Knallt euch weg!

Woran man jeute Nachmittag merkt, dass das Jahr zu Ende geht? An der zunehmenden Menge deutlich hörbarer Böllerkulatio Preacox in meiner Hood. Da muss eine Menge kleiner Würstchen unterwegs sein, die mit großen Böllern laut knallen, um vermutlich irgendwas zu kompensieren. Wenn man sich die Kommentarspalten der antisozialen Medien in den letzten Tagen anschaut, wo irgendwelche anonymen Testostoroiden den Untergang des Abendlandes herbeiphantasieren, weil sie – vielleicht irgendwann – nicht mehr knallen dürfen, wie sie wollen, dann muss man sich schon fragen, ob wir sonst keine Probleme haben? Nur um das klarzustellen – haben wir! Soziale Ungerechtigkeit, viel zu geringe Investitionen in Bildung anstatt in Steuergeschenke für jene, die eh schon viel zu viel haben, einen versagenden Generationen-Vertrag, etcpp. Aber wir haben auch Medienhäuser in der Hand von Matriarchinnen (Liz Mohn => Bertelsmann & Friede Springer => BILD u.Ä.), die einen nicht unerheblichen Teil der deutschen Medienlandschaft kontrollieren (siehe hier wissenschaftlicher Dienst des Bundestages); und damit diverse, mehr oder weniger subtile Möglichkeiten zur Meinungsmache haben. Und indem solche Medienkonzerne jedes Jahr wieder zu bestimmten Zeitpunkten Scheingefechte zwischen Gesellschaftsgruppen inszenieren (Jung gegen Alt, Arm gegen Reich, Vegetarier/Veganer gegen Fleischfresser, Schwarze gegen Grüne, Böllerfans gegen Verbotsbefürworter, etc.) lenken sie immer und immer wieder vom Wesentlichen ab. Anstatt an sowas teilzunehmen, fragt euch lieber mal – WER profitiert von solchen Diskussionen? Kleiner Hinweis: in den allerseltensten Fällen die Mitglieder der Streitparteien… Das ist einfach nur ein Teil der modernen Version von Panem et Circenses…

Ich bin abgeschweift. Das Jahr geht zu Ende. Welches, spielt eigentlich keine Rolle mehr, wenn man ein gewisses Alter (in meinem Fall 51) erreicht hat. New Number – Same Shit! Daher habe ich auch keine Lust auf einem Rückblick. Fuck it, dieses Jahr war – zumindest beruflich – dermaßen anstrengend, emotional erschöpfend und mit viel mehr Niederlagen als Erfolgen durchsetzt, als dass man darüber noch ein weiteres Wort verlieren sollte! Ich habe nun seit dem 20.12 Urlaub – man sollte eigentlich meinen, dass diese 11 Tage ein wenig Erholung gebracht hätten. Und das ist irgendwie auch der Fall. Doch mein Frustlevel ist immer noch kaum gesunken; weil ich weiß, dass ich eigentlich meinen Urlaub kürzen und verschiedene Arbeiten erledigen müsste, damit die erste Woche nicht gleich wieder in vollkommenen Stress ausartet. ABER ICH WILL NICHT! Ich brauch meine verfickte Ruhe vor diesem ganzen Quatsch! Und vor allem vor einigen Menschen, denen überhaupt nicht klar ist, was ihre politischen Spielchen auf der einen und ihre Anspruchshaltung auf der anderen Seite mit mir machen. Der wirklich einzige Grund, warum ich nicht einfach hinschmeiße und was vollkommen Anderes mache, oder versuche mein Leben auf die Kette zu kriegen ist, dass ich (freiwillig) finanzielle Verpflichtungen gegenüber meinen Lieben eingegangen bin. Wir gehören zusammen, da kann ich nicht einfach kündigen und mal ‘n Sabbatical einlegen. Obschon ich das offenkundig mehr brauche, als IRGENDWAS ANDERES. Sollte ich heute abend im Lotto gewinnen, bin ich weg. Gottseidank für meine Kollegen ist die Chance ja bekanntermaßen nur 140.000.000 : 1…

Ich schrieb in den letzten drei Posts über Happiness; und wie ich immer wieder versuche, für mich selbst welche zu finden, zu kultivieren, zu bewahren! Man könnte die ersten zwei Abschnitte dieses Posts jetzt so lesen, als wenn ich noch eben in der Hanfabteilung des Bauhauses unterwegs gewesen wäre, um heute Abend als besonderen Rite de Passage was Dummes zu tun. Ich darf euch hier nun offiziell versichern – so ist es nicht! Denn der private Teil meines Lebens schafft derzeit einen Ausgleich, der mich den ganzen anderen Scheiß ertragen lässt. Ich konnte in den letzten Tagen die Dosis meiner Sozialkontakte weitestgehend selbst bestimmen und habe mich in den selbstgewählt einsamen Stunden Dingen hingeben, die durch die Selbstoptimierungs-Brille objektiv vollkommen nutzlos waren und immer noch sind. Die mir aber Spaß machen indem sie meine Kreativität und Fantasie erheblich anregen. Ohne diese Auszeiten stünde es allerdings mehr als nur ein bisschen finster um mich, das möchte ich zugeben. Aktuell kann ich mir nicht vorstellen, dass das kommende Jahr 2026 signifikant anders oder gar besser werden könnte, als die abgelaufene Knallcharge 2025 war… Vielleicht geht es den kleinen Würstchen draußen ja genauso wie mir, dass sie soviel Böllern müssen, um ihren Frust wegzuknallen; aber… kann man nicht auch mal anders den Frust wegknallen? Ich frag für’n Freund. Was mich betrifft, ist es ein Abend wie jeder andere auch. Möglicherweise mit etwas mehr zu essen. Wenn ich allerdings den ganzen Käse mit zuviel Hoffnung garniere, dann habe ich bis zum Ende meines Urlaubs wieder nur eine Melange aus Enttäuschung, Bauchschmerzen und aufwallendem Stress, ob all der Dinge die unerledigt auf mich warten. Ob’s das Geld wert ist? Ich frage bei Gelegenheit mal meinen Therapeuten. Bis dahin… knallt euch weg! Aber bleibt bitte an einem Stück. Wir hören uns nächstes Jahr.

