Auf der Suche

Das sind wir natürlich alle, immerzu und überall, nach diesem nach jenem und nach dem ultimativen Kick überhaupt, falls es sowas ohne, oder auch mit dem Einsatz (il)legaler, Bewusstseinserweiternder Mittel überhaupt geben kann. Auf der Suche ist ein Zustand, der, so er einmal in den Fokus unseres bewusst erlebten Daseins getreten ist, niemals mehr aufhört; zumindest soweit es mich betrifft. Ich suche jeden Tag nach irgendwas und damit sind beileibe nicht die Auswirkungen dieser typisch männlichen Tüddeligkeiten gemeint, die einen dazu nötigen, noch mal nachschauen zu müssen, wo die Brille, der Schlüsselbund, das Handy, das Notebook oder weiß der Teufel sonst was wohl abgeblieben sein könnten. Ich bin eher auf der Suche nach Ideen, wie man dies oder das besser machen könnte, nach Lösungen für Probleme, oder auch mal einer Möglichkeit, einen Streit beizulegen. Und manchmal suche ich einfach nur nach einem guten Grund morgens aufzustehen, wenn mein Körper doch lieber noch bis gegen elf gammeln würde. Wie war das noch mit dem Erwachsenwerden? Anscheinend bin ich doch erst ein Teenager…

Nun was das Letztere betrifft, flüstert mir mein vorgenannter Körper morgens eher was Anderes ins Ohr, aber im frommen Selbstbetrug – also der bewussten Abschaltung der Selbstreflexion zu Gunsten von Prokrastination, Schlemmen, Saufen und anderen Dummheiten – sind wir ja alle ganz gut, oder? Wie auch immer, Suche ist für mich keine kurzfristige Beschäftigung, sondern mehr so ein lebenslanger, desorientierter Dauerlauf. Und anscheinend bin ich mit diesem Problem nicht allein. Anders ist das allenthalben beobachtbare Wuchern von Ratgebern aller Art (besonders Bücher über Selbstoptimierung sind im Moment voll hip; Moment, ich muss kurz mal Brechen gehen) ist ein gutes Indiz dafür.

Ebenso wie die Blüte, welche Beurteilungsportale für Waren und Dienstleistungen aller Art zurzeit erleben dürfen. Das Web 2.00 in seiner wunderbarsten Form. Wenn man sich mal so richtig schlapp lachen möchte, liest man z.B. auf Amazon die Beurteilungen zu einem Film durch, zu dem man sich bereits selbst eine Meinung gebildet hat. Das funktioniert, egal, ob man das jeweilige Werk nun mag, oder nicht. Denn bekanntermaßen soll man nicht über Geschmack streiten, was hier allerdings in epischer Bandbreite stattfindet. Die schreiben teilweise über irgendwelchen, absolut unwichtigen Bogus so viel, das kann man schon fast als exaltiert betrachten. Ich habe tatsächlich auch schon aussagekräftige Rezensionen über technische Gadgets, oder aber Fachbücher gelesen, aber bei so genannten Machwerken der Unterhaltungskunst (Bücher, Filme, CDs, etc.) zählt für mich mittlerweile nur noch der Unterhaltungswert.

Aber natürlich gibt es noch andere Web-Orte des gegenseitigen Meinungsaustausches (die Leute kommen zu der Seite hin, sondern ihre Meinung und fühlen sich dabei gut!), zum Beispiel bei dem Buchungsportal, welches ich seit einigen Jahren für die Auswahl von möglichen Reisezielen für den sommerlichen Familienurlaub bemühe. Nun sind die Beschreibungen dieses Anbieters, gemessen an den eher mäßigen Standards der Reiseveranstalterzunft recht präzise und ich verfüge mittlerweile auch über einen guten Erfahrungsschatz bezüglich der bevorzugt bereisten Region Italiens, so dass die Bildung einer eigenen Meinung über ein potentielles Ziel auch ohne Kommentare anderer Reisender zumeist recht zielsicher gelingt. Dennoch lese ich mir manchmal auch ebendiese Einlassungen Weitgereister durch; und finde mich Kopfschüttelnd wieder.
Wer die Toskana schon mal bereist hat und dabei nicht in irgendwelchen Sternehotels eingekehrt ist, sondern, so wie meine Mischpoke und ich, in typischen Selbstversorger-Appartements, der weiß, dass diese in aller Regel einfach, aber zweckmäßig eingerichtet sind. Manches wirkt auf den ersten Blick unfertig oder einfach nur alt, vieles ungewohnt, weil dies eben ein anderes Land ist und mit Sicherheit findet man hier so gut wie nirgends eine voll ausgestattete Einbauküche, wie sie daheim die Küche ziert. Steht aber, so man des Lesens mächtig ist, alles in der zuvor erwähnten Beschreibung. Sich dann über die Küchenausstattung zu beschweren, ist dann doch ein bisschen Schizo, oder?

Ich hätte mir manchmal auch das Eine oder Andere anders gewünscht, aber ICH hatte noch keinen Vermieter, der auf Anfrage kleine Probleme nicht charmant zu lösen gewusst hätte. Einer hat mir sogar mal ein härteres Bett beschafft – wer Italien kennt, kennt auch die hiesigen Bettgestelle und die sind manchmal tatsächlich mörderisch, zumindest für mein Kreuz!

Ich glaube, manche meiner Landsleute sollten ihre Anspruchshaltung mal ein bisschen dämpfen, auf den Boden der Tatsachen zurückkommen und vor allem akzeptieren, dass man andere Länder bereist um andere Menschen und Kulturen kennenzulernen. Wozu auch Akzeptanz für das typisch italienische Laissez-Faire im Umgang mit dem – typisch deutschen – Begriff „Akkurat“ gehört. Mir gefällt es hier, ich habe diesmal wirklich weniger als 12h gebraucht, um vollkommen entschleunigt zu werden. Und ich werde gewiss wieder nach Mittelitalien reisen – auf der Suche nach Ruhe, Gelassenheit, gutem Essen und rotem Wein. In diesem Sinne: Bienvenuto a godersi la vita!

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