nicht erleben, was vier Jahre Schwarz-Grün aus diesem Land machen könnten. Denn mit einem so schwachen Juniorpartner macht die Pastorentochter, was sie will. Schönen Tag noch.