Auch als Podcast…

What about… happiness…? (Part 3)

An jedem Tag der vergeht, konditionieren wir uns selbst. Nicht wirklich im Pawlow’schen Sinne, aber doch nachhaltig genug, um unser Leben erheblich zu beeinflussen. Ich meine damit – zumindest im aktuellen Kontext – unseren Medienkonsum. Dass ich KEIN großer Freund der antisozialen Medien bin, kann man wissen, wenn man diesem Blog etwas länger als drei Wochen folgt. Oft rege ich mich dabei über die schwarz-blau-braunen Auswüchse auf, die unser Leben immer schwieriger machen. Aber genau jetzt möchte ich mich mit einem MÜ Kognitionspsychologie befassen. Es wird ja immer über die Aufmerksamkeits-Spanne gesprochen; und dass diese gesunken sei. Dass ist so nicht korrekt, da es bis heute keine einheitliche wissenschaftliche Definition der Aufmerksamkeits-Spanne gibt; was es jedoch gibt, ist eine Menge Forschung über das Thema (wer sowas gerne liest, folgt dem Link). Was sich jedoch recht sicher sagen lässt ist, dass sich der Modus des allgemeinen Medienkonsums verändert hat. Infos, für die man ganz früher in die Bibliothek gehen musste, oder noch vor etwas über einem Jahrzehnt den Computer zu Hause angewuchtet hat, bekommt man heute nach Sekunden von der persönlichen Taschenwanze überallhin ausgeliefert, wo es hinreichend gutes Mobilfunknetz gibt. Wenn man also mal seine Ruhe haben möchte, muss man auch im frühen 21. Jahrhundert in Deutschland nur ein Tal innerhalb eines halbwegs großen Waldgebietes aufsuchen. Als Frau Dr. Merkel 2013 mal sagte “Das Internet ist für uns alle Neuland!” bewies sie damit prophetische Fähigkeiten, denn auch heute noch gibt es eine Menge weißer Flecken auf dieser Karte. Vielleicht wusste sie aber auch einfach nur um die legendär innovationsfeindliche Bräsigkeit der Union… Aber wir waren bei der Aufmerksamkeit, nicht wahr…?

Alle möglichen Reize, welche auf unsere Primärsinne einstürmen, werden in Windeseile in den entsprechenden Zentren unseres Gehirns (vor allem im Thalamus) verarbeitet. Dabei ist vor allem eine Entscheidung wegweisend: ist es ein salienter Reiz – oder nicht? Salient bedeutet eine Wahrnehmung, die entweder neu (und damit irritierend) genug ist, unsere Aufmerksamkeit hervorzurufen – oder unser Interesse zu wecken vermag, weil sie mit anderen, vorbekannten Sachverhalten zusammenhängt und für uns daher rational von Bedeutung sein kann – oder weil wir eine Bedrohung wahrnehmen! In allen Fällen wird die Entscheidung, ob DIESER REIZ vom Sensorischen Register zur weiteren Verarbeitung ins Arbeitsgedächtnis durchgereicht wird VORBEWUSST getroffen. Innerhalb von irgendwo zwischen 150 und 500 Millisekunden weiß unser Hirn, was es damit tun möchte… Lange, bevor wir beginnen, uns bewusst mit diesem Reiz auseinandezusetzen. Funktion, Aufmachung und Content-Struktur der gängigen Social-Media-Apps sind daher darauf ausgelegt, uns in allerkürzester Zeit (man sagt. unter drei Sekunden) zu hooken. Denn andernfalls fällt der Content dem Doomscrolling zum Opfer und wird nicht rezipiert. Antisoziale Medien nutzen also schamlos den, in unseren Brains verdrahteten Sortiermechanismus aus, um uns bei der Stange zu halten. Das funktioniert, weil der Thalamus als wichtige Schaltstelle unserer Wahrnehmung eng mit dem Mesolimbischen System verkoppelt ist, wo unter anderem unsere Emotionen entstehen… insbesondere mit dem Belohnungssystem (Nucleus accumbens) und dem Angstzentrum (Amygdala). Schon mal von Internetsucht und FOMO (Fear Of Missing Out) gehört…? Jetzt wisst ihr, woher das kommt… Und ja, ich weiß, dass diese Darstellung wissenschaftlich betrachtet alles andere als komplett ist. Aber für das Verständnis des Folgenden genügt es vollkommen.

Wenn wir bestimmte Handgriffe trainieren, dann machen wir uns einerseits den Umstand zu Nutze, dass regelmäßige Wiederholung unsere psychomotorische Gedächtnisleistung verbessert. JA… immer wieder Üben hilft! Nicht allen gleich gut, aber es ist dennoch wahr. Andererseits konditionieren wir auch unser Sensorisches Register. Reize, die anfangs noch Stress oder Unbehagen ausgelöst haben, werden mit der Zeit besser erträglich. Denn indem wir uns diesen Stressoren unter kontrollierten Bedingungen aussetzen, verlieren sie nach und nach ihre Schärfe. Das steigert unsere Stressresilienz… Wenn wir nun aber Doomscrollen, dann konditionieren wir unsere Wahrnehmung in Abstimmung mit dem Belohnungssystem. Und zwar dahingehend, dass wir in der Folge immer mehr, immer knalligere Reize brauchen, um überhaupt noch eine Reaktion spüren zu können. Weshalb wir in der Folge immer länger am Gerät bleiben – und unser Sensorisches Register gegenüber jenen Wahrnehmungen abstumpfen, die vielleicht etwas mehr Zeit brauchen, ihre Wirkung zu entfalten. Wir sind dabei übrigens die ganze Zeit aufmerksam; die Aufmerksamkeits-Spanne ist nicht das Problem, sondern vielmehr die Art der Reize, auf die zu reagieren uns noch möglich ist.

