Ich bin müde unruhig. Die letzte Woche war beruflich ein interessantes Auf und Ab. Die Struktur und Qualität der Herausforderungen war wie immer heterogen. Hier mal eben ein digitales Fortbildungsformat vorbereiten, da Personalentwicklung betreiben und dann zum Abschluss auch noch Fachunterricht machen. Ich weiß nicht, ob mir diese Vielfalt gerade alle Kraft raubt, oder mich beflügelt. Das klingt jetzt blöd, aber… obwohl ich sagen kann, dass jeder Einzelaspekt auch (mehr als nur) ein bisschen Spaß macht, ist das alles innerhalb einer Woche eigentlich zu viel kognitive Hin- und Herschalterei. Ich denke mittlerweile, dass es Selbstschutz ist, wenn ich in solchen Szenarien versuche, die anderen zu beeindrucken. Ich habe immer wieder das Gefühl, den beruflichen Ansprüchen an meine Person nicht gerecht werden zu können, weshalb ich mich manchmal hinter Gimmicks, methodischen Stunts, Ausweichen, Verzögern und vorwärts preschender Offensivverteidigung verstecke, um nicht als der Hochstapler entlarvt zu werden, als den ich mich gerade mal wieder fühle. Es geht dabei NICHT um objektiv verfügbare Expertise, sondern immer wieder um das Gefühl, nicht zu genügen, welches mich mittlerweile seit Jahren verfolgt. Vermutlich, weil es immer und immer wieder Menschen gibt, die Anforderungen formulieren, welche ich nicht erfüllen kann, weil entweder die strukturellen Ressourcen nicht existieren oder ich vorläufig nicht über die notwendige Expertise verfüge. Ich habe unterdessen eine Menge Expertise nachgerüstet; und auch so einiges an Ressourcen. Aber wenn man jemanden um jeden Preis bloßstellen will, findet man IMMER einen Weg. Das raubt mir jedoch Energie, Zeit, Selbstwertgefühl und damit irgendwann zwangsläufig Motivation. Und zwar nachhaltig. Mein gegenwärtiges Motivationslevel, mich mit beruflichen Themen zu befassen, liegt weiterhin bei NULL! Was mich rettet ist der große Unterschied zwischen mir und manchen anderen da draußen: ich mache einfach weiter, wenn schon LANGE alle Energie verbraucht ist. Denn im Gegensatz zu vielen meiner Kritiker bin ich KEINE faule, talentfreie, selbtgefällige PUSSY!

Klang das zu hart? Ist mir scheißegal, denn es ist genau DAS, was ich gerade fühle! Ich weiß eigentlich ganz genau, was ich kann, wo ich meine Schwächen habe und wie ich an meine Ziele komme… eigentlich! Und doch gerate ich immer wieder in diesen verfickten Strudel aus Selbstzweifeln, wenn irgendjemand meint, mich auf diese beamtenseelen-kleinliche, passiv-aggressive Art kritisieren zu müssen, die nur jene Menschen benutzen, die nicht den Arsch in der Hose haben, für ihre Überzeugungen offen einzutreten. Sie nennen das dann diplomatisch, aber faktisch ist es feige, hinterfotzig und bigott! Ist vielleicht aber auch besser so, denn ich befürchte, dass so manche Überzeugung mich unter Umstännden erschrecken könnte. Trotzdem kotzt es mich an, diese Erfahrung Jahr für Jahr, Monat für Monat wieder machen zu müssen. Ich wünschte mir, man ließe mich einfach meinen Job machen und hielte sich raus aus jenen Dingen, von denen man keine Ahnung hat. So versuche ich es auch zu halten. Aber… manchmal wird ALLES zum Politikum, weil Menschen mit kleinen Egos aber großen Ansprüchen halt die Welt regieren. Nicht nur die große da draußen… Der erste Monat des Jahres neigt sich schon wieder in ein paar Stunden dem Ende zu und ich stecke nach wie vor fest. Fest in einem melassigen Sumpf aus Ärger, massivem Mangel an Motivation und positiven Perspektiven sowie einem offenkundig unerschöpflichen Vorrat an Nickligkeiten. Was tun? Töten…? Aber, selbst wenn ich im Baumarkt unbemerkt so viel Plastikplane, Stiefmütterchen und Löschkalk kaufen könnte, so viele richtig abgelegene Waldstücke gibt’s hier halt auch nicht… Spaß beiseite. Das Einzige, was mich gerade am Laufen hält, ist der Umstand, dass ich mich derzeit wieder häufiger in Welten flüchten kann, die mit unserer Realität NIX zu tun haben. Ist derzeit meine einzige echte Entspannung. Jedem Wesen seinen eigene Form von Eskapismus, würde ich sagen. Und wenn jetzt irgendeiner aus dem digitalen Gebüsch gekrochen kommt, um mir mangelnden Realitätssinn und fehlende Fähigkeiten zu attestieren – FICK DICH! Und nur für den Fall, dass du es beim ersten Mal nicht verstanden hast – FICK DICH HÄRTER! Selbst wenn mein Hirn sich in MEINER FREIZEIT sehr viel mit fiktiven Welten beschäftigt, bin ich für meinem Job immer noch mehr als nur hinreichend gut!
Es fällt mir schwer, Sinn und Motivation aus meiner Arbeit zu schöpfen. Aber selbst unter solch miesen Bedingungen performe ICH immer noch auf hohem Niveau, weil mir die Menschen, die mich (noch) nicht enttäuscht haben, am Herzen liegen. Für DIE mache ich das alles! Selbst wenn manche von ihnen nicht verstehen können – oder verstehen wollen – wie viel Überwindung mich das alles zur Zeit kostet. So eine nice Depression und ein dräuender Burn-Out wollen ja ordentlich gefüttert sein. Im Moment läuft alles weiter seinen Gang. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Oder, bis er eine Möglichkeit findet, sich nicht mehr völlig auslaugen lassen zu müssen. Wie bereits neulich gesagt, ist MEINE emotionale Bindung zu meiner Arbeitsstelle vermutlich zerstört. Was mich hier noch hält, sind die Menschen, von denen ich gerade eben schon sprach. Es sind immer die sozialen Bindungen, welche Institutionen im Kern zusammenhalten. Selbst manche BWLer scheinen diese simple Wahrheit verstehen und sogar akzeptieren zu können. Aber… wie lange das für MICH noch genügt? Kein Ahnung. Bei meinem letzten Arbeitgeber hat mich dieses Gefühl über mehrere Jahre getragen. Letztlich musste ich trotzdem weg, weil sich halt auf dem Weg nix geändert hatte! Mal schauen, wie es im aktuellen Zirkus weitergeht. Ein paar Menschen mussten neulich schon erfahren, dass ich mich nicht einfach zum Zuschauer in MEINER verdammten Manege machen lasse. Eher reiße ich den Laden wieder ab. Ich glaube, das haben sie begriffen. Wie sie darauf reagieren wollen, findet sich. Welche Konsequenzen ich dann für mich daraus zu ziehen habe, ebenfalls. NOCH habe ich Geduld. Trübe Gedanken für einen Samstag? Vielleicht. Ich selbst empfinde es eher als nüchterne Bilanzierung des Status Quo. Und wohin mich diese Bilanz tragen wird, ist noch offen. So, wie ich als Ganzes auch wieder für alles Mögliche offen bin. In diesem Sinne – schönes Wochenende.








