A snipet of delay

Hoppla, schon wieder 2 Wochen rum? Es wäre wohl ein bisschen zu billig, wenn ich jetzt sagte, dass je älter man wird, das Leben umso schneller an einem vorbei fliegt. Zum einen ist diese Äußerung, zugegeben schon wieder, ein Allgemeinplatz, der deutlich überstrapaziert ist. Und zum anderen stimmt es nicht wirklich. Eine Sekunde ist eine Sekunde ist eine Sekunde. Zeiteinheiten sind messbar und ich könnte mich nicht daran erinnern, mal davon gehört zu haben, dass sich ihre Dauer immer mal wieder ändern würde. Außer vielleicht am Ereignishorizont eines Schwarzen Loches, wo Raum und Zeit als Kategorien, wie wir sie kennen, zumindest den Theoremen der Astrophysik nach ihre Bedeutung verlieren. Da ich aber niemanden kenne, der diese Erfahrung schon mal gemacht hätte…

Wahrheit gewinnt diese Beobachtung jedoch auf der subjektiven Ebene. Zum Beispiel, wenn wir auf etwas warten, sehnsüchtigst warten. Dann dehnt sich die Zeit. Der gegenteilige Effekt ist leider häufig im Urlaub zu beobachten. Hach wie schnell waren diese drei Wochen jetzt wieder rum. Allem substanzlosen Geschwafel zum Trotz, welches zu diesem Thema zur Bewegung erwärmter Luft produziert wird…; ach halt, das substanzlose Geschwafel soll ja meistens dazu dienen, Ratgeberbücher zu vermarkten, die einen üblicherweise alle auf das Gleiche hinweisen: seine Zeit achtsamer zu nutzen, indem man sich vorher Pläne macht und den jeweiligen Zeitbedarf sauber kalkuliert. Sich Freiräume zu schaffen. Der Fremdverfügung über die eigene Zeit Absagen zu erteilen, wo immer es möglich ist. Die Work-Life-Balance besser austarieren. Und so weiter und so fort.

Meine Erfahrungen dazu sehen so aus: Menschen brauchen keine Seminare oder Ratgeberbücher, um sich wieder ein bisschen freier zu fühlen. Denn indem ich Zeit und Geld darauf verschwende, mir mehr Zeit zu verschaffen, erreiche ich nur eines – pekuniären Verlust. Wenn ich Glück habe, ist es nur ein Nullsummenspiel. Man kann die eigene Komfortzone des zeitlichen Aufwandes für dies oder jenes selbst herausfinden. Nur in den Fällen, da der Drang zur Perfektion, zur Selbstausbeutung, zum High-Performer-Dasein krankhafte Züge annimmt, wie das zum Beispiel bei mir persönlich der Fall war, ist es notwendig, sich Hilfe zu suchen. Darauf folgt ein, im Zweifelsfall mentoriell betreuter Lernprozess, um wieder an der Ort der Annehmlichkeit im Leben zurück zu finden. In aller Regel ist das keine Sache von ein paar Wochen, sondern eher von Monaten oder gar Jahren, weil – wie ein altes Sprichwort so schön und richtig sagt – schlechte Angewohnheiten nur langsam sterben! Aber es ist möglich und mit der richtigen Anleitung gar nicht mal so schwer.

Ein viel größeres Problem stellen da die Arbeitgeber dar. Der Zwang zur Selbstoptimierung wird uns im Zusammenhang mit dem Arbeitsleben all überall gepredigt; wir müssen unsere Effizienz optimieren, das geht schneller, da ist mehr drin, man muss es nur rausholen, alle anderen sind besser als DU… einen Bullshit sind sie und einen Bullshit muss ich! Arbeitsverdichtung ist entgegen dem Diktum des durchschnittlichen Controllers oder Unternehmensberaters nicht beliebig zu steigern und es ist verdammt nochmal an der Zeit, dass die sogenannten Bosse, die nur allzu oft auch keinen besseren Durchblick haben als ich, endlich verstehen, dass ICH und nicht das Geld, oder irgendwelche Geräte das wichtigste Kapital bin, über welches sie verfügen. Und dass ich es wert bin, meinen Bedürfnissen Rechnung getragen zu sehen, anstatt dauernd gegängelt zu werden. Wertschätzung, Respekt und weniger Stress durch unnötige/unsinnige Aufgaben, ausreichende Pausen und eine leistungsadäquate Entlohnung – was das individuell bedeutet, darf und muss natürlich diskutiert werden – und schon laufe ich und laufe ich und laufe ich, wie der VW-Käfer aus der Werbung. Wenn jedoch jemand von mir Unbilliges verlangt, so wird er meine Unwilligkeit und die aus ihr erwachsenden Konsequenzen erfahren! Gilt übrigens nicht nur für meinen Boss sondern auch für meine Kollegen! Schönen Tag noch.

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