Wo das – im letzten Post von mir thematisierte – Re-Framing ein aktives (Selbst)Reflektieren der eigenen Wahrnehmung erfordert, sind wir hier ein Stockwerk tiefer unterwegs. Nämlich in der Sortierstation, die es uns überhaupt erst erlaubt, Dinge wahrzunehmen, deren Beurteilung wir später reflektieren können. Das ist, was ich mit meinem Post “Verwirrt im Park” tatsächlich meinte: sich auch wieder auf Reize einlassenen zu können, die abseits des Üblichen liegen, die nicht SOFORT durch einen Dopaminschub wirksam werden, die zunächst kein Nutzpotential entfalten, sondern die einfach nur da sind und dennoch in uns etwas auslösen, dass – wenn auch erst ein paar Augenblicke später – in uns Wirkung entfaltet. Doch dazu ist eine andere Form von selbst-induzierter Konditionierung notwendig. Nämlich eine, die keine technischen Hilfsmittel braucht, sondern einfach nur den regelmäßigen Gebrauch unserer fünf Sinne…Und nein, ich rede gerade nicht über dieses ultra-nervtötende “Die kleinen Dinge wertschätzen”-Achtsamkeitsratgeber-Trallalla und irgendwelche “Musst-du-so-machen”-Rituale; sondern einfach nur darüber, BEWUSST zu leben. Dass man dabei auch mal die Taschenwanze benutzen darf, wenn man irgendwas wissen will/muss, oder eben mal jemand erreichen will/muss…. Schwamm drüber, geht mir auch so. “What about hapiness?” war die Frage. Wie wäre es mit dem Versuch, mit offenen Sinnen durch die Welt zu gehen, ein bisschen Wandel dahin zu bringen, wo es einem möglich ist und einander zu achten und zu helfen? ICH glaube ja, damit kämen wir alle verdammt viel weiter. Aber was weiß ich schon? C U soon…

Auch als Podcast…

What about… happiness…? (Part 2)

Manche Wahrnehmungen und Erfahrungenen muss man in den richtigen Kontext setzen, um mit ihnen klarkommen zu können. ICH hatte damit in letzter Zeit so meine Probleme, weil eine Vielzahl von Vorwürfen und Problemen auf mich einprasselte, von denen einige durchaus dazu geeignet waren, mein (berufliches) Selbstbild nachhaltig zu beschädigen. Üblicherweise setzen dann Denkprozesse ein; das, was wir so gerne als Selbstreflexion bezeichnen. Und Selbstreflexion ist natürlich wichtig, um sich weiter entwickeln zu können – vor allem aber, um sich selbst in unserer überaus verwirrenden Welt immer wieder neu finden und einordnen zu können. Also, mit anderen Worten, um seine Identität bewahren zu können, die ebenso wie Kultur und Glück kein statisches Ding sondern ein Prozess ist. Und damit immer wieder neu ge- und erfunden werden muss! Nun hatte ich ja gestern über Glück gesprochen. Und war zum Ende des letzten Posts auf das regelmäßig notwenige Re-Framing der individuellen Glückswahrnehmung zu sprechen gekommen. Dem halbwegs aufmerksamen Leser werden nun bereits Parallelen zu einem anderen Thema aufgefallen sein, über welches ich hier – allerdings zumeist im Zusammenhang mit Lehren und Lernen – schon häufiger gesprochen hatte. Das Wort wurde eben auch schon mehrfach gebraucht: Selbstreflexion. “Okay…” könnte die Frage nun lauten “…willst du uns etwa gerade sagen, dass man sich sein Glück herbeireflektieren kann?” Und meine Antwort darauf ist – wie so oft – ein klares JEIN.

Is this ill luck, or just happenstance…?

Gewiss können wir auf verschiedene Kontextfaktoren unseres Lebens nur in begrenztem Umfang Einfluss ausüben. Dieser Tatsache entkommen wir nicht, auch wenn hierzulande immer noch das Märchen von der Meritokratie und dem Aufstieg durch hinreichend gute Leistung erzählt wird. Die Realität ist jedoch, dass es eine unsichtbare Elite gibt, deren Zusammensetzung sich seit dem wilhelminischen Kaiserreich kaum verändert hat. Sei’s drum – DAS ist ein anderer Blogpost. Die Frage, über die nachzudenken sich allerdings wirklich lohnt ist, wie wir unsere Resllienz gegen die – durch die beschriebene Realität unausweichlichen – Herausforderungen an unsere Identität, unseren Selbstwert und auch unser Glücklichsein nachhaltig steigern können. Dass wir die Realität nicht durch Wishful Thinking verändern können (ja Leute, das sogenannte “Manifestieren” ist riesengroßer Humbug) setzen wir einfach mal als gegeben. Dass nicht alle Tage eitel Sonnenschein sein kann, ist dadurch automatisch bedingt. Jetzt kommen wir zu der Frage, ob ich für meine Glückswahrnehmung tatsächlich greifbare Erfolge brauche, oder nicht? Ich hatte im letzten Post geschrieben, dass es der SUBJEKTIVE Umfang unseres Handlungsrepertoires ist, der einen wichtigen Beitrag zum individuellen Glück leistet, indem sich hierdurch ein selbstbestimmtes Leben realisiert. Das wir auch als selbstbestimmt handelnde Individuen in einem sozialen Miteinander nicht einfach tun und lassen können, was uns gerade in den Sinn kommt, ist schon durch unsere Rechtsordnung geklärt. Also gilt es, den Blick auf die individuellen Freiheiten zu lenken, deren Ausgestaltung uns verfügbar bleibt! Man könnte jetzt enttäuscht sagen “Aber ich kann mein Glück nur in absoluter Freiheit finden!” Dann sind wir allerdings beim Libertarismus US-amerikanischer Provenienz (Republikaner). Und damit kann ICH nicht viel anfangen. Womit wir wieder beim Framing angekommen wären.

Framing bedeutet, einen Sachverhalt so neu zu beschreiben, dass andere Aspekte salient werden (also in den Vordergrund der Wahrnehmung treten). Man sollte erwähnen, dass die “dunkle Seite” (übertrieben) des Framings das Priming ist, also das gezielte extrinsische Beeinflussen durch geeignete Stimuli – etwa in der Werbung. Doch wir reden hier nur über selbstinduziertes (Re-)Framing als Technik, sich selbst gezielt für eine andere Sichtweise auf ein und das gleiche Phänomen zu sensibilisieren – nämlich durch Selbstreflexion – um sich so einem Gefühl der Ohnmacht entziehen zu können. Denn nichts killt individuelles Glück schneller als das Gefühl, unsichtbaren Mächten ausgeliefert zu sein. Man kennt diesen Satz “Warum passiert sowas immer nur mir”; wird oft und gerne gesagt, wenn mal wieder irgendetwas schief gelaufen ist. Fun Fact: es gibt eine riesige Menge Menschen, die diesen Satz jeden Tag sagen, weil jeden Tag irgendwem irgendein Mist passiert… noch ein Fun Fact: das ist kein mieses Karma, keine Strafe, keine Prüfung – in den allermeisten Fällen ist es einfach nur… Zufall. Man ist zur falschen Zeit am falschen Ort. Oder die falsche Person für den Job. Oder hat eine schlechte Entscheidung getroffen, die einen jetzt einholt. Oder, oder, oder… da muss man natürlich erst mal drauf klarkommen. Gelingt dies aber, und zwar durch einen Check, ob es irgendetwas gegeben haben könnte, dass ich gegen oder für dieses oder jenes hätte tun können (und falls ja, warum ich es nicht getan habe), so senkt dies das Gefühl des Ausgeliefertseins, der Ohnmacht. Und steigert gleichsam subjektiv das Level der eigenen Selbstbestimmtheit. Und damit die eigene Glückswahrnehmung.

Das funktioniert allerdings nicht immer. Und selbst wenn es funktioniert, ist der Effekt nicht immer der gleiche. Manchmal ist es für mich mehr und manchmal weniger hilfreich. Aber… es ist nach meiner Erfahrung besser, sich auch den unangenehmen Gedanken auszusetzen, welche hierbei entstehen, weil unterdessen die Resilienz gegen solche Anfechtungen steigt. Zugegeben ist das hier kein Rat für alle Menschen. Es ist nur eine Idee, die man mal ausprobieren KÖNNTE – und deren Ergebnisse vermutlich hoch individuell ausfallen würden; weil Glück eben etwas hoch individuelles ist. Und… es ist nur eine weitere Facette. Denn zum Framing gehört die Wahrnehmung. Und über deren Aspekte sprechen wir vielleicht die Tage noch. Einstweilen wünsche ich jedoch erst mal einen schönen Vierten Advent…

Auch als Podcast…

What about… happiness…? (Part 1)

Immer wieder stolpert man über Sozialwissenschaftler, die versuchen individuelles Glück zu vermessen. Oder zumindest nationales Glück. Dabei entstehen solche Rankings wie der “World Hapiness Report”. Und immer wieder wird aus solchen Studien zitiert, wenn es um die Frage der (politischen) Befindlichkeiten der Menschen in einem Land geht. Zum Beispiel in unserem Land. Nun ist das mit solchen Umfragen so ein Ding. Natürlich versucht man mit Statistik-Mojo solche Dinge wie Befrager-Bias, sozial erwartbares Antworten, Relevanz- und Konsistenzfehler, etc. rauszurechnen. Dennoch bleiben solche Befragungen stets eine individuell hoch subjektive Angelegenheit. Denn selbst, wenn die Stichproben mit großer Sorgfalt gezogen werden, habe ich u. U. einen Haufen Bruddler oder Maniker in meinem Survey, die das Ergebnis verfälschen. Quantitative Sozialforschung ist immer mit Vorsicht zu genießen, weil es immer noch genug Leute gibt, die den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation nicht kennen. Aber selbst, wenn wir davon ausgingen, dass alle Daten super sauber erhoben und verarbeitet worden seien – eine einzelne dimensionslose Zahl wie 7,09 von maximal 10 möglichen Punkten, oder der 22. Platz weltweit (Deutschlands Werte im World Hapiness Report für 2025) sagen NICHTS darüber aus, wie es den Menschen wirklich geht. Welche Sorgen sie haben, welche Probleme zu lösen sind und welche Gründe manche haben, um unglücklicher zu sein als andere. Was ist Glück denn überhaupt? Kleiner Hinweis mit Blick auf den entsprechenden Wikipedia-Eintrag (und ich weiß, dass das keine wissenschaftlich zitierfähige Quelle ist, danke der Nachfrage) zeigt auf: es ist kompliziert!

Life ain’t a game – but sometimes you’d wish, to get just a little lucky…

Aus was auch immer individuelles Glück oder Unglück sich von Fall zu Fall ergeben mag, zwei Dinge scheinen ziemlich sicher: Glück ist kein statisches Konstrukt, sondern ein, immer wieder neu auszutarierender Teil unseres Selbst; und damit, so wie der Rest unserer Identität, auch abhängig von extrinsischen Einflüssen. Etwa unseren sozialen Beziehungen. UND es wird vom subjektiven Umfang unseres Handlungsrepertoires entscheidend beeinflusst; also der Frage, inwieweit es uns (durch die Lebensumstände oder andere Personen) gestattet ist, unser Selbst so zu entfalten, wie es uns wohl tut. (Beide Faktoren finden sich übrigens in der Self Determination Theory von Decy und Ryan wieder) Das verweist uns darauf, dass Glück nur individuell konstituiert sein kann! Denn ICH kann doch NICHT ohne Weiteres wissen, wie viel oder wenig soziale Nähe andere Menschen brauchen, welche Aspekte ihrer Persönlichkeit sich u. U. gerade in einem Umbauprozess befinden und woraus sie Ihre subjektive Kompetenz ziehen; also das Gefühl, ihren Scheiß im Griff zu haben. Welcher Scheiß auch immer jetzt gerade gemeint sein mag. Das ist auch der Grund, aus dem ich diese ganzen großkotzigen, nutzlosen Ratgeberbücher zur Persönlichkeitsentwicklung so furchtbar SCHEISSE finde. Woher zum Teufel will dieses autorenartige Geschmeiß denn wissen, welche echten Bedarfe und Bedürfnisse ein Individuum hat, ohne dieses Individdum je kennengelernt zu haben? Und wie kann man sich – diesem Faktum zum Trotze – dazu versteigen, den Leichtgläubigen allgemeingültige Glückskekse als seligmachende Erkenntnis zu verticken? Und ihnen dann auch noch Handlungsweisen aufoktoyieren wollen, die von Fall zu Fall mehr schaden als helfen? Dieser ganze Selfhelp-Humbug gehört verboten, weil er tendenziell MEHR echten therapeutischen Bedarf generiert, als er Menschen tatsächlich hilft. Gleiches gilt übrigens für diese ganzen Möchtegern-Coaches, die völlig unreguliert im Internet auf Bauernfang gehen…

Aber wir sind wieder abgeschweift, nicht wahr. Glück also… hm…? Wie wäre es dann mit Kairos, dem glücklichen Moment? Dem “die Gelegenheit beim Schopfe packen”. Doch der Kairos – wenn wir ihn als günstige Gelegenheit verstehen, etwas zu tun – funktioniert nur in Tateinheit mit Chronos, der Unaufhaltsamkeit des Vergehens alles Vergänglichen; oder, wie ich es meistens nenne, der unüberwindbaren Mauer der nächsten Sekunde. Nehmen wir an, ein Fenster zum Handeln bietet sich, doch wir wissen, dass es sich wieder schließen wird. Handeln wir? Handeln wir instinktiv und hoffen auf das Beste? Handeln wir langsam (sogar zu langsam), weil wir erst alles bedenken wollen? Und würden wir glücklicher gewesen sein, wenn wir jetzt instinktiv gehandelt hätten? Oder doch unglücklicher, weil die Fortune eine grausame Geliebte sein kann, die uns genau im richtigen Moment – nämlich unserem zu erkennen geglaubten Kairos – im Stich lässt? Wie man’s auch dreht und wendet, das Glück packen zu wollen, scheint eine sehr schwierige Angelegenheit, ist das Glück doch offensichtlich ein höchst flüchtiges, schwer zu greifendes Ding. Oder müssen wir einfach nur warten bis es zu uns kommt? Kommt es denn einfach so zu jedem? Braucht man dafür einen Lottoschein – oder einfach nur ein großes Herz und offene Sinne? Genügt es vielleicht, nahe bei jemandem zu bleiben, der offensichtlich glücklich ist, damit etwas davon auf mich abfärbt? Und… wie erkenne ich jemanden der glücklich ist denn überhaupt? Ich meine, so wenig wie wir (gottseidank) LCD-Displays auf der Stirn haben, die anzeigen, was wir gerade denken, so wenig zeigt irgendetwas an, ob wir gerade glücklich sind oder nicht. Und um hier gleich mal mit einem vollkommen idiotischen Gedanken aufzuräumen: Menschen können sehr gleichmütig oder gar glücklich aussehen und innendrin ist trotzdem Dresden, 13.02.1945… ALLES kaputtbombardiert.

Diesen Gedanken nehmen wir alsbald noch einmal auf. Doch zunächst zurück zu Kairos und Chronos; oder besser zu Chronos. Denn wir Menschen empfinden Zeit, sowohl individuell als auch situationsabhängig, höchst unterschiedlich. Und das wirkt auf unser jeweiliges Glück, von dem wir mittlerweile wissen dürften, dass es sich um ein individuell, wie auch zeit- und situationsabhängig höchst unterschiedliches GEFÜHL handelt! Wenn wir uns nun aber darauf einigen können, Glück als ein prozessuales Konstrukt verstehen zu wollen, welches durch verschiedenste Einflüsse seine Intensität und Gestalt WANDELN KANN, bzw. oft WANDELN MUSS, dann bleibt eigentlich doch nur eines übrig – nämlich unser eigenes Framing bezüglich unserer Glückswahrnehmung zu überprüfen. Na ja, ganz so einfach ist es dann doch nicht – und dieses EINZIGE ist überdies weitaus komplexer, als der spröde Begriff “Framing” vermuten lässt. Daher wenden wir uns dem in einem weiteren Post zu. Bis dahin wünsche ich noch einen schönen Rest-Samstag.

Auch als Podcast…

Wonderland – Part 3

Sonntag. Während in der Küche, in einem altmodischen Bräter das Boeuf Burguignon für’s Mittagessen fröhlich simmert, sitze ich vor der matten Scheibe und schreibe. Etwaige Diskussionen um Art und Form der dargereichten Nahrung werde ich weder zur Kenntnis nehmen, noch durch Einstieg würdigen; denn für diejenigen, die (aus welchen Gründen auch immer) kein Fleisch mögen, gibt es eine vegane Alternative. Und fertig ist die Laube! Aber darum soll’s ja auch gar nicht gehen. In den letzten Tagen habe ich mal wieder mit angehenden Praxisanleitenden gearbeitet und wir sind dabei – einmal mehr – dem Thema “Gamification” ein bisschen näher gekommen; und gleichsam wieder zu dem Schluss, dass in jedem von uns ein Spielkind steckt, welches wenigstens gelegentlich mal raus gelassen werden möchte… Es ist ja nun nicht so, dass Ausbildung ein Spiel wäre, auch wenn manche Auszubildende sich gelegentlich gerne so aufführen. Doch einzelne Aspekte dürfen sehr gerne spielerisch ausgeführt sein, um die Motivation nicht vollends zu killen. Doch jedes Mal, wenn ich anderen darüber erzähle, nachdenke, einzelne Methoden selbst im Lehrsaal zur Anwendung bringe, kommt in meinem Hinterkopf die Frage auf, ob ich das jetzt für meine Azubis oder für mich tue. Denn ICH bin ein furchtbares Spielkind. Ich fummele furchtbar gerne an manchen Tech-Spielereien herum und mag Go-Go-Gadgets. Ich liebe außerdem social games, wie etwa TTRPG; und manchmal finden sich Aspekte des Storytellings auch in meiner Lehrsaalarbeit wieder. Allerdings wesentlich seltener, als mir lieb wäre, wenn man bedenkt, dass ich meinen Master darüber geschrieben habe… nun ja. Und schlussendlich ist u.A. es genau dieser Umstand – nämlich dass ich manche meiner schon lange gepflegten Hobbies im Arbeitskontext gewinnbringend einsetzen kann – der mich meinen Job so lieben lässt. Wenn wir nur Benefits messen möchten, ist es wohl für beide Seiten von Gewinn, wenn ich ein wenig spielen darf. Es könnte also öfter auch auf Arbeit Wonderland sein. Wenn ich denn nicht mit manchen Kollegoiden zu tun hätte…

Ich nehme immer wieder wahr, dass es manchen Menschen sehr schwer fällt, mich zu verstehen. Was mich massiv irritiert, denn ich spreche oft genug EXAKT das laut aus, was ich denke und zu tun gedenke. Doch Menschen, die daran gewöhnt sind, hinter allem, was gesagt wird einen Hintergedanken suchen zu müssen – weil sie dummerweise selbst hinter allem, was sie sagen Hintergedanken verstecken – können oft nicht verstehen, dass die Bedienoberfläche des Gegenübers auf Ehrlichkeit basiert. Now, don’t get me wrong… ich kann dieses Spiel auch spielen, wenn’s denn unbedingt sein muss. Aber ich fühle mich dabei nicht wohl und finde ganz grundsätzlich derlei Bigotterie, die ja nur Machtspielchen dient, ermüdend nutzlos und energieverschwendend. DAS ist es, was mich hier manchmal so genervt und vielleicht auch ein Mü verzweifelt klingen lässt. Eventuell ist gerade ein solcher Knoten mal in die andere Richtung geplatzt, was mir Luft zum Atmen verschafft. Und in dieser frischen Luft finde ich tatsächlich neue Zugänge zu spielerischen Spaß. Es ist für mich schon eine Wohltat, an einem Tag wie heute so gut wie nichts zu müssen. Selbst das anfangs erwähnte Kochen – für manch andere ja ihr Broterwerb – ist mir eine Muse. Denn einerseits weiß das Ergebnis zumeist zu erfreuen. Und andereseits muss ich dabei nicht über Hintergedanken sinnieren. Denn die Zutaten wehren sich nicht gegen meine Arbeit. Ich kann mich mit meinen Ideen und manchmal auch Fantasien zurückziehen und mich ganz darauf konzentrieren, Freude in meinem Tun zu finden. Auch das Bloggen, für andere Menschen durchaus auch Arbeit, weil sie damit ihre Brötchen verdienen müssen, ist für mich mehr ein Spiel; die Suche nach der richtigen Mischung zwischen filigraner Eleganz und brachial-frontalen Klatschen für die ganzen dämlichen Nazis, Chauvies, Rassisten, Möchtegern-Leistungsträger und das ganze andere menschoide Netz-Geschmeiß da draußen ist manchmal regelrecht anstrengende Hochleistungs-Wortschnitzerei. Und dennoch liebe ich es! Wenngleich ich mir manchmal viel mehr Interaktion hier auf dieser Seite wünschen würde, weiß der tiefe Grund meines Herzens, dass dieses Abarbeiten an der Welt in wahrgenommener (Klickzahlen) aber nicht unterbrochener (sehr wenige Kommentare) Solitude mir wahrscheinlich besser tut, als dauernde Online-Diskussionen. Gab ja einen Grund, warum ich von Facebook weg bin…

Spielen hat viele Facetten. Ich bin natürlich Pen’n’Paper-Zocker und manchem Videospiel nicht abgeneigt. Aber, wie eben dargestellt sind dies bei weitem nicht die einzigen Aspekte meines Daseins, die ich quasi gamifiziere. Macht mich das weniger erwachsen? Ich würde das anders sehen wollen: ich glaube, dass Menschen, die ihren Spieltrieb mit immer weiter fortschreitendem Alter einzuhegen, zu negieren und zu vergessen versuchen ziemlich arm dran sind. Denn ihnen fehlt ein möglicher Zugang zur Welt, der es erlaubt, auch die ernsten Dinge wenigstens nicht immerzu völlig ernst nehmen zu müssen. Spieltrieb und Humor sind eng miteinander verwandt; und das Humor nunmal ist, wenn man trotzdem lacht, sollte man einfach akzeptieren und so oft wie möglich umsetzen. Schlicht weil es einem hilft, nicht vollkommen durchzudrehen im Angesicht einer immer bekloppter werdenden Welt. ich werde für den Rest des Tages mein Spielkind abfeiern und dadurch hoffentlich morgen früh entspannt in die letzte Arbeitswoche des Jahres starten können. Ich gehe jetzt in mein Wonderland. Euch da draußen wünsche ich übrigens das gleiche – außer ihr gehört zu den dämlichen Nazis, Chauvies, Rassisten, Möchtegern-Leistungsträgern und dem ganzen anderen menschoiden Netz-Geschmeiß. Dann wünsche ich euch die Pest an den Hals und dass ihr in der Hölle rösten mögt! Frohen dritten Advent!

Auch als Podcast…

Wonderland – Part 2

Manchmal, nur manchmal bewahrheitet sich der alte Spruch “Karma ist ein Bumerang, es kommt immer zu dir zurück!” auch mal für andere. Dann ist es an der Zeit, einmal ganz kurz durchzuatmen, den Sieg ein bisschen zu feiern – und dann weiter zu performen. Denn ich bin kein Mensch für Rachefeldzüge. Es genügt mir vollkommen, wenn doch das richtige Argument sich durchsetzt; die Sache ist mir wichtig, nicht das Ego. Im letzten Post konnte man einmal mehr meine Enttäuschung und Frustration über einen eklatanten Mangel an Verständnis für die Sache in manchen Protagonisten heraushören. Und gewiss schmeckte auch meine Bereitschaft durch, hinzuschmeißen und diese Protagonisten mit ihren großen Egos und ihrem geringen Verständnis für so Vieles einfach mit ihrem Gehabe stehen zu lassen. Ich will nicht sagen, dass das Gefühl vollkommen verebbt wäre; aber mit gewisser Genugtuung stelle ich fest, dass ICH derzeit nicht mehr derjenige in diesem Spiel bin, der getrieben wird. Und das ist… ein bisschen geil! Es bleibt natürlich ein Groll zurück, den ich nicht so leicht werde ablegen können; dafür geht manche Verletzung dann doch zu tief. Aber das ist der menschlich Modus. Ich würde es keinen Makel nennen, sondern einfach Natur. Und ich bin, wie ich schon des öfteren bekannt habe, einfach immer wütend – schlicht weil diese Welt einen Menschen mit Gerechtigkeitsempfinden wütend machen MUSS! Allerdings bin ich auch jemand, der gerne nach vorne schaut. Die Vergangenheit mag als Steinbruch für die Gebäude gemeinsamen Lernens und Wachsens dienen. Sie darf jedoch nie zu einem Gefängnis für unsere Kreativität, unsere Ideen und unseren Willen zur Entwicklung werden. Denn auch, wenn wir an der unüberwindlichen Mauer der nächsten Sekunde nicht vorbeikommen können und Kontrolle allzu oft eine Illusion bleibt, ist es ebenso Teil des menschlichen Modus, Bilder im Kopf zu haben, die Wirklichkeit werden sollen. Nennen wir das – in Abwesenheit eines besseren Begriffes – doch einfach mal träumen…

Gerade jetzt träume ich von Entwicklungen, die mein berufliches Leben vielleicht – allen Stürmen zum Trotz – in den nächsten Monaten und Jahren ruhiger werden lassen könnten. Und das stimmt mich durchaus heiterer; ich renne jetzt nicht dauernd mit einem atomar einbetonierten Grinsen rum, aber das Schicksal schmeckt gerade wieder nach Erfolg. Es ist nicht so, dass in der letzten Arbeitswoche des sterbenden Jahres 2025 nicht noch einiges anstünde. Aber einige Projekte, die mir noch vor kurzem Kopfzerbrechen bereitet hatten, sind abgearbeitet und das was kommt, stellt derzeit keine allzu großen intellektuellen oder emotionalen Herausforderungen mehr dar.Gerade stirbt mancher Ärger zusammen mit dem alten Jahr. Und für das Neue werde ich mich wappnen. Doch, es ist schon so, dass ich hier letzthin viel zu viel von der Arbeit gesprochen habe – und meinem sonstigen Leben viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Das Blog ist diesbezüglich übrigens ein Spiegel meiner alltäglichen Realität. Denn wäre mein Heim, mit den lieben Menschen darin nicht ein Ort, an dem ich mich auch mal mit Wonne (und Plätzchen) vor den ganzen Anfechtungen und Herausforderungen verkriechen kann, so weiß ich wirklich nicht, was aus mir unterdessen geworden wäre… Die beste Ehefrau von allen hat zwar so ihr eigenes Bündel zu tragen, aber gemeinsam ist man doch stärker im Angesicht der Stürme. Und wenn dieses “den Stürmen entgegentreten” sich nur in einem schönen Abendessen (anstatt dem Besuch einer betrieblichen Weihnachtsfeier – Grusel…) oder dem Besuch des örtlichen Weihnachtsmarktes konstituiert. Ganz langsam bekomme ich doch ein bisschen Lust auf Weihnachten, auch wenn der Gedanke, dass schon wieder Heiligabend vor der Tür steht, mich ein wenig irritiert. War nicht gerade eben noch August…?

Nun zumindest eine Niederlage muss ich mir zugestehen… das Buch, an dem ich vor etwas weniger als einem Jahr mit soviel Energie zu schreiben begonnen hatte, ist leider noch nicht fertig; obwohl ich mich selbst durch Blogposts hier zu motivieren versucht hatte. Doch auch 2025 wurde dann – wie man hier oft genug lesen konnte – wesentlich stressiger, als ich es mir erhofft hatte. Und mit dem Stress stirbt stets auch die Muse. So muss DASS dann die Hoffnung für den Weihnachtsurlaub sein, der ab Ende der kommenden Woche einsetzt… das schönste Geschenk unter dem Christbaum wäre es, sich wieder von der Muse küssen zu lassen und die Energie nicht nur für den Job ver(sch)wenden. Das wäre eine wunderbare Pforte in mein eigenes Wonderland. Schließlich bin ich nicht mit meinem Job sondern der besten Ehefrau von allen verheiratet und werde nicht von meinem Arbeitgeber, sondern von meinen Lieben in den Arm genommen, wenn es mir mal wieder dreckig geht. Das solltet ihr anderen da draußen auch nicht vergessen. In diesem Sinne schönen Samstagabend… morgen ist Dritte Advent…

Auch als Podcast…

Wonderland – Part 1

Die Tage sind dunkler, das Wetter unangenehmer und die Dinge, die man nun mal tun MUSS anstrengender geworden. Alles und alle steuern auf Weihnachten zu. Manche mit Macht, andere eher gemächlich, manche mit Lust, andere mit Widerwillen, und manche mit einer Idee, wie es hinterher weitergehen wird… und andere nur mit der vagen Gewissheit, dass die Dinge nicht mehr so bleiben können, wie sie sind – weil sie nicht mehr so bleiben dürfen, wie sie sind! Doch der Heilige Abend – als erster Endpunkt des Jahres – der rückt nun auch subjetiv so unaufhaltbar näher, wie einer dieser hässlichen Riesenbagger im Braunkohletagebau; in seinem Lauf unerschütterlich alles zerreissend, was sich ihm in den Weg stellt. So ist die Zeit. Sie nimmt dir, was immer du geben kannst – und gibt nichts zurück außer Erinnerungen. An ein besseres Gestern? An eine wärmere Sonne? An mehr Lametta? Wer kann das schon mit Sicherheit sagen, was in den eigenen Erinnerungen alles schlummert, wenn wir es doch oft genug nicht mal hinkriegen, uns zu merken, was es letzten Dienstag zu essen gab. Oder wem wir dieses verdammte Buch ausgeliehen haben… Diese Idee, dass man sein eigenes Leben zu jedem Zeitpunkt klar und deutlich vor sich sehen kann, ist schon lächerlich genug. Wie sieht es dann erst mit Ereignissen aus, die man mit anderen geteilt hat? So wie in diesen Krimis, wo jeder “Augenzeuge” eine andere Version der Geschichte in seinem Kopf hat, so liegt für manche auf allem ein ominöser Sepia-Filter, der den Bildern eine gewisse Wärme geben soll… und für manch andere ist bei einer Farbtemperatur von maximal 3000° Kelvin Schluss (für diejenigen, die das nicht einordnen können: das ergibt ein eher technisch-kalten Blauton im Bild). Doch egal, ob man sich sein Leben mit dem Weichzeichner hübsch macht oder allein der Gedanke an die letzten Monate einen die glatte Wand hochtreibt – keine*r von uns kann sich vor diesem typischen Jahresend-Reminiszieren verschließen. Weil ein Ende – auch wenn es nur der Anfang eines neuen Dauerlaufes im Scheiß-Spiel des Lebens ist – von uns immer eine abschließende Bewertung erwartet. Also… von mir bekommt 2025 maximal zwei Sterne… und die auch nur für die ca. 8 Wochen des Jahres, in denen ich relativen Frieden hatte – keine Arbeit! Hm… 44 zu 8…? Dann vielleicht doch nur 1,5 Sterne…

Was mich ein wenig aufheitert, sind derzeit zwei Dinge: erstens, dass man manchmal plötzlich wahrhaftige Entspannung verspürt, wenn man eine Entscheidung getroffen hat, die einen schon lang beschäftigte. Und zweitens, dass ich als alter Sack plötzlich eine ganze Auswahl an neuen Optionen sehe… und das ist geil! Dennoch bleibt mehr als genug Ballast, der in Ruhe bedacht werden möchte. Denn all das, was unter der hübschen Tarnung eines typischen Jahresrückblicks dahergeflogen kommt, wird ganz sicher Nachwehen erzeugen; und das nicht nur bei mir. Denn wir Menschen sind ja, durch mehr oder weniger starke und tiefgehende Connections miteinander verbunden. Was einem selbst passiert, passiert damit also automatisch auch noch anderen. Und so, wie unsere Erinnerungen an ein und das Gleiche (Ereignis, Ding, Person, etc. ) manchmal sehr stark divergieren können, gehen natürlich auch unsere Bewertungen dazu oft genug stark auseinander. Wir stehen manchmal in einem Wonderland voller Spaß, Inspiration, Möglichkeiten, Verbundenheit – und manchmal in der Nightmarescape unserer unerfüllten Träume, enttäuschten Hoffnungen, verpassten Chancen und Hoffnungslosigkeit. Denn alles hat ein Ende. Und es wurde uns NIEMALS versprochen, dass es sich dabei um ein Happy End handelt. DAS Märchen verdankt ihr Hollywood. Wir sind also einmal mehr beim Bewerten angekommen. Nun bin ich – in meiner Funktion als Pädagoge – oft genug dazu aufgerufen, Leistungen zu bewerten. Doch es geht hier nicht um Leistung. Es geht um Miteinander, um Ziele und Pfade, diese Ziele zu erreichen – und stets um die Frage, ob man noch auf dem richtigen Pfad ist, oder nicht doch schon längst nur noch irgendwelchen Trugbildern hinterher hechelt, die sich niemals erfüllen werden? Weil andere Menschen nun mal andere Ziele und Erwartungen haben und überdies auch andere Maßstäbe anlegen (wollen)? Schwer zu beantworten, denn wie schon gesagt… wir haben alle unsere eigenen Erinnerungen. Doch auch, wenn ich dem pädagogischen Konstruktivismus (also der Überzeugung, dass Realität und Erfahrung etwas höchst individuelles sind) stets eine Lanze brechen wollen würde… es gibt manche Fakten, die schlicht unwiderlegbar wahr sind – und daher Beachtung finden MÜSSEN! Was sie jedoch derzeit häufig nicht tun. Weshalb ich mit den alternativen Fakten anderer Menschen in meinem Arbeitsumfeld nichts mehr anfangen kann… und auch auch nichts mehr anfangen werde. Soweit es mich betrifft, ist es damit endgültig Zeit für einen echten Rückblick… damit, mittels der zu gewinnenden Erkenntnissen Ende 2026 aus der Nightmarescape zur Abwechslung mal ein Wonderland werden kann… Ich wünsche euch einen schönen Start in die neue Woche…